DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
 

SXEU31 DWAV 050800
S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 05.03.2015 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu BM (Brücke Mitteleuropa)

Besonders an den Alpen zunächst noch Schneefall, sonst Übergang zu ruhigem 
Wetter.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
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Donnerstag... steht Deutschland vor einer Umstellung der Großwetterlage. Nach 
Tagen mit sehr wechselhaftem und zeitweise windigem Wetter werden die 
atmosphärischen Aktivitäten nun in ruhigere Bahnen gelenkt. Als wesentlicher 
Impulsgeber fungiert dabei ein veritabler Höhenrücken, der heute früh große 
Teile des nahen Ostatlantiks sowie die Iberische Halbinsel überdeckt und hoch 
bis zum Europäischen Nordmeer reicht. Dieser Rücken wird heute und in den 
nächsten Tagen langsam aber sicher südostwärts "kippen" und sich somit immer 
mehr dem Vorhersageraum nähern. Dass dieser Prozess nicht etwas schneller 
vonstattengeht, liegt an einem inzwischen abgetropften Trog über dem östlichen 
Mitteleuropa respektive dem nahen Osteuropa, der gemeinsam mit dem Cut-Off-Tief 
bei Italien den Höhenrücken bremst. 

Wie auch immer, bei uns sorgt die geschilderte Konstellation heute für eine 
nördliche Höhenströmung, in der keine nennenswerten Hebungsprozesse dynamischer 
Natur generiert werden. Und obwohl auch im Bodendruckfeld die Zeichen auf 
Hochdruckeinfluss stehen - das kräftige Hoch mit SP über der Biscaya bzw. 
Westfrankreich weitet einen Keil nach Osten aus - kommt es heute in der 
eingeflossenen und zum Teil noch labil geschichteten Meereskaltluft doch noch zu
Niederschlägen. Diese fallen vor allem im Süden und Südosten meist in Form von 
Schnee oder Schneeregen, wobei die höchsten Intensitäten staubedingt an den 
Alpen zu erwarten sind. Dort kommen bis zum Abend noch mal 5 bis 10, lokal bis 
zu 15 cm Neuschnee zusammen. Weniger wird es im Stau des Erzgebirges sein, wo 
die Niederschläge spätestens zum Nachmittag hin zum Erliegen kommen. Allerdings 
ist nicht ausgeschlossen, dass es mit Unterstützung des Tagesgangs im Osten 
sowie in den Mittelgebirgen nicht noch mal einen kurzen Regen- oder 
Schneeschauer gibt. Ansonsten ist die Niederschlagsneigung tagsüber eher gering 
bis gleich null, zum Teil lässt sich für längere Zeit sogar mal die Sonne 
blicken. Allerdings zeichnet sich jetzt bereits ab, dass im Tagesverlauf und 
auch in der kommenden Nacht der angesprochene Höhenrücken von leichter WLA 
überlaufen wird, in deren Folge hohe und mittelhohe Wolken in den Norden und 
Westen hereindriften. Sie gehören im Grunde zu der Warmfront eines 
Frontensystems, was an der Nordflanke des Bodenhochs "entlangschleift" und dabei
auch Teile des Vorhersageraums streift. In der kommenden Nacht kann es im Norden
hier und da sogar etwas regnen oder nieseln.
Der nordwestliche bis nördliche Wind spielt im Zuge des weiter auffächernden 
Gradienten zumindest warntechnisch keine große Rolle mehr, er ist insgesamt auf 
dem absteigenden Ast. Am ehesten sprechen noch einige Hochlagen an, was aber 
unter die Einzelfallentscheidung fällt. Temperaturmäßig geht es eher schleppend 
nach oben, mehr als 3 bis 9°C, im W und SW vereinzelt mal 10°C sind nicht drin. 
Im höheren Bergland liegen die Höchstwerte um den Gefrierpunkt.

In der Nacht zum Freitag wird der Norden von der besagten Warmfront eines Tiefs 
über dem Nordmeer gestreift, hier und da fallen ein paar Tropfen Regen oder 
Nieselregen, die später auch im Nordosten und Osten ankommen können. Dabei 
besteht punktuell eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit von gefrierendem 
Regen/Nieselregen, wahrscheinlich wird aber die Gegenstrahlung die Temperatur 
bereits vorher wieder in den unkritischen Bereich zurückgeholt haben. Vor allem 
im Nordwesten, aber auch in Teilen Norddeutschlands bleibt es frostfrei. 
Ansonsten gibt es verbreitet leichten (punktuell auch mäßigen) Luft- oder 
zumindest Bodenfrost. Dort, wo die Straßen noch nass bzw. feucht sind - sei es 
durch vorherige Niederschläge, im Bergland durch Schmelzwasser oder durch lokale
Nebelfelder - besteht die Gefahr von gefrierender Nässe, was warntechnisch in 
situ mit einer "gelben" Glättewarnung gewürdigt werden sollte. Ansonsten kann 
man sich mit sichtbaren Glättewarnungen zurückhalten, auch wenn bei längerem 
Aufklaren örtliche Reifglätte möglich ist.
An den Alpen schneit es noch etwas weiter bei nachlassender Intensität. 
Gleichwohl können bis zum Morgen noch mal um oder etwas über 5 cm 
zusammenkommen.           

Freitag... liegen große Teile Deutschland im Bereich des o.e. Bodenhochs, das 
seinen Schwerpunkt bis zum Mittag in den Grenzbereich von Frankreich zu Belgien 
verlagert. Im Grunde ist das Hoch Bestandteil einer schmalen, über tausende von 
Kilometern reichende Hochdruckzone, die vom Seegebiet westlich der Azoren über 
Mitteleuropa bis nach Russland reicht, um dort Fühlung mit einem kräftigen Hoch 
über Sibirien aufzunehmen. Als imposanter Antipode fungiert nach wie vor das 
kräftige Mittelmeertief ANTON mit Kernisobare 1005 hPa an der "Sohle" Italiens 
(ICON, 12 UTC), das in Teilen Italiens, Griechenlands und des Balkans für 
turbulentes und niederschlagsreiches Wetter sorgt.  
Doch zurück in unsere Gefilde. Betrachtet man ganz nüchtern die 
Potenzialverteilung - der Höhenrücken reicht inzwischen von der Iberischen 
Halbinsel bis hinüber zum Baltikum - und das Bodendruckfeld, könnte man auf die 
Idee "Affenhochglanz" kommen. Aber weit gefehlt, der Rücken wird weiterhin von 
WLA überlaufen, und auch die Staukomponente ist zumindest am östlichen Alpenrand
noch nicht gänzlich getilgt. Kurzum, über große Teile des Landes zieht 
mehrschichtige, vielfach auch tiefe Bewölkung (taucht quasi in allen gängigen 
Modellen auf) hinweg, aus der es besonders nach Osten hin etwas regnen oder 
nieseln, im Bergland auch etwas schneien kann. Bei der räumlichen Verteilung der
Niederschläge scheint ICON allerdings etwas zu breit aufgestellt zu sein (danach
wäre im ganzen Land etwas Niederschlag möglich). Die Chancen auf größere 
Aufheiterungen oder längere sonnige Abschnitte sind im Südwesten, 
schwerpunktmäßig in BW am größten.
An der See frischt der südwestliche Wind mitunter etwas auf, die Warnschwelle 7 
Bft wird wahrscheinlich aber nicht erreicht. Auf den Alpengipfeln gibt es noch 
einige steife bis stürmische Böen um Nord. Die Temperatur erreicht Höchstwerte 
von 4 bis 9°C, im Oberrheingraben mit Sonnenunterstützung auch 10°C oder etwas 
mehr.

In der Nacht zum Freitag fällt nach Osten hin anfangs noch etwas 
Regen/Nieselregen oder Schnee. Meist bleibt es aber niederschlagsfrei. Dort, wo 
es längere Zeit aufklart, bildet sich stellenweise Nebel, was am ehesten im 
Süden, teils auch in den Mittelgebirgen  (dort eher durch aufliegende Wolken) 
der Fall ist. IM N und NW bleibt es meist frostfrei, sonst gibt es vielerorts 
leichten, im süddeutschen Bergland örtlich auch mäßigen Frost inclusive der 
gewohnten Glätteproblematik (gefrierende Nässe/Nebel, Reif).    

Samstag... ändert sich nicht monumental viel an der großräumigen 
Strömungskonfiguration. Wir liegen weiterhin im Bereich der langgestreckten 
Hochdruckzone, die vom besagten Höhenrücken gestützt wird. Dessen Achse reicht 
am Mittag nach wie vor von der Iberischen Halbinsel bis zum Baltikum, wobei auch
immer noch etwas WLA über dem Vorhersageraum signalisiert wird. Trotzdem scheint
sich nun das Absinken stärker bemerkbar zu machen. So werden von der Numerik 
keine Niederschläge mehr angeboten, und auch die Temperaturen in 850 hPa steigen
an auf bis zu +9°C am Abend im Nordwesten (ICON; möglicherweise etwas zu 
offensiv, obwohl gerade im Norden zum Absinken auch noch advektive Prozesse im 
Spiel sind). Fast schon radikal putzen die Modelle die tiefe Bewölkung 
weitgehend weg, lassen dafür aber noch hohe und mittelhohe Wolken im Spiel. 
Möglicherweise ist diese Variante ein Stück weit zu optimistisch, möglicherweise
hält sich gebietsweise zähe hochnebelartige Bewölkung. Immerhin, auch die 
relative Sonnenscheindauer von MOS-Mix macht gegenüber Freitag einen deutlichen 
Satz nach vorne, einzig im äußersten Norden soll es demnach noch einigermaßen 
bewölkt bleiben. 

Warntechnisch steht nicht allzu viel auf dem Zettel. Am Morgen etwas Nebel 
und/oder Glätte, dazu im Norden mit leichter Annäherung der Frontalzone ein 
auffrischender SW-Wind, der an der See und im küstennahen Binnenland in Böen 
Stärke 7 Bft, an der Nordsee später vielleicht auch mal 8 Bft erreicht. Die 
Temperatur steigt allmählich an, besonders im norddeutschen Binnenland und im 
Westen bzw. Südwesten wird es zweistellig mit bis zu 15°C in Teilen NRWs. 
Thermisch verhaltender präsentiert sich der Süden und Südosten, wo die Spanne 
etwa von 4 bis 9°C reicht.    

Modellvergleich und -einschätzung
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Die Entwicklung der großräumigen synoptischen Strukturen wird von den gängigen 
Modellen sehr ähnlich simuliert. Kleinere, für das Warnmanagement in der Regel 
nicht relevante Unschärfen (z.B. Niederschlag) wurden im Text bereits 
angesprochen. Auffallend ist, das ICON und auch COSMO-EU bei der 
niedertroposphärischen Erwärmung deutlich offensiver agieren als die externen 
Modelle. 

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann 

Quelle: DWD
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