DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 06.02.2016 um 10.30 UTC



Insgesamt wechselhaft
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 13.02.2016


Am Dienstag, zum Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraumes, liegt 
Deutschland auf der Vorderseite eines Langwellentroges, der sich vom Nordmeer in
Richtung Biskaya erstreckt und dessen Achse in der Nacht zu Mittwoch auf unseren
Vorhersagebereich übergreift. Bodennah korrespondiert mit dem Langwellentrog ein
Tief, welches sich entlang der norwegischen Atlantikküste erstreckt. Auf der 
Südflanke dieses Tiefs und vorderseitig des Troges kann man einen recht scharf 
geschnittenen Bodentrog erkennen, der im Tagesverlauf von Westen her über 
Deutschland hinwegzieht. Die im Bereich des Troges und Bodentroges zu erwartende
Hebung wird von höhenkalter Luft gestützt, wobei die 500 hPa-Werte zeitweise 
unter -35 Grad absinken. Im 850er Niveau liegen die entsprechenden Werte bei -1 
bis -5 Grad, was von der Konstellation insgesamt Niederschläge mit 
Schauercharakter erwarten lässt, die in höheren Lagen als Schnee fallen. 
Einzelne kurze Gewitter sind nicht wahrscheinlich, aber auch nicht 
ausgeschlossen. Da der Gradient vor allem Vorderseitig des Langwellentroges 
recht scharf ist, muss mit Wind- auf den Bergen und an der Küste auch mit 
Sturmböen gerechnet werden. In der Nacht lässt der Wind bei deutlich 
auffächerndem Gradienten nach.

Am Mittwoch verlagert sich der Trog weiter nach Osten, wobei er über der Adria 
abtropft. Dadurch wird auch seine Verlagerung über Mitteleuropa etwas gehemmt. 
Rückseitig wird die Höhenströmung antizklonaler, was für eine gewisse 
Wetterberuhigung spricht, die sich im Tagesverlauf und in der Nacht zu 
Donnerstag auch im Osten zunehmend bemerkbar macht, da sich die Trogachse, wenn 
auch zögerlich, weiter nach Osten verlagert und damit in der Nacht der größte 
Teil Deutschlands auf ihrer Rückseite liegt. Vor allem in der Nacht macht sich 
ein neues Tief über dem Atlantik bzw. den Britischen Inseln bemerkbar. Auf 
seiner Vorderseite dreht die Bodenströmung auf Südwest bis Süd, was 
niedertroposphärisch eine Temperaturzunahme bei uns verursacht, wenngleich diese
nicht ausreicht, um die 850er Temperaturen in den positiven Bereich zu heben. 
Auch in der mittleren Troposphäre ist im Bereich eines westeuropäischen bzw. auf
Mitteleuropa übergreifenden  Rückens WLA erkennbar. Da die eingesteuerten 
Luftmassen recht feucht sind, ist im hebungsaffinen Trogbereich mit 
Niederschlägen, im Bereich des Rückens in der Nacht mit Nebel zu rechnen. 

Am Donnerstag überquert uns der Rücken nach Osten, schon um die Mittagszeit 
zieht dieser nach Polen ab. Damit liegt Deutschland auf der Vorderseite eines 
neuen Langwellentroges, der um die Mittagszeit von der Irischen See bis nach 
Portugal und Westspanien ausgreift. Zu dieser Zeit soll sein Frontensystem in 
einem weiten Bogen über die Scheldemündung bis zu den Pyrenäen verlaufen. Im 
Westen setzt schon frühzeitig Niederschlag ein, der bei dort in den leicht 
positiven Bereich steigenden 850er Temperaturen nur noch in Gipfellagen der 
Mittelgebirge als Schnee fallen kann. Insbesondere präfrontal nimmt der Gradient
wieder zu, womit der Wind erneut auflebt und speziell in höheren Lagen und an 
der See stark bis stürmisch sein kann. Da das steuernde Tief bis in die Nacht zu
Freitag nur geringe Verlagerungstendenzen zeigt und die Britischen Inseln nicht 
verlässt, dreht auch der Wind nur vorübergehend mit Frontpassage auf West, bevor
er erneut auf Südwest zurückdreht. Diese bedeutet allerdings in diesem Fall 
keine Milderung, da postfrontal erwärmte Polarluft eingesteuert wird, was die 
850er Temperaturen nach kurzem positivem Intermezzo wieder unter null Grad 
sinken lässt. Da aber gleichzeitig in 500 hPa erneut Kaltluft mit Werten unter 
-35 Grad einfließt, erhöht sich die Labilität, womit die Schaueraktivität wieder
zunimmt. 

Am Freitag und Samstag bleibt Deutschland im Einflussbereich von mehr oder 
weniger stark ausgebildeten Trogstrukturen. Die 850er Temperaturen liegen dabei 
durchweg im leicht negativen Bereich. Im Bodendruckfeld ist tiefer Luftdruck bei
oder über den Britischen Inseln dominierend, so dass weiterhin mit einer 
westlichen bis südwestlichen Strömung feuchte, erwärmte Polarluft zu uns fließt,
wobei der Wettercharakter wechselhaft bleibt. 

In der erweiterten Mittelfrist bis Montag keine durchgreifende Wetteränderung.  

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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Der aktuelle Lauf zeigt bis in die Mitte der kommenden Woche bezüglich der 
synoptischen Felder eine gute Übereinstimmung mit den Vorläufen. Der aktuelle 
Lauf betont dabei die vorübergehende Wetterberuhigung am Mittwoch mit höherem 
Luftdruck etwas stärker als die Vorläufe. Das vom gestrigen 00-UTC-Lauf am 
Dienstag über Nordfrankreich simulierte kleinräumige Tief hat der aktuelle Lauf,
in Übereinstimmung mit dem gestrigen 12-UTC-Lauf, nicht mehr im Programm. 
Uneingeschränkt als gut zu bezeichnen ist die Konsistenz im Geopotentialfeld und
auch in den Feuchtefeldern, zumindest bis einschließlich Mittwoch. Ab Donnerstag
deutet sich dann ein deutliches Auseinanderdriften der Modelle an, 
beispielsweise in der Lage des Tiefs bei den Britischen Inseln oder in Bezug auf
Lage und Form des mitteleuropäischen Langwellentroges im 500-hPa- 
Geopotentialfeld.  
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
 

Bis einschließlich Mittwoch gilt für die internationale Modellriege das gleiche 
wie für die Konsistenz des EZMW: Die Übereinstimmung ist gut bis sehr gut. Die 
0-Grad-Isotherme in 850 hPa verläuft bei ICON, GFS und EZMW bis zum Mittwoch 
fast deckungsgleich, ähnliches gilt für das 500-hPa-Geopotential. Hier lässt GFS
am Mittwoch den mitteleuropäischen Trog am schnellsten abtropfen, EZMW zeigt zum
gleichen Zeitpunkt über der Nordsee ein kleinräumiges Trog-Rücken-Wellenmuster, 
das GFS und ICON nicht simulieren. Im Bodendruckfeld zeigen sich naturgemäß 
größere Unterschiede, aber auch hier lassen sich die großräumigen Muster bei 
allen Modellen erkennen. 

Erst mit dem Nahen des nächsten Tiefs vom Ostatlantik am Donnerstag laufen die 
Modelle auseinander, das dann aber deutlich, wobei ICON bezüglich der 
Verlagerung des angesprochenen Tiefs das langsamste Modell ist. 
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen für Offenbach deuten bis Mittwoch sinkendes Geopotential und bis
Donnerstag (unter Schwankungen) sinkende 850-hPa Temperaturen an. Dabei ist die 
Streuung der Ensemblemitglieder bis zum Mittwoch recht gering, ab Donnerstag 
steigt die Streuung bezüglich des Geopotentials deutlich, bezüglich der 850er 
Temperatur sogar sprunghaft an. 

Die EZMW-Ensembles simulieren im Zeitraum +72 bis +96 Stunden 4 Cluster, die 
alle in der Wetterkategorie "positive NAO" starten. Der mit 17 respektive 13 
Mitgliedern größte und drittgrößte Cluster bleiben durchweg in diese Kategorie, 
die anderen beiden wechseln in die Lage "negative NAO". Dabei sind die 
Geopotentialmuster der Cluster über den gesamten Zeitraum recht ähnlich. 
Im Zeitraum +120 bis +168 Stunden werden nur noch 2 Cluster angeboten, der mit 
29 Mitgliedern größere wechselt von der Kategorie "positive NAO" in "negative 
NAO", der kleiner liegt durchweg in letzterer. 
Für den Zeitraum +192 bis +240 Stunden wurden dann wieder 4 Cluster errechnet, 
zwei durchweg in der Lage "positive NAO", zwei durchweg in der Lage "negative 
NAO". Jetzt zeigen auch die repräsentativen Geopotentialmuster, die auch im 
zweiten betrachteten Zeitraum noch recht ähnlich waren, (wie zu erwarten) 
deutlichere Unterschiede.

Die GFS Ensembles stützen die Sichtweise der EZMW-Ensembles. Allerdings nimmt 
die Streuung der Ensembelemember schon am Dienstag, und damit früher als bei den
EZMW-Ensembles, zu.  
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Dienstag zeigt EFI Signale für signifikant erhöhte Windgeschwindigkeiten, auf
den Alpengipfeln sogar für extrem erhöhte Windgeschwindigkeiten. Ferner deutet 
EFI am Dienstag in Richtung Oder und Neiße signifikant erhöhte Temperaturen an. 
Am Mittwoch sieht EFI keine Signale mehr für signifikante Wetterereignisse. 

Am Dienstag zeigt COSMO-LEPS verbreitet Wahrscheinlichkeiten von 100% für starke
Böen, in manchen Gipfellagen auch 100% Wahrscheinlichkeit für stürmische Böen, 
im Schwarzwald sogar für Sturmböen. Des Weiteren liegen die Wahrscheinlichkeiten
für stürmische Böen in großen Gebieten des Westens, des Nordens und auch in 
höheren Lagen des Ostens teils deutlich über 50%. In der Nacht zu Mittwoch lässt
der Wind nach, am Mittwoch sind die Wahrscheinlichkeiten für Windböen vor allem 
im Süden und Südosten sowie an der Küste noch stark (50% Wahrscheinlichkeit) 
erhöht, die für stürmischen Böen oder Sturmböen leicht (um 10% 
Wahrscheinlichkeit) erhöht. 
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Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-EPS, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl.  Met. Martin Jonas  
 

Quelle: DWD
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