DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

26-02-2026 10:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 26.02.2026 um 10.30 UTC



Sonntag Start in den meteorologischen Frühling - leicht wechselhafter
Wetterablauf bei für Anfang März überdurchschnittlichen Tagestemperaturen.
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Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 05.03.2026


Wer vom formell am kommenden Samstag endenden Winter die Nase voll hat (nicht
jeder fand´s sch..., aber beim Wetter scheiden sich ja oft die Geister), wird sich
über die aktuellen atmosphärischen Schwingungen freuen. Von einigen Ausnahmen
abgesehen (z.B. herbstlich anmutende Nebel- und Hochnebelfelder) liegen wir
eindeutig auf Frühlingskurs, der sich - wenn auch mit gewissen Störungen - in
der nächsten Woche fortsetzt.

Beginnen wir am kommenden Sonntag, der den Beginn der offiziellen Mittelfrist
mit dem Start in den meteorologischen Frühling vereint. Die Potenzialverteilung
zeigt einen flachen Rücken knapp westlich und einen etwas weniger flachen Rücken
knapp östlich von uns. Dazwischen schwenkt ein zunehmend an Kontur einbüßender
Trog über Deutschland hinweg, dem eine schwache Kaltfront vorgeschaltet ist. Sie
gehört zu einem kleinen, über den Finnischen Meerbusen in Richtung Karelien
abziehenden Randtief. In der einfließenden subpolaren Meeresluft (T850 um oder
etwas unter 0°C) kann es bei wechselnder Bewölkung hier und da mal etwas regnen,
ohne dass dabei aber nennenswerte Mengen zusammenkommen.

Am Montag dehnt sich ein Trog über dem nahen Atlantik deutlich nach Süden aus,
wo er spätestens in der Nacht zum Dienstag knapp westlich der Iberischen
Halbinsel abtropft. Vorderseitige WLA sorgt für eine Aufwölbung des o.e. flachen
Rückens, der sich genau über den Vorhersageraum legt, während sich das
korrespondierende Bodenhoch leicht nach Osten versetzt vom zentralen Mittelmeer
bis nach Finnland erstreckt. Mit südlicher Strömung wird wieder etwas mildere
(T850 1 bis 5°C) und im Süden gleichzeitig labilere Luft herangeführt. Zudem
befindet sich über dem Jura sowie den Westalpen ein kleines, bis nach
Südwestdeutschland reichendes Höhentief, das man am Rande des fetten Rückens
durchaus übersehen kann. Zwar ist die Strahlkraft dieses Tiefs nicht übermäßig
prominent ausgeprägt. Mit Hilfe der Orografie könnte es aber trotzdem für
einzelne Schauer und vielleicht sogar ein kurzes Gewitter im Süden und Südwesten
der Nation reichen.

Während sich das kleine Höhentief bis Mittwoch einmal über die Mitte des Landes
hinweg in Richtung Polen quasi durch den Rücken hindurchbohrt und dabei mit
Unterstützung des Berglands weitere Schauer oder auch kurze Gewitter generiert,
nähert sich von der Nordsee die schwache Kaltfront eines Nordmeersturmtiefs. Die
Front arbeitet entfernt mit dem Residuum des abgetropften Troges zusammen, eine
richtige Symbiose will aber nicht aufkommen (Front will zu uns, Residuum nach
Südskandinavien). Letztlich erreicht sie bis Mittwochfrüh die Norddeutsche
Tiefebene, wo sie sich unter dem regenerierenden Rücken und damit verbundenem
starken Druckanstieg (Mittwochmittag eine eigenständige 1030-hPa-Parzelle mit
Zentrum über den Dänischen Inseln) sehr wahrscheinlich auflöst. Ihre
Wetterwirksamkeit beschränkt sich auf etwas frontale Bewölkung, kaum Regen und
auch nur geringfügige Abkühlung.

Bis Donnerstag verlagert sich das Bodenhoch nach Belarus bzw. der Ukraine,
wohingegen der Rücken nur schleppend hinterhertrottet. Bedeutet für uns einen
antizyklonal geprägten, ziemlich milden (T850 3 bis 6°C) Vorfrühlingstag. Erst
am Freitag erwischt uns dann von Westen her ein ausgeprägter Randtrog mit einer
Kaltfront, bevor danach wieder - evtl. sogar für längere Zeit - auf
Hochdruckeinfluss geswitcht wird.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Wenn man den Maßstab nicht allzu pingelig anlegt, kann die Konsistenz von IFS
(ECMF) als gut bezeichnet werden. Im Grunde befinden wir uns die ganze Zeit über
im Bereich eines Hochs, mal eher am Rand, mal mittendrin. Kleine Störungen
sorgen dafür, dass sich ein leicht wechselhafter, aber keinesfalls
unfreundlicher Wettercharakter auf frühlingshaftem Temperaturniveau einstellt
(tagsüber abseits der Küsten meist zweistellig, nachts mit Ausnahme des Südens
sowie einiger Mittelgebirge weitgehend frostfrei). Viel Regen fällt nicht, eher
sind es einzelne Schauer oder sogar Gewitter, die für etwas Nass von oben
sorgen. Bei unterschiedlicher Bewölkung zeigt sich aber auch immer wieder die
Sonne.


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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Anfangs simulieren die etablierten Globalmodelle (neben IFS noch ICON, GFS, GEM
und UK10) die beschriebene Entwicklung sehr ähnlich. Doch schon am Montag gibt
es einen ersten kleinen Ausreißer, indem ICON eine Warmfront mit Regen auf
Norddeutschland übergreifen lässt. Die nächste "Anomalie" folgt ab Dienstagabend
seitens UK10, welches das Trogresiduum deutlich prominenter als die anderen
Mitstreiter Deutschland von West nach Ost überqueren lässt. Vor allem der Norden
würde dabei kurzzeitig eine fette Portion Höhenkaltluft mit T500 um -35°C (T850
bis -5°C) abbekommen, was nun aber so gar nicht im Interesse der anderen Modelle
liegt - Außenseiterlösung.
Letztendlich gilt beim Modellvergleich dasselbe wie bei der
Konsistenzbetrachtung: im Grunde Hochdruckeinfluss, allerdings mit Störungen,
die mal mehr, mal weniger voneinander abweichen.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen bis Anfang
nächster Woche einen eng gebündelten Verlauf, um danach allmählich zu
divergieren. Bis Donnerstag verfolgt das Gros der Lösungen aber einen ähnlichen
Kurs mit leicht positiven (bis etwa +6 oder 7°C Maximum) T850 und einem soliden
Geopotenzial 500 hPa zwischen 560 und 570 gpdm. Ein paar Ensembles allerdings -
eine Handvoll oder etwas mehr - scheren am Dienstag/Mittwoch begleitet von
einigen RR-Signalen nach unten aus, was dem UK10-Szenario entsprechen würde.
Oder anders ausgedrückt, so ganz klar ist noch nicht, was genau mit dem
Trogresiduum passiert. Am Freitag nimmt die Streuung dann noch etwas zu, wobei
sich kalte und milde Lösungen etwa die Waage halten - Scheideweg,
Momentaufnahme?

Vielleicht liefert die Clusterung eine Antwort. Los geht´s am Sonntag und Montag
(T+72...96h) gleich mal mit sechs Clustern, die aber zumindest bezogen auf den
Vorhersageraum ein nahezu kongruentes Muster zeigen. Von Dienstag bis Donnerstag
(T+120...168h) bleibt es bei sechs Clustern, die die Passage des Trogresiduums in
unterschiedlicher Ausprägung, meist aber relativ flach zeigen. Danach
regeneriert sich der Rücken wieder, in CL 1, 2 und 6 (insgesamt 32 Lösungen +
HRES) ziemlich steil (Klimaregime "Blockierung"), in den anderen drei Clustern
(19 Fälle) flacher bzw. leicht nach Osten versetzt (Klimaregime "NAO+"). Bliebe
noch das dritte Fenster T+192...240h (Freitag bis Sonntag), das fünfmal vertreten
ist. Im Grunde findet man in allen fünf Lösungen einen Höhenrücken mit Bodenhoch
oder Brücke über Mitteleuropa. Dieses antizyklonale Setup wird mal mehr, mal
weniger von durchziehenden Kurzwellentrögen gestört, die offensichtlich für die
kälteren Lösungen in den Rauchfahnen verantwortlich zeichnen. Nichts von Dauer,
Vieles spricht für eine immer wiederkehrende Regeneration des
Hochdruckeinfluss´.

FAZIT:
Durch kleine Höhentiefs oder Kurzwellentröge zeitweise gestörter
Hochdruckeinfluss bei für Anfang März überdurchschnittlichen Temperaturen lautet
das Motto für die erste Woche des meteorologischen Frühlings. Der Wetterablauf
ist leicht wechselhaft mit einzelnen Schauern, vielleicht ersten kurzen
Gewittern, aber auch ausreichend sonnigen oder nur locker bewölkten Anteilen.
Punktuell leichter Nachtfrost steht am ehesten noch im Süden und Südosten auf
der Karte.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Trotz der angesprochenen Unschärfen ist die Großwetterlage nicht besonders
geeignet, um Schlagzeilen auf dem Sektor "signifikante Wettererscheinungen" zu
produzieren. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass hier im Text mal das
Wort "Gewitter" auftaucht. Wenn solche überhaupt auftreten, was angesichts der
Rahmenbedingungen keinesfalls sicher ist, spricht nicht allzu viel dafür, dass
sie dabei von signifikanten Wettererscheinungen begleitet werden. Ansonsten
drohen weder spätwinterliche Schweinereien, noch kündigt sich irgendein
Frühjahrssturm an und auch das Thema Niederschlag kommt über eine unscheinbare
Komparsenrolle nicht hinaus.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS mit IFS-EPS und MOS-Mix.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann