Thema des Tages

07-06-2026 10:50


Wissenschaft kompakt


Die Wettervorhersage für den D-Day


Am gestrigen Samstag jährte sich der "D-Day" zum 82. Mal. Aus diesem
Grund ist das heutige Thema des Tages diesem Ereignis gewidmet.



Der "D-Day" (Decision Day) am 06. Juni 1944 war der erste Tag der
Invasion der Alliierten (USA, Kanada, Großbritannien und weitere
Verbündete) an der französischen Atlantikküste in der Normandie zur
Zeit des Zweiten Weltkrieges. Diese groß angelegte Militäraktion
startete unter dem Decknamen "Overlord" und beinhaltete die Einnahme
deutscher Stellungen in der Normandie und die Errichtung mehrerer
Brückenköpfe, um den Nachzug weiterer Truppen zu ermöglichen. Von
dort aus sollte dann die Befreiung des westlichen Europas von der
Naziherrschaft erfolgen.
Da diese Militäraktion die Überquerung des unberechenbaren
Ärmelkanals mit teils nur bedingt hochseetauglichen Transportbooten
erforderte, war eine erfolgreiche Landung maßgeblich vom Wetter
abhängig. Die Prognose eines geeigneten Zeitfensters mehrere Tage im
Voraus war zur damaligen Zeit fast nicht möglich, denn bereits die
Vorhersage des nächsten Tages gestaltete sich schwierig. Zumal es
sich bei dieser Region um eine handelt, in der das Wetter sehr
variabel ist. Aufgrund dieser Variabilität ist eine Vorhersage über
mehrere Tage auch heute noch nur begrenzt möglich. Es kann also mit
Fug und Recht behauptet werden, dass diese Wettervorhersage im Jahr
1944 eine der wichtigsten in der Geschichte werden sollte.
Zumal das Militär mehrere Grundvoraussetzungen festlegte:
Ebbe, um mögliche Unterwasserhindernisse des Feindes erkennen zu
können, aber auch Flut, um nicht bereits weit vor der Küste an Land
gehen und sich somit früh im Visier der deutschen Maschinengewehre
bewegen zu müssen;
Trockener und für schwere Fahrzeuge tragfähiger Boden, somit sollte
es in den Tagen zuvor wenig bis gar nicht geregnet haben;
Gute Lichtverhältnisse beim nächtlichen Einsatz von
Transportflugzeugen und Bombern, was vor allem bei Vollmond gegeben
wäre;
Kein Morgennebel und kaum Wolken für gute Sichtbedingungen der
Fallschirmjäger und
Auflandiger Wind von maximal 20 km/h, aber keine Windstille.
Im Mai 1944 wurde der D-Day auf den Morgen des 05. Juni terminiert.
Anfang Juni war das Wetter sehr wechselhaft, da über dem Atlantik ein
Tiefdruckgebiet dem nächsten folgte. Nun sollte der D-Day verschoben
werden. Um den Moment eines Überraschungsangriffs nicht zu versäumen,
wurde der D-Day aber nur um einen Tag verschoben.
Die Vorhersagen wichen damals stark voneinander ab, sowohl bei den
Alliierten untereinander als auch im Vergleich zur deutschen
Vorhersage. Für den 05. Juni sollte der Chefmeteorologe Eisenhowers
recht behalten, denn eine Kaltfront sorgte für viel Wind und Regen,
was die Militäraktion unmöglich gemacht hätte. Hinter der Kaltfront
zeichnete sich für den 06. Juni eine vorübergehende Wetterberuhigung
im Zusammenhang von Zwischenhocheinfluss ab und somit eröffnete sich
ein kurzes Zeitfenster für eine mögliche Invasion. Auf deutscher
Seite rechnete man weiterhin mit wechselhaftem und stürmischem
Wetter. Dies lag auch daran, dass die Deutschen keine Wetterdaten auf
dem Gebiet des Atlantiks zur Verfügung hatten.
Somit wurde am 06. Juni das Überraschungsmoment vonseiten der
Alliierten genutzt, auch wenn sich das Wetter tatsächlich erst im
Tagesverlauf besserte. Viele Soldaten hatten da bereits ihr Leben
lassen müssen, denn insbesondere zu Beginn der Landung waren die
Verluste groß.

M.Sc. Tanja Egerer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.06.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst