DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 22.10.2014 um 10.30 UTC



Anfangs Mischung aus BM (Brücke Mitteleuropa) und WW (WinkelWest), später 
Übergang zu SWa (Südwest antizyklonal). Dabei größtenteils ruhiges Wetter mit 
wenig signifikanten Wettererscheinungen.
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Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 29.10.2014


Zu Beginn des Mittelfristzeitraums am kommenden Samstag befindet sich knapp 
süd-südwestlich von Island ein hochreichendes Sturmtief mit einem Kerndruck um 
970 hPa (12 UTC). Südlich des Tiefs verläuft die gut entwickelte Frontalzone 
relativ glatt konturiert von Südgrönland über UK hinweg bis nach 
Südskandinavien, wo sie nach Norden abbiegt und in die Rückseite eines 
Höhenrückens übergeht. Dieser reicht etwa von Mitteleuropa über das Baltikum bis
hinauf zur Barentssee und korrespondiert mit einem veritablen Bodenhoch, dessen 
Schwerpunkt über Westrussland zu finden ist. Ausgehend von diesem Hoch erstreckt
sich eine relativ schmale Brücke, die über Deutschland nach Westen verläuft und 
das kräftige Kontinentalhoch mit einer eher schwach ausgeprägten Variante des 
Azorenhochs verbindet. Die Brücke wird kurz unterbrochen durch eine schwach 
ausgeprägte, teils okkludierte Kaltfront, die den Vorhersageraum von West nach 
Ost passiert, mit Annäherung an das Hoch aber immer schwächer wird, um letztlich
ganz von der Bildfläche zu verschwinden (Großwetterlagentypus im Ansatz WW  
Winkelwest).

Am Sonntag und zu Beginn der neuen Woche weitet sich der über unserem Raum zonal
verlaufende Höhenrücken etwas nach Norden aus, wodurch die Frontalzone ebenfalls
ein kleines Stück nach Norden abgedrängt wird. Im Bodenniveau gelangt 
Deutschland auf die West-Nordwestflanke des Hochs über Russland, das seine 
"Fühler" bis zum westlichen Mittelmeer ausstreckt. Mit südlicher bis 
südwestlicher Strömung gelangt relativ milde Luft zu uns, bis Mittwoch 00 UTC 
steigt die 850-hPa-Temperatur mit Ausnahme des Südostens auf 10°C oder etwas 
mehr. 
Derweil formieren sich über dem mittleren Nordatlantik und dem Nordmeer mehrere 
Tröge unterschiedlicher Wellenlänge, die dem Kontinent zunächst noch 
fernbleiben. Erst im Laufe des Mittwochs nähert sich von der Nordsee her ein 
flacher Kurzwellentrog dem Süden Skandinaviens. Ihm vorgeschaltet ist die 
Kaltfront eines kräftigen Tiefs unweit des Nordkaps, die auf Norddeutschland 
übergreift, von dort mangels Schubkomponente aber nicht weiter nach Süden 
vorankommt. Die Kaltfront bleibt im erweiterten Mittelfristzeitraum zonal über 
dem Norden liegen, während weiter südlich Hochdruckeinfluss wirksam bleibt.     
 
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bis Anfang der kommenden Woche zeigen die letzten ECMF-Läufe eine gute 
Konsistenz. Allerdings rechnet der aktuelle 00-UTC-Lauf von heute, dass die 
Frontpassage am Samstag schwächer ausfällt (weniger Regen) als gestern 00 UTC 
noch angenommen - ein Trend, der sich bereits im gestrigen 12-UTC-Lauf 
abzeichnete.
Nach Frontpassage setzt sich vorübergehend wieder Hochdruckeinfluss durch, was 
unisono von allen Läufen so gesehen wird. Deutliche Unterschiede ergeben sich 
dann ab Dienstag/Mittwoch. Während die vergangenen Versionen ein relativ zügiges
Übergreifen eines atlantischen Troges mit vorgeschaltetem Frontensystem auf dem 
Schirm hatten, setzt ECMF von heute 00 UTC auf stärkeren Hochdruckeinfluss. Zwar
erreicht auch in diesem Szenario eine Kaltfront den Vorhersageraum, jedoch 
bleibt diese über Norddeutschland liegen. In den anderen Simulationen ging die 
Front immer von Nordwest nach Südost durch.
Die Konsequenzen: Nach dem neuesten Lauf bliebe es in der Mitte und im Süden 
unter Hochdruckeinfluss trocken, wo gestern zum Teil noch kräftiger Regen 
gerechnet wurde. Außerdem wäre das Temperaturniveau allgemein höher mit Ausnahme
der Gebiete, wo sich nach der neuesten Version zäher Nebel oder Hochnebel halten
würde.

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Vergleich mit anderen globalen Modellen
 

Bis zu Beginn der neuen Woche sind die verschiedenen Modelle sehr ähnlich 
gestrickt. Ab Dienstag, vor allem aber ab Mittwoch ergeben sich dann größere 
Unterschiede. Während das kanadische GEM in etwa der ECMF-Version folgt, bleiben
GME und GFS am Mittwoch bei der Frontpassage von Nordwest nach Südost wie zuvor 
auch von ECMF simuliert. 
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Bei Konsistenzproblemen bzw. größeren Unterschieden zwischen den verschiedenen 
Modellen schaut man natürlich besonders neugierig auf die EPS-Simulationen. 
Dabei verwundert es schon ein wenig, dass ECMF-EPS für den Zeitraum T+120...168h 
lediglich zwei Cluster (28+HL+KL, 23 Fälle) anbietet, die sich für unseren Raum 
dahingehend unterscheiden, dass CL2 noch antizyklonaler aufgestellt ist als CL1 
bzw. der deterministische Lauf. Das komplette Durchschwenken eines Höhentroges 
oder einer Front ist aus dieser Clusterung jedenfalls nicht ableitbar.
Für die erweiterte Mittelfrist von Donnerstag bis Samstag (T+192...240h) liegen 
vier Cluster vor (17, 13, 12, 9 Fälle), wobei der Hauptlauf CL3 und der 
Kontrolllauf CL1 zugeordnet werden. CL1 und CL2 zeigen für Mitteleuropa 
respektive Deutschland deutlich antizyklonalen Einfluss. CL3 zeigt eine 
Übergangsversion, in der es von SW her erst antizyklonaler, dann wieder 
zyklonaler wird. CL4 hingegen zeigt eine durchweg zyklonale Variante mit einem 
recht breit angelegten Trog über Mitteleuropa.
Entsprechend der geschilderten Clusterung verlaufen die Rauchfahnen von OF 
(T850, Pot500) bis in die erste Tageshälfte des Mittwochs recht homogen, bevor 
eine deutliche Streuung einsetzt. Zwar bleibt das Gros der Ensembles auf hohem 
Temperatur- und Potenzialniveau, es gibt aber auch einige kräftige "Abstürze" 
(bis nahe -5°C in 850 hPa). Einige wenige davon setzen  schon im Laufe des 
Mittwochs ein, was entgegen der Clusterung doch für eine Front- respektive 
Trogpassage spricht.  
Fazit:  Bis einschließlich nächsten Dienstag liegt eine relativ hohe 
Prognosegüte vor. Danach kommt es zu den geschilderten Unsicherheiten. Die 
offizielle Prognose für den kommenden Mittwoch orientiert sich aufgrund der 
großen, wenn auch nicht uneingeschränkten Unterstützung durch die EPS-Rechnungen
weitgehend am oben geschilderten ECMF-Szenario (Übergreifen der Front nur auf 
den Norden).   
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Nach den Turbulenzen rund um Ex-GONZALO beruhigt sich die Wetterlage zusehends. 
Anfangs kommt es noch zu stärkeren Stauniederschlägen, insbesondere an den 
Alpen, was aber Thema der Kurzfrist ist.
Mittelfristig rückt eher wieder die Nebelproblematik in den Vordergrund. Darüber
hinaus gibt es - wenn auch schwache - Signale seitens EPS, dass der südliche bis
südwestliche Wind besonders an der Küste mitunter stark bis stürmisch auffrischt
(bis Stärke 8 Bft).  
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Basis für Mittelfristvorhersage
ECMF-EPS mit ECMF, anfangs mit Unterstützung von MOS-Mix.
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VBZ Offenbach / Dipl.  Met. Jens Hoffmann 
 

Quelle: DWD
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