DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 01.09.2014 um 10.30 UTC



Im Norden bis zum Wochenende antizyklonal geprägt, von der Mitte bis in den 
Süden feuchte und labile Luftmassen mit Gewittern. Danach größere 
Unsicherheiten.
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Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 08.09.2014


Am Donnerstag...befindet sich ein eigenständiges Höhenhoch zwischen der 
südlichen Nordsee und dem Baltikum. Damit hat sich auch bodennah eine 
Hochdruckzelle aufgebaut, die mit seinem Zentrum bei den Baltischen Staaten 
liegt und lose Verbindungen zu einer weiteren Hochdruckzelle westlich von Island
aufweist. Große Teile von Deutschland profitieren von der resultierenden 
Absinkbewegung, die vielfach freundliches Wetter zur Folge hat.

Etwas anders schaut es in den südlichen Landesteilen aus. So wird Südeuropa von 
einem Höhentief beeinflusst, das zwei Zentren aufweist. Das Hauptzentrum 
befindet sich über Mittelitalien, während ein sekundäres Zentrum etwa bei der 
Schweiz zu finden ist. Die damit in Verbindung stehenden Feuchtefelder bringen 
einige Wolken und dem Alpenrand am Nachmittag auch Schauer/Gewitter.

Zwischen hohem Luftdruck nördlich von Deutschland und tiefem Luftdruck im Süden,
stellt sich eine östliche Grundströmung ein, der die Regionen in der Mitte und 
im Norden Deutschlands mit trockenen Luftmassen versorgt. Bei Temperaturen die 
in 850 hPa zwischen 10 und 13 Grad liegen, werden vielerorts Werte um oder 
oberhalb von 25 Grad erreicht.


Am Freitag... verlagert sich das Höhenhoch etwas weiter nach Osten und liegt 
dann mit seinem Zentrum etwa bei Weißrussland. Nahezu achsensenkrecht findet 
sich in Bodennähe ein Bodenhoch mit einem Kerndruck von 1024 hPa. Gleichzeitig 
kann das Höhentief bei der Schweiz stärkeren Einfluss auf das Wettergeschehen in
Deutschland nehmen. So dreht die Strömung eher auf südöstliche Richtungen und 
die Zufuhr feuchter Luftmassen nimmt zu. 

Von den feuchten Luftmassen werden vor allem der Süden und die Mitte des Landes 
beeinflusst. Diese sind zudem labil geschichtet, sodass sich vor allem am 
Nachmittag einige Gewitter entwickeln können. Diese können auch kräftig und 
unwetterartig ausfallen. Letzteres begründet sich vor allem darin, dass die 
Strömung in mittleren Luftschichten nur schwach vorhergesagt wird (W500: 5-10 
kn). Gleichzeitig liegen die ppw's zwischen 30 und 35 mm.
Der Norden des Landes profitiert stattdessen noch weiter von antizyklonalem 
Einfluss und damit Absinken.


Am Samstag... liegt der Süden des Landes weiter unter dem Einfluss des 
Höhentiefs, wobei die Höhenströmung weiter nur schwach ist. Auch bodennah gibt 
es nur geringe Luftdruckgegensätze. So liegt zwischen den Friesischen Inseln und
dem Berchtesgadener Land gerade mal ein Luftdruckunterschied von etwa 3 hPa.

Die Folge sind Niederschläge, die den Süden und die Mitte beeinflussen und im 
Tagesverlauf konvektiven Charakter aufzeigen. Dann sind auch wieder Gewitter 
möglich. Bei weiterhin nur langsamer Verlagerungsgeschwindigkeit muss vor allem 
wieder mit Starkniederschlägen gerechnet werden. Die ppw's sind aber geringer 
und liegen nur noch zwischen 25 und 30 mm, sodass die Unwettergefahr abnimmt.

Der Norden kann zunächst weiter von einer antiyzklonalen Höhenströmung 
profitieren, sodass sich das Wettergeschehen weitgehend freundlich und trocken 
gestaltet.

Auffällig ist ein kleines, aber intensives Höhentief, das sich nach 
Südskandinavien verlagert und einen stattlichen Geopotentialgradienten aufweist.
Da es sich bodennah kaum auswirkt, hat es eher den Charakter eines 
Kaltlufttropfens. Zunächst es aber noch keinen Einfluss auf Deutschland aus.


Sonntag und Montag... verlagert sich der Kaltlufttropfen schließlich in den 
Nordosten von Deutschland. Dieser ist angereichert mit höhenkalter Luft von -22 
Grad in 500 hPa. Bei gleichzeitig +5 Grad in 850 hPa, wären Schauer und auch 
Gewitter die Folge. Das Höhentief zeichnet sich auch gut in der 700 hPa Feuchte 
ab, sodass neben den konvektiven Niederschlägen auch kompakte Bewölkung zu 
erwarten ist.

Bei den Britischen Inseln befindet sich ein Höhenhoch mit korrespondierendem 
Bodenhoch bei den Shetland Inseln. Ein Tief lässt sich bodennah über Deutschland
nicht finden (wie für ein Kaltlufttropfen üblich), wohl aber ein zyklonaler 
Einschlag der sonst antizyklonalen Bodenströmung.

Die feuchten Luftmassen, die zuvor bis zur Mitte wirksam waren, ziehen sich 
allmählich in Richtung Alpenrand zurück. In den davon beeinflussten Gebieten 
gibt es vornehmlich in den Nachmittagsstunden neue Gewitter.

Vor allem im Süden liegen die Höchstwerte noch im sommerlichen Bereich, während 
der Norden unter Einfluss des Kaltlufttropfens deutlich kühler temperiert wäre.
 
In der erweiterten Mittelfrist...  verlagert sich der Kaltlufttropfen mehr oder 
weniger zur Mitte Deutschlands. Dadurch würde es trotz einer Ostströmung (Hoch 
über Nordeuropa) durchwachsenes Wetter mit häufigen konvektiv geprägten 
Niederschlägen geben.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Zu Beginn der Mittelfrist ergibt sich eine recht gute Übereinstimmung zwischen 
den verschiedenen ECMWF-Läufen. Aber schon bald nehmen die Unterschiede zu. 

So zeigen der gestrige und der heutige 00 UTC Lauf eine weiter nach Norden 
ausgreifende 10 Grad Isotherme in 850 hPa (Dänemark), während der 12 UTC Lauf da
verhaltener ist (Mitte Deutschland).

Die gradientschwache und unter leicht zyklonalem Einfluss stehende Gewitterlage 
für die Mitte und den Süden wird aber von allen Läufen gebracht, wenngleich der 
12 UTC Lauf etwas zurückhaltender ist.

Deutlich aus dem Rahmen fällt schließlich der jüngste ECMWF-Lauf mit dem sich 
nach Deutschland verlagernden Kaltlufttropfen. Dieser wird von seinen Vorläufen 
nicht gebracht. Der 12 UTC Lauf deutete zwar für den Samstag die Ausbildung 
eines Höhentiefs an, lässt es aber bereits zum Sonntag wieder absterben. Der 00 
UTC Lauf von gestern zeigte keinerlei Andeutungen.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
 

Die grundlegende Wetterentwicklung wird zu Beginn der mittelfristigen 
Wetterentwicklung von GME, GFS und ECMWF gleich simuliert. Alle drei Modelle 
zeigen ein Ausgreifen der Schauer- und Gewitteraktivität am Freitag und Samstag 
bis zur Mitte des Landes, während der nördliche Teil des Bundesgebietes 
antizyklonal geprägt bleibt.

Größere Unsicherheiten ergeben sich dann zu Beginn der kommenden Woche. So 
besitzt das ECMWF mit der Variante eines sich entwickelnden Kaltlufttropfens, 
der sich über Deutschland festsetzen soll, schon ein gewisses 
Alleinstellungsmerkmal. Das GFS zeigt zwar ebenfalls die Entwicklung eines 
kräftigen Troges, verlagert ihn aber rasch ostwärts, wobei der Trog nur 
vorübergehend auch mal ein eigenständiges Drehzentrum bekommen soll. Zudem ist 
ein sich entwickelndes Bodentief daran gekoppelt. Außerdem findet die 
Entwicklung beim GFS schneller statt, als bei GFS.

GME zeigt in Phase mit ECMWF Andeutungen für die Entwicklung eines Höhentiefs, 
bereitet diesem aber relativ rasch wieder ein Ende. Insgesamt stellt GME eines 
der wärmsten Vorhersagen für das Wochenende dar, wobei die 10 Grad Isotherme bis
in den Norden Deutschland reicht, während bei GFS sich diese über dem Süden 
befindet.

Um andere Modelle zu finden, die ein ähnliches Szenario wie ECMWF zeigen, muss 
man schon etwas suchen. Aber es gibt sie. So zeigt beispielsweise auch das 
NAVGEM (Modell der US Navy) einen nach Deutschland wandernden Kaltlufttropfen.

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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen für Offenbach zeigen bis einschließlich Samstag eine enge 
Bündelung der verschiedenen EPS-Member. Dabei verlaufen Haupt- und Kontrolllauf 
dicht beieinander und bewegen sich im Bereich der wahrscheinlichsten Lösung. Ab 
Sonntag nehmen die Unsicherheiten dann zu. So zeigt der Hauptlauf ein Abfall der
Temperatur in 850 hPa von 12 auf 6 Grad, während der Kontrolllauf etwa im 
gleichen Bereich verbleibt. Der Kontrolllauf bewegt sich dabei im Bereich der 
Mehrzahl der EPS-Member, während der Hauptlauf deutlich weiter unten angesiedelt
ist.

Besonders auffällig sind die Diskrepanzen, wenn man sich die Plumes von Rostock 
betrachtet. Der Abfall des Geopotentials zwischen Sonntag und Montag stellt 
dabei im Vergleich zum Mittel einen deutlichen Ausreißer dar. Selbiges gilt auch
für die Temperaturverteilung. Der Kontrolllauf liegt zwar auch etwas unter dem 
Mittel, aber lange nicht so extrem.

Das Clustering bringt für den Zeitraum von +120 bis +168 h (Sa bis Mo) die 
maximale Anzahl an Clustern. Ganze sechs Möglichkeiten werden angeboten. Dabei 
sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Lösungen vor allem Differnzen 
im Detail. Das betrifft zum einen die Intensität und Lage des Höhentiefs über 
dem Ostatlantik, sowie die genaue Ausrichtung und Lage des Höhenrückens. 
Andeutungen für den Kaltlufttropfen findet man in Cluster 2. Etwas überraschend 
ist der Kontrolllauf dort enthalten, während der Hauptlauf in Cluster 1 zu 
finden ist. Dort wiederum gibt es keinerlei Andeutungen für den Kaltlufttropfen.
So wirklich erklärt sich das nicht.

Auch im Zeitraum bleiben die Unsicherheiten bestehen, was sich an der Anzahl an 
Clustern (5) zeigt. In der Mehrzahl ist dabei weiterhin der Rücken zu sehen, 
indem es aber verschiedentliche Störungen gibt, die auch Deutschland 
beeinflussen. Auch die Lage der Achse wird mit größeren Unterschieden versehen.

Das GFS zeigt ab kommenden Sonntag ebenfalls eine deutliche Zunahme des Spreads.
Während Haupt- und Kontrolllauf eine Fortdauer des Spätsommerwetters mit kaum 
Niederschlag, hohem Geopotential und 850 hPa Temperaturen um 10 Grad zeigen. Es 
gibt aber auch einzelne Lösungen, die einen deutlichen Rückgang von Geopotential
und Temperatur simulieren

Fazit: Bis zum Sonntag ist die Entwicklung klar. Ob das Spätsommerwetter darüber
hinaus noch länger anhält ist noch nicht entschieden. Zwar zeigt dies die 
Mehrzahl der Modelle und EPS-Verfahren, es gibt aber auch einige Hinweise auf 
Störungen. Die Version des deterministischen ECMWF-Laufes erscheint aufgrund 
fehlender Konsistenz derzeit als sehr unwahrscheinlich.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Im mittelfristigen Zeitraum sind signifikante Wettererscheinungen vor allem in 
Verbindung mit Gewittern möglich. Am Donnerstag beeinflussen diese vor allem den
Süden, am Freitag und Samstag greifen sie bis zur Mitte aus und ziehen sich am 
Sonntag wieder in den Süden zurück.
Aufgrund der geringen Höhenströmung ist vor allem Starkregen der entscheidende 
Begleiter. Dabei sind bei ppw's die von Donnerstag bis Samstag zwischen 30 und 
teils 35 mm liegen, vor allem über dem Süden (am Freitag auch in der Mitte) 
vereinzelte Unwetter mit Stundensummen oberhalb von 25 l/qm möglich.
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Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF (bis Sonntag), ECMWF-EPS, MOS-Mix
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VBZ Offenbach / Dipl.  Met. Marcus Beyer 
 

Quelle: DWD
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