DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 04.07.2015 um 10.30 UTC



Dienstag nochmals starke, teils extreme Wärmebelastung, später dann Gewitter mit
Unwetterpotential. Ab Mittwoch deutlich kühler, im Norden und Osten Gewitter mit
stürmischen Böen möglich.
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 11.07.2015


Zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am Dienstag, schwenkt nach ECMWF ein 
Höhenrücken über Deutschland hinweg ostwärts. Dienstag, 00 UTC befindet sich die
Rückenachse bereits über Polen und Südschweden und der Vorhersagebereich gerät 
bis dahin auf die diffluent konturierte Vorderseite eines Höhentroges über den 
Britischen Inseln, wobei es zu recht markanter dynamischer (PVA-induzierter) 
Hebung kommt.
Im Bodenfeld verlagert sich die Warmfront eines Tiefs bei Schottland bis zum 
Abend nach Nordostdeutschland. Die Luftmasse im Warmsektor weist schon fast 
tropischen Charakter auf und zeichnet sich entsprechend durch eine äußerst hohe 
potentielle Instabilität aus. In 850 hPa werden Dienstagabend etwa Werte 
zwischen 14 Grad an der Ostsee und bis an die 25 Grad am Alpenrand erreicht. 
Entsprechend steht vor allem im Süden, aber auch in der Mitte noch einmal ein 
heißer Tag ins Haus.
Somit ist vor allem in den späten Nachmittags- und Abendstunden von Südwesten 
her mit kräftigen Gewittern zu rechnen, die vielerorts Unwetterpotential 
aufweisen dürften. Diese sind gekoppelt an eine Konvergenz, die sich im Vorfeld 
der Kaltfront in der Nacht zum Mittwoch rasch ostwärts verlagern dürfte. Bereits
vor der Konvergenz kann es - hauptsächlich orographisch getriggert - ebenfalls 
schon starke Einzelzellen mit Unwetterpotential geben.
In der Nacht zum Mittwoch zieht die Konvergenz mit weiterhin unwetterartigen 
Gewittern rasch über Deutschland hinweg ostwärts, gefolgt von der Kaltfront des 
sich zur nördlichen Nordsee verlagernden Tiefs, die Mittwochvormittag den 
Südosten erreicht. Ihr folgt eine markant kältere Luftmasse mit Temperaturen in 
850 hPa von deutlich unter 10 Grad.
Mittwoch zieht die Achse des Höhentroges nach Deutschland, Donnerstag, 00 UTC 
befindet sie sich bereits über der Osthälfte des Landes.
Im Bodenfeld zieht das Tief bis Donnerstag, 00 UTC unter leichter Vertiefung auf
knapp unter 995 hPa nach Südschweden. Die Kaltfront überquert die Alpen. Ihr 
folgt Meeresluft subpolaren Ursprungs. Bis Donnerstag, 00 UTC sinken die 
Temperaturen auf Werte zwischen 6 Grad im Norden und 12 Grad an den Alpen. Dort 
fällt anfangs noch Regen, später entwickeln sich dort einzelne Schauer und 
Gewitter.
In der vor allem über der Nordhälfte labil geschichteten Luftmasse gibt es dort 
ebenfalls einzelne Schauer und kurze Gewitter, die aber kein Unwetterpotenzial 
mehr aufweisen.
Donnerstag verlagert sich der Trog weiter ostwärts, wird aber in der Nacht zum 
Freitag von Nordwesten her wieder regeneriert, bis Freitagmittag gelangt der 
gesamte Vorhersagebereich dann auf die Rückseite des Troges.
Im Bodenfeld verstärkt sich an der Südwestflanke eines allmählich nach Finnland 
ziehenden Tiefs die Advektion von Meeresluft polaren Ursprungs. In 850 hPa sinkt
die Temperatur bis Freitagmittag auf 1 Grad über der Deutschen Bucht und knapp 
über 10 Grad unmittelbar am Alpenrand. Dabei gibt es vor allem im Norden und 
Osten weitere Schauer, vereinzelt auch kurze Gewitter, während im Westen und 
Südwesten auch mal länger die Sonne scheint.
Bis Samstagabend zieht der Trog ostwärts ab, gefolgt von einem Höhenrücken, der 
sich zu dem Zeitpunkt direkt über dem Vorhersagegebiet befindet. Auch im 
Bodenfeld baut sich ein flaches Hochdruckgebiet auf. Somit kommt es zu einer 
raschen Wetterberuhigung, wobei die Temperatur in 850 hPa bis Samstagmittag 
bereits wieder auf Werte zwischen 6 Grad im Nordosten und 15 Grad im Südwesten 
steigt.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Am Mittwoch und Donnerstag weist der aktuelle Lauf des ECMWF eine hohe 
Konsistenz zu den Vorläufen auf. Lediglich eine leichte Phasenverschiebung ist 
erkennbar, Höhen- und Bodentrog "hängen" etwas nach Westen zurück.
Bis Freitag verstärkt sich diese Phasenverschiebung. Der aktuelle Lauf zeigt 
gegenüber den beiden Vorläufen eine etwas stärkere Regenerierung des Troges über
Südskandinavien und der südlichen Ostsee. Ähnlich wie im gestrigen 00 UTC-Lauf 
befindet sich die Trogachse am Freitag, 12 UTC noch über dem östlichen 
Mitteleuropa, während sich über den Britischen Inseln ein Höhenrücken aufwölbt. 
Im gestrigen 12 UTC Lauf erreichte der Höhenrücken zu dem Zeitpunkt bereits die 
Nordsee. 
Das Hereinschwenken des Höhenrückens ins westliche Mitteleuropa am Samstag 
zeigen aber alle Modellläufe, wobei sich dessen Achse im gestrigen 12 UTC Lauf 
am Samstag, 12 UTC bereits über dem östlichen Mitteleuropa befand, nach den 
Läufen von gestern und heute 00 UTC aber noch in etwa über der Nordsee.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
 

Bis Donnerstag zeigen die externen Modelle eine ähnliche Wetterentwicklung wie 
das ECMWF. Der Trogdurchgang über Mitteleuropa ist in allen Modellen drin, wenn 
auch mit leichter Phasenverschiebung. ICON lässt gegenüber GFS und ECMEF am 
Donnerstag sowohl Höhen- als auch Bodentrog etwas nach Westen "zurückhängen". 
Somit kann der Übergang zu einer wechselhaften und zumindest vorübergehend 
deutlich kühleren Witterungsphase als gesichert angesehen werden.
Am Freitag und Samstag lassen GFS und ICON dann den Trog deutlich langsamer 
ostwärts verlagern als der aktuelle Lauf des ECMWF. Vor allem am Samstag würde -
im Gegensatz zum ECMWF - im Norden und Osten des Landes noch eher eine kühle 
bzw. nur mäßig warme und unbeständige Witterung dominieren. Im Westen und Süden 
macht sich allerdings auch nach GFS am Samstag bereits Hochdruckeinfluss breit.
Eine noch schnellere Verlagerung des Höhenrückens Richtung Mitteleuropa als nach
ECMWF am Samstag zeigt das NAVGEM, wonach die Temperatur in 850 hPa im Südwesten
des Landes um 12 UTC bereits wieder auf 20 Grad und mehr steigen würde.

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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Im Zeitraum 72 bis 96 Stunden verteilen sich die Ensembleläufe des ECMWF auf 5 
Cluster, die sich für Mitteleuropa aber nur in Nuancen unterscheiden. Haupt- und
Kontrolllauf befinden sich in Cluster 1, der mit 18 Membern auch am besten 
bestückt ist.
6 Cluster (13, 12, 9, 7, 7, 3 Member) tauchen im Zeitraum 120 bis 168 Stunden 
auf. Zwar zeigen alle Cluster eine zunehmend mäandrierende Höhenströmung, 
allerdings mit teilweise größeren Phasenunterschieden.
Cluster 1, 2 und vor allem Cluster 6 lassen die Höhenrücken über Westeuropa 
aufwölben, nach Cluster 1 befindet er sich dann aber am Samstag, 00 UTC bereits 
über der Nordsee, wohingegen Cluster 6 ihn westlich der Britischen Inseln 
simuliert. Nach Cluster 3, 4 und 5 befindet sich der Rücken am Samstag bereits 
über Mitteleuropa bzw. knapp östlich davon. Cluster 6 zeigt dort dagegen einen 
recht markanten Höhentrog.
Nach wie vor befinden sich Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 1, der in etwa 
einen "Mittelweg" zwischen beiden Extremlösungen (Cluster 5 und Cluster 6) 
darstellt.
Die erweiterte Mittelfrist (192 bis 240 h) weist 3 Cluster auf (29, 11, 11 
Member), wobei Cluster 1 (mit Haupt- und Kontrolllauf) den Höhenrücken über 
Mitteleuropa zeigt, nach Cluster 2 befindet sich der Rücken eher über 
Südosteuropa und Deutschland auf der Vorderseite eines Troges über West- und 
Südwesteuropa und Cluster 3 simuliert einen umfangreichen Langwellentrog über 
Nord- und Osteuropa.

In der "Rauchfahne" für Offenbach ist der "Hitzepeak" am Dienstag in der 850 
hPa-Temperatur gut erkennbar, dass Groß der Läufe verteilt sich auf Temperaturen
zwischen 17 und 22 Grad. Auch der "Kälteeinbruch" am Mittwoch und Donnerstag 
spiegelt sich gut wider, wobei der Spread schon größer wird, einige Member gehen
kaum unter 15 Grad. Haupt- und Kontrolllauf bewegen sich eher im unteren Bereich
der Member.
Ab Freitag geht es wieder steil bergauf, wobei sich der Spread deutlich 
vergrößert. Das Groß der Member bewegt sich zwischen 15 und 22 Grad, vor allem 
Samstag und Sonntag simulieren aber einzelne Läufe auch nur Werte unter 5 Grad 
in 850 hPa.
Niederschlagssignale tauchen vor allem in der Nacht zum Mittwoch auf und dann 
wieder am kommenden Wochenende.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Dienstag ist vor allem in der Mitte und im Süden noch einmal mit einer 
starken, teils auch extremen Wärmebelastung zu rechnen. EFI gibt Signale für 
extrem hohe Maxima vor allem im Südwesten Deutschlands.
Dazu birgt die potentiell instabile Luftmasse ein hohes Gewitterpotential, wobei
dann Unwetter ab dem späten Nachmittag bis Mittwochfrüh sehr wahrscheinlich 
sind. In den probabilistischen Niederschlagsprognosen schlägt sich das kaum 
nieder, allerdings werden vor allem seitens COSMO-LEPS recht hohe 
Wahrscheinlichkeiten für mehr als 2000 J/kg ML-Cape im Süden und teils auch in 
der Mitte Deutschlands gezeigt.

Am Mittwoch und Donnerstag gelangt eine deutlich kältere Luftmasse subpolaren 
Ursprungs nach Deutschland, wobei es an den Alpen anfangs noch Gewitter mit 
Starkregen geben kann. Ansonsten ist vor allem im Norden und Osten mit Schauern 
und Gewittern zu rechnen, die aber lediglich noch von stürmischen Böen und 
kleinkörnigem Hagel begleitet werden. Sowohl COSMO_LEPS als auch ECMWF-ENS 
zeigen recht hohe Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen (Bft. 8) an den 
Küsten von Nord- und Ostsee.

Am Freitag sind vor allem im Nordosten noch einzelne Gewitter mit stürmischen 
Böen möglich, insgesamt beruhigt sich das Wetter aber von Südwesten her.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, ECMWF-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl.  Met. Jens Winninghoff 
 

Quelle: DWD
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