DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 20.12.2014 um 10.30 UTC



Meist lebhafte, aber milde West- bis Südwestströmung. An den 
Weihnachtsfeiertagen vorübergehend kälter mit Schnee im Bergland. 
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 27.12.2014


Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am Dienstag und Mittwoch 
(Heiligabend) liegt Deutschland im Bereich einer kräftigen und relativ glatt 
konturierten west- bis nordwestlichen Höhenströmung, die sich von Grönland über 
den Nordatlantik bis nach Osteuropa erstreckt. Eingelagert in diese westliche 
Strömung ist ein langgestrecktes und zur Wellenbildung neigendes Frontensystem 
eines Tiefs über Osteuropa, das vor allem den Norden Deutschlands beeinflusst. 
Der Süden befindet sich dagegen im Bereich eines Bodenhochs. Der kräftige 
Druckgradient bleibt erhalten, so dass ein lebhafter West- bis Südwestwind weht 
mit Sturmböen vor allem an den Küsten und im Bergland. Damit werden relativ 
milde Luftmassen vom Ostatlantik zu uns geführt mit Temperaturen in 850 hPa 
zwischen +5 Grad im Süden und -3 Grad im Norden Deutschlands. 
 
Am Donnerstag (1. Weihnachtsfeiertag) beginnt die Strömung zu mäandrieren. 
Daraus resultiert ein Höhentrog, der im Laufe des Tages von Nordwesten auf 
Deutschland übergreift und in der Nacht zum Freitag (2. Weihnachtsfeiertag) samt
korrespondierendem Bodentief über uns hinweg schwenkt. Die zugehörige Kaltfront 
erreicht bereits Donnerstagnachmittag die Alpen. Mit dem rückseitig auf Nord 
drehendem Wind gelangt ein Schwall polarer Meeresluft zu uns (Temperaturen in 
850 um -7 Grad), so dass die auftretenden Niederschläge im Bergland als Schnee 
fallen. Auch im Flachland ist bei kräftigen Schauern kurzzeitig etwas Schneefall
möglich. Im Laufe des Freitags gelangt Deutschland von Westen unter 
Hochdruckeinfluss, so dass  sich das Wetter beruhigt. Mit dem auffächernden 
Gradienten lässt auch der Wind vorübergehend nach. 

Ab Samstag nehmen die Unsicherheiten der Vorhersage deutlich zu. Relativ sicher 
scheint aber eine erneute Zonalisierung der Strömung. Mit der auf West bis 
Südwest drehenden Strömung wird die zuvor eingeflossene Kaltluft wieder 
verdrängt. Frontensysteme beeinflussen weiterhin vor allem die Nordhälfte 
Deutschlands.  
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des aktuellen 00 UTC Laufs des EZMW zu den Vorläufen ist gut, 
insbesondere zum gestrigen 00 UTC Lauf. Der gestrige 12 UTC Lauf hingegen 
simulierte die Trogpassage am 1. beziehungsweise 2. Weihnachtsfeiertag langsamer
und etwas stärker ausgeprägt. Markante Unterschiede bezüglich der 
Wetterentwicklung hätten sich daraus allerdings nicht ergeben. 
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
 

Der zeitliche Ablauf der Trogpassage an den Weihnachtsfeiertagen wird von den 
anderen betrachteten Globalmodellen ähnlich simuliert. Allerdings ist sowohl der
Trog als auch das Bodentief nach EZMW am stärksten ausgeprägt, GFS liefert die 
defensivste Lösung. Aus der EZWM Lösung würde insbesondere ein kräftigerer 
Druckgradient resultieren. Die mit der Trogpassage einhergehende Abkühlung 
scheint dagegen relativ sicher. Hierbei hält die nördliche Strömung zwischen dem
abziehenden Tief und dem nachfolgenden Hoch nach GME und EZMW am Freitag weiter 
an, wodurch die 850 hpa- Temperaturen im Norden und Osten vorübergehend unter 
-10 Grad absinken. Nach GFS dreht die Strömung bereits wieder auf West bis 
Südwest. Grund ist die Simulation eines Sturmtiefs im Bereich der Britischen 
Inseln. 

Daraus ergeben sich besonders ab Samstag markante Unterschiede für das Wetter in
Deutschland. Dabei ist von Hochdruckeinfluss (GME) bis hin zu einem Sturmtief 
mit einem Kerndruck von 970 hPa über der südlichen Nordsee (GFS) ein breites 
Spektrum vorhanden. Das EZMW bietet mit einem Sturmtief mit Kern südwestlich von
Island eine Zwischenlösung an. 
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Sowohl die Rauchfahne von Offenbach als auch die Clusterung zeigen noch 
Unsicherheiten bezüglich der Trogpassage am Donnerstag beziehungsweise Freitag 
und auch der Entwicklung ab Samstag. 

Zwar deuten alle Member ein Absinken des Geopotentials in der Rauchfahne an, 
allerdings ist dieses nach dem Hauptlauf des EZMW am stärksten ausgeprägt. Das 
Einströmen der kälteren Luft und der Rückgang der Temperaturen auf Werte 
zwischen -5 und -10 Grad in 850 hPa wird hingegen von fast allen Membern 
unterstützt. 
Die Clusterung zeigt für den Zeitraum t+120 bis 168 Stunden zwei Cluster, auch 
hier besteht der Unterschied in der Ausprägung des Troges. 

Die unterschiedlichen Szenarien der Wetterentwicklung ab Samstag wurden bereits 
im Kapitel Modellvergleich angedeutet. Diese Lösungen finden sich auch in der 
Clusterung wieder, wobei für den Zeitraum ab Sonntag (t+192 bis 240) sechs 
Cluster vorhanden sind. 
Etwas deutlichere Hinweise liefert die Rauchfahne von Offenbach. Während das 
Geopotential in 500 hPa nach dem Haupt- und Kontrolllauf am Samstag und Sonntag 
auf relativ hohem Niveau verbleibt, zeigen alle Ensemblemember eine deutliche 
Abnahme. 
Das Ensemblemittel simuliert schließlich am Samstag die Entwicklung eines 
Sturmtiefs südlich von Island, welches am Sonntag mit einem Kerndruck von 995 
hPa über der mittleren Nordsee liegt. Insofern spricht vieles für eine Fortdauer
des zyklonal geprägten und windigen Wetters. 
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


In Norddeutschland ist zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums mit 
Dauerregen zu rechnen. Dabei können am Dienstag gebietsweise um 30 mm innerhalb 
von 24 Stunden fallen. Nach COSMO-Leps sind insbesondere auch im Nordweststau 
des Harzes 24-stündige Mengen über 30 mm möglich. EFI gibt ebenfalls Hinweise 
auf erhöhte Niederschlagsmengen in Norddeutschland. Die anderen globalen 
Modellen und das EZWM-EPS zeigen keine warnwürdigen Niederschlagsmengen.

Der lebhafte Wind aus westlichen Richtungen bleibt zunächst erhalten, so dass 
von Dienstag bis Donnerstag in der Nordhälfte zeitweise mit starken Windböen 
(Bft 7), an den Küsten mit stürmischen Böen (Bft 8) oder Sturmböen (Bft 9) 
gerechnet werden muss. Im Bergland bleibt es allgemein stürmisch (Bft 8 bis 10) 
mit Orkanböen (Bft 11 bis 12) in exponierten Lagen. Insbesondere am Dienstag 
sind nördlich des Mains auch bis ins Flachland stürmische Böen (Bft 8) möglich. 
Diese Einschätzung wird von den probabilistischen Modellen gestützt.  
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Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, MOS, EZMW-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl.  Met. Johanna Anger 
 

Quelle: DWD
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