DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

21-03-2026 11:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 21.03.2026 um 10.30 UTC



Anfangs Hochdruckeinfluss, ab Wochenmitte von Nordwesten markanter
Kaltluftvorstoß, zeitweise windig mit Graupelgewittern, am Alpenrand markanter
Schnee möglich.
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 28.03.2026


Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch schwenkt der
Atlantikkeil zunehmend südwärts und macht den Weg frei für einen breiten Trog
mit Temperaturen bis zu -37 Grad in 500 hPa, der aus dem isländischen Raum bis
Mittwochfrüh zu den Britischen Inseln vorstößt. Ein umfangreiches Sturmtief
östlich von Island zieht zur Küste Norwegens, seine Kaltfront erreicht
Mittwochfrüh den Nordwesten Deutschlands.

Während es tagsüber noch verbreitet freundlich und schwachwindig ist, nimmt mit
Annäherung der Kaltfront die Bewölkung im Norden zu und auch der Südwestwind
frischt auf. Ab dem Nachmittag treten auf dem Brocken erste stürmische Böen auf.
Ab dem Abend und vor allem in der Nacht gibt es an der Nordsee starke bis
stürmische Böen, die in den Frühstunden auch auf das Binnenland übergreifen.
Auch in den westlichen und zentralen Mittelgebirgen treten starke bis stürmische
Böen auf, auf dem Brocken schwere Sturmböen. In der Nacht erreichen die
Niederschläge der Kaltfront die Nordwesthälfte des Landes, die Mengen bleiben
jedoch unterhalb der Warnschwelle.

Am Mittwoch stößt der Trog rasch weiter nach Süden und zunehmend langsamer nach
Osten vor. Seine Achse reicht Donnerstagfrüh von Norwegen bis zum Golf von Lyon.
Das Sturmtief über der Norwegischen See zieht nach Norwegen und füllt sich
allmählich auf. Über Südnorwegen bildet sich im Lee des Norwegischen Gebirges
ein neues Zentrum. Die Kaltfront überquert Deutschland weitgehend und wird im
Zuge einer Zyklogenese über Italien im Alpenraum zunehmend stationär.

Postfrontal sinkt die Temperatur in 850 hPa auf -3 bis -5 Grad. Gleichzeitig
geht die Temperatur in 500 hPa im Westen auf bis zu -35 Grad zurück. Die rund
30-Kelvin-Differenz sorgt für ausreichende Labilität für zahlreiche Schauer und
örtliche Graupelgewitter. Mit einfließender maritimer Polarluft sinkt die
Schneefallgrenze auf etwa 500 m. An den Alpen kann es zu stärkeren Schneefällen
kommen; bis Donnerstagfrüh sind Neuschneemengen zwischen 10 und 20 cm möglich,
in den Mittelgebirgen etwa 5 bis 10 cm. Mit der Kaltfrontpassage treten
verbreitet starke bis stürmische Böen auf, in Hochlagen auch Sturmböen. Zum
Abend hin lässt der Wind von Nordwesten her wieder nach.

Am Donnerstag tropft der Trog über Italien ab. Der verbleibende Resttrog kommt
mit seiner Achse kaum nach Osten voran und reicht von Skandinavien bis nach
Deutschland. Ein breiter Höhenkeil erstreckt sich zunächst bis nach Island und
schwenkt unter Abschwächung zu den Britischen Inseln. Mit Höhenkaltluft um -35
Grad in 500 hPa und etwa -4 Grad in 850 hPa treten weiterhin Schauer sowie kurze
Graupelgewitter auf.

Das Tief über Oberitalien verstärkt sich, während sich über Südosteuropa
Warmluftadvektion einstellt, die jedoch zunächst nicht auf Deutschland
übergreift. Solche Muster sind grundsätzlich prädestiniert für die Entwicklung
eines Vb-Tiefs. In der Nacht lassen die Schauer nach und verbreitet tritt
leichter bis mäßiger Frost auf.

Am Freitag liegt Deutschland gewissermaßen im synoptischen Niemandsland. Der
Trog ist vollständig zwischen Italien und dem Balkan abgetropft, und die
Aufgleitprozesse an der Ost- und Nordostflanke des Höhentiefs bleiben von
Deutschland fern. Das Trogresiduum schwenkt weiter nach Osten ab, während sich
von Nordwesten her ein Höhenkeil bemerkbar macht, der jedoch von einem
Kurzwellentrog überlaufen wird. Mit diesem Kurzwellentrog ist eine Okklusion
verbunden, die zu einem Tief bei Island gehört.

Weder die Okklusion noch die Aufgleitprozesse des Höhentiefs beeinflussen
Deutschland wesentlich, sodass sich hier kaum wetterwirksame Prozesse ergeben.
Zudem setzt auch in der Höhe eine Erwärmung ein, mit Werten um -25 Grad in 500
hPa. Die Labilität reicht damit kaum noch für Schauer aus, sodass sich
überwiegend nur lockere Quellbewölkung bildet. In der Nacht wird es verbreitet
frostig kalt mit Tiefstwerten zwischen -1 und -7 Grad.

Am Wochenende etabliert sich eine Potentialbrücke, die sich quer über
Deutschland erstreckt und zu einer weiteren Stabilisierung der Wetterlage führt.
Lediglich der Südosten bleibt in der Nähe des Höhentiefs. Dort könnten
Warmluftadvektion und Aufgleitprozesse auf Deutschland übergreifen und
Niederschläge verursachen, die in den Alpen bis in die Täler als Schnee fallen
können. Markantere Schneefälle sind dabei nicht ausgeschlossen, allerdings ist
diese Entwicklung derzeit noch mit größeren Unsicherheiten behaftet.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz der IFS-Läufe ist insgesamt gut, allerdings vor allem auf der
großräumigen Skala. Bis Dienstag herrscht weiterhin Hochdruckeinfluss, gestützt
durch einen Hochkeil.

Am Mittwoch erfolgt über den Britischen Inseln bzw. über der Nordsee ein
Trogvorstoß, der sich im weiteren Verlauf amplifiziert und bis Ende der
kommenden Woche über dem zentralen Mittelmeerraum abtropfen könnte. Hinsichtlich
der genauen Trogkonfiguration bestehen noch Unsicherheiten, insbesondere ob die
Austrogung etwas weiter westlich oder östlich erfolgt. Davon hängt unter anderem
ab, wann die maritime Polarluft am Mittwoch Deutschland erreicht.

Sollte der Trog schließlich in den Mittelmeerraum abtropfen, wäre auch die
Ausbildung einer Vb-ähnlichen Lage möglich, die insbesondere im Südosten für
ergiebigere Niederschläge sorgen könnte.

Als relativ sicher gilt derzeit lediglich, dass sich die Wetterlage am Mittwoch
umstellt. Dann setzt eine deutlich kühlere und wechselhafte Witterungsphase ein,
begleitet von wiederholten Niederschlägen. Aufgrund der einströmenden maritimen
Polarluft könnten diese in mittleren, teils auch in tieferen Lagen vorübergehend
als Schnee fallen. Für Details ist es derzeit jedoch noch zu früh.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Andere Modelle zeigen eine gewisse Bandbreite hinsichtlich des Übergreifens des
Troges. GFS und IFS simulieren eine etwas schnellere Entwicklung, während UK10
und ICON den Trogvorstoß etwas verzögert darstellen. Im weiteren Verlauf tropft
der Trog über dem zentralen Mittelmeerraum ab.

Welche Auswirkungen sich daraus für Deutschland ergeben, ist derzeit noch
unsicher. Die Modelle zeigen unterschiedliche Muster sowie verschieden
ausgeprägte Hebungsprozesse, sodass bereits kleine Änderungen in der
Trogkonfiguration größere Auswirkungen auf die Niederschlagsverteilung haben
können.

Nach heutigem Stand bleibt Deutschland zunächst von größeren Niederschlägen
verschont. Als relativ sicher gilt jedoch, dass sich eine deutliche Abkühlung
einstellt.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen verschiedener Städte zeigen ab Mittwoch eine markante Abkühlung
sowie erst gegen Ende der kommenden Woche wieder eine langsame Erwärmung. Diese
Abkühlung geht mit einem deutlichen Rückgang des Geopotentials einher und deutet
auf einen Trogvorstoß hin. Entsprechend nehmen auch die Niederschlagssignale zu.
Mit der anschließenden Erwärmung steigt das Geopotential wieder an, während die
Niederschlagssignale abnehmen. Dies deutet darauf hin, dass nach dem Trogvorstoß
wahrscheinlich eine Wetterberuhigung bzw. Stabilisierung einsetzt. Bis Freitag
bleibt der Spread noch relativ gering, nimmt danach jedoch zu. Trotz der
größeren Streuung zeigen die meisten Lösungen eine ähnliche Entwicklung, sodass
weiterhin von einer vergleichbaren großräumigen Wetterlage ausgegangen werden
kann.

Die Clusteranalyse zeigt ausgangs der Kurz- bzw. eingangs der Mittelfrist (72
bis 96 Stunden) drei Cluster mit Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 1. Diese
unterscheiden sich für Dienstag über Mitteleuropa noch kaum. Es zeigt sich eine
Potentialbrücke bzw. Hochdruckzone, während sich ein Randtrog über Skandinavien
befindet. Ab Mittwoch stellt sich die Wetterlage jedoch um, ausgelöst durch
einen nach Südosten vorstoßenden Trog über dem Nordostatlantik.

Für den Zeitraum von 120 bis 168 Stunden werden fünf Cluster berechnet, wobei
sich Haupt- und Kontrolllauf ebenfalls in Cluster 1 befinden. Alle Lösungen
zeigen den Trogvorstoß mit nur geringen Unterschieden sowie im weiteren Verlauf
einen Cut-Off-Prozess über dem zentralen Mittelmeerraum. Zum Ende des Zeitraums
deutet sich ein Potentialanstieg an.

Im Zeitraum von 192 bis 240 Stunden werden die vorhandenen drei Cluster
überwiegend einem Blocking-Regime und seltener dem Regime eines
Mittelatlantischen Rückens zugeordnet. Die Tendenz geht zu einem Brückenschluss
zwischen dem Azorenhoch und dem Russlandhoch, wobei die Stärke dieser Brücke von
den Modellen unterschiedlich simuliert wird. Über dem Mittelmeerraum verbleibt
dabei in allen Lösungen deutlich erniedrigtes Geopotential.

Kurzfazit:
Am Dienstag lässt der Hochdruckeinfluss allmählich nach. Von Nordwesten her wird
es zunehmend unbeständig bei markanter Abkühlung. Am Mittwoch windig, im
Bergland auch stürmisch. Im Westen sind Graupelgewitter möglich. Der weit nach
Süden vorstoßende Trog tropft schließlich ab, begleitet von einer Zyklogenese
über Oberitalien. Eine Vb-ähnliche Wetterlage ist nicht völlig ausgeschlossen,
erscheint nach heutigem Stand jedoch eher unwahrscheinlich. Am Dienstag noch
mild mit Höchstwerten bis etwa 19 Grad, danach deutlich kühler mit einem
wahrscheinlichen Temperaturnminimum am Donnerstag oder Freitag.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


WIND:
Für den Mittwoch im Tiefland geringe und im Bergland teils mittlere
Wahrscheinlichkeiten für Böen bis Sturmstärke (Bft 9).

DAUERREGEN:
Für den Gesamtniederschlag gibt es geringe Wahrscheinlichkeiten für mehr als 30
l/qm in 24 Stunden am Donnerstag für den Alpenrand.

SCHNEEFALL:
Es gibt erste, jedoch noch geringe Signale für markante Schneefälle am
Alpenrand. Ab Donnerstag zeigen die Ensemble-Auswertungen mittelhohe
Wahrscheinlichkeiten für mehr als 15 l/qm in 24 Stunden, die am Alpenrand
überwiegend als Schnee fallen können.

Zum Wochenende hin deuten einige Lösungen auf mögliche markante Schneefälle mit
20 bis 2 30 cm Neuschnee in 24 Stunden an den östlichen Alpen hin. Die
Unsicherheiten sind derzeit jedoch noch vergleichsweise groß.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta