Thema des Tages
10-07-2026 14:20
Wetter aktuell
Trockenheit im Südwesten Deutschlands
Während der Nordosten Deutschlands in den vergangenen beiden Wochen
wiederholt von Schauern und Gewittern profitierte, blieb es im
Südwesten seit rund einer Woche weitgehend trocken. Bereits der
Frühling verlief dort deutlich niederschlagsärmer als üblich. Die
anhaltende Trockenheit hinterlässt inzwischen deutliche Spuren in
Böden, Vegetation und Gewässern.
Der Südwesten Deutschlands erlebt derzeit eine ausgeprägte
Trockenphase. Bereits im Frühjahr sorgten häufige
Hochdruckwetterlagen für ein deutliches Niederschlagsdefizit. Zwar
folgte auf die erste Hitzewelle Ende Mai vorübergehend eine kühlere
und wechselhaftere Witterungsphase mit zahlreichen Schauern und
einzelnen Gewittern, die gefallenen Niederschläge reichten jedoch bei
weitem nicht aus, um das zuvor entstandene Defizit auszugleichen.
Während der anschließenden außergewöhnlich intensiven Hitzewelle Ende
Juni blieb nennenswerter Regen erneut weitgehend aus. Abgesehen von
einzelnen, im Flächenmittel wenig ergiebigen Gewittern fiel kaum
Niederschlag. Gleichzeitig stieg bei Höchsttemperaturen von örtlich
über 40 °C die Verdunstung auf ein sehr hohes Niveau. Mit dem Ende
der Hitzewelle zogen zwar größere Gewitterkomplexe über Teile des
Südwestens hinweg und brachten regional kräftige Regenfälle. Ein
Blick auf die Bodenfeuchte zeigt jedoch, dass das Wasser vielerorts
nur die obersten Bodenschichten erreichte und somit lediglich
vorübergehend für Entlastung sorgte. Die tieferen Bodenschichten
blieben dagegen weiterhin deutlich zu trocken.
Seit einigen Tagen hat sich über Frankreich erneut eine ausgeprägte
Hitzeglocke etabliert. Während der Nordosten Deutschlands unter dem
Einfluss vergleichsweise kühler Meeresluft wiederholt von Schauern
und Gewittern profitierte, blieb es im Südwesten am Rand des
Hochdruckgebietes bislang trocken. Die Kombination aus hohen
Temperaturen, niedriger Luftfeuchtigkeit und zeitweise lebhaftem Wind
ließ die Verdunstung weiter ansteigen und trocknete insbesondere den
Oberboden innerhalb kurzer Zeit erneut deutlich aus.
Ursache der wiederkehrenden Trockenphasen ist die großräumige
Zirkulation über Europa. Seit dem Frühjahr etablierten sich immer
wieder blockierende Hochdruckgebiete über West- und Mitteleuropa.
Diese unterbrechen oder verlagern die für Mitteleuropa typische
West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete, sodass niederschlagsbringende
Frontensysteme häufig nach Norden oder Süden abgelenkt werden.
Zwischenzeitlich gelangten zwar mit westlichen Strömungen etwas
kühlere und feuchtere Luftmassen nach Deutschland, diese gingen
jedoch meist nur mit schauerartigem Regen einher und brachten kaum
flächendeckende, ergiebige Niederschläge. Auch großräumige
Gewitterkomplexe, die im Sommer häufig für eine nachhaltigere
Wasserversorgung sorgen, traten bislang nur selten auf.
Auch wenn die derzeitige Wetterlage durchaus Parallelen zum
Dürresommer 2018 aufweist, ist die Situation nach aktuellem Stand
noch nicht vergleichbar. Dennoch zeigen sich bereits deutliche
Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit. Viele Pflanzen leiden unter
Trockenstress, die Wasserstände zahlreicher Flüsse gehen zurück und
die Waldbrandgefahr ist in weiten Teilen des Südwestens hoch.
Auch in den kommenden Tagen zeichnet sich zunächst keine grundlegende
Änderung der Wetterlage ab. Es ist trocken und im Südwesten auch
hochsommerlich heiß. Erst zum Ende der kommenden Woche deuten die
Wettermodelle auf zunehmenden Tiefdruckeinfluss hin. Damit würde
feuchtere und zunehmend schwüle Luft nach Deutschland gelangen,
wodurch das Potenzial für kräftige Schauer und Gewitter ansteigt. Im
weiteren Verlauf deutet sich aus heutiger Sicht eine Rückkehr zu
einer gemäßigt temperierten Westwetterlage mit zeitweiligen
Niederschlägen an, sodass die Trockenheit ab dann voraussichtlich
gelindert wird.
Dipl. Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.07.2026
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