DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

11-06-2026 17:01
SXEU31 DWAV 111800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 11.06.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Wechselhaft mit Regenfällen, am östlichen Alpenrand am Freitag Dauerregen
möglich. Am Samstag windig.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
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Aktuell ... besucht uns pünktlich zum Start der Endrunde der 23. Fußball
Weltmeisterschaft in Mexiko, USA und Kanada von Westen her eine Warmfront mit
Regenfällen, sodass es erst einmal nicht nach einem neuen Sommermärchen riecht,
sondern eher nach Petrichor.
Dabei schwenkt hinter einem aktuell nach Osten abziehenden Langwellentrog von
der Biskaya kommend ein flacher Rücken Richtung Nordsee, der das Wetter
eigentlich stabilisieren sollte. Ein Problem ist allerdings, dass der Rücken von
kräftiger WLA überlaufen wird, womit Aufgleitprozesse Wolkenbildung und
Niederschläge begünstigen.
Die Warmfront wiederum gehört zum Tief SABINA mit Zentrum südwestlich von
Island. Das Tief ist an einen weiteren Trog, der ins Seegebiet zwischen Island
und den Britischen Inseln zieht, gekoppelt. Alle Höhengebilde zeigen eine
progressive Verlagerung, womit die aktuell den Westen erreichende Warmfront im
Nachtverlauf bis auf eine Linie Deutsche Bucht - Sauerland - Schwarzwald
vorankommt. Gleichwohl sind durch die WLA schon präfrontal erste Regenfälle
möglich. Die Regenmengen betragen in der Fläche 0,5 und 15, in Staulagen örtlich
um 20 l/qm in 12 Stunden bis Freitagmorgen.
Trocken bleibt es bis zum Morgen nach letzten Schauern und Gewittern am Abend
noch zwischen der Ostsee und der Lausitz.
Der Wind weht schwach bis mäßig aus Südwest, im Nachtverlauf dreht er auf Süd.
Mit Annäherung der Front und leicht zunehmendem Gradienten treten in höheren
Lagen steife Böen um 55 km/h (Bft 7), exponiert stürmische Böen um 65 km/h (Bft
8) auf.
Die Temperaturen sinken auf 14 bis 9 Grad in der Westhälfte und auf 12 bsi 7
Grad sonst.

Freitag ... wandert der Rücken unter Abflachung in den Nordosten von
Deutschland. Der neue Trog zwischen Island und den Britischen Inseln steuert
derweil das südliche Nordmeer an und verbindet sich dort mit dem Langwellentrog,
dessen südlicher Teil tags zuvor Deutschland überquert hat. Bodentief SABINA
wird dabei mit ins Nordmeer geführt und die okkludierende Warmfront erreicht
abends die Ostgrenze Deutschlands. Die Kaltfront dringt von Nordwesten ebenfalls
nach Deutschland vor, wird aber in der nordwestlichen Strömung zunehmend
strömungsparallel bzw. geht über in die Warmfront eines weiteren Tiefs mit
Zentrum über den Britischen Inseln.
Dabei schwächen sich die Niederschläge über dem Osten Deutschlands im Bereich
der Okklusion bei nachlassender WLA ab, mehr als 0 bis 3 l/qm kommen nicht
zusammen. Zwar wird postfrontal im Norden ein wenig CAPE aufgebaut, die
Labilität ist allerdings nur sehr schwach ausgeprägt und reicht nur bis etwa 700
hPa. Damit entwickeln sich zwar Schauer, Gewitter sollten aber die große
Ausnahme bleiben, zumal auch die sonst schnell auf Gewitter reagierende
Wetterinterpretation von ICON-D2 Nix andeutet.
Nach Süden hin gibt es bei etwas stärkerer WLA an der Warmfront mehr Regen mit
Mengen von 0,5 bis 15, direkt am Alpenrand im Stau von 15 bis 25 l/qm in 12
Stunden. Im Westen und Nordwesten schwächt sich der Regen im Bereich der
Kaltfront zunächst ebenfalls ab, um sich mit der neuen Warmfront des Tiefs bei
den Britischen Inseln nachmittags wieder zu verstärken. Zwischen dem Emsland,
Niederrhein und der Mitte Deutschlands fallen dann 0,5 bis 8, in Staulagen um 15
l/qm bis zum Abend.
Im äußersten Westen und Südwesten könnte es am Nachmittag bei leicht
ansteigendem Druck in der Nähe zum Hoch FALK über Frankreich auch trocken
bleiben und die Wolken hier und da auflockern, aber nicht alle Modelle sehen das
so.
Der Wind frischt gebietsweise auf und weht häufig mäßig aus Südwest bis Süd,
nachmittags im Westen teils aus West. In höheren Lagen treten steife Böen Bft 7,
exponiert stürmische Böen Bft 8 (Harz, Schwarzwald) auf. Ebenso sind an der
Nordsee nachmittags steife Böen zu erwarten.
Die Temperaturen steigen auf 15 Grad im Regen im Südosten bis 23 Grad am
Oberrhein.

In der Nacht zum Samstag weitet sich der Trog vom Nordmeer in die nördliche
Nordsee aus. SABINA wird fast quasistationär, bekommt jedoch einen Ableger über
Südnorwegen. Das kleine Tief über den Britischen Inseln zieht derweil in die
Nordsee Richtung Dänemark, wird aber in den Karten nur noch diffus angedeutet.
Im Zuge dieser Entwicklungen ziehen Okklusion und Warmfront von SABINA zwar
langsam ostwärts ab, werden allerdings mehr und mehr von der Warmfrontwelle des
in die Nordsee laufenden kleinen Tiefs eingeholt. Damit fällt zunächst vor allem
vom Nordwesten bis in den Südosten, in der zweiten Nachthälfte vornehmlich über
dem Nord- und Südosten gebietsweise Regen. Die Regenmengen liegen bei 0,5 bis
10, am östlichen Alpenrand bei 10 bis 20 l/qm in 12 Stunden. Da es aber auch
tagsüber bereits regnet, ist eher ein längerer Zeitraum mit Dauerregen innerhalb
von 18 bis 24 Stunden relevant. Für mehr als 30 l/qm in 24 Stunden werden am
östlichen Alpenrand von den Ensembles Wahrscheinlichkeiten bis zu 60 %
ausgegeben. Im DMO werden Mengen von 20 bis 40 l/qm in 24 Stunden avisiert, der
neueste ICON13-Lauf von 12 UTC hat die Mengen jedoch erneut zurückgerechnet und
liegt nun sogar unter den Warnschwellen.
Im Südwesten weitet sich dagegen der Einfluss von Hoch FALK langsam etwas weiter
aus und es bleibt größtenteils trocken.
Der Wind weht schwach bis mäßig aus Südwest, an der Nordsee und auf den Bergen
weiterhin mit steifen Böen Bft 7. Auf exponierten Berggipfeln sind weiterhin
stürmische Böen Bft 8 dabei.
Die Tiefsttemperaturen liegen zwischen 16 und 10 Grad.

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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC

Samstag ... hat das Modell im Vergleich zur Frühübersicht keine neuen Ideen. So
gibt es im Nordosten Schauer und einzelne Gewitter, dazu wird es fast überall
windig mit gebietsweise steifen, hier und da auch stürmischen Böen. An der
Nordsee und auf den Bergen ist mit stürmischen Böen oder Sturmböen zu rechnen.


Modellvergleich und -einschätzung
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Im Grundtenor sind die Modelle ähnlich. Im Detail gibt es kleine, aber feinde
Unterschiede, etwa bei den im obigen Text bereits erwähnten Niederschlägen im
Südwesten am Freitag. Beim Dauerregen am östlichen Alpenrand am Freitag sind die
Signale von der deutschen Modellkette etwas stärker als von EZMW oder GFS,
bleiben aber im neuesten 12 UC-Lauf meist auch unterhalb der Warnschwellen.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler