DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

02-04-2026 10:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 02.04.2026 um 10.30 UTC



Durchwachsender Ostersonntag (vor allem Norden/Mitte), danach für einige Tage
Hochdruckeinfluss mit großen Temperaturunterschieden zwischen Nordost und
Südwest.
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Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 09.04.2026


Der Start in die Mittelfrist erfolgt mittemang am langen Osterwochenende, genau
genommen am Sonntag. Dabei sei gleich mal vorweggenommen, dass die traditionelle
Outdoor-Eiersuche in diesem Jahr - historisch hat´s das ja immer mal wieder
gegeben - nicht im Schnee stattfindet, zumindest nicht in Neuschnee. Auf der
anderen Seite bedeutet das aber nicht, dass allerorten Affenhochglanz herrscht.
Zwar liegt gerade der Süden dicht an einer vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer
reichenden Hochdruckzone, was ihm einige Sonnenstunden einbringt. Ansonsten aber
nimmt ein kleines, von der Norwegischen See aufs skandinavische Festland
übersiedelndes Sturmtief das Heft des Handelns in die Hand. Genauer ist es die
Kaltfront des Tiefs, die mit schauerartigem regen schon früh von der Nordsee
reinschwenkt, im Tagesverlauf die Mitte anpeilt, um dann in der Nacht zum Montag
auch die südlichen Gefilde in Beschlag zu nehmen. Dort, namentlich in den
Bundesländern BaWü und Bayern, kann es in präfrontaler Warmluft (T850 bis zu
10°C, T2m bis zu 24°C) ab dem Nachmittag die ein oder andere konvektive
Umlagerung mit elektrischer Untermalung und markanten Begleiterscheinungen
(lokaler Starkregen, kleiner Hagel, stürmische Böen 8 Bft) geben.

Am Ostermontag zieht die Kaltfront südostwärts ab respektive löst sich in ihrem
Westteil zusehends auf, weil sie unter starken Druckanstieg gelangt. Während
knapp östlich des Vorhersageraums eine Austrogung in Gang kommt, schiebt sich
bei uns ganz allmählich ein stark amplifizierter Rücken von Westeuropa herein.
Die korrespondierende Bodenhochdruckparzelle verlagert ihren
1025+x-hPa-Schwerpunkt von Frankreich direkt nach Deutschland, so dass die
frisch eingeflossene maritime Polarluft rasch abtrocknen und zur Ruhe kommen
kann (Sonne, Quellwolken, ganz im Süden anfangs noch etwas Regen).

Ab Dienstag stellt sich dann vorübergehend ein omega-ähnliches Muster ein mit
einem mordsmäßig langen, aber immer schmaler werdenden Rücken, dessen Achse von
Tunesien über die Westhälfte Deutschlands bis hoch in den Raum Spitzbergen
verläuft. Flankiert wird der Rücken vom o.e. Trog über dem nach Osteuropa sowie
einem abtropfwilligen Trog über dem nahen Atlantik. Leicht nach Osten gegenüber
dem Rücken versetzt findet sich die nicht minder ausladende, vom Nordpolarmeer
bis zum zentralen Mittelmeer reichende Hochdruckzone (Zentrum über Skandinavien,
dort am Mittwoch vorübergehend mal knapp über 1040 hPa), die bei uns das
Geschehen bis einschließlich Mittwoch bestimmen soll. Bedeutet im Klartext
störungsfreies und trockenes Wetter mit hohem Sonnenanteil. Bemerkenswert dabei
die fast schon als episch zu bezeichnenden Temperaturunterschiede zwischen
Nordost und Südwest: Während T850 am Mittwoch zwischen Vorpommern und Lausitz
bei rund -4°C liegt, geht es an der Grenze zur Schweiz auf bis zu +12°C hoch.
Wenn man so will zieht sich eine unsichtbare, stark antizyklonal geprägte
Luftmassengrenze vom Nordwest nach Südost, die aus dem Hoch ausfließende
Kaltluft im NO von vorderseitig einer Rinne einsickernden Warmluft im SW trennt.


Ab Donnerstag geht es dieser Konstellation allmählich an den Kragen, wenn von
Westen her besagte Rinne mit einer abschließenden Kaltfront die Westhälfte
unseres Landes erreichen. Wie dabei die Unterstützung des nachfolgenden
abgetropften Troges ausfällt ist noch genau so unsicher wie z.B. die genaue
Abkühlungsrate oder auch die konkreten Niederschlagsabläufe. Sagen wir so, es
wird in der zweiten Wochenhälfte sehr wahrscheinlich wieder kühler und
unbeständiger. Auf Detail müssen wir noch ein bisschen warten.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des IFS-Modells vom ECMF kann bis einschließlich Dienstag als gut
bis sehr gut bezeichnet werden. Demnach stellt sich nach einem wechselhaften
Ostersonntag (vor allem Norden/Mitte) vorübergehender Hochdruckeinfluss mit
steigenden Temperaturen ein. Im Gegensatz zur gestrigen Lesart - nun beginnt die
Modellkonsistenz allmählich zu bröckeln - könnte sich das Zwischenhoch einen Tag
länger, sprich, auch am Mittwoch noch halten. Der neueste Lauf von 00 UTC
jedenfalls lässt die nächste Kaltfront erst am Donnerstag übergreifen und das
zunächst auch nur in der Westhälfte. Viel wird davon abhängen, wie viel
Progressionspotenzial das von starker Meridionalität geprägte Low-Index-Muster
am Ende aufbringt, um Rücken und Hochdruckzone bei uns wegzudrücken. Es sollte
nicht verwundern, wenn die nächsten Läufe weiter auf die Bremse treten und den
Hochdruckeinfluss bei uns verlängern.

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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Im Großen und Ganzen teilen die "Big Five" (IFS, ICON, GFS, GEM, UK10) dieselbe
Idee. Nur beim Timing der am Mittwoch oder Donnerstag (oder vielleicht noch
später??) übergreifenden Kaltfront konnte man sich bisher nicht einigen. So gibt
sich ICON noch etwas defensiver als IFS, während die "Nordamerikaner" plus UK
schon am Mittwoch, spätestens in der Nacht zum Donnerstag tätig werden.
Vergleicht man das mit den Vorhersagen von gestern für den kommenden Mittwoch,
scheint die gemütliche Variante von ICON nicht die schlechteste Wahl zu sein.

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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Wie fast nicht anders zu erwarten, spielt das IFS-EPS das Spielchen des
Hauptlaufs (HRES) bis zum kommenden Dienstag von einigen wenigen leichten
Abweichungen mit. Bezogen auf die Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte
bedeutet das einen komprimierten Kurvenverlauf sowohl beim Potenzial 500 hPa als
auch bei der Temperatur 850 hPa. Auch die Niederschlagspeaks sind sehr
akzentuiert gesetzt, bevor es am Montag und Dienstag fast komplett abtrocknet.
Ab Wochenmitte fangen die Kurven dann stärker an zu divergieren, wobei mit
unterschiedlichem Timing und wechselnder Intensität ein gewisser Abwärtstrend
bei wieder zunehmendem Niederschlagsrauschen erkennbar ist. Es soll aber nicht
verschwiegen werden, dass es ja nach Region mal etwas mehr, mal etwas weniger
Lösungen gibt, die Temperatur und Geopotenzial relativ hoch halten.

Richtet man den Blick daraufhin auf die Clusterung von IFS-EPS, lässt sich
zunächst mal festhalten, dass sich die drei für den ersten Zeitraum T+72...96h
(Sonntag/Montag) angebotenen Cluster bezogen auf den Vorhersageraum kaum
voneinander unterscheiden. Drei Cluster werden auch im zweiten Fenster von
Dienstag bis Donnerstag (T+120...168h) offeriert, die alle dem Regime "Blocking"
zugeordnet sind. Cl 1 und 2 (43 Lösungen + HRES) setzen bis Donnerstag auf
Hochdruckeinfluss bei uns, während bei CL 3 (8 Läufe) Trogresiduum und Rinne
etwas eher bei uns vorstellig werden. Drei Cluster sind es auch im dritten und
hier behandelten letzten Zeitfenster der erweiterten Mittelfrist von Freitag bis
Sonntag (T+192...240h). Am interessantesten dabei der Vergleich zwischen CL 1 (23
Lösungen + HRES) und CL 3 (12 Lösungen): Während Mitteleuropa bei CL 1 voll
unter Tiefdruckeinfluss gerät, baut sich der Rücken in CL 3 nach kurzer und
flacher Trogpassage rasch wieder auf und stützt ein neues wuchtiges Hoch. Wir
haben also die Wahl, entweder nachhaltig kühler und nass oder schnell wieder
mild und trocken. Holen wir CL 2 (16 Fälle) als "Schiedsrichter" in die Show,
deutet sich eher die antizyklonale Variante an - allerdings ohne VAR und Kölner
Keller...

FAZIT:
Nach einem zumindest in Teilen durchwachsenen Ostersonntag stellt sich zu Beginn
der neuen Woche Hochdruckeinfluss ein mit einem starken Temperaturgradienten
zwischen Nordost (kühl, Nachtfrostgefahr) und Südwest (sehr mild). Wie lange das
Hoch durchhält, ist noch offen. Gegenüber der gestrigen Lesart scheinen wir aber
noch einen Tag mehr zu bekommen (Mittwoch). Ober es danach substanziell
zyklonaler wird oder sich das Hoch nach kurzer Unterbrechung wieder regeneriert,
ist noch offen.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Viel ist nicht zu holen auf dem Gebiet signifikanter Wettererscheinungen. Die
Erträge beschränken sich auf WIND/STURM und GEWITTER, ohne dass sich damit ein
großes Geschäft machen ließe. Konkret reden wird über Ostersonntag, an dem es ab
dem Nachmittag im präfrontalen Süden in nicht überbordend energiereicher
Warmluft einzelne markante Überentwicklungen geben kann (lokal Starkregen,
kleiner Hagel, Böen 8 Bft). Zur gleichen Zeit bzw. schon einige Stunden vorher
frischt der Südwesest- bis Westwind an der Nordsee, im küstennahen Binnenland,
im Norden von SH sowie in den Hochlagen einiger Mittelgebirge zeitweise und in
Böen stürmisch auf (8-9 Bft). Bliebe vielleicht zu ergänzen, dass vor allem nach
Osten und Nordosten hin in den Nächten weiterhin eine latente Frostgefahr
gegeben ist. That´s it.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS sowie ICON/IFS.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann