DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
 

SXEU31 DWAV 200800
S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 20.04.2014 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
SE z
Heute im Osten und im Bergland vereinzelt, morgen vor allem im Norden und häufiger 
Gewitter. Dabei örtlich eng begrenzt Starkregen um 15 mm innerhalb kurzer Zeit möglich.


Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
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Sonntag... liegt Deutschland an der Südflanke eines blockierenden Höhenhochs mit 
Schwerpunkt über Nordwestrussland. Ein in der östlichen Höhenströmung "mitschwimmendes" 
Höhentief greift von Tschechien her zögernd auf Deutschland über und verlagert sich in der
Nacht zum Montag in den Nordosten Deutschlands. Mit diesem Höhentief setzt sich überall 
labil geschichtete Luft durch. Abgesehen vielleicht vom weiteren Küstenumfeld, wo der 
Einfluss des Hochs über Skandinavien noch wirksam ist, können sich sonst aufgrund der 
labilen Schichtung allein nahezu überall einzelne Gewitter entwickeln. Allerdings lassen 
sich nach wie vor keine organisierten Antriebe ausmachen. So hat der Orografie nach wie 
vor die entscheidende Rolle bei der Auslösung möglicher Konvektion. Das wird zwar nicht 
sehr verbreitet der Fall sein, aber wahrscheinlich etwas häufiger, als es die 
Modellvorhersagen wie auch die statistischen Verfahren hergeben. Am wahrscheinlichsten 
sind derartige Entwicklungen im Osten sowie im Mittelgebirgsraum. Die Auslösetemperatur, 
die zwischen 16 und 21 Grad liegt, sollte meist erreicht werden. Allerdings sind aufgrund 
der "kalten" oberen Troposphäre mögliche Entwicklungen nicht sehr hochreichend; die 
Obergrenze möglicher Cb-Entwicklungen ist bei ca. 8000 Metern zu sehen.
Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 17 bis 22, in den Mittelgebirgen, unmittelbar an der
Küste und in Richtung Alpen 12 bis 16 Grad.
In der Nacht zum Montag verlagert sich das Höhentief nur sehr zögernd nach 
Nordostdeutschland. An dessen Nordflanke wird von Osten her zusehends feuchtere Luft 
angesaugt. Ob dies für die Ausbildung eines Niederschlagsbandes führen soll, das sich von 
Nordwestdeutschland bis nach Westpolen erstreckt, ist noch nicht sicher. Zumindest wird 
dieses Niederschlagsband schwächer simuliert als von den bisherigen Modellläufen.
Von dem bereits über Westeuropa liegenden Höhentief wird vom Atlantik kommend ein 
Kurzwellentrog in die Zirkulation einbezogen, der nach Nordosten gesteuert wird. 
Vorderseitig setzt Hebung ein, die dann auch den Südwesten Deutschlands erfasst und im 
äußersten Südwesten skalige Niederschläge aufkommen lässt. Dies dürfte das 
wahrscheinlichere Szenario sein.

Montag... gelangt das Höhentief, das am Vortag noch über Deutschland lag, zu den 
Benelux-Staaten, wodurch sich über Deutschland eine südwestliche bis südliche zyklonale 
Strömung einstellt. Dabei ergibt sich sowohl in der mittleren Troposphäre als auch im 
Bodendruckfeld eine ausgesprochen gradientschwache Lage. Lediglich unmittelbar an der 
Küste bleibt zu der über Nordeuropa liegenden Hochbrücke etwas Gradient bestehen. Somit 
können sich in der weiterhin über dem Vorhersagegebiet liegenden feuchtlabilen Luft erneut
einzelne Schauer und Gewitter entwickeln. Dies dürfte häufiger und verbreiteter der Fall 
sein als bisher. Die Luftmasse ist im östlichen Mittelgebirgsraum und im Nordosten am 
labilsten; folglich ist dort hoch reichende Konvektion am wahrscheinlichsten. Aber auch in
den anderen Gebieten - abgesehen vielleicht vom Küstenbereich - sind konvektive 
Umlagerungen nicht auszuschließen. Das Fehlen von Strukturen, aus denen sich ein 
organisierterer Antrieb ableiten ließe, erschwert die Vorhersage. Allerdings sollte es für
unwetterartige Entwicklungen noch nicht reichen.
Gegenüber den Vortagen ändern sich die Temperaturen nur unwesentlich.
In der Nacht zum Dienstag verlagert sich das Höhentief zur Doggerbank und wird in die 
Zirkulation des über Westeuropa liegenden Höhentiefs einbezogen. Ein von diesem 
Höhentiefkomplex ausgehender Kurzwellentrog wird nach Nordosten geführt und erreicht die 
Mitte Deutschlands. Ob dieser Prozess die Niederschlagstätigkeit wieder aufleben lässt ist
noch nicht sicher. Die gesamte Entwicklung vollzieht sich jedoch weiterhin bei schwachen 
Geopotential- und Luftdruckgegensätzen, so dass sich aus den vorhandenen Antrieben nicht 
unbedingt Niederschlagssummen ableiten lassen, wie sie COSMO-EU zeigt.
Wesentlich wahrscheinlicher dürften die Niederschläge im Laufe der Nacht alsbald 
nachlassen und der Himmel verbreitet aufklaren. Dort, wo es zuvor Niederschläge gegeben 
hat, kann sich Nebel bilden. 

Dienstag... verbleibt Deutschland an der Vorderseite eines Troges, der sich von den 
Britischen Inseln bis ins westliche Mittelmeer erstreckt. Dieser Trog wird zusehends in 
die Zirkulation eines Langwellentroges über dem Atlantik einbezogen. Der nach wie vor über
Skandinavien und dem Nordmeer liegend breite Rücken wirkt blockierend und hat sich in 
seinem Westteil noch einmal regenerieren können.
Dies ergibt über Mitteleuropa eine schwache zyklonale Südwestströmung, wobei die 
Luftdruck- und Geopotentialgegensätze weiterhin sehr gering sind. Mit dieser südwestlichen
Strömung werden kurzwellige Tröge nordostwärts gesteuert. So erreicht im Tagesverlauf ein 
weiterer Kurzwellentrog die Mitte Deutschlands. An dessen Vorderseite kommt im Norden und 
Nordosten zur tagesgangsbedingt "interessantesten" Zeit etwas Hebung auf. Da 
trogvorderseitig in diesen Prozess zusehends wärmere Luft einbezogen wird, sind dann, 
abgesehen vielleicht vom Südwesten (wo sich an der Rückseite des Kurzwellentroges 
vielleicht etwas Absinken bemerkbar machen könnte) heftigere Entwicklungen möglich. Aber 
auch in den südwestlichen Gebieten ist die Schichtung noch hinreichend labil, so dass sich
auch dort konvektive Umlagerungen nicht ausschließen lassen. 
CAPE steigt im Norden auf deutlich über 500, im Nordosten auf etwas über 1000 J/kg, was 
auch kleineren Hagel möglich werden lässt. Ein Gehalt an niederschlagbarem Wasser zwischen
20 und 25 mm ist Indiz für mögliche Starniederschläge. Zudem ist die 
Verlagerungsgeschwindigkeit möglicher Konvektionszellen weiterhin gering.
Die Temperaturen dürften dabei gegenüber den Vortagen um 1 bis 2 Grad ansteigen.
In der Nacht zum Mittwoch ändert sich die großräumige Druck- und Geopotentialverteilung 
nur unwesentlich. Dabei erfasst ein weiterer Kurzwellentrog den Südwesten Deutschlands, so
dass ganz im Südwesten erneut Niederschläge einsetzen können. Dies ist allerdings noch 
nicht sicher. 
Ansonsten dürfte die Konvektion alsbald zum Erliegen kommen, so dass die Niederschläge 
nachlassen. Gebietsweise dürfte der Himmel aufklaren. Dort, wo es zuvor kräftiger geregnet
hat, kann sich Nebel bilden.  

Modellvergleich und -einschätzung
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Die vorliegenden Modelle zeigen durchweg eine ähnliche Entwicklung. Anhand der 
synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede ableiten. Auch 
anhand der Verteilung der akkumulierten Niederschläge ergeben sich Ähnlichkeiten zwischen 
den einzelnen Modellen. So wird übereinstimmend südlich der westlichen Mittelgebirge der 
geringste Niederschlag gezeigt. Die Labilitätsparameter werden in vergleichbarer Weise 
simuliert, wobei allerdings CAPE bei GFS und EZMW geringere Werte zeigt als nach der 
deutschen Modellkette. Der Gehalt an niederschlagbarem Wasser liefert allerdings 
vergleichbare Ergebnisse. 

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann 

Quelle: DWD
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