Thema des Tages

29-06-2026 14:20


Wetter aktuell

Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt



Am vergangenen Wochenende und damit zum Höhepunkt der historischen
Hitzewelle im Juni 2026 kam es in vielen Regionen Deutschlands zu
Waldbränden. Das heutige Thema des Tages gibt einen Überblick über
das Waldbrandrisiko anhand der Wetterentwicklung zum Wochenbeginn, im
Kontext des vom DWD zur Verfügung gestellten Waldbrandgefahrenindex.



Wer in den letzten Tagen Zeitung gelesen oder Nachrichten geschaut
hat, dem dürften die gehäuften Meldungen über Waldbrände in
verschiedenen Regionen der Bundesrepublik aufgefallen sein. So brach
am Samstagnachmittag am Rotenfels bei Bad Münster am Stein-Ebernburg
in Rheinland-Pfalz ein Feuer aus, in einem Gebiet in dem schon
häufiger alte Kampfmittel gefunden wurden - derartige Munition führte
dann auch zu diversen Explosionen in dem vom Waldbrand betroffenen
Gebiet. In der Gohrischheide im Landkreis Meißen an der Landesgrenze
von Sachsen zu Brandenburg breitete sich ebenfalls am
Samstagnachmittag ein Waldbrand aus, auch hier mit erschwerten
Löschbedingungen durch Munitionsbelastung. Weitere Brände gab es
beispielsweise in den Landkreisen Stendal und Harz in Sachsen-Anhalt
sowie in der Oberpfalz.

Ein Blick auf die Deutschland-Karte des Waldbrandgefahrenindex des
DWD zeigt, dass am Sonntag für weite Teile Deutschlands die
zweithöchste Gefahrenstufe bestand, im Osten und Süden Deutschlands
sogar gebietsweise die höchste Warnstufe. Am Samstag hatte sich
bereits ein ähnliches Bild ergeben, was nicht verwundern dürfte, da
wir uns am Wochenende mitten im Höhepunkt der historischen Hitzewelle
befanden. So wurden am Samstag verbreitet Tageshöchsttemperaturen
zwischen 37 und 41 °C gemessen (41,5 °C in Möckern-Drewitz in
Sachsen-Anhalt), erwähnungswürdig niedriger blieb es nur an der Küste
und in Hochlagen, wobei selbst auf Helgoland 30,4 °C und auf dem
Brocken in 1135 m Höhe 29,3 °C gemessen wurden. Etwas niedriger
blieben die Temperaturen ebenfalls im Nordwesten, wo hereinziehende
hohe Bewölkung von Gewittern aus den Niederlanden sowie die teils
schweren Gewitter im Nordosten Deutschlands die Einstrahlung
dämpften. Am Sonntag hatte sich der Hochdruckschwerpunkt des
Hitzedoms noch weiter in den Osten verlagert, der Tageshöchstwert von
41,7 °C wurde in Neißemünde-Coschen an der polnischen Grenze
gemessen, während im Nordwesten niedrigere Temperaturen um 32 °C dazu
beitrugen, dass hier verbreitet nur die Waldbrand-Gefahrenstufe 3
(mittlere Gefahr) herrschte. Ein weiterer Faktor für Letzteres war
die Verteilung der Luftfeuchtigkeit. So wurden in besagter Region
insbesondere am Samstag nicht nur die höchsten Taupunkte als
absolutes Feuchtigkeitsmaß gemessen, sondern es herrschte auch
aufgrund der weniger heißen Temperaturen die höchste relative
Luftfeuchte. Hinzu kam insbesondere im Norden noch der gefallene
Niederschlag aus der Schwergewitterlage in der Nacht vom Samstag auf
den Sonntag. Hier sei erwähnt, dass mitunter eben jene hohe
Luftfeuchtigkeit am Sonntag dazu beitrug, dass auch im Nordwesten,
trotz der vergleichsweise niedrigen Temperaturen, verbreitet vor sehr
starker Wärmebelastung gewarnt wurde.

Die Berechnung des Waldbrandgefahrenindex (WBI), welcher fortlaufend
weiterentwickelt wird, ist komplexer als die einheitliche Abschätzung
über Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag. Eine einfließende
Größe ist zum Beispiel das Gewicht der brennbaren Biomasse, welche
abhängt von der Feuchte der Schicht aus Blatt- und Nadelresten am
Waldboden, der Bodenfeuchte in Abhängigkeit von der Wald- und
Bodenart und dem Blattflächenindex als Maß dafür wie dicht die
Vegetation mit Blättern bedeckt ist. Über diese Größen wird eine
Bilanz für die dreidimensionale Verteilung von Wasser und Ein- und
Ausstrahlung errechnet, quasi ein Mikroklima des Waldes. Des Weiteren
wird die Laufgeschwindigkeit einer potenziellen Feuerfront mit
einbezogen, wobei die Windgeschwindigkeit maßgeblich mit einfließt.
Letzten Endes wird der WBI anhand von stündlichen Messwerten von
Temperatur, relativer Feuchte, Windgeschwindigkeit, Niederschlagsrate
sowie der lang- und kurzwelligen Strahlung berechnet. Die Karten und
Tabellen auf dem DWD Portal werden dann als maximale Gefahrenstufe
für den jeweiligen Tag herausgegeben, welche generell aufgrund des
Tagesgangs von Temperatur und relativer Feuchte am Nachmittag zu
erwarten ist.

Der Blick auf die Verteilung des Waldbrandgefahrenindex als
Vorhersage ausgehend vom gestrigen Sonntag zeigt eindrücklich, dass
mit dem heutigen Montag das Ende der Hitzewelle eingeläutet wurde und
dass wechselhafteres Wetter bevorsteht. Die am heutigen Montag
erwarteten Maximaltemperaturen liegen verbreitet zwischen 25 und 28
Grad, an der Küste darunter, nur im äußersten Südosten wird bei
Temperaturen über 30 Grad weiterhin vor starker Wärmebelastung
gewarnt. Da trotz der vergleichsweise niedrigen Temperaturen
weiterhin sehr viel Wasser in der Luft enthalten ist, liegt die
relative Feuchte recht hoch, was für das schwülwarme Wetterempfinden
verantwortlich ist - insbesondere in Gewitternähe. Stichwort
Gewitter: Ein weiterer Faktor für das verbreitete Herunterstufen des
Waldbrandgefahrenindex - vor allem im Süden und Osten von der
höchsten auf die niedrigste Warnstufe - sind die bereits gefallenen
und noch erwarteten Niederschläge in den kommenden Tagen. In der
vergangenen Nacht und am heutigen Montag sind in einem breiten
Streifen quer über Deutschland verbreitet zwischen 5 und 20 mm
zusammengekommen, teils auch deutlich darüber - entsprechend der
andauernden Schwergewitterlage. Außen vor sind dabei bisher noch der
Nordwesten sowie der äußerste Osten und Südosten, was sich auch im
Waldbrandgefahrenindex abbildet. Am Dienstag und Mittwoch werden im
Westen die höchsten Temperaturen erwartet - vom Oberrhein bis nach
Rheinland-Pfalz und Südhessen teils über 30 Grad. Außerdem steht im
Westen kaum Niederschlag an. Im Süden und Osten hingegen werden ab
Dienstagabend erneut schwere Gewitter erwartet, die sich im Verlauf
der Nacht voraussichtlich zu größeren Gewitter-Clustern
zusammenschließen und potenziell mit extrem heftigem Starkregen über
40 mm in kurzer Zeit aufwarten. Auch der Mittwoch gestaltet sich
insbesondere in der Südhälfte der Republik äußerst wechselhaft mit
verbreitet auftretenden Gewittern sowie Dauerregen vor allem im
Alpenvorland. Und am Donnerstag geht es wechselhaft weiter, wenn die
Kaltfront eines Tiefs über der Nordsee Deutschland überquert. Soweit
dieser Rück- und Ausblick auf den Zusammenhang zwischen Wetter und
Waldbrandrisiko.


Dipl.-Met. Thorsten Kaluza

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.06.2026

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