DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 05.03.2015 um 10.30 UTC



Eine sich abschwächende milde Hochdruckwetterlage, die große Unsicherheiten 
birgt.
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 12.03.2015


Am Sonntag liegt niedriges Geopotential von Grönland bis über das Nordmeer mit 
einem zugehörigen steuernden Tiefdruckkomplex der sich von der Südspitze 
Grönlands bis über das Nordmeer erstreckt. Nordeuropa befindet sich in einer 
kräftigen zonalen Strömung, wobei die Frontalzone weit nördlich über 
Skandinavien verläuft. Währenddessen befindet sich Mitteleuropa im Bereich einer
Hochdruckzone, die sich von den Azoren bis nach Grönland erstreckt. WLA und 
großflächiges Absinken sorgen dafür, dass die 850 hPa-Temperaturen verbreitet 
auf 6 bis 9 °C ansteigen. Die Mittelemeerregion wird hingegen von einem 
kräftigen Cut-Off-Tief beeinflusst.

Im Laufe des Montags entwickelt sich ein Tief aus einer atlantischen 
Frontalwelle, das unter Verstärkung Richtung Schottaland zieht. Vorderseitig 
wölbt sich ein schwacher Keil auf, an dessen Ostflanke etwas kühlere Luft (850 
hPa-Temperatur um -1 °C) advehiert wird. Deutschland befindet sich aber 
weiterhin unter Hochdruckeinfluss.

Am Dienstag zieht das Schottlandtief weiter nach Skandinavien, wobei eine 
schwache Front auf den Nordwesten übergreift, die sich allerdings unter Absinken
gelangt und sich dadurch abschwächt. Dennoch wird der Hochdruckeinfluss über 
Mitteleuropa geschwächt, wobei sich die Frontalzone etwas südwärts verlagert.

Am Mittwoch und Donnerstag stellt sich eine antizyklonale Westlage ein. Dabei 
greifen weitere schwache Kurzwellentröge auf den Norden Deutschlands über, 
während der Süden unter antizyklonalen Einfluss verbleibt. Am Donnerstag 
gelangen wir auf eine Rückseite, wobei die 850-hPa-Temperatur über der 
Nordosthälfte vorübergehend unter -5 °C sinken.

Im weiteren Verlauf kommt es, wie schone häufig diesen Winter zu einem 
Kaltluftvorstoß über Nordostkanada bis in den Nordostatlantik, wobei bei 
Neufundland Zyklogenese ausgelöst wird. Dadurch entwickelt sich ein kräftiger 
Atlantiktrog, auf dessen Vorderseite warme Luft über das Nordmeer bis zum Pol 
geführt wird. Hieraus folgt die Entwicklung eines kräftigen Skandinavien-Hochs, 
das am Wochenende an seiner Südostflanke kontinentale Arktikluft Richtung 
Mitteleuropa lenkt.
__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Der heutige ECMWF-Lauf ähnelt den gestrigen Läufen. Dennoch beginnen bereits ab 
Dienstag die Unsicherheiten mit dem Tief, das von Schottland nach Skandinavien 
zieht und das Hoch über Mitteleuropa angreift. Ein Trend in den letzten 4 Läufen
zeigt, dass das Tief schneller zieht und kräftiger ausgeprägt ist. 
Größere Sprünge gibt es im Modell bezüglich des Aufbaus eines Skandinavienhochs 
zum Ende der Mittelfrist, das bereits Anfang der Woche in den Vorhersagen schon 
einmal gezeigt wurde, gestern allerdings wieder weg gerechnet wurde und seit dem
gestrigen 12z-Lauf wieder simuliert wird.
__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen
 

Es gibt größere Unterschiede in den Modellen bezüglich der Wellenentwicklungen 
über dem Atlantik, die letztendlich die Position der Frontalzone über Europa 
bestimmen. GFS ist deutlich antizyklonaler und wärmer für Deutschland, während 
ICON die Front weiter ins Landesinnere vordringen lässt. GEM rechnet bereits am 
Mittwoch mit einem markanten Vorstoß eines Kurzwellentroges mit einfließender 
maritimer Polarluft.

Für die erweiterte Mittelfrist simuliert GFS eine Westwetterlage mit einem 
kräftigen Azorenhoch, anstatt eines Keilvorstoßes nach Skandinavien. GEM lässt 
den Keil nach Mitteleuropa vorstoßen und ist somit die wärmste aller möglichen 
Entwicklungen.
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


In den Rauchfahnen des ECMWF-EPS zeigen fast alle Members ab Montag im Norden 
Deutschlands deutlich sinkende 850-hPa-Temperaturen, wobei der Spread enorm 
zunimmt und im Bereich von 10 K liegt. Dieser große Spread setzt sich über dem 
gesamten Vorhersagezeitraum fort. Für die Mitte und den Süden Deutschlands 
bleiben die 850-hPa-Temperaturen und das Geopotential recht konstant zunächst 
einmal auf hohem Niveau. 
Der Hauptlauf liegt bis Mittwoch etwa im ENS-Mittel, befindet sich ab Mittwoch 
am unteren Rand. Für das Wochenende ist er dann einer der kältesten Läufe für 
den Nordosten. 
Ab Mittwoch nimmt auch die Streuung im Süden deutlich zu.

In den GFS-ENS ist der Knick bei den Temperaturen in Norddeutschland zu Beginn 
der Woche kaum ausgeprägt. Die Mehrzahl der GFS-ENS-Member sind antizyklonaler 
als die ECMWF-ENS. Dennoch gibt es hier ab Dienstag ebenfalls eine deutliche 
Streuung, wobei der Hauptlauf sich bis Donnerstag am oberen Rand der ENS 
befindet.

Schwache Niederschlagssignale gibt es in beiden ENS ab Dienstag vorwiegend im 
Norden.

In den ECMWF-Clusteranalysen gibt es im Zeitraum von Dienstag bis Donnerstag 5 
Cluster, die sich alle in der Position der kurzwellentröge unterscheiden, aber 
fast alle eine mehr oder weniger antizyklonale Westlage zeigen. 

Ab Donnerstag zeigt ein Teil der Cluster einen Übergang zu einer Blockinglage 
über Mitteleuropa bzw. Skandinavien, teils bis hin zu einer High-over-Low-Lage. 
Der andere Teil eine antizyklonale Nordwestlage.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Vorhersage ab Dienstag sehr unsicher 
ist. Der Süden sehr wahrscheinlich bis Freitag antizyklonal dominiert wird, 
jedoch die Temperaturprognose dort größere Unsicherheiten birgt. In wie weit 
sich Tiefdruckeinfluss im Norden durchsetzen kann, ist sehr unsicher. Ab Freitag
lässt sich auf Grund der Unsicherheiten dann kaum noch eine verlässliche Aussage
treffen. 
_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Es sind keine markanten Wettererscheinungen zu erwarten.
________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF, bzw. MOSMIX mit etwas nach oben angepassten Temperaturen. Ab Mittwoch 
bringt statistisch gesehen die höhere Auflösung des ECMWF-Hauptlaufes 
wahrscheinlich keinen Vorteil gegenüber dem ENS-Mittel. Da der Hauptlauf am 
unteren Rand der ENS-Mittel zu finden ist, ist es sinnvoller ab da an das ENS 
Mittel zu verwenden.
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl.  Met. Christian Herold 
 

Quelle: DWD
Wetterzentrale | Top Karten