DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 26.03.2015 um 10.30 UTC



Zyklonale Nordwestlage, zeitweise stürmisch. Wiederholt Niederschläge. 
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 02.04.2015


Der Sonntag markiert die Umstellung der Großwetterlage hin zu einem zyklonal 
geprägten Wettercharakter. Dabei bildet sich zwischen dem bis zur Biskaya 
reichenden Azorenhoch und einem umfangreichen Tiefdruckkomplex, der sich von 
Grönland über die Britischen Inseln bis nach Skandinavien erstreckt, eine 
kräftige nordwestliche Strömung aus. In diese Strömung eingelagert sind mehrere 
Randtröge beziehungsweise im Bodenniveau ausgeprägte Randtiefs. Das 
Frontensystem eines ersten Randtiefs hat Deutschland bis zum Mittag weitgehend 
überquert. 

Währenddessen hat sich über dem Seegebiet westlich von Irland bereits das 
nächste Randtief entwickelt. Es zieht unter Verstärkung zu einem Sturmtief rasch
ostwärts und liegt am Montag mit einem Kerndruck von 970 hPa über Südschweden. 
Aufgrund der Gradientverschärfung kommt es bereits in der Nacht zum Montag zu 
einer deutlichen Windzunahme, die ihren Höhepunkt am Montagnachmittag erreicht. 
Mit Durchzug des Frontensystems kommt es zu wiederholten Niederschlägen, wobei 
es aufgrund der nordwestlichen Anströmung in den Nordweststaulagen der 
Mittelgebirge und am Alpenrand teils kräftiger regnen kann. Nachfolgend fließt 
in den Norden und die Mitte Deutschlands vorübergehend etwas kältere Luft 
(Temperaturen in 850 hPa zwischen 0 und minus 5 Grad). 

Nach kurzem Zwischenhocheinfluss folgt von der Nordsee kommend bereits am 
Dienstag das nächste Tief. Auf dessen Südflanke fließt zunächst wieder etwas 
wärmere Luft nach Deutschland. Das Tief ist mit einem Kerndruck von 985 hPa 
schwächer ausgeprägt, als das vorherige Tief. Aufgrund einer etwas südlicheren 
Zugbahn über die Südspitze Schwedens bleibt der starke Druckgradient aber 
erhalten, so dass weiterhin von einer Sturmlage in Deutschland auszugehen ist. 
Das über Deutschland nicht okkludierte Frontensystem sorgt erneut insbesondere 
in den Nordweststaulagen der Mittelgebirge für kräftigere Niederschläge. Mit 
Durchzug der Kaltfront in der Nacht zum Mittwoch fließt erneut ein Schwall 
Kaltluft maritimen Ursprungs zu uns mit Temperaturen in 850 hPa um minus 5 Grad.


Am Mittwoch gelangt das Vorhersagegebiet schließlich in den Bereich des 
Haupthöhentroges, so dass es in der hochreichenden Kaltluft wiederholt zu 
Schauern kommt. Der Wind aus Nordwest lässt insgesamt etwas nach, dennoch muss 
insbesondere in Schauernähe mit Böen bis zur Sturmstärke gerechnet werden. 

Am Donnerstag schwenkt der Höhentrog ostwärts. Somit gelangt Deutschland von 
Westen allmählich unter Hochdruckeinfluss, so dass es allgemein zu einer 
Wetterberuhigung kommt. Allzu lange dürfte diese allerdings nicht ausfallen, so 
dass auch in der erweiterten Mittelfrist aus heutiger Sicht von einem eher 
zyklonal geprägten Wettercharakter auszugehen ist.  
__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Umstellung der Großwetterlage im mittelfristigen Vorhersagezeitraum hin zu 
einer zyklonalen Nordwestlage wird auch von den neuesten Läufen des EZMW weiter 
verfolgt. Diesbezüglich kann die Konsistenz als gut bezeichnet werden. 
Im Detail ergeben sich allerdings Unterschiede insbesondere im Hinblick auf die 
Tiefdruckentwicklungen, so dass eine gute Konsistenz nicht über den gesamten 
Zeitraum vorhanden ist. Während es sich zu Beginn des Vorhersagezeitraums nur um
kleinere Phasenverschiebungen handelt, werden die Unterschiede ab Mittwoch 
größer. So taucht ein Randtief, welches nach dem gestrigen 00 UTC Lauf in der 
Nacht zum Mittwoch über den Norden Deutschlands ziehen sollte, im gestrigen 12 
und im heutigen 00 UTC Lauf nicht mehr auf, so dass auch die Niederschläge 
schwächer ausgeprägt sind und Schauercharakter haben. Erwähnenswert ist zudem 
der Donnerstag. Während nach den beiden 00 UTC Läufen Hochdruckeinfluss für eine
Wetterberuhigung sorgt, wurde im gestrigen 12-UTC Lauf ein weiteres Sturmtief 
gerechnet, das in der Nacht zum Freitag Deutschland erreichen sollte. 
Zusammenfassend ist die Vorhersage der Wetterentwicklung in der kommenden Woche 
mit einigen Unsicherheiten behaftet. 
__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen
 

Die Umstellung hin zu einer zyklonalen Westlage wird von den anderen 
betrachteten Modellen einheitlich modelliert. Dennoch scheinen alle Modell 
Schwierigkeiten mit der Prognose der Randtiefs zu haben, so dass es hier zu 
Phasenverschiebungen zwischen den Modellen kommt. Auch die Intensität der 
Tiefdruckgebiete wird unterschiedlich prognostiziert. Allerdings haben diese 
Diskrepanzen keine wesentliche Änderung des Wettercharakters zur Folge. 
Auffallend ist allerdings, dass insbesondere zu Beginn der Mittelfrist einzelne 
Randtiefs durch ICON im Vergleich zu EZMW und GFS nur sehr schwach ausgeprägt 
sind oder gar nicht prognostiziert werden.  
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusterung des EZMW spricht eine recht eindeutige Sprache. Im Zeitraum von 
72 bis 96 h sind zwei Cluster, von 120 bis 168 h sind drei Cluster und über den 
erweiterten Mittelfristzeitraum ein Cluster vorhanden. Dabei gibt es für das 
Vorhersagegebiet keine alternativen Szenarien zur beschriebenen zyklonalen 
Nordwestlage, die hiernach bis einschließlich Ostern anhalten würde. 

Der zyklonal geprägte Wettercharakter spiegelt sich auch in den 
Niederschlagssignalen der Rauchfahne von Offenbach wieder, die über den gesamten
Zeitraum wiederholt vorhanden sind. Die Temperatur in 850 hPa schwankt zunächst 
um 0 Grad und fällt ab Dienstag allmählich bis Donnerstag sowohl nach dem Haupt-
und Kontrolllauf als auch nach der Mehrheit der Member auf etwa minus 6 Grad ab.
Auch der Verlauf des Geopotentials in 500 hPa erreicht am Donnerstag sein 
Minimum. Allerdings ist der Spread ab Sonntag allgemein relativ groß. Dabei gibt
es einige Member, die ein etwas höheres und gleichmäßiger verlaufendes 
Geopotential zeigen. Somit würde die Lösung von ICON mit schwächer ausgeprägten 
Randtiefs ebenfalls innerhalb des Ensembles liegen.    
_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Mit zunehmendem Wind aus Nordwest sind am Sonntag zunächst vor allem an der 
Nordseeküste und im Bergland Sturmböen zu erwarten. In exponierten Gipfellagen 
kommt es zudem zu orkanartigen Böen. Der Höhepunkt der Windentwicklung wird am 
Montag und Dienstag erwartet. Dann muss verbreitet mit Sturmböen, im höheren 
Bergland sowie an einigen Küstenlagen mit schweren Sturmböen und in exponierten 
Gipfellagen mit orkanartigen Böen gerechnet werden. Ab Mittwoch lässt der Wind 
insgesamt etwas nach, allerdings muss insbesondere in Schauernähe weiterhin mit 
Sturmböen aus Nordwest gerechnet werden. 

Im mittelfristigen Vorhersagezeitraum kommt es wiederholt zu Niederschlägen. 
Dabei ist am Montag und Dienstag in den Nordweststaulagen der Mittelgebirge und 
gebietsweise am Alpenrand markanter Dauerregen möglich. Hinweise hierfür gibt es
sowohl seitens der deterministischen Modelle als auch von COSMO-LEPS.  

EFI zeigt über den gesamten Vorhersagezeitraum hinweg erhöhte Signifikanzen 
bezüglich Windböen, am Sonntag und Montag auch gebietsweise für Niederschlag.  
________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX, EZMW-EPS, operationelle Modelle
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl.  Met. Johanna Anger 
 

Quelle: DWD
Wetterzentrale | Top Karten