DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

12-06-2024 17:01
SXEU31 DWAV 121800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 12.06.2024 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Anfangs noch kühles Schauerwetter, langsam von Westen Stabilisierung. Dann
zunächst nur gebietsweise etwas Regen, in der Nacht zum Samstag im Westen aber
teils kräftige Gewitter. Insgesamt etwas wärmer.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
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Aktuell ... hat inmitten einer umfassenden Troglage leicht wechselhaftes und
ziemlich unterkühltes Schauerwetter Einzug gehalten. 2 Tage vor EM-Start also
alles andere als ein "Sommermärchenwetter 2.0" oder wahlweise auch "reloaded",
aber was nicht ist, kann ja noch werden. Zumindest, und das sei an dieser Stelle
schon mal vorweggenommen, bewegen sich die Temperaturen in den nächsten Tagen
wieder mehr in die sommerliche Richtung.

In den nächsten Stunden kommt der Langwellentrog, der sich von Skandinavien über
Deutschland zu den Pyrenäen und in abgeschwächter Form sogar noch weiter bis
nach Nordafrika erstreckt, vor allem über dem westlichen Mittelmeer etwas
rascher ostwärts voran. Dadurch wird dem Gesamtsystem auch bei uns die
Progression etwas erleichtert, so dass die Trogachse im Laufe der Nacht über
Deutschland hinweg bis in die östliche Hälfte schwenkt. Zuvor läuft aber
nochmals eine flache Kurzwelle von der Nordsee in den Trog hinein. Rückseitig
setzt zwischen 500 und 1000 hPa positive Schichtdickenadvektion und damit
letztlich eine Stabilisierung der Schichtung ein, was aktuell schon durch
überlagerte mehrschichtige Bewölkung im Nordwesten und nicht mehr ganz so
kräftige Schauer in den Fernerkundungsverfahren zu erkennen ist. Sonst gibt es
von den Küsten bis zur Landesmitte schon noch einzelne Schauer, die aber
tagesgangbedingt weniger werden und sich weiter abschwächen. Gewitter sollten
keine mehr auftreten. Diabatisch bedingt (bei der aktuellen Lage sind die
derzeitig noch recht kühlen Gewässer der Nord- und Ostsee tatsächlich wärmer als
die nächtlichen Minima!) hält sich ein relatives Maximum der Schaueraktivität im
Nordseeumfeld. An der Ostsee gibt es bei Südwest überwiegend ablandige
Küstenabschnitte. Ein zweites, schwächeres Maximum zeichnet sich für die
Morgenstunden, wo wahrscheinlich Abkühlungseffekte an der Wolkenoberkante eine
Rolle spielen, unmittelbar auf der Trogvorderseite von Mittelfranken bis nach
Brandenburg ab.

Trogrückseitige NVA sorgt zudem für leichten Druckanstieg, durch den sich der
Azorenhochkeil YOGI (nicht unser ehemaliger Bundes-JOGI!) immer mehr nach
Deutschland hereinschieben kann und von Südwesten ausgreifend zunehmend auch die
nördlichen Landesteile erfasst. Zentraltief SWANTJE verliert dagegen den
Einfluss und nur der äußerste Norden verbleibt noch im Bereich eines etwas
stärkeren Druckgradienten, in dem die Stärke des Westwindes aber auch an der
Küste nicht mehr für warnwürdige Böen reicht, was heute tagsüber ohnehin nur
noch sehr sporadisch der Fall war. Vom Süden bis zur Mitte schläft der Wind
praktisch ein.

Ganz im Süden und Südosten bleibt es in der Nähe des Frontensystems südlich des
Alpenhauptkammes zeitweise dichter bewölkt, der Regen bleibt aber inneralpin.
Die Schneefallgrenze liegt bei rund 2000 Metern.

Vor allem vom Südwesten bis in die Landesmitte lockert es vielfach auf. Dort
liegen die Tiefstwerte der Nacht dann vielfach bei äußerst frischen 8 bis 4°C,
in den Tälern der Mittelgebirge kann es teils bis auf 1°C runter gehen. Das kann
dann auch stellenweise für Frost in Bodennähe reichen. Selbst unter kompakten
Wolken an der Nordsee und ganz im Süden geht es vielfach in den einstelligen
Bereich zurück.

In der kühlen und windschwachen Nacht könnte prinzipiell auch Nebel ein Thema
sein, allerdings ist die bodennahe Feuchte nur gering und die nächtliche
Ausstrahlung zur bald bevorstehenden Sommersonnenwende bekanntlich kurz, so dass
allenfalls ein paar wenige flache Nebelfelder zu erwarten sind.



Donnerstag ... kommt die Achse des Langwellentroges weiter nach Osten voran
und schwenkt am Nachmittag nach Polen. Lediglich nach Süden zu wird sie durch
Überströmen des Alpenbogens über dem Golf von Genua (erwartungsgemäß) etwas
zurückgehalten. Damit gerät ganz Deutschland tendenziell unter leichtes Absinken
und die Stabilisierung der Schichtung setzt sich immer weiter nach Osten durch.
Bezüglich der Temperaturen in 500 hPa bleiben von den ursprünglichen recht
verbreitet -25°C der letzten Tage am Abend nur noch ganz im Nordosten Werte
unter -20°C übrig. In 850 hPa ist dagegen weiterhin die maritim-polare
Meeresluft wetterbestimmend. Weil aber keine Kaltluft nachgeführt wird, kann
sich diese unter Hochdruckeinfluss langsam erwärmen und bis zum Abend werden in
850 hPa im Norden wieder +2°C, am Hochrhein +8°C erreicht.

Derweil kommt es draußen auf dem Atlantik westlich der Britischen Inseln schon
zu einer neuen Austrogung und das zugehörige Tiefdrucksystem weitet sich weit
nach Süden aus. Dies hat deutlichen Druckfall über der Biskaya und Südwesteuropa
zur Folge, womit Hochkeil YOGI vom Azorenhoch abgetrennt wird. Als
eigenständiges Hoch entwickelt YOGI im Tagesverlauf einen eigenen Schwerpunkt
über Deutschland, der im Tagesverlauf aber schon nach Osten abwandert. Nach
überwiegend westlichen und vorübergehend umlaufenden Winden dreht die bodennahe
Strömung im Vorfeld des neuen Tiefs zum Abend im Westen Deutschlands zunehmend
auf südliche Richtungen.

Die Schauertätigkeit lebt im Tagesverlauf im Norden und Osten noch einmal
deutlich auf. Auch im Südosten, wo mit Durchzug des Troges eine Labilisierung
stattfindet und die alte Front endgültig weit ostwärts abgedrängt wird, kommt es
im Tagesverlauf zu Schauern. Schaut man sich einmal die Vorhersagetemps um 12
UTC an, so erreichen diese Gleichgewichtsniveaus Richtung Ostfriesland um die
-10°C bis 600 hPa, von Mecklenburg-Vorpommern über Berlin/Brandenburg bis nach
Sachsen und zur Donau zwischen -15 und -20°C bis rauf an die 500 hPa. Letztere
sind dann auch die Bereiche, wo einzelne kurze Gewitter weiterhin am
wahrscheinlichsten sind, aber warntechnisch weiterhin äußerst undankbar bleiben,
da es mit 1-2 Blitzen meist erledigt ist und sich die Zelle wieder abschwächt.
Denn die bestimmenden Parameter bleiben ähnlich wie am Vortag: Meist nur
geringes CAPE um 100 J/kg, niederschlagbares Wasser um 15 mm und recht flotte
Zuggeschwindigkeiten teils über 40 km/h bei ähnlich schwachem
niedertroposphärischem Wind lassen in der Regel weder Starkregen noch stürmische
Böen zu. Dafür aber örtlich wieder kleineren Graupel bei der niedrigen
0°C-Grenze vor allem nach Nordosten hin bei rund 1600 m. Zum späten Nachmittag
und Abend geht die ohnehin nur geringe Gewitterwahrscheinlichkeit auch im
äußersten Osten weiter zurück.

Im Westen reicht es dagegen nur noch zur Bildung größerer Quellwolken, aber kaum
noch zu Schauern, da die 0°C Grenze beim Aufstieg kaum oder nur noch wenig
unterschritten wird und das Absinken sehr dominant ist. Gerade um die
Mittagszeit und am frühen Nachmittag besteht auch vermehrt die Neigung zu
ausgeprägten, großräumigen Sc cugen Feldern, die sich an der Inversion bei rund
750 hPa ausbilden.

Am freundlichsten wird das Wetter im Südwesten, aber auch in den übrigen
Landesteilen lässt sich ab und zu die Sonne blicken. Bei den Temperaturen setzt
sich zaghaft wieder ein Aufwärtstrend durch. Im Süden und Südwesten werden es
vielfach wieder 18 bis 22°C, sonst meist 16 bis 19°C. Ganz im Norden werden es
wieder nur kühle 13 bis 16°C.


In der Nacht zum Freitag schwenkt der zwischen den beiden beschriebenen Trögen
liegende Rücken rasch über Deutschland hinweg. Bodenhoch YOGI wandert weiter
nach Osten Richtung Polen ab. Der westliche Trog zieht mit einem Höhentief ins
Seegebiet westlich Irlands. Das zugehörige kräftige Bodentief erreicht gegen
Morgen die Hebriden mit einem Kerndruck nahe 985 hPa. Damit nimmt der Gradient
über Deutschland schon wieder deutlich zu und bereits in der Nacht frischt der
Wind aus südlichen Richtungen vor allem in den höheren Lagen der westlichen und
zentralen Mittelgebirge auf. Noch werden aber keine Windwarnungen nötig.

Die Schauertätigkeit geht in der Nacht auch im Osten völlig in die Knie und die
Wolken lockern vorübergehend auf. Von Westen greift aber schon hohe und später
mittelhohe Bewölkung im Vorfeld des teilokkludierten Frontensystems des
Atlantiktiefs über. Dabei erreichen die Cirren schon nach Mitternacht die Oder,
die mittelhohen Wolken spätestens bis zum Sonnenaufgang. Dann greifen auf den
äußersten Westen in sehr stabiler Schichtung sogar schon schwache stratiforme
Regenfälle über.

Vor allem im Osten und Süden, wo es länger klar ist, gehen die Temperaturen noch
einmal auf sehr kühle 9 bis 5°C zurück, in den Tälern des Berglandes bis auf
3°C, was vor allem im Erzgebirge stellenweise noch einmal Frost in Bodennähe zur
Folge haben dürfte. Im Westen liegen die Tiefstwerte dagegen bei 13 bis 8°C.

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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Freitag ... zeigen die Modelle übereinstimmend die weitere Annäherung des
okkludierenden Frontensystems, das voraussichtlich in den Abendstunden auf den
Westen übergreift. Im Vorfeld sorgt WLA, die aber vor allem am Nachmittag auch
von leichter NVA überlagert wird, für nur leichten und gelegentlichen Regen.
Gebietsweise wird es auch trocken, wenngleich überwiegend wolkig bleiben. Die
Temperaturen machen mit der südlichen Strömung auch im Norden einen Sprung nach
oben auf 18 bis 23°C. Sowohl nennenswerte Warnrelevanz als auch signifikanten
Unterschiede zur Frühübersicht ergeben sich aus den neusten Läufen nicht.


Modellvergleich und -einschätzung
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Im Großen und Ganzen simulieren die vorliegenden Modelle die synoptische Lage
mit recht hoher Übereinstimmung. Knackpunkt in den 0z Läufen war die Nacht zum
Samstag bezüglich der Progression des Kurzwellentroges. Dies hat sich etwas
angeglichen, ICON ist aber noch immer "am schnellsten und weitesten ostwärts".
In jedem Falle verdichten sich die Hinweise trotz ungünstiger Tageszeit auf
organisierte Konvektion in der Westhälfte und auch ungewittrigen Starkregen im
leichten Schleifbereich der Front Richtung Schwarzwald.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen