DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
03-04-2026 17:30
SXEU31 DWAV 031800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 03.04.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Auf und ab - abwechslungsreiches Wochenende mit überwiegend, aber nicht
ausschließlich zyklonalem Touch.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
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Aktuell ... befindet sich Deutschland am diffluenten Ausgang der Frontalzone,
die gut definiert und glatt konfiguriert den nahen Atlantik überdeckt.
Eingelagert ist ein veritabler Jet mit einem Windmaximum von knapp über 150 Kt
auf 300 hPa. Auf der warmen Seite des Jets schließt sich ein zonal exponierter
Rücken an, der vom Atlantik über Frankreich und den Alpenraum bis knapp ans
Schwarze Meer heranreicht. Er korrespondiert mit einer ebenfalls
west-ost-ausgerichteten, keil- bzw. brückenartigen Hochdruckzone, die sich bis
ins östliche Mitteleuropa erstreckt und in ihrem Ostteil den Namen PETER trägt.
Der Chronistenpflicht halber sei noch ergänzt, das südöstlich davon ein
international mit dem Namen Erminio versehenes Tief seine Kreise über der Ägäis
zieht und dabei regionsweise für ungemütliche Bedingungen (kräftige
Gewitter/Regengüsse, Wind/Sturm) in Teilen Südosteuropas respektive dem
östlichen Mittelmeer sorgt.
Tiefdruckgebiete tummeln sich auch auf der kalten Seite der Frontalzone und das
nicht zu knapp. Ausgangspunkt wenn man so will ist ein hochreichendes, sich so
gut wie nicht vom Fleck bewegendes Tief am Westrand der Irminger See. Es ist
ausgestattet mit einem ausladenden Frontensystem bestehend aus einer weit nach
Südosten reichenden Okklusion und einem sich anschließenden Warm-/Kaltfrontteil.
An der Okklusion hat sich zwischen Island und Norwegen bereits ein
doppelkerniges Teiltief gebildet (QUIANA), das aber noch nicht das letzte seiner
Zunft ist. Im Laufe der Nacht kommt es am Okklusionspunkt an der Südspitze
Norwegens zu einer weiteren Teiltief-Zyklogenese (QUIANA II), die gleich durch
mehrere "Geburtshelfer" begünstigt wird: dem Okklusionspunkt per se,
Umströmungseffekten am südnorwegischen Gebirge und einem wunderschönen
Left-exit-Bereich unterhalb eines aus der Frontalzone herauslaufenden KW-Troges.
QUIANA II entwickelt sich zu einem soliden Wirbel mit Kerndruck irgendwo
zwischen 995 und 990 hPa, der dicht am Oslofjord vorbei Südschweden ansteuert.
Für uns hier in Deutschland hat das zunächst den Durchgang der Warmfront zur
Folge, bevor noch im Laufe der Nacht die nachfolgende Kaltfront von der Nordsee
übergreift. Diese kommt bis zum Morgen etwa bis dicht an den Nordrand des
zentralen Mittelgebirgsraums voran. Rückseitig gelangt ein Schwall subpolarer
Meeresluft (mP) in den Norden, in der T850 von rund +3°C im Warmsektor auf rund
-1°C zurückgeht. Zuvor breitet sich leichter, im Wesentlichen durch WLA
getriggerter Warmfrontregen ost-südostwärts aus, dem sich nahezu geräuschlos der
ebenfalls nicht besonders üppige Kaltfrontregen anschließt. In der postfrontalen
Meereskaltluft trocknet es rasch ab, z.T. lockert die Wolkendecke sogar auf.
Frost ist ausnahmsweise mal kein Thema in dieser Nacht, dafür setzt der Wind ein
paar Akzente. Der weht zunächst aus Süd bis Südwest, dreht dann bis zum Morgen
aber auf um West. Dabei frischt er zunächst an der Nord-, später auch an der
Ostsee inkl. dem küstennahen Binnenland sowie dem nördlichen SH soweit auf, dass
dort mit Böen 7, exponiert 8 Bft gerechnet werden muss. Abseits der Meere
fokussiert sich die Windauffrischung im Wesentlichen auf die Hochlagen einiger
Mittelgebirge sowie bedingt deren Leelagen. Dort stehen ebenfalls Böen 7-8 Bft,
auf dem Brocken 9 Bft auf der Karte.
Samstag ... zieht das Tief QUIANA II weiter in Richtung Westeingang Finnischer
Meerbusen, wobei es sich auf etwas unter 1000 hPa auffüllt. Normalerweise würde
die zugehörige Kaltfront auf Nimmer-Wiedersehen südostwärts durchschwenken,
nicht aber in diesem Fall. Grund ist das nächste Tief - Gott zum Gruße RAPUNZEL
(int. Dave) -, das heute noch als flache Welle weit west-südwestlich von Irland
auf der Wetterkarte zu finden ist, sich morgen aber zu einem imposanten
Sturmwirbel mausert. Um 12 UTC zieht es mit etwas unter 995 hPa dicht an
Nordirland vorbei in Richtung Schottland, um zum Datumswechsel mit fast 970 hPa
zwischen Orkneys und Shetlands aufzuschlagen. Unsere Kaltfront von nächster
Nacht geht in die Warmfront des neuen Tiefs über und wird somit rückläufig. Die
subpolare Kaltluft wird nach Nordosten abgedrängt und durch atlantische Warmluft
(mS; Anstieg T850 bis zu +6°C) des breiten Warmsektors von RAPUNZEL ersetzt.
Bevor RAPUNZEL ihr Haar so richtig herunterlässt und Deutschland in ihren
Wirkungsradius aufnimmt - einen Volltreffer wird´s nicht geben, aber auch die
Peripherie kann mitunter ordentlich ruckeln -, stellt sich schwacher
Zwischenhocheinfluss ein. So schwach, dass die BWK/FU Berlin auf die Ausgabe
eines Namens verzichtet hat. Trotzdem, von Süden her kommt es zu einer
vorübergehenden Aufwölbung der Isobaren, gleichzeitig schlägt ein flacher
Höhenrücken auf. Hauptprofiteure sind die Norddeutschen, wo die Wolkendecke am
meisten auflockert. Aus der labilen, bis etwa 850 hPa hinaufreichenden
Grundschicht bilden sich tagesgangbedingte Quellungen, die sich mit sonnigen
Phasen abwechseln. Die meisten Sonnenstunden dürften auf den Inseln zu holen
sein (Ostsee mehr als Nordsee, wo am Nachmittag schon wieder die nächsten
Schichtwolken der neuen Warmfront aufziehen), weil dort die Cumulusbildung durch
das kalte Wasser gehemmt ist.
In der Mitte und im Süden startet der Karsamstag mit einem deutlichen
Wolkenplus, gebietsweise regnet es noch leicht. Im Laufe des Tages zieht sich
der Niederschlag unter Abschwächung aber mehr und mehr in den Süden,
insbesondere in den Südosten Bayerns zurück. Am östlichen Alpenrand könnten mit
orografischer Hilfe (Stau) über den Tag durchaus 5 bis 10, vereinzelt bis zu 15
l/m² zusammenkommen. Zumindest die deutschen Modelle aus der ICON-Serie sind auf
dem Tripp, während die meisten Externen defensiver aufgestellt sind. Tatsache
ist, dass die Wolkendecke bis zum Abend zusehend aufbröselt, vor allem in der
östlichen Mitte sowie im Südwesten darf man größere Lücken erwarten.
Blieben zu guter Letzt noch der Wind und die Temperatur. Durch die Aufwölbung
der Isobaren fächert der Gradient von Süden und Westen her auf, so dass der
westliche Wind an der Nordsee bereits am Vormittag, an der Ostsee erst am
Nachmittag nachlässt. Zuvor muss aber noch mit Böen 7, exponiert 8 Bft gerechnet
werden. Auch auf den Kämmen und Kuppen der Mittelgebirgen verliert der Wind mehr
und mehr an Power. Thermisch geht´s hoch auf 13 bis 18°C mit den höchsten Werten
im Westen und Südwesten. In der Hinterhand weiterhin der Norden, wo lediglich 11
bis 15°C, direkt an der See z.T. nur knappe 10°C auf dem Zettel stehen.
In der Nacht zum Ostersonntag setzt kräftiger Druckfall ein, welcher der
Sturmtiefpassage RAPUNZEL am Südrand der Norwegischen See geschuldet ist. Trotz
der fernen Zugbahn, der Gradient zwischen dem sich vertiefenden Tief und der
stabilen Hochdruckzone über Südeuropa nimmt stetig zu und lässt den rasch von
Süd auf Südwest drehenden Wind zunächst an und auf der Nordsee inkl. Küstennähe
sowie in den Höhen der meisten Mittelgebirge spürbar auffrischen. Böen 7 bis 8
Bft sind dabei das Maß der Dinge, das - wie sollte es anders sein - natürlich
vom Brocken gesprengt wird, der es auf Böen 9-10 Bft, ausgangs der Nacht
vielleicht sogar auf orkanartige 11 Bft bringt.
Darüber hinaus überquert die weitgehend inaktive Warmfront die Nordhälfte
ostwärts. Einige Schichtwolken okay, aber Niederschlag? - Fehlanzeige.
Offensichtlich dämpft der nur langsam ostwärts weichende Rücken sämtliche
WLA-bedinge Bemühungen, nennenswerte Hebung in die Show zu bekommen, im Keim.
Und auch die Luftmasse mit ihrer vergleichsweise trockenen Mittelschicht
zwischen 800 und 600 hPa ist alles andere als talentiert, um irgendwelche
Impulse zur Niederschlagsbildung beizutragen. So gilt es auf die Kaltfront zu
warten, die zwar erst in den Morgenstunden von der Deutschen Bucht her
aufschlägt, aber bereits vorher zwischen dem nördlichen SH und dem Emsland die
ersten Tropfen absondert.
In der Südosthälfte verläuft die Nacht überwiegend gering bewölkt oder klar mit
wenigen Nebelfeldern. Gebietsweise - vornehmlich zwischen Vorpommern und Lausitz
sowie an und südlich der Donau kann es leichten Frost in Bodennähe geben,
wohingegen Luftfrost nur sehr vereinzelt auftritt. Im Gegensatz dazu bleibt die
Temperatur im Westen z.T. zweistellig.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... heißt es Eier suchen, Eier finden, Eier futtern. Viel Glück dabei
und allseits frohe Ostern! - Ach ja, Wetter gibt´s natürlich auch, und das
durchaus facettenreich. Wind, Sturm, viele Wolken, wenig Wolken, viel Sonne,
wenig Sonne, vielleicht das ein oder andere Gewitter, dazu Temperaturen zwischen
molliger Osterwärme bis hin zu herber Nordseefrische. Nur schneien wird es sehr
wahrscheinlich nicht. Aktive Kaltfrontpassage nennt man das. Details entweder in
der heutigen oder aber - dann taufrisch - der morgigen Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
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Das Drehbuch zum wechselhaften Osterschauspiel könnte aus einer Feder
entstammen, so kongruent simulieren die Modelle die Basisfelder. Trotzdem sind
noch einige Fragen offen, vor allem den Sonntag betreffend (Gewitter ja/nein,
wenn ja, prä-, post- oder direkt frontal, wann wo wie viel Wind). Morgen werden
wir da hoffentlich schlauer sein.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann