DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 29.07.2015 um 10.30 UTC



Temperaturanstieg, im Süden am Wochenende teils kräftige Gewitter.
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Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 05.08.2015


Am Samstag, dem ersten Tag des mittelfristigen Vorhersagezeitraumes, liegt 
Deutschland auf der Südflanke eines ausgedehnten Höhentiefkomplexes über 
Skandinavien und dem Nordatlantik. Innerhalb dieses Komplexes ist ein 
Kurzwellentrog zu erkennen, der in der Nacht zu Sonntag von Westeuropa auf 
Deutschland übergreift. Seine Achse erstreckt sich um 00 UTC von der Nordsee in 
Richtung Vogesen, mithin berührt sie zu diesem Zeitpunkt den äußersten Westen 
Deutschlands. Mit der Annäherung des Kurzwellentroges dreht die Höhenströmung 
von westlichen auf mehr südwestliche Richtungen, allerdings ist insgesamt zu 
konstatieren, dass mit seiner Annäherung keine durchgreifende Änderung der 
übrigen synoptischen Felder (z. B. Temperatur, Feuchte) über Deutschland 
verbunden ist. Auch im Bodenruckfeld sind keine signifikanten Veränderungen 
auszumachen. Während der Vorhersagebereich zu Beginn des Samstags noch an der 
Nordostflanke eines Tiefs über Südfrankreich liegt, wird dieses im Tagesverlauf 
bei zögerlicher Nordostverlagerung aufgefüllt. Auch über dem nahen Osteuropa 
steigt der Druck, so dass in der Nacht zu Sonntag dort ein von insgesamt flacher
Druckverteilung geprägtes Hoch zu finden ist. Frontpassagen sind nach 
derzeitigem Stand keine zu erwarten, der Wettercharakter sollte bei 850er 
Temperaturen von 3 bis 13 Grad ein eher ruhiger sein, allenfalls im Süden kann 
es im Tagesverlauf Schauer oder Gewitter geben. 

Am Sonntag überquert uns der Trog ostwärts, wobei er vor allem in seinem 
nördlichen Teil seine Amplitude vorübergehend deutlich verringert. Um die 
Mittagszeit hat er Deutschland weitgehend nach Osten überquert, in der Nacht zu 
Montag erstreckt sich seine Achse von der Ostsee bis nach Polen. Rückseitig des 
beschriebenen Troges schiebt sich über die Britischen Inseln hinweg ein 
Höhenrücken über die Nordsee. Dieser wird durch WLA auf der Vorderseite eines 
kräftigen Tiefs über dem zentralen Atlantik gestützt, sein zunehmendes 
Ausgreifen nach Norden sorgt dafür, dass auch der beschriebene Osteuropatrog im 
Geopotentialfeld wieder markanter hervorsticht. Vorderseitig des Höhenrückens 
steigt auch bodennah der Druck, was zur Ausbildung bzw. Kräftigung eines Hochs 
über der Deutschen Bucht führt. Das entsprechende Absinken nagt zusätzlich an 
der ohnehin spärlichen Wolkendecke, in der Folge wird ein verbreitet 
freundlicher Tag (eine Ausnahme bildet der Süden und Südosten mit labil 
geschichteter Luft und Schauern und Gewittern) von einer oftmals klaren Nacht 
abgelöst. Bei Temperaturen in 850 hPa von 5 Grad im Norden und bis zu 15 Grad im
Süden wird es im Süden und Teilen der Mitte auch wieder sommerlich warm.

Am Montag überquert der Höhenrücken Deutschland ostwärts, in der Nacht zu 
Dienstag erstreckt sich seine Achse vom Bayerischen Wald über den Süden 
Norwegens zur Nordsee. Das Hoch über der deutschen Bucht bildet mit einem Hoch 
bei Grönland eine Hochdruckbrücke, die sich im Tagesverlauf über Dänemark und 
Schleswig-Holstein hinweg nach Osten verlagert. In der Nacht verläuft sie vom 
Nordmeer über Mittelschweden und die Ostsee nach Polen. Rückseitig der Rinne 
beginnt der Druck zu sinken und vor allem der Westen Deutschlands gelangt 
zunehmend in den Einflussbereich des angesprochenen Atlantischen Zentraltiefs 
sowie des zugehörigen Troges, der in der Nacht zu Dienstag vom Seegebiet 
westlich der Britischen Inseln bis auf die Iberische Halbinsel ausgreift. Das 
teilokkludierte Tief des Frontensystems erreicht zum Dienstagmorgen den 
äußersten Westen, so dass dort erste Regenfälle möglich erscheinen. Präfrontal 
ist bei kräftiger WLA ein deutlicher Temperaturanstieg zu verzeichnen, die 
850er-Temperaturen erreichen ausgangs der Nacht Werte zwischen 12 Grad im 
Nordosten und 19 Grad im Südwesten.

Am Dienstag und Mittwoch liegt Deutschland im Einflussbereich eines 
Langwellentroges über dem westlichen Nordatlantik. Speziell am Dienstag und in 
der Nacht zu Mittwoch überquert uns dabei das Frontensystem des zugehörigen 
Zentraltiefs mit teils kräftigen, auch gewittrigen, Regenfällen. Das Zentraltief
selbst ist dabei weitgehend ortsfest nordwestlich der Britischen Inseln zu 
finden. Da das Geopotentialminimum des Troges senkrecht über den Bodentief 
liegt, erscheint dessen Entwicklungspotential erschöpft, entsprechend beginnt es
sich aufzufüllen. Mit der Frontpassage ist auch ein deutlicher Rückgang der 
Temperaturen in 850 hPa verbunden. In der Nacht zu Donnerstag liegen diese im 
Norden teils nur noch um 7 Grad, in Süden gestaltet sich der Verdrängungsprozess
weniger effektiv, an den Alpen liegen die entsprechenden Werte auch dann noch um
15 Grad.  

In der erweiterten Mittelfrist wird ein sich am Freitag aufbauender Rücken schon
am Samstag und Sonntag wieder von einem neuen Trog nach Osten abgedrängt.   
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bis zum Sonntag zeigt der aktuelle Lauf des EZMW eine gute Übereinstimmung mi 
den Vorläufen. Zwar kann man im Geopotentialfeld in den angebotenen 
Trog-Rücken-Mustern (bei guter Übereinstimmung der Phase) Amplitudenunterschiede
ausmachen, aber speziell die Druck und Temperaturmuster weisen eine große 
Ähnlichkeit auf. Erst im Laufe des Sonntags und am Montag werden die 
Unterschiede deutlicher. Insbesondere der direkte Vorlauf von gestern 12 UTC 
deutete ein rascheres Durchschwenken des Höhenrückens an. Der aktuelle wie auch 
der letzte 00-UTC-Lauf verlagern den Rücken dagegen zögerlicher, zumindest am 
Sonntag, am Montag ist dann auch der gestrige 00-UTC-Lauf schneller unterwegs 
als der aktuelle Lauf. Die Temperatur und Druckfelder bleiben aber bis in die 
kommende Woche hinein eng beieinander, selbst bei der für die Frontpassage 
relevanten Tiefdruckrinne am Dienstag gibt es, zumindest bezüglich ihrer 
Position und damit Verlagerungsgeschwindigkeit der Front, nur geringe 
Unterschiede. 
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
 

Im internationalen Vergleich ist die Übereinstimmung der Modelle nur bis zum 
Samstag zufriedenstellend. Schon im Laufe des Samstags schert ICON etwas aus und
lässt einen Randtrog recht schnell über den Norden Deutschlands laufen, im 
Gegensatz zu GFS, EZMW und LFPW. Auf die Temperatur- und Druck- und 
Feuchtefelder hat dies aber keine markanten Auswirkungen. Im weiteren Verlauf 
stehen sich die Lösungen von GFS und ICON einerseits und EZMW und LFPW 
andererseits gegenüber. In der Nacht zu Sonntag zeigen GFS und ICON über der 
Ostküste Englands einen flachen Rücken mit Entwicklungspotential, EZMW und LFPW 
deuten dort einen flachen Randtrog an. Bei den erstgenannten Modellen steilt 
sich der Rücken im weiteren Verlauf deutlich auf, seine Achse reicht am 
Sonntagmittag von der Deutschen Bucht bis nach Norwegen, der dann angedeutete 
Rücken es EZMW ist dagegen über Irland zu finden. Entsprechend unterschiedlich 
gestaltet sich auch die Lage des steuernden Tiefs im Bodenruckfeld. Laut GFS und
ICON liegt dieses am Sonntagmittag 400 km Nordwestlich von Irland, EZMW hat das 
Tief zu diesem Zeitpunkt noch 500 km weiter westlich prognostiziert. Trotz 
dieser Unterschiede sind sich die Modelle dahingehend einig, dass eine kurze 
Hitzewelle am Montag und Dienstag schon am Dienstag von Westen her wieder durch 
eine Frontpassage beendet wird.  
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen für Offenbach zeigen bis zum Freitag bei sehr geringer Streuung 
ein verharren auf niedrigem 850er-Temperaturniveau, dann setzt bei allen 
Modellläufen ein bis Dienstag anhaltender Temperaturanstieg ein, wobei auch die 
Streuung etwas zunimmt. Ab Mittwoch ist dann unter deutlicher Zunahme der 
Streuung ein von der Mehrzahl der Ensembleläufe gezeigter Temperaturrückgang zu 
beobachten. In der Rauchfahne des Geopotentials ist ein Anstieg bis Montag und 
dann, unter etwas zunehmender Streuung, ein leichter Rückgang zu verzeichnen. 
Die Rauchfahnen des GFS-Ensembles deuten eine ähnliche Entwicklung an.

Die Ensembles des EZMW zeigen für den Zeitraum +72 bis +96 Stunden zwei etwa 
gleich große Cluster, die beide von der Kategorie negative NAO in positive NAO 
wechseln. Im Zeitraum +120 bis +168 Stunden zeigen sich 3 Cluster, die beiden 
größeren liegen dabei durchgehend in der Kategorie negative NAO, der mit 11 
Mitgliedern kleinste wechselt von positiver NAO zu einer Blockierungslage. Im 
weiteren Verlauf (+192 bis +240 Stunden) werden wieder 2 Cluster angeboten, 
wobei die Wetterkategorie "positive NAO" die dominierende ist und Deutschland 
auf der Vorderseite eines Ostatlantiktroges liegt. 
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Samstag zeigt EFI noch Signale für signifikant zu niedrige Temperaturen im 
Norden an, an Sonntag deutet EFI dann keine signifikanten Wettererscheinungen 
an. 

COSMO-LEPS zeigt für die zweite Hälfte des Samstags und die erste Hälfte des 
Sonntages im Süden geringe Wahrscheinlichkeiten für Regen über 25 mm in 12 
Stunden. 
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Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl.  Met. Martin Jonas  
 

Quelle: DWD
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