DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 26.11.2014 um 10.30 UTC



Übergang zu einer High-over-Low-Situation (GWL-Muster BM "Brücke Mitteleuropa") 
mit östlicher Grundströmung, dabei allmählich kälter.
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Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 03.12.2014


Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums am kommenden Samstag zeigt die 
großräumige Druck- und Potenzialverteilung ein umfangreiches und hochreichendes 
Tief knapp südwestlich von Portugal, das sich ganz langsam zum westlichen 
Mittelmeer verlagert. 
Als atmosphärische Konterparts fungieren zwei Hochdruckgebiete, bei denen es 
sich einerseits um das etwas nach Norden verschobene Azorenhoch (mit 
überlagertem Höhenrücken), andererseits um ein eher thermisch geprägtes Hoch 
handelt, das von Fennoskandien bis weit nach Russland reicht. Zwischen den Hochs
deutet sich eine zunächst noch schwache Brückenkonstellation an, die sich aber 
im weiteren Verlauf kräftigt. Die Längsachse dieser Brücke verläuft am Montag 
etwa von Irland über die Nordsee bis hinüber zum Baltikum. Letztlich stellt sich
eine High-over-Low-Situation ein, bei der das o.e. Tief über dem Mittelmeer 
weiter in Richtung Italien zieht.

Als Konsequenz aus dieser Verteilung dreht die bodennahe Strömung in Deutschland
peu a peu von Südost auf Ost bis Nordost, wodurch kalte Festlandsluft advehiert 
wird. Diese erreicht zunehmend auch den Westen und Südwesten des Landes, was 
nicht zuletzt durch einen deutlichen Rückgang der 850-hPa-Temperatur 
verdeutlicht wird. Reicht die Spanne am Samstag noch zwischen 10°C am Oberrhein 
und 0°C in Vorpommern, so sind es Dienstag 00 UTC nur noch Werte zwischen +1°C 
an der Ems und bis zu -7°C in Südbaden. 

Im Großen und Ganzen ist die Gesamtkonstellation bei uns antizyklonal geprägt. 
Allerdings wird für Montag im äußersten Südosten etwas Niederschlag simuliert 
(Aufgleiten auf der Nordseite des Mittelmeertiefs), wozu auch ein kurzwelliger 
Trog beiträgt, der auf der Ostflanke des bis nach Norwegen gerichteten 
Höhenrückens südwärts abläuft. 
Außerdem dringt am Dienstag die thermisch eher schwach, im 700-hPa-Feuchtefeld 
dafür aber sehr klar ausgeprägte Kaltfront eines kräftigen Nordmeertiefs in den 
Nordwesten des Landes ein. Sie kommt bis Mittwoch noch etwas landeinwärts voran,
wo sie in ein frontolytisches Umfeld gelangt und sich schließlich auflöst.

Im erweiterten Mittelfristzeitraum wird die Hochdruckbrücke zunächst etwas nach 
Süden gedrückt, bevor sie letztlich ihre Kontur verliert. Trotzdem bleibt das 
gesamte Strömungsregime eher auf antizyklonaler Spur, wobei tendenziell ein 
leichter Temperaturanstieg zu verzeichnen ist.     
   
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Der heutige 00-UTC-Lauf des ECMF bleibt der seit einigen Läufen eingeschlagenen 
Linie treu, wonach die Bodenströmung in Deutschland sukzessive von Südost auf 
Ost bis Nordost dreht. Während in der gestrigen 00-UTC-Version für Anfang 
nächster Woche (Montag, Dienstag, Mittwoch) Niederschläge im Süden und Südosten 
simuliert wurden (teils als Schnee bis in tiefe Lagen), setzt die heutige 
Variante auf stärkeren Hochdruckeinfluss respektive weitgehend 
niederschlagsfreie Verhältnisse (etwas Schnee oder Regen am Montag Richtung 
Alpen und Bayerischer Wald).
Ein Fragezeichen steht auch noch über der Intensität der Abkühlung. Aufgrund der
eher mageren oder gar nicht vorhandenen Schneeflächen über Osteuropa wird die 
Abkühlung nicht gerade brachial ausfallen, gleichwohl ist ab Wochenbeginn im 
Osten und Nordosten an der einen oder anderen Stelle leichter Dauerfrost nicht 
ganz ausgeschlossen.      

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Vergleich mit anderen globalen Modellen
 

Die anderen einschlägig bekannten Globalmodelle zeigen ebenfalls die Umstellung 
hin zu einer High-over-Low-Situation. Dabei liegen GFS und ECMF am Sonntag und 
Montag etwa auf einer Linie, während GME und auch das kanadische GEM einen 
deutlich stärkeren Gradienten aufweisen, was einen ruppigeren Ostwind zur Folge 
hätte.
Interessant ist die Entwicklung im Laufe der kommenden Woche. GME (nur bis 168 
h) und auch GEM setzen auf die Fortsetzung der beschriebenen Konstellation, 
Gleiches gilt für den höher aufgelösten Parallellauf von GFS (GFS_P). Der 
operationelle Lauf von GFS hingegen simuliert die Kaltfront am Dienstag deutlich
stärker als ECMF und lässt diese bis zu den Alpen vorankommen. Dahinter strömt 
von Westen-Nordwesten ein Schwall maritimer Kaltluft zu uns (um -5°C in 850 
hPa). Die Ostströmung wäre demnach passe, stattdessen leitet die KF-Passage eine
zyklonale West-, im weiteren Verlauf der erweiterten Mittelfrist sogar 
Nordwestlage ein.     
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Für den Zeitraum T-120...168h (Montag bis Mittwoch) liegen fünf verschiedene 
Cluster vor, von denen vier den Bestand der Hochdruckbrücke anzeigen (Haupt- und
Kontrolllauf liegen im mit 15 Fällen besetzten CL 1). Unterschiede ergeben sich 
in der genauen Positionierung (mal weiter nördlich, mal weiter südlich) sowie in
der Intensität der Brücke. Ausscheren tut das mit lediglich 5 Fällen besetzte CL
4, welches ähnlich der GFS-Version, die Brücke "sprengt" und eine deutliche 
Kaltfrontpassage von NW her anzeigt.
Recht heterogen präsentiert sich die Clusterung für die erweiterte Mittelfrist 
(T+192...240 h). So bietet z.B. CL 4 (8 Fälle) den Aufbau einer Omega-Lage auf, 
während CL 2 (12 Fälle) und CL 5 (7 Fälle) hin zu einer NW- oder sogar N-Lage 
tendieren. 
Die Clusterung von GFS-EPS (neu) schließt sich nicht nahtlos der Simulation des 
operationellen Laufs an. Einige Mitglieder setzen auf den Fortbestand der 
Hochdruckbrücke a la ECMF.
FAZIT: Bis Anfang der kommenden Woche herrscht abgesehen von Kleinigkeiten ein 
weitgehender Konsens zwischen Deterministik und Probabilistik. Danach kommen 
Unsicherheiten ins Spiel, wobei die Mehrheit der verfügbaren Simulationen eher 
auf Erhaltungsneigung getrimmt ist (Hochdruckbrücke, Tief Mittelmeer).     
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Wie im Text bereits erwähnt, deuten einige Modelle zum Wochenende hin, teils 
auch noch zu Beginn der neuen Woche die Möglichkeit von STURMBÖEN insbesondere 
in einigen Hochlagen, weniger an den Küsten an. Die statistischen Verfahren 
allerdings legen diesbezüglich eine deutliche Zurückhaltung an den Tag.
Signifikante NIEDERSCHLÄGE stehen zunächst mal nicht in Aussicht. Dass es  zu 
Wochenbeginn im Süden und Südosten - vielleicht - mal etwas schneit, Anfang 
Dezember nichts Besonderes dar. 
Über die Unsicherheiten im Laufe der kommenden Woche wurde bereits geschrieben. 

 
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Basis für Mittelfristvorhersage
Mischung aus Modellen, MOS-Mix und ECMF-EPS. Zum Teil werden die Temperaturen 
etwas nach unten korrigiert.
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VBZ Offenbach / Dipl.  Met. Jens Hoffmann 
 

Quelle: DWD
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