Thema des Tages

10-05-2026 11:20


Wissenschaft kompakt

Pannekoek in der Kalahari ? wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht



Im heutigen Thema des Tages verlassen wir den heimischen Kontinent
und tauchen ein in das besondere Leben in der namibischen Savanne
während der sommerlichen Regenzeit. Natürlich kommen dabei die
meteorologischen Hintergründe, dieses Mal aber auch die Kulinarik,
nicht zu kurz.



Naturliebhaber und Abenteuerurlauber entdeckten in den vergangenen
Jahren besonders ein südafrikanisches Land wieder für sich: Namibia.
Die ehemalige deutsche Kolonie liegt südlich des Äquators, in etwa
auf der Höhe des südlichen Wendekreises. Daher beginnt deren (Süd-)
Sommer, exakt gegensätzlich zu Europa, im Dezember und endet im März.
Während dieser Zeit kommt es dort zu spannenden meteorologischen
Vorgängen, die das dortige landwirtschaftliche Leben stark prägen.
Nach einer sehr langen Trockenperiode setzt im November und Dezember
üblicherweise eine erste Regenzeit ein, die zunächst als "kleine
Regenzeit" beschrieben wird. Die Sonne erreicht in diesen Monaten
zunehmend den südlichen Wendekreis, ihre südlichste Position
schließlich zum astronomischen Sommerbeginn Ende Dezember. Die
wichtigste Folge davon ist, dass dem Sonnenstand die teils sehr
regenintensive innertropische Konvergenzzone (ITC) nach Süden folgt.
Zusätzlich entwickeln sich Tiefdrucksysteme über dem südlichen
Afrika, welche feucht-warme Luftmassen vom Indischen Ozean
heranführen. Sowohl die Menschen, als auch die sehr diverse Pflanzen-
und Tierwelt erwarten diesen Regen nach langer Trockenheit schon
sehnsüchtig.


Durch die sich in weiterer Folge verstärkende ITC und das permanente
Zuführen von feuchter Luft setzt im Januar und Februar die zweite,
aber deutlich intensivere Regenzeit ein. Dabei regnet es aber nicht
wie der Begriff vermuten lässt durchgehend, die Tage sind vielmehr
durch sehr kräftige Schauer und Gewitter geprägt. Das Leben der
einheimischen Farmer ist ganz entscheidend von diesen saisonalen und
intensiven Regenfällen abhängig. Immerhin entscheiden diese über ein
erfolgreiches landwirtschaftliches Jahr. Aus diesem Grund widmen sich
die Farmer auch intensiv meteorologischen Beobachtungen, die sie
akribisch dokumentieren und nachfolgend interpretieren. Von ganz
besonderem Interesse ist dabei natürlich die Niederschlagsverteilung
auf ihren gigantisch großen Anwesen. Dafür werden auf dem gesamten
Gelände sogar verschiedene Messpunkte betreut.


Als Messgerät werden vielfach trichterförmige Behältnisse mit
definierter horizontaler Auffangfläche benutzt. Hiesigen
Wetterbeobachtern oder häufigen Lesern unserer Themen des Tages
werden die Ähnlichkeiten zu einem im Deutschen Wetterdienst bekannten
Niederschlagsmessgerät ins Auge stechen: dem sogenannten "Hellmann"
in der DWD-Ausführung. In regelmäßigen Abständen (im Normalfall
täglich) werden nun die festgelegten Messpunkte angefahren und die
Niederschlagsmenge mit einem Messgefäß abgelesen. Direkt am Farmhaus
befindet sich außerdem noch eine sogenannte "Referenzstation".


Die Farmer vergessen aber nicht, ihre Wetterbeobachtungen mit dem
staatlichen Wetterdienst zu teilen. Dafür tragen diese die gewonnenen
Daten in ein gelbes, sogenanntes "Niederschlagsbuch" ein, das der
staatliche Wetterdienst zur Verfügung stellt. Nach Abschluss des
Monats wird der Durchschlag der Eintragungen nach Windhoek in die
Zentrale der Wetterbehörde geschickt. Die Expertinnen und Experten
werten dort die gewonnenen Daten aus und erstellen unter anderem
vielfältige Klimastatistiken. Aber auch für die Wettervorhersage
haben die gemessenen Beobachtungen einen hohen Mehrwert. Die wenigen
offiziellen Wetterstationen werden durch die ehrenamtlichen
Niederschlagsmesspunkte der Farmen gewinnbringend ergänzt. Dadurch
können die Wettermodelle besser verifiziert und statistische
Vorhersageverfahren mit noch mehr Daten gefüttert werden ?
schlussendlich auch zum Vorteil der globalen Wettervorhersage.

Regen ist jenes Wetterelement, welches für die Namibianerinnen und
Namibianer den höchsten Stellenwert innehat. Die Freude über den
ersten Regen nach der langen winterlichen Trockenzeit reicht so weit,
dass sich diese sogar bis auf das kulinarische Angebot auswirkt. Auf
vielen Farmen wird während dieser Wochen in der Pfanne die leckeren
"Pannekoek" zubereitet. Entweder man isst sie deftig mit Hackfleisch
und Gemüse oder süß mit Zucker und Zimt. Es ist auf jeden Fall ein
Symbol der Dankbarkeit und Wertschätzung für das feuchtere Wetter.


Zum Schluss noch ein persönlicher Tipp: Wer gerne dieses saftige Grün
und kräftige Gewitter mag, der sollte unbedingt von Februar bis April
nach Namibia reisen. Sowohl die Kalahari, wie auch in den anderen
Regionen bietet sich den Besucherinnen und Besuchern eine traumhafte
und einzigartige Landschaft, die bleibende Eindrücke hinterlässt.



Mag.rer.nat. Florian Bilgeri

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.05.2026

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