DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

21-06-2026 11:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 21.06.2026 um 10.30 UTC



Bis fast zum Monatswechsel anhaltende und sich weiter verschärfende Hitzewelle
mit hohem "impact". Zum Wochenende zunehmende Gewitterneigung, lokal mit
Unwetterpotenzial.
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Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 28.06.2026


Auch diese Mittelfrist steht die anhaltende Hitzewelle mit großem "impact"
weiterhin im Fokus. Zu deren Entstehung und Eigendynamik wurde ja letzte Woche
genug geschrieben, sodass nach einem kurzen Überblick zügig in die uns
betreffende Mittelfrist eingestiegen werden kann.

Der bis dato vorherrschende, zonale Energietransfers vom Nordpazifik über
Nordamerika und nachfolgend in die Antizyklone über Südwesteuropa konvergierend
dauert noch weiter an, wenngleich es mittlerweile zu einer Amplifizierung dank
eines kräftigen Troges über Kanada/dem Nordosten der USA kam. Interessant ist,
dass ein Großteil dieser Energie nicht Richtung Grönland, sondern in Richtung
subtropischer Nordatlantik transferiert wurde, sodass sich in diesen Bereichen
das Geopotenzial weiter stärken konnte. Diese Entwicklung wiederum könnte für
unsere Mittelfrist von Interesse sein, denn mit dem allgemein nahe am
monatlichen Rekord analysierten Geopotenzial in 500 hPa über dem subtropischen
Nordatlantik ist der Grundstein gelegt, dass sich über dem Nordatlantik ggf.
anormal kräftige Antizyklonen aufbauen können, was die Frontalzone etwas
"pushen" würde, was wiederum in der leicht positiv tendierenden NAO Vorhersage
auszumachen ist. Gleichzeitig würde die wiederholte Regeneration der negativen
Geopotenzialanomalie vor der Biskaya/Portugal vorübergehend unterbunden werden,
was grundsätzlich den Beginn einer Schwächephase unserer Blockierungslage
darstellen würde. Allerdings wird entscheidend sein, wie weit westlich diese
Antizyklone über dem Nordatlantik ansetzt, da bei einer westlichen Platzierung
erneut tiefes Geopotenzial vor Westeuropa die Folge wäre. Diese Entwicklung
würde zum Beginn der erweiterten Mittelfrist (Anfang nächste Woche) greifen.

Es spielt aber nicht nur der dynamische, sondern auch der thermodynamische
Antrieb eine Rolle. Zum Beginn dieser Mittelfrist hat sich über Westeuropa ein
barotrop strukturierter und mit tropischen Luftmassen gespeister Keil mit
negative PV-Werte auf der 320 K isentropen Fläche etabliert, mit für diese
Jahreszeit teils rekordverdächtigen Werten beim Geopotenzial in 500 hPa.
Wenngleich eine geringe Ostverschiebung der Rossbywellen (v.a. mit Auffüllen des
Troges vor der Biskaya) zu erwarten ist, so verbleibt diese Luftmasse wohl in
der Folge über Süd-/Osteuropa und kann dort die Blockierung ggf. jederzeit
erneut in Gang setzen. Sprich, die von Westen einsetzenden Wellenflüsse können
je nach Ausrichtung und Intensität den Abbau des Keils mit Blick auf die
erweiterte Mittelfrist verzögern bzw. stark abschwächen, sodass die
Unsicherheiten noch sehr groß sind, wie nachhaltig die blockierende Antizyklone
bei uns zum kommenden Wochenende abgebaut wird. Sollte sich das Geopotenzial
über dem Nordatlantik aber stärker anpassen (Geopotenzialanstieg), dann wäre die
Option für einen nachhaltigeren Witterungswechsel gegeben.

Die Hintergrundbedingungen sehen derweilen immer noch sehr förderlich für
quasi-stationäre, teils auch retrograd verlagernde Rossbywellen aus, dank einer
beim IFS-ENS hinterlegten sehr geringen zonalen Windgeschwindigkeit (gemittelt
bei 60 Grad Nord für 150 hPa), was bei der NASA auch mit deutlich unter dem
Median vorhergesagten Windgeschwindigkeiten gezeigt wird. Zugleich verbleibt die
NAM negativ mit sehr kräftigen, positiven Anomalien des Geopotentials innerhalb
der Troposphäre und unteren Stratosphäre.
Auch beim Zeit-Längendiagramm des 500 hPa Geopotenzials (IFS-ENS) ergibt sich
vorerst nur eine schwache Energiezufuhr von Westen. Erst zum Monatswechsel
deuten IFS und auch NCEP mit einer positiven PNA (Pazifik-Nordamerikamuster) das
Potenzial für einen kräftigeren Rossbywellenzug an, der uns Anfang Juli
erreichen könnte - dann wird es spannend sein, wo aus diesem Wellenzug eine
mögliche kräftige Antizyklone über dem Nordatlantik aufgespannt wird (je
westlicher, umso eher mit erneut absinkendem Geopotenzial vor Westeuropa). Stand
heue im IFS 00Z wäre die Platzierung über den Azoren zu verorten, was uns zum
Ende des Monats erst einmal aus der Hitzewelle drücken würde.


Was erwartet uns nun aber während der AKTUELLEN MITTELFRIST, die sich vom
Mittwoch, den 24. Juni bis Sonntag, den 28. Juni 2026 erstreckt?

Die am letzten Donnerstag in der Mittelfrist angedeutete extreme Hitze für den
Dienstag und Mittwoch für den Südwesten der Republik wurde dank einer etwas
westlicher ansetzenden Advektion der tropischen Luftmassen stromab eines
kräftigeren Langwellentroges mehr nach Frankreich/Nordwesteuropa verschoben.
Diese Hitze betrifft uns nun dafür aber dank der geringen Ostverschiebung der
Rossbywellenzuges während dieser Mittelfrist.

Am Mittwoch liegen wir noch am östlichen Rand des Keils, wobei der
Bodenhochdruckschwerpunkt allmählich weiter nach Osten driftet. In der Folge
nistet sich dann von Donnerstag bis Sonntag dieser hochreichend mit tropischen
Luftmassen gefüllte Keil direkt über Mitteleuropa ein. Einzig den
Westen/Nordwesten tangieren zum Ende der Mittelfrist zeitweise Fronten in
abgeschwächter Form.

Diese Entwicklung hat für Mittwoch bis Freitag meist freundliches oder sonniges
Wetter zur Folge, mit einer Gewitterneigung, die erst zum Freitag von Westen
etwas ansteigt und am Wochenende auf ganz Deutschland übergreift. Wie stark die
Gewitterneigung ausfällt, hängt aber von der Intensität der Front und der
Geometrie des Keils ab. In Verbindung mit Gewittern besteht lokal Unwettergefahr
durch Hagel und Starkregen sowie das Potenzial teils schwerer Sturmböen (sehr
gut durchmische Grenzschicht).

Das größte Thema ist und bleibt aber die Hitze, die sich die Mittelfrist über
weiter steigert. Während die Maxima im Norden mit 27 bis 33 Grad in einem
hochsommerlich warmen bis heißen (bei Taupunkten meist über 15 Grad aber auch
drückend schwülen) Niveau verharren, wird es sonst mit 33 bis 39 Grad extrem
heiß. Hier und da kann man auch die 40 oder 41 Grad nicht ausschließen, was aber
stark von der dann vorherrschenden thermischen Schichtung, den sich immer weiter
aufheizenden/abtrocknenden Bodenflächen, der Durchmischung und Einstrahlung
abhängt. Inwieweit es am kommenden Wochenende im Nordwesten etwas weniger heiß
(dafür umso schwüler) wird, hängt maßgeblich von der Gewitterneigung ab.
Küstennah bleibt es bei auflandigem Wind deutlich kühler und am
Mittwoch/Donnerstag reicht es im äußersten Norden/Nordosten noch nicht für das
Überschreiten der 30 Grad-Marke.
Der Staubanteil nimmt zwar weiter zu, allerdings sollte sich dessen
wolkenbildende Aktivität mehr auf den direkten Einflussbereich des warmen
Förderbandes und dessen Interaktion mit einer über Nordwesteuropa verbleibenden
TPW-Anomalie (gesamtes ausfällbares Wasser) von mehr als 200% zur
Hintergrundklimatologie beschränken, was die Biskaya und Nordwesteuropa
betreffen würde.

Trockenheit und Waldbrandgefahr nehmen während der Mittelfrist weiter zu.

Für die erweiterte Mittelfrist würde sich Stand heute von Westen eine
deutlichere und nachhaltige Abkühlung andeuten. Die Folge wären Maxima von 26
bis 32 Grad, bei einer sich weiter intensivierenden Gewitterneigung.

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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die jüngsten Modellläufe von EZ heben eine recht gut vorhergesagte Mittelfrist
hervor. Kein Wunder, dominiert doch beinahe durchweg eine kräftige Antizyklone
über West- und in der Folge dann auch über Mitteleuropa. Geringe Diskrepanzen
ergeben sich nur, wie zügig ein Trog über Nordwesteuropa nach Osten in Richtung
Mitteleuropa vorankommt.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Auch beim Vergleich mit den weiteren internationalen Modellen ergibt sich ein
sehr homogenes Bild mit einer blockierenden Antizyklone über Westeuropa, die
sukzessive ostwärts nach Mitteleuropa wandert.

Es fällt auf, dass in der erweiterten Mittelfrist die AI-Modelle die östlichere
Variante der Antizyklone über dem Nordatlantik favorisieren, was uns in
gemäßigtere Atlantikluft bringen würde.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusteranalyse beginnt mit zwei Clustern und dem klimatologischen Regime der
Blockierung. Über Nordwest- und Mitteleuropa sitzt ein solider Keil, der unser
Wetter mit einer sommerlich heißen und trockenen Witterung beeinflusst.

In der Folge (Donnerstag bis Samstag) zeigen vier Cluster durchweg eine
Blockierung mit dem Kontrolllauf im ersten Cluster. Deutschland liegt mittig
unter der blockierenden Antizyklone und gelangt zunehmend auf die sehr heiße
Westflanke.

Im Übergangsbereich zur erweiterten Mittelfrist schwächt sich die blockierende
Antizyklone nur sehr zögernd ab, bevor Anfang Juli bei zwei Clustern eine
durchgreifende Abschwächung der Antizyklone auszumachen ist. Bei steigendem
Geopotenzial westlich/nordwestlich von uns würden wir tendenziell in eine
südwestlich bis westlich Strömung gelangen. Die Unsicherheiten mit Blick auf den
Abbau dieser Antizyklone sind zum Monatswechsel aber noch als groß zu
bezeichnen.

Bei den Meteogrammen in Deutschland ist ein stetiger Temperaturanstieg
auszumachen, mit einem Höhepunkt am kommenden Wochenende, wo wir vielerorts
Medianwerte um 38 oder 39 Grad im Ensemble entdecken. Dabei geht die zunehmende
Hitze erst trocken und zum kommenden Wochenende mit steigendem Gewitterrisiko
einher. In der erweiterten Mittelfrist geht der Kontrolllauf dramatisch bis
unter den jeweiligen Interdezilbereich zurück, was entweder darauf hindeutet,
dass das ENS die dynamische Komponente unterschätzt, oder dass der Kontrolllauf
die Stabilität der Antizyklone unterschätzt.

Die bis zum kommenden Wochenende eng gebündelten Rauchfahnen zeigen hohes
Geopotenzial und 850 hPa Werte, die zum kommenden Wochenende zwischen 20 und 24
Grad, im Süden vielleicht auch mal bei rund 25 Grad verweilen. In der
erweiterten Mittelfrist nimmt die Streuung der Member rasch zu und auch hier
fällt auf, dass der Kontrolllauf rasch in den unteren Bereich der Memberschar
zurückgeht.

Beim GEFS dauert die Hitzewelle bis zum Ende der Mittelfrist mit einer eng
verlaufenden Memberschar mit hoher Gewissheit weiter an, bevor in der Folge bei
rasch zunehmender Streuung der Member mit einer (temporären?) Abkühlung
gerechnet werden kann. Die Meteogramme heben mit einem zunehmenden Sinusverlauf
ein progressiveres Keil-/Trogmuster hervor, allerdings mit tieferem Geopotenzial
vor Westeuropa und somit anhaltender Zufuhr schwül-warmer Luftmassen in den
jeweils aufgespannten Warmsektor der passierenden Tiefdruckgebiete
(gewitterträchtig).

Es verwundert nicht bei der unterschiedlichen Handhabe der Antizyklone über dem
Nordatlantik (NCEP westlicher als IFS-ENS), dass die EZ Member Anfang Juli
deutlich kühlere Werte aufweisen als die von NCEP. Hier ist noch mit weiteren
Anpassungen zu rechnen, je nachdem, wo genau sich die Antizyklone aufbauen wird.

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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Die HITZE intensiviert sich die Mittelfrist über von Westen, was auch beim EFI
"Temperatur" durch eine Zunahme der Anomalien und SOT-Werte abgebildet wird.
Dasselbe gilt für die Minima. Bei teils rekordverdächtigen Geopotenzialwerten in
500 hPa für Juni und einer tagtäglich zunehmenden Schichtdicke hat das bei
Temperaturwerten in 850 hPa von zunehmend über 20 Grad sowie beim aktuellen
Sonnenhöchsttand eine teils extreme Hitze zur Folge. Innerhalb der subsaisonalen
Vorhersage steigen die wöchentlichen Anomalien der 2m Temperatur in weiten
Bereichen Frankreichs und lokal bis in den äußersten Westen Deutschlands
reichend teils auf über 10 Kelvin an, was als extrem eingestuft werden darf.

Von Mittwoch bis Freitag breiten sich Maxima jenseits der 35 Grad sukzessive von
Südwesten auf ganz Deutschland aus, sodass wir von Freitag bis Sonntag fast
deutschlandweit Tageshöchstwerte zwischen 33 und 39 Grad aushalten müssen. Den
Oberrhein entlang bedeutet das z.B. Höchstwerte, die während der gesamten
Mittelfrist über 35 Grad verweilen. Im Zusammenspiel mit weiterer Abtrocknung
und meist windschwachen Verhältnissen sind ab Freitag lokal Maxima um 40 Grad
nicht ausgeschlossen. Stand heute kann im Verlauf des Wochenendes im Nordwesten
eine allmähliche Abkühlung nicht ausgeschlossen werden. Wie schnell die
Abkühlung ostwärts vorankommt ist noch unsicher. Küstennah bleibt es bei
auflandigem Wind deutlich kühler und am Mittwoch/Donnerstag sind im äußersten
Norden/Nordosten noch Maxima von unter 30 Grad zu erwarten, bevor sich die heiße
Luft auch dahin ausbreitet.

Unter dem Strich wird diese Mittelfrist von einer meist hohen bis sehr hohen
Wärmebelastung geprägt, was auch durch nächtliche Minima zwischen 24 und 16 Grad
gesteigert wird.

GEWITTER sind ab Freitag im Westen und in der Folge deutschlandweit regional ein
Thema, wobei deren Verbreitung noch unsicher ist. In Verbindung mit allmählich
zunehmender Dynamik und hohen CAPE-Werten besteht dabei lokal/regional
Unwettergefahr durch Hagel, Starkregen und (vom impact her) auch durch teils
schwere Sturmböen. Eine überregionale Unwetterlage ist, Stand heute, (noch?)
nicht auszumachen.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, GEFS und angepasst das MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy