DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 24.10.2014 um 10.30 UTC



Oft ruhiges Herbstwetter, im Norden etwas wechselhafter
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 31.10.2014


Am Montag wird das Wetter in Deutschland maßgeblich von einem Höhenrücken 
geprägt, der mit fast rein zonaler Ausrichtung über Deutschland liegt. Dieser 
ist sowohl im 500 als auch im 300 hPa-Niveau auszumachen, wobei die Achse im 
500-hPa-Niveau etwa auf einer Linie Eifel-Lausitz zu finden sein soll. Dieser 
Höhenrücken ist zu Tagesbeginn über eine Geopotentialbrücke, die über Frankreich
in Richtung Iberische Halbinsel verläuft, mit einer größeren Zone hohen 
Geopotentials über dem westlichen Mittelmeer verbunden. Langwellige 
Trogstrukturen sind nur über dem Atlantik auszumachen, sie erstrecken sich dabei
von Island in Richtung Kanaren. Die besagte Geopotentialbücke wird im 
Tagesverlauf zusehends abgebaut, so dass in der Nacht zu Dienstag ein singuläres
Geopotentialmaximum über Polen verbleibt, das in seinem westlichen Bereich 
allerdings bis in den Osten Deutschlands ragt. Die Strömungsverhältnisse in der 
Höhe sind über Deutschland dabei deutlich antizyklonal geprägt, wobei die 
Strömung im Norden meist aus südwestlicher, im Süden dagegen aus östlicher bis 
südöstlicher Richtung kommt. Bodennah liegt Mitteleuropa an der Ostflanke eines 
ausgedehnten Hochdruckgebietes über Osteuropa und Russland, wobei die 
1025er-Isobare in der Nacht zu Dienstag über dem Osten Deutschlands verläuft. In
dieser Konstellation ist zumeist ruhiges Wetter mit Absinken zu erwarten, was in
den Nächten zu dieser Jahreszeit aber auch Nebelbildung, am Tage möglicherweise 
Dunst oder Hochnebel bedeutet. Allenfalls über dem Nordwesten können auch 
dichtere Wolken auftauchen. Allerdings ist dort der Gradient etwas schärfer, so 
dass über der Nordsee, eventuell auch in exponierten Küstenlagen, starke Böen 
auftreten können. Die Temperaturen steigen deutlich an, von 4 bis 9 Grad in 
850hPa zu Tagesbeginn auf 7 bis 11 Grad in der Nacht zu Dienstag. 

Am Dienstag wird das Höhenhoch weiter nach Osten abgedrängt, wobei es sich 
abschwächt. In der Nacht zu Mittwoch liegt sein Maximum über Weißrussland. Der 
atlantische Langwellentrog rückt zwar in Richtung Westeuropa vor, wird aber 
gleichzeitig in seinem Südteil von WLA überlaufen und schwächt sich dadurch 
merklich ab. Demgegenüber läuft das nördliche Trogresiduum recht rasch nach 
Osten, seine Achse ist in der Nacht zu Mittwoch schon über der Nordsee zu 
finden. Durch die Ostverlagerung des Trogresiduums wird über der Nordsee das 
Geopotential abgebaut, da gleichzeitig auch über dem westlichen Mittelmeer das 
Geopotential etwas sinkt, entsteht erneut eine schmale Geopotentialbrücke, wie 
sie schon am Vortag zu erkennen war, diesmal allerdings etwas weiter nördlich 
über BeNeLux. Insgesamt muss man konstatieren, dass Deutschland weiterhin 
überwiegend unter hohem Geopotential verbleibt, allerdings wird die 
Isohypsenkrümmung über dem Nordwesten und dem Südwesten deutlich zyklonaler. In 
der Folge können sich dort mehr Wolken zeigen, zumal sich dem Nordwesten und 
Norden die Front des zum Trogresiduum gehörenden Tiefs nähert. Darüber hinaus 
bleibt im Nordwesten aufgrund des merklich strammeren Gradienten der lebhafte 
Wind erhalten. Die 850er-Temperaturen bleiben etwa auf Vortagesniveau, wobei 
sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle einstellt mit den höchsten Werten im 
Norden. Verbreitet bleibt somit die ruhige (dunstige und hochneblige?) 
Wetterlage erhalten, in der feuchten Luft muss in der Nacht erneut mit Nebel 
gerechnet werden. 

Am Mittwoch läuft das Trogresiduum, das mehr und mehr kurzwelligen Charakter 
annimmt, rasch über Skandinavien hinweg nach Osten, es ist in der Nacht zu 
Donnerstag schon nach Russland hineingelaufen. Rückseitig folgt ihm ein zweiter 
Kurzwellentrog, der ebenfalls über Skandinavien hinweg nach Osten zieht, Beide -
und ihr zugehöriges Bodentief über Nordskandinavien mit seiner Front - können 
allerdings nur den Norden Deutschlands beeinflussen. Im Süden macht sich zwar 
der schwache Einfluss des Höhentiefs über dem zentralen Mittelmeer bemerkbar, 
dessen Zentrum in der Nacht zu Donnerstag im 500-hPa-Niveau über der nördlichen 
Adria auszumachen ist. Allerdings ist seine Wetterwirksamkeit vor allem im 
Temperaturniveau zu erkennen, welches dort weiterhin deutlich unter dem im 
Norden liegt. Wobei zusätzlich erwähnt werden kann, dass die Temperaturen 
allgemein etwas niedriger liegen als am Vortag. Die Hebung bleibt im Bereich des
Höhentiefs moderat, oft ist es freundlich, wenn sich nicht Nebel und Hochnebel 
allzu zäh halten. 

Am Donnerstag und Freitag bleibt der Höhenrücken für Deutschland 
wetterbestimmend, allerdings wird er ganz allmählich nach Südosten abgedrängt. 
Im Norden können sich vor allem am Donnerstag noch zeitweise die Reste der Front
bemerkbar machen, die zu dem nordskandinavischen Tief mit Zentrum über der 
Barentssee gehört. Über dem Atlantik bildet sich ein neuer Langwellentrog, das 
zugehörige Tief liegt in der Nacht zu Freitag südlich von Island. Seine 
Ausläufer greifen nach jetziger Sicht des EZMW-Hauptlaufs am Abend des Freitags 
und in der Nacht zu Samstag von Westen auf Deutschland über, was...

... ab Samstag und damit im erweiterten Mittelfristzeitraum auf wechselhafteres 
und deutlich kühleres Wetter hinausläuft. 
  
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Im neuesten Modellauf des EZMW wird eine stabile, meist von West nach Ost über 
Mitteleuropa orientierte Geopotentialbrücke simuliert, die zwar in ihrer Lage 
und räumlichen Ausdehnung Veränderungen unterworfen ist, die aber bis zum Ende 
der kommenden Wochen ohne Unterbrechungen über Deutschland zu beobachten ist. 
Erst am Samstag wird jetzt von Westen her der nächste kräftige Tiefausläufer 
simuliert. Dies steht in deutlichem Gegensatz zu den Vorläufen, die schon in der
Nacht zu Mittwoch und am Mittwoch die Passage eines kräftigen Troges 
simulierten. Darüber hinaus wurde in der anschließenden Phase einer erneuten 
Rückenaufwölbung die Lage und Form des Rückens in den älteren Modellläufen 
deutlich anders simuliert, was u.a. kräftige Auswirkungen auf das zu erwartende 
Temperaturniveau hat.

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Vergleich mit anderen globalen Modellen
 

Ab der Mitte der kommenden Woche bietet GME mit der Passage eines recht 
kräftigen Troges eine gänzlich andere Lösung an, als dies EZMW und GFS tun. Ein 
wenig erinnert die aktuelle Lösung von GME an die Lösung des vorletzten 
EZMW-Laufes (Donnerstag 00 UTC). In der Folge divergieren auch die Niederschlags
und Temperaturprognosen deutlich. GFS und EZMW dagegen bleiben bis zum Freitag 
der kommenden Woche auf einer einheitlichen Linie.
  
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Ensembles des EZMW bieten im Zeitraum von +72 bis +96 Stunden 3 Cluster an, 
wobei der mit 17 Mitgliedern mittelgroße Cluster einen Übergang von einer Lage 
mit positiver NAO in eine Blockierungslage sieht, die anderen beider Cluster 
liegen über den gesamten Zeitraum in der Kategorie "positive NAO". Über 
Mitteleuropa sind in allen Clustern die Unsicherheiten zwar besonders hoch, 
allerdings sieht man in den repräsentativen Geopotentialfeldern immer eine 
antizyklonale Höhenströmung. Bemerkenswert: Haupt- und kontrolllauf liegen im 
mit 14 membern kleinster Cluster.

Im Zeitraum +120 bis +168 Stunden werden dann 4 Cluster gerechnet, die drei 
größten liegen durchweg in der Blockierungs-Kategorie, nur der mit 8 Mitgliedern
kleinste liegt durchweg in der Kategorie "positive NAO". Dieser kleinste Cluster
deutet zum Mittwoch bzw. Donnerstag eine Trogpassage über Mitteleuropa an und 
deutet damit die Lösung an, die GME aktuell noch vertritt und die auch der 
vorletzte Hauptlauf des EZMW favorisierte. Die 3 größten Cluster zeigen jedoch 
alle einen Rücken über West- und/oder Mitteleuropa, und auch der Haupt- und 
Kontrolllauf liegen jetzt wieder in den größten Clustern. 

Für das Zeitfenster +192 bis +240 Stunden zeigen sich zwar weiterhin 4 Cluster, 
allerdings laufen die Lösungen, wie man an den repräsentativen 
Geopotentialfeldern erkennen kann, für Mitteleuropa jetzt deutlich auseinander.

Die Rauchfahnen bekräftigen den Eindruck, dass ab dem kommenden Dienstag die 
Streuung in den Verteilungen etwas zunimmt, Haupt- und Kontrolllauf liegen aber 
bis zum Samstag der kommenden Woche zentral in der Verteilung. Ähnliches gilt 
für die Ensembles des GFS, wenngleich hier die Streuung schon ab dem Freitag 
etwas zunimmt  
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Der EFI-Index sieht in den kommenden Tagen im äußersten Nordwesten eine erhöhte 
Wahrscheinlichkeit für signifikant zu warmes Wetter (mit Werten von bis zu 50%),
ansonsten sieht EFI keine Hinweise auf außergewöhnliche Wettererscheinungen. 

COSMO-LEPS liefert im Umfeld der Nordseeküste, teils auch im angrenzenden 
Binnenland und auf höheren Mittelgebirgsgipfeln Hinweise für Wind und Sturmböen,
dies gilt speziell für Sonntag/Montag und Mittwoch. Dabei liegen die 
Windböenwahrscheinlichkeiten an der Nordsee bei fast 100%, die 
Sturmböenwahrscheinlichkeiten bei bis zu 30%.  
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Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl.  Met. Martin Jonas  
 

Quelle: DWD
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