DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 30.10.2014 um 10.30 UTC



Weiterhin mild, besonders im Westen zunehmender Trogeinfluss.
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Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 06.11.2014


Am Sonntag liegt Mitteleuropa zwischen einem Langwellentrog über dem Ostatlantik
und einem blockierenden Hoch über Osteuropa in einer südwestlichen Strömung 
weitestgehend noch unter Hochdruckeinfluss, wobei sich der Langwellentrog 
allmählich ostwärts verlagert. Auf 850-hPa herrschen dabei für die Jahreszeit 
deutlich zu warme Temperaturen von bis zu 10 Grad vor. Am Sonntagnachmittag 
greift dann eine schwache Kaltfront auf den Nordwesten über.

Zu Beginn der neuen Woche verlagert sich der Langwellentrog noch etwas weiter 
ostwärts, wird aber von einem Russlandhoch blockiert, woraus sich bis zum 
Mittwoch eine stärkere Austrogung über Frankreich bis ins westliche Mittelmeer 
ergibt. 
In Deutschland dreht die Strömung auf der Vorderseite des Troges zunehmend auf 
Süd. Während der Westen von schwachen quasistationären Fronten beeinflusst wird,
verbleibt der Osten im Zustrom subtropischer Luft noch unter Hochdruckeinfluss. 
An den Alpen wird es föhnig.

Am Mittwoch wird an der Südostflanke des Troges über dem Mittelmeer Zyklogenes 
ausgelöst, wodurch es zu einem Abtropfen des Troges über den westlichen 
Mittelmeer kommt. Das Cut-Off Tief zieht nachfolgend unter Verstärkung Ostwärts,
wobei das schleifende Frontensystem, das Mittwoch noch den Westen beeinflusst am
Donnerstag zunehmend zurückgedrängt wird.

Ab Freitag nähert sich dann ein neuer atlantischer Langwellentrog, der erneut 
gegen das blockierendes Hoch anläuft, das sich nun bis Skandinavien ausgeweitet 
hat. Dabei sickert von Nordwesten allmählich kühlere Meeresluft ein. Bodennah 
herrscht dabei noch leichter Hochdruckeinfluss über Deutschland. 

Am Samstag greift dann der sich deutlich abschwächende Langwellentrog auf 
Deutschland über, wobei die Temperatur auf 850-hPa auf nahe 0 °C sinkt.

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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bis Mittwoch ergeben sich bezüglich der vergangen Läufen keine Wetterrelevanten 
Unterschiede. Ab Mittwoch gibt es Unterschiede bezüglich des Abtropfprozesses 
ins Mittelmeer. Der gestrige ECMWF12z-Lauf und der heutige 00z-Lauf rechnen 
einen stärkeren Cut-Off-Prozess, wodurch es auf der Nordseite des Cut-Off-Tiefes
zu einem leichten geopotentialanstieg über Mitteleuropa kommt und durch die 
südöstliche Bodenströmung die Kaltfront nun nicht mehr bis nach Ostdeutschland 
vorankommt. Das nachrücken eines weiteren atlantischen Troges gegen Ende der 
neuen Woche wird im neuen Lauf langsamer gerechnet. Zudem schwächt sich der Trog
schneller ab. 
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
 

GFS zeigt weitestgehend dieselbe Entwicklung wie ECMWF.

Das kanadische GEM hingegen rechnet kein Abtropfen ins Mittelmeer, sondern einen
Trogdurchgang am Mittwoch. Der nachfolgende Atlantiktrog wird deutlich stärker 
gerechnet, wobei sich an seiner Südostflanke ein Sturmtief bildet, das nach 
Deutschland zieht. Gegen Ende des Vorhersagezeitraums kommt es dann zu einer 
Troglage über Mitteleuropa. GEM stellt jedoch mit dieser extremen Lösung eine 
Außenseiterposition dar.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die ECMWF-EPS-Rauchfahnen sehen ähnlich aus, wie am Vortag. Sie sind bis 
Dienstag sehr einheitlich, ab dann ergeben sich große Unterscheide. Dennoch 
zeigen die meisten Läufe einen Geopotentialanstieg ab Mittwoch, was auf den 
Cut-Off-Prozess ins Mittelmeer hinweist. Die größten Unsicherheiten bestehen in 
Ostdeutschland, bezüglich des Übergreifens der Kaltfront. Die meisten EPS-Member
zeigen für Berlin bereits am Donnerstag einen starken Rückgang der 
850-hPa-Temperatur auf nahe 0 °C, während der Hauptlauf dies später sieht. Auch 
zeigen sich in den EPS bereits ab Mittwoch häufiger Niederschlagssignale im 
Osten Deutschlands, während der Hauptlauf bis Freitag trocken rechnet.

Die GFS-ENS sind ab Mittwoch im Mittel wärmer als das EPS und zeigen im Osten 
kaum Niederschlagssignale.

In der EPS-Clusteranalyse für Dienstag bis Donnerstag sind Cluster-1, der den 
Hauptlauf enthält und Cluster-2 mit jeweils 16 und 11 Membern relativ ähnlich. 
Cluster-3 und Cluster-4 rechnen den Cut-Off ins Mittelmeer schwächer. Cluster-5 
ähnelt am Freitag der GEM Lösung mit einer Sturmtiefentwicklung.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Vorhersage bis Dienstag relativ sicher
ist, es danach mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Westen wechselhaft bleibt. 
Die Abkühlung mit Niederschlägen im Osten in der 2. Wochenhälfte steht hingegen 
auf noch etwas wackligen Füßen. Eine Umstellung der Wetterlage hin zu einer 
kühleren winterlichen Witterung deutet sich auch in der erweiterten Mittelfrist 
noch nicht an.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Montag kommt es im Nordwesten zu einer Gradientverschärfung, wobei in 
exponierten Küstenlagen der Nordsee, sowie auf den Gipfeln  der nördlichen 
Mittelgebirge stürmische Böen auftreten können.

Am Dienstag sind Sturmböen durch Föhn auf den Alpengipfeln wahrscheinlich.
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Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF, ab Mittwoch ECMWF-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl.  Met. Christian Herold 
 

Quelle: DWD
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