DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

30-03-2026 11:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 30.03.2026 um 10.30 UTC



Anfangs vor allem nachts noch kühl. Über Ostern wechselhaft, zeitweise
Niederschläge, an der Nordsee windig. Kommende Woche wahrscheinlich deutlich
milder, dann vorübergehend Zwischenhocheinfluss.
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Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 06.04.2026


In der heutigen Synoptischen Übersicht gibt es nachvollziehbarerweise nur ein
Thema - nämlich: Welches Wetterchen legt uns der Osterhase am Wochenende ins
Nest? Tatsächlich scheint das eine kniffligere Geschichte zu werden, die man
etwas ausdifferenzieren muss. Aber zunächst einmal von Anfang an...

Die heute und in den kommenden Tagen noch vorherrschende Trogwetterlage wird ab
Donnerstag abgelöst durch eine sich vom Atlantik nach Nordosteuropa erstreckende
Hochdruckbrücke. Dieser Geopotential- und Bodendruckanstieg erfolgt dabei im
Zusammenhang mit dem Abtropfen des vorher wetterbestimmenden Langwellentroges.
Dieser Abtropfprozess führt zur Ausbildung eines zunächst kräftigen
Mittelmeertiefs, dass sich in den nachfolgenden 24 Stunden bis zum Freitag
deutlich abschwächt. Über Deutschland überwiegt aber insgesamt der
Hochdruckeinfluss und sorgt für einen meist trockenen und wechselnd bewölkten,
allerdings auch recht kühlen Tag. Die eingeflossene polare Luftmasse bleibt
liegen. Bei T850 von etwa 0..-2°C sind zwar keine großen Temperatureskapaden zu
erwarten, allerdings ist die Luftmasse in der Grenzschicht auch sehr gut
durchmischt bis hin zur leichten Labilität, sodass es gebietsweise trotzdem zu
Höchstwerten von knapp 15°C reicht. Dementsprechend ist tagsüber aber auch noch
einiges an Quellbewölkung zu erwarten. Etwas unbeständiger stellt sich dabei
noch der äußere Norden Nordwesten in Nähe der Nordsee dar. Dort liegt die
Frontalzone recht nahe und kann im Tagesverlauf in Form einer schwachen
Kaltfront für ein paar Tropfen Regen sorgen.
Diese Kaltfront verlagert sich in der Nacht zum Karfreitag landeinwärts und
sorgt für dichte Bewölkung und weiterhin für etwas Regen. Der Süden verbleibt
unter Hochdruckeinfluss, sodass es dort entsprechend aufklart und die
Temperaturen erneut bis in den Frostbereich sinken, während es in der nördlichen
Landeshälfte wohl eher frostfrei bleibt.

Am Karfreitag fließt hinter der Kaltfront kurzzeitig nochmal eine
vergleichsweise kalte Polarluftmasse ein (T850 bis -6°C), sodass es im Norden
unter dichten Wolken ein vergleichsweise kühler Tag mit meist einstelligen
Höchstwerten wird. In der Mitte und im Süden beherrschen ebenfalls zahlreiche
Wolken die Szenerie, hier regnet es stellenweise etwas, in den nördlichsten
Mittelgebirgen mischt sich auch nochmal eine Schneeflocke in den Niederschlag.
Unterdessen bildet sich auf dem nahen Atlantik ein kleines, aber kräftiges
Sturmtief und erreicht gegen Abend die schottische Küste. Vorderseitig setzt
auch bei uns bereits WLA und damit auch Schichtdickenadvektion ein. Damit
beginnt sich die eingeflossene Kaltluft adiabatisch zu erwärmen und raubt der
ohnehin schon schwachen Kaltfront endgültig ihren Antrieb. In der Folge lassen
die Restniederschläge eingangs der Nacht zum Samstag endgültig nach. Zudem
erfolgt im Süden Deutschlands mit einem sich nähernden Ableger des Atlantikhochs
Druckanstieg. Anders dagegen im Norden - dort erfolgt im Laufe der Nacht der
Warmfrontdurchzug des Nordseetiefs. Bemerkbar macht sich das durch ein neues,
schwaches Niederschlagsgebiet, das sich Samstagmorgen über die Nordwesthälfte
Deutschlands erstreckt. Mit zunehmendem Gradienten, einerseits durch
Tiefdurchzug Richtung Norwegen, andererseits durch den schon erwähnten
Druckanstieg im Süden, sind an der Nordseeküste steife und einzelne stürmische
Böen möglich.

Am Ostersamstag sorgt bereits das nächste entwickelte Tiefdruckgebiet bei den
Britischen Inseln für weitere Unterstützung der Zufuhr milderer Atlantikluft.
Dabei dreht nun auch die Höhenströmung im Tagesverlauf allmählich über West auf
südwestliche Richtung. Die Hochdruckzelle im Süden verlagert sich dabei
ostwärts, sodass auch der südliche Landesteil auf die westliche und damit
mildere Seite der Divergenzachse gerät. Dabei liegen noch immer Frontenreste -
nun eher eine Okklusion mit Warmfrontcharakter - über weiten Teilen der Mitte.
Mit Hebung durch WLA und PVA kommt es dadurch weiterhin stellenweise zu etwas
Regen. Dieser lässt in der Nacht zum Ostersonntag nach. Der Wind nimmt dafür
weiter zu, vor allem an der Küste aber auch in einigen Höhenlagen weht er in
Böen steif und teils auch stürmisch aus West bis Südwest.

Der Ostersonntag beginnt mit einem breiten Warmsektor in weiterhin kräftiger
Südwestströmung über Deutschland. Das Nordseetief hat sich durch seine günstige
Lage am linken Jetausgang nun mittlerweile enorm verstärkt und liegt mit
Kerndruck um 965 hPa vor der südnorwegischen Küste. Im Laufe des Tages folgt
aber die zugehörige Kaltfront nach und überquert Deutschland im Laufe des Tages
von Nordwest nach Südost. Der Temperaturgradient ist vor allem in der Höhe recht
markant, T850 geht von Werten um +6°C auf bis zu -4°C zurück. Verbreitet regnet
es entlang der Kaltfront, abschnittsweise durchaus auch kräftig. Vor dem
Frontdurchzug, der in den meisten Regionen erst später am Tag bzw. eingangs der
Nacht stattfindet, steigen die Temperaturen mit dem Südwestwind deutlich an.
Oftmals werden Werte von etwa 15 bis 17, stellenweise auch bis 19°C erreicht.
Dass es auch für die 20°C-Marke reicht, lässt sich zwar nicht ausschließen,
erscheint aber erstmal noch unwahrscheinlich.
In der Nacht zum Montag verlagern sich die Niederschläge mit der Kaltfront an
die Alpen. Hinter der Front lockert es auf und es kühlt wieder empfindlich auf
tiefe einstellige Werte ab. Frost lässt sich hierbei nicht ausschließen.

Der Ostermontag steht dann im Zeichen von Sonnenschein. Es kommt - zunächst noch
KLA-gestützt - zu einem deutlichen Geopotentialanstieg über Südeuropa, der auch
Deutschland erreicht. Das zugehörige Bodenhoch manifestiert sich demnach östlich
von uns, sodass es anschließend mit südlicher Anströmung zu einer deutlichen
Erwärmung kommt, die zumindest bis Mitte der kommenden Woche anhalten könnte.
Dann stehen regional auch Werte von über 20°C im Raum. Allerdings zeigt IFS
schon bald den nächsten Frontdurchgang. Die zonalen Wetterlagen scheinen also
erst einmal die Oberhand zu behalten, sodass höchstens vorübergehende
Hochdruckphasen zu erwarten sind. Ein Ende der aktuell doch ziemlich kühlen
Witterung scheint zwar in Sicht, insgesamt überwiegt aber trotzdem eher
unbeständiges Wetter.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die letzten IFS-Läufe sind in sich vergleichsweise konsistent und zeigen mehr
oder weniger die oben beschriebenen Abläufe. Mehr oder weniger deshalb, weil
Frontendurchgänge in rascher Abfolge immer mit entsprechenden Unsicherheiten
verbunden sind. Betroffen ist davon vor allem der Norden. Dort kommt es darauf
an, wie kräftig sich die jeweiligen Tiefdruckgebiete am Ende entwickeln, was
wiederum Einfluss darauf hat, wie weit milde Luft aus südlicheren Gefilden nach
Norden vordringen kann. Nicht auszuschließen, dass der Norden auch noch länger
auf der kalten Seite der jeweiligen Luftmassengrenzen verbleibt, als es die
Modelle aktuell zeigen. Andererseits auch möglich, dass die Warmluft noch
deutlich weiter bis nach Südskandinavien vordringt. Dann setzt überall Milderung
ein, nur dass es an der Küste um diese Jahreszeit bedingt durch die noch
niedrigen Wassertemperaturen immer noch deutlich kühler bleibt als im Rest des
Landes.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Bis zum Wochenende wird die Entwicklung in verschiedenen Globalmodellen
vergleichsweise ähnlich gezeigt. Größere Unterschiede zeigt ICON dann am
Ostersamstag. Während alle anderen Modelle auf wenigstens zonale Strömung drehen
und eher mildere Luftmassen überwiegen, generiert ICON nochmals ein Zwischenhoch
mit Lage über Frankreich, sodass die Strömung auf Nordwest zurückdreht und so
nochmals deutlich kühlere Polarluft einfließt.
Die anschließende, für uns bedeutsame atlantische Tiefdruckentwicklung weist
anschließend über alle Modelle hinweg größere Unterschiede auf. Die antizyklonal
beeinflusste Milderung zu Beginn der kommenden Woche haben aber alle Modelle im
Programm. IFS ist von allen Varianten dabei die langsamste, sowohl ICON als auch
GFS lassen die milde Luft am Montag deutlich rascher nach Norden vorankommen.
Insgesamt betrachtet erschwert dies vor allem die Niederschlagsprognose, die
bezüglich des Timings und in Abhängigkeit der verschiedenen Frontenlagen noch
erhebliche Unterschiede aufweisen kann. Bis sich hier die genauere Prognose
manifestieren kann, muss noch abgewartet werden.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die ECMWF-ENS zeigen insgesamt einen einhelligen Trend zur Milderung, je weiter
man im Vorhersagezeitraum voranschreitet. Allerdings schlägt dabei der zonale
Charakter der im Raum stehenden Wetterlage durch. Das heißt im Verlauf kommt es
zu teils deutlichen Ausschlägen nach oben und unten - quasi eine Art
"Achterbahnfahrt". In diesem Sinne sind die Prognosen eben auch noch
entsprechend unsicher, was den genauen Ablauf des Wettergeschehens betrifft,
insbesondere bei der Niederschlagsprognose, aber auch den Temperaturen vor allem
in der zweiten Osterhälfte (Sonntag/Montag).

Die GFS-ENS zeigen insgesamt sehr ähnliche Szenarien, sodass hierauf nicht
weiter eingegangen wird.

Die ECMWF-Cluster bestätigen das Grundströmungsmuster aus der Deterministik und
auch den ENS. Bis +196h (Ostermontag) werden +NAO-Muster simuliert mit negativer
Geopotentialanomalie westlich der Britischen Inseln und positiver
Geopotentialanomalie zunächst über Südwest- später auch Mitteleuropa. Darüber
hinaus erhöht sich anschließend die Unsicherheit. Immerhin 11 Member zeigen bis
+240h (Donnerstag kommender Woche) starkes Blocking mit Keilachse genau über
Deutschland. Die restlichen ENS verharren im +NAO-Muster, aber auch hier
überwiegt über Deutschland eher positive Geopotential-Anomalie.

Fazit:
Ganz hundertprozentig steht noch nicht fest, wie sich der Ablauf über die
Osterfeiertage gestaltet. Alles deutet aber auf wechselhaftes Wetter hin, wobei
in vielen Regionen zumindest zeitweise Regen fallen dürfte. Die Temperaturen
steigen dabei allmählich an. Allerdings kommt es mit Luftmassenwechseln in
rascher Abfolge zu einem zwischenzeitlichen Hin und Her, bevor sich dann zu
Beginn der kommenden Woche wohl erstmal Zwischenhocheinfluss und deutlich
wärmere Temperaturen durchsetzen.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Markante Wettererscheinungen sind kaum zu erwarten. Am ehesten kommt es am
Osterwochenende an der Nordseeküste sowie vorübergehend in den exponierteren
Hochlagen vor allem der nördlichen Mittelgebirge zu stürmischen Böen Bft 8. Die
Wahrscheinlichkeiten dafür sind aber recht gering.
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Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF/-ENS, MOS, ICON
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VBZ Offenbach / M.Sc. Felix Dietzsch