DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

30-04-2026 10:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 30.04.2026 um 10.30 UTC



Ende des sehr sonnigen und trockenen Wetters - ab dem Wochenende von Westen her
wechselhafter und feuchter mit Schauern und Gewittern sowie zurückgehenden
Tagestemperaturen.
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Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 07.05.2026


Es ist lange her, dass der Verfasser in diesem Bulletin über wechselhaftes
Wetter mit Niederschlägen und Gewittern berichten durfte. Nun ist es aber mal
wieder soweit und die Weichenstellung für die bevorstehende Umstellung der
Großwetterlage wird schon in der Kurzfrist bewerkstelligt (siehe dazu auch
Synoptische Übersicht Kurzfrist von heute Morgen). Schon am Samstag dürften im
Westen und Nordwesten mit hoher Wahrscheinlichkeit die ersten Schauer und
Gewitter auftreten und somit die Ouvertüre zu einer Oper markieren, die
vielleicht nicht Wagnersches Monumental-Ausmaß besitzt, uns aber auf alle Fälle
Abwechslung garantiert. Wie heißt es so schön in einem alten deutschen
Volkslied: "Alles neu macht der Mai". Nun gut, auch wenn der Text des Liedes
vielleicht in einem etwas anderen Kontext zu sehen ist, so warten die ersten
Maitage tatsächlich mit was Neuem gegenüber den letzten Tagen, ja beinahe Wochen
des Aprils auf.

Steigen wir ein in die Materie am kommenden Sonntag, seines Zeichens offizieller
Beginn der heutigen Mittelfrist, an dem sich Deutschland zwischen einem leicht
positiv geneigten Trog mit integriertem Höhentief über dem nahen Atlantik bzw.
UK/Irland und dem aktuell noch wetterbestimmenden, nun aber langsam gen Osten
weichenden Höhenrücken befindet. Damit kommt der Wind in der Höhe aus Südwesten,
was wir schon lange nicht mehr hatten. Im Südosten ist die Höhenströmung
tendenziell noch leicht antizyklonal konturiert, während sie nach Nordwesten
zyklonal strukturiert und durch die Passage kurzer Sekundärtröge gekennzeichnet
ist. Korrespondierend dazu verläuft im Bodendruckfeld eine langgestreckte
Tiefdruckrinne ausgehend von nordeuropäischen Tiefs über die Nordsee und
NW-Deutschland, Benelux, Frankreich bis hinunter zur Iberischen Halbinsel.
Angefüllt ist die Rinne mit feuchter und zumindest in Teilen labiler Luft, so
dass neben Regenfällen (am Sonntag auf deutscher Seite meist in Schauerform)
auch Gewitter an den Start gehen. Ohne an dieser Stelle schon zu tief in die
Materie "Konvektion" einzusteigen, gilt es dabei vor allem auf den
Begleitparameter Starkregen ein Auge zu werfen (was stärkere Böen und/oder
kleinen Hagel freilich nicht ausschließt). Je weiter wir gen Osten und Südosten
schauen, desto wärmer (hohe "Zwanziger"), desto sonniger und desto trockener der
Sonntag. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass irgendwo über dem Bergland
mal ein Schauer oder Gewitter ausgelöst wird. Ausreichend instabil ist die
Warmluft, nur könnte es noch an genügend Wasserdampf mangeln.

Zu Beginn der neuen Woche verlagert sich das o.e. Höhentief via Biskaya in
Richtung Pyrenäen/Südfrankreich, während der zugehörige Trog etwas dichter an
den Vorhersageraum heranrückt. Gleichzeitig spannt sich über Nordeuropa ein
weiterer, sehr breiter Trog auf, der für uns zunächst aber noch keinen
unmittelbaren Einfluss hat. Die Höhenströmung bleibt auf Südwest und trotz
Trogannäherung recht antizyklonal aufgestellt, weil der scheidende Rücken etwas
nach Westen auskeilt. Nichtsdestotrotz, die Bodenrinne nebst feuchter und
labiler Luftmasse breitet sich über die Mitte hinweg (Montag) bis nach
Süddeutschland aus. Eingelagert ist eine schleifende Kaltfront, in deren Bereich
bei aller noch gebotenen Unschärfe neben den obligaten Schauern und markanten
Gewitter gebietsweise auch mehrstündiger Stark- respektive Dauerregen möglich
ist. Derweil strömt in den Norden eine frischere und stabilere Nordseeluft ein
(T850 unter 0°C, im Süden um +9°C), die unter leichten Hochdruckeinfluss gelangt
und dabei deutlich abtrocknet (kaum noch Niederschläge).

Am Mittwoch schießt von Ostgrönland/Island ein KW-Trog in den breiten Haupttrog,
der sich amplifiziert und bis zum westlichen Mitteleuropa ausweitet. Dabei wird
der Rest vom Höhentief aufgeschnappt und in den Trog eingebaut, der uns dann am
Donnerstag ostwärts überquert. Zuvor fällt der Luftdruck und aus der Rinne
entwickelt sich voraussichtlich irgendwo in Alpennähe ein eigenständiges Tief,
das dann in der erweiterten Mittelfrist auf Vb-artiger Zugbahn via Polen
nord-nordostwärts ziehen soll. Rückseitig wird ein weiterer Schwall frisch
gezapfter maritimer Polarluft insbesondere in den Norden, mit Abstrichen aber
auch in die Mitte und den Süden gespült, die ab Freitag überall unter
Hochdruckeinfluss gelangt und rasch abtrocknet. Ob das Hoch dann das ganze
Wochenende durchhält, steht derzeit noch in den Sternen.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Im Grunde lassen sich die am gestrigen Mittwoch an gleicher Stelle gemachten
Aussagen heute wiederholen. Gerade zu Beginn der Mittelfrist erweisen sich die
Basisfelder von IFS (ECMF) als sehr konsistent. Schwierigkeiten bereiten nach
wie vor die Positionierung und Intensität der prognostizierten
Regenfälle/Schauer und Gewitter, die auch im internationalen Modellvergleich
ziemlich heterogen simuliert werden. Unter dem Strich lässt sich aber
konstatieren, dass sich in der nächsten Woche vorübergehend ein wechselhafter
Witterungsabschnitt einstellt mit kontinuierlich sinkenden Tagestemperaturen,
dafür aber zumindest in der ersten Wochenhälfte abnehmender Nachtfrostgefahr.
Zum Freitag und Samstag hin deutet sich wieder zunehmender Hochdruckeinfluss an.


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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Ähnlich wie bei der Konsistenz gilt auch beim Modellvergleich (gecheckt werden
für gewöhnlich ICON, GFS, GEM und UK10), dass die Kongruenz der Basisfelder zu
Beginn der Mittelfrist zwar hoch ist, die Niederschlags- und Konvektionsprognose
aber schon recht bald (am Sonntag geht´s noch) ins Trübe abdriftet. Richtung
Wochenmitte bzw. zweite Wochenhälfte nehmen dann auch die Unterschiede bei den
Basisfeldern zu, gleichwohl lassen sich die grundlegenden Muster (Trogannäherung
+ -passage, Vertiefung der Rinne, nachfolgend KLA und Hochdruckeinfluss) überall
wiederfinden. Das Fundament der Geschichte passt also, Substanz und
Ausschmückung müssen sich noch weisen.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Sprache der IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte ist relativ
eindeutig. Die Idee des Hauptlaufs (HRES) wird geteilt, auch wenn der Spread bei
Temperatur 850 hPa und Potenzial 500 hPa im Laufe der nächsten Woche zunimmt.
Insgesamt hält sich der Spagat aber in Grenzen und es lässt sich ein klarer
Trend extrahieren, der ja auch im HRES inkl. seiner internationalen Mitstreiter
erkennbar ist. An der Unschärfe hinsichtlich der detaillierten Niederschlags-
und Konvektionsentwicklung ändert das freilich nichts.

Zu den Clustern, die zu Beginn (T+72...96h, Sonntag/Montag) mit drei Varianten
aufwarten. Das Grundmuster ist bei allen sehr ähnlich (Regime NAO+), für den
Vorhersageraum relevante Differenzen sind mit dem bloßen Auge nicht erkennbar.
Ab Dienstag (T+120...168h) steht nur noch ein einziges Cluster im Schaufenster,
der dem HRES wenig verwunderlich sehr ähnelt (Trogpassage mit Aufschnappen des
Höhentiefs). Das Strömungsregime wechselt auf "Atlantischer Rücken", der sich im
weiteren Verlauf immer weiter in Richtung Grönland verschiebt. Womit wir im
dritten Zeitfenster angelangt wären (T+192...240h, Freitag bis Sonntag), das auch
nur ein Cluster ins Spiel bringt. Aufgrund der Tatsache, dass sich im Bereich
der Biskaya bzw. westlich davon ein Höhentief etabliert, wechselt das Regime
erneut und zwar auf NAO-. Im Bodendruckfeld zeigt sich zunächst
Hochdruckeinfluss (Azorenhochkeil), der nach hinten raus beginnt zu schwächeln.


FAZIT:
Das Ende der trockenen und sonnenscheinreichen Witterung ist ausgemachte Sache.
Am Wochenende beginnt von Westen her die Umstellung, die uns neben wechselhafter
Abläufe auch zurückgehende Temperaturen beschert. Wie so oft bei vergleichsweise
antriebsarmen Lagen gibt es hinsichtlich der detaillierten Regen- und
Gewitterentwicklung (Raum und Zeit, Intensität) noch erhebliche Differenzen
unter den Modellen. Richtung Freitag/Samstag deutet sich auf belastbarem
Fundament (Modelle, EPS) allerdings schon wieder Hochdruckeinfluss und
Abtrocknung an. Mal sehen, für wie lange.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Es wird feuchter und labiler bei relativ geringen Luftdruckgegensätzen und wenig
Dynamik. Man könnte auch formulieren "sumpfiger", was im Mai eine erhöhte
Wahrscheinlichkeit für markante Gewitter insbesondere, aber nicht ausschließlich
durch Starkregen zur Folge hat. Los geht's am Wochenende im Westen und Norden,
bevor sich das Ganze über die Mitte mehr und mehr in die Südhälfte verschiebt.
Dabei gibt es durchaus Signale, dass in Verbindung mit der schleifenden Front
zumindest gebietsweise auch mal mehrstündiger, nicht zwingend gewittriger Stark-
respektive Dauerregen auftritt. Aber nochmal, Details sind nach wie vor
unscharf, so dass in den Berichten häufig mit Allgemeinplätzen hantiert werden
muss.

Erwähnenswert sei an dieser Stelle, dass zwar die Tagestemperaturen zurückgehen,
es aufgrund von Feuchte, Bewölkung usw. nachts milder bleibt und somit die
Wahrscheinlichkeit für Nachtfrost sinkt. Ganz ist das Thema aber noch nicht vom
Tisch. Mal sehen, wie sich die o.e. frische Polarluft, die zunächst ja nur den
Norden traktiert, auswirkt. Möglich, dass zumindest am Boden stellenweise noch
das Minuszeichen ausgepackt wird.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS mit MOS-Mix.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann