DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
11-06-2026 10:30
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 11.06.2026 um 10.30 UTC
Sonntag an der Küste zeitweise stürmisch, im Norden einzelne Gewitter, ab
Mittwoch im Süden heiß, zum Ende der Mittelfrist teils käftige Gewitter.
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Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 18.06.2026
Der Zeitraum für die heutige Mittelfristvorhersage beginnt am kommenden Sonntag,
dem 14. Juni. Dabei liegt ein hochreichendes Tief über Nordeuropa, das sich in
der Höhe bis ins Europäische Nordmeer erstreckt. Über dem Nordatlantik findet
sich ein weiteres hochreichendes Tief. Dazwischen erstreckt sich von Marokko
über die Iberische Halbinsel und Großbritannien bis nach Grönland ein
Höhenrücken. Gleichzeitig liegt über Nordwestrussland ein Hoch, das die
Druckgebilde am weiteren Vorankommen hindert.
Deutschland befindet sich in einer nordwestlichen Strömung, mit der bereits in
den vorangegangenen Tagen kühlere Luft eingeflossen ist. Die Temperaturen in 850
hPa bewegen sich meist im einstelligen Bereich. Ein von der Nordsee auf
Norddeutschland übergreifendes Randtief sorgt in der Nordhälfte für
wechselhaftes Wetter mit Schauern und einzelnen Gewittern, in der Nordosthälfte
muss mit starken, teils stürmischen Böen gerechnet werden.
Am Montag überquert das Randtief die Nordosthälfte Deutschlands. Gleichzeitig
wölbt sich der Höhenrücken von Westen her bis nach Deutschland auf. Auch am
Boden verlagert sich die Hochdruckbrücke ostwärts, sodass einer der Schwerpunkte
über dem Südwesten Deutschland liegt. Dabei dreht die Strömung auf westliche
Richtungen, sodass die 850 hPa-Temperatur wieder höhere einstellige Werte
annimmt, im äußersten Westen und Südwesten zeigt sich die 10-Grad-Isotherme.
Tagsüber muss im Nordosten nochmals mit Windböen, an der Küste bei auflandigem
Wind auch mit stürmischen Böen gerechnet werden, bevor der Wind in der Nacht zum
Dienstag schließlich nachlässt.
Am Dienstag befindet sich über Finnland und Westrussland weiterhin das
hochreichende Tief. Das Tief über dem Nordatlantik nähert sich der Region
zwischen Island und Irland an. Von Nordafrika erstreckt sich weiterhin ein
breiter Höhenrücken nordwärts und reicht mit seiner Achse über Benelux bis nach
Südnorwegen.
In Deutschland dreht die Strömung allmählich auf West-Südwest, sodass wärmere
Luft (T850hPa zwischen 10 und 17 Grad Celsius) advehiert werden kann.
Gleichzeitig weist die Strömung über uns im aktuellen IFS-Lauf einen
kurzwelligen Anteil auf, der zumindest für ein paar Quellwolken und den einen
oder anderen Schauer, vielleicht auch für ein einzelnes Gewitter sorgen könnte.
Am Mittwoch liegt das hochreichende Atlantiktief dann zwischen Island und
Schottland, der Höhenrücken verlagert seine Achse nach Westdeutschland und
reicht bis Norwegen. Dennoch sorgt die Advektion feucht-warmer Luft insbesondere
in der Nordhälfte für zeitweise Wolkenfelder und ein gewisses Schauer- und
Gewitterpotenzial. Die 850 hPa-Temperatur liegt im Norden nur knapp über 10
Grad, steigt jedoch im Süden auf Werte nahe 20 Grad an. Damit steigt die
Lufttemperatur am Boden im Südwesten voraussichtlich auf Werte über 30 Grad an.
Am Donnerstag erstreckt sich die Achse des Höhenrückens über Ost-Deutschland und
Polen zum Bottnischen Meerbusen. Das Atlantiktief verlagert seinen Kern nur
geringfügig ostwärts und befindet sich weiterhin zwischen Island und Schottland.
Deutschland gelangt damit zunehmend auf die Vorderseite des Tiefs. Dabei fließt
bei uns mit südwestlicher Strömung sehr warme bis heiße, über West- und
Nordwestdeutschland auch feuchte Subtropikluft ein (T850hPa 16 bis 22 Grad
Celsius). Im Vorfeld einer Kaltfront, die zunächst noch über der Nordsee
verbleibt, kann sich im Tagesverlauf mit Sonnenunterstützung einiges an CAPE
(gebietsweise über 1000 J/kg, vereinzelt um 2000 J/kg) aufbauen. Im
Nachmittagsverlauf können so von Benelux und Frankreich her teils schwere
Gewitter aufkommen.
In der erweiterten Mittelfrist von Freitag bis Sonntag wandert der Höhenrücken
ostwärts. Die Strömung bleibt anfangs auf Südwest und dreht über Annäherung
eines flachen Randtrogs des Atlantiktiefs vorübergehend auf West. Die Kaltfront
greift auf Deutschland über und trennt kühlere Meeresluft im Nordwesten von
weiterhin heißer Subtropikluft im Süden und Südosten des Landes. Dabei bleibt es
wechselhaft mit kräftigen Schauern und teils schweren Gewittern.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bereits zu Beginn der Mittelfrist wird der Durchgang des kleinen Randtiefs
zeitlich etwas unterschiedlich simuliert, was geringfügige Auswirkungen auf den
Nordwesten Deutschlands hat. Im Anschluss nehmen die Unsicherheiten etwas zu,
wenngleich die grundsätzliche Entwicklung in allen Vorläufen gut nachvollziehbar
bleibt. Der Höhenrücken baut sich zu Beginn der Woche im aktuellen IFS-Lauf
etwas rascher auf als noch im gestrigen 00-UTC-Lauf. Der gestrige 12-UTC-Lauf
simuliert die Verlagerung des Atlantiktiefs am Mittwoch deutlich zügiger in
Richtung Skandinavien, sodass auch der Höhenrücken schneller über Deutschland
hinwegzieht. Allerdings regeneriert sich der Rücken am Donnerstag über
Mitteleuropa erneut.
In der erweiterten Mittelfrist zieht die Kaltfront in allen IFS-Läufen im
Nordwesten Deutschlands auf. Die größten Unsicherheiten bestehen dabei
hinsichtlich der präfrontalen Gewitterentwicklung.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
GFS und UK10 zeigen eine recht ähnliche Entwicklung wie das IFS. Im Süden
Deutschlands liegt die Temperatur bis Donnerstag jedoch um 1 bis 2 Kelvin
niedriger.
ICON simuliert die Amplitude des Höhenrückens am Dienstag und Mittwoch etwas
geringer, weshalb der Süden zunächst weniger sonnig und heiß ausfällt. Zum
Donnerstag setzt sich jedoch auch im ICON zunehmend Warmluftadvektion durch.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusterszenarien zeigen von Dienstag bis Donnerstag drei verschiedene
Cluster. Cluster 1 (NAO+) mit 28 Mitgliedern samt Kontrolllauf spiegelt den oben
beschrieben Wetterablauf recht gut. Nach Cluster 2 (Blocking) mit 14 Mitgliedern
verbleibt Deutschland überwiegend unter Hochdruckeinfluss. Hier wird ein etwas
weiter ostwärts ausgreifender Rücken gezeigt. Im dritten Cluster (NAO+) mit 9
Mitgliedern fällt der Höhenrücken etwas flacher aus. Dadurch können sich über
dem Norden Deutschlands zeitweise etwas zyklonalere Einflüsse bemerkbar machen,
ohne dass die grundsätzliche Südwestlage aufgegeben wird.
Für die erweiterte Mittelfrist wird lediglich ein Cluster ausgewiesen und dem
Regime "Blocking" zugeordnet. Dieses zeigt einen allmählich ostwärts wandernden
Höhenrücken, während sich westlich von Europa weiterhin der Trog behauptet. Die
großräumige Zirkulation wird damit von allen Ensemblemitgliedern sehr ähnlich
simuliert. Unsicherheiten bestehen folglich eher im Detail der Fronten- und
Konvektionsentwicklung als hinsichtlich des großskaligen Strömungsmusters.
Die Rauchfahnen zeigen bis Freitag eine vergleichsweise geringe Streuung. Die
850 hPa-Temperatur steigt im Wochenverlauf kontinuierlich an. In der erweiterten
Mittelfrist zeigt der Kontrolllauf insbesondere im Norden und Westen
Deutschlands einen Temperaturrückgang, während das Geopotenzial auf erhöhtem
Niveau verbleibt. Die Mehrheit der Ensemblemitglieder verbleibt jedoch auf
erhöhtem Temperaturniveau. Die Niederschlagssignale bleiben zu Beginn der Woche
insgesamt schwach, treten jedoch bevorzugt im Norden und Osten auf und stützen
damit die dort leicht wechselhafte Witterung. Ab Freitag nehmen die
Niederschlagssignale in den Ensembles zu, was mit einer erhöhten
Wahrscheinlichkeit für Schauer und Gewitter einhergeht.
FAZIT:
Zunächst gestaltet sich das Wetter vor allem in der Nordhälfte leicht
wechselhaft und anfangs noch zeitweise windig. Mit zunehmendem Hochdruckeinfluss
steigen die Temperaturen im Wochenverlauf vor allem im Süden auf
hochsommerliche, teils heiße Werte an. Ab Donnerstag nimmt im Vorfeld einer von
Westen herannahenden Kaltfront die Wahrscheinlichkeit für kräftige,
möglicherweise auch schwere Gewitter zu. Hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs und
der räumlichen Ausprägung bestehen jedoch noch Unsicherheiten.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
STURM:
Am Sonntag muss an den Küsten mit stürmischen Böen (Bft 8) aus West bis Nordwest
gerechnet werden, in Gipfellagen der Mittelgebirge und der Alpen sind zeitweise
Sturmböen (Bft 9) wahrscheinlich. Am Montag lässt der Wind dann etwas nach, nur
an exponierten Küstenabschnitten treten noch zeitweise stürmische Böen (Bft 8)
aus Nordwest bis West auf.
GEWITTER:
Am Sonntag besteht im Nordosten und Osten eine geringe Wahrscheinlichkeit für
Gewitter mit Graupel und stürmischen Böen bzw. Sturmböen (Bft 8-9). Am Montag
beschränkt sich das Gewitterpotenzial dann auf den Osten Deutschlands.
Am Dienstag und Mittwoch sind vor allem im Bereich der Norddeutschen Tiefebene
einzelne Gewitter gering wahrscheinlich. Dabei können lokal Starkregen bis 25
l/qm in kurzer Zeit, stürmischen Böen (Bft 8) und kleinkörniger Hagel auftreten.
Ab Donnerstag steigt insbesondere im Westen und Nordwesten die
Wahrscheinlichkeit für markante, möglicherweise auch schwere Gewitter.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
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VBZ Offenbach / M.Sc.-Met. Sebastian Schappert