DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
 

SXEU31 DWAV 020800
S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 02.07.2015 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
Sa
Vor allem im Westen und Nordwesten einzelne Gewitter mit Starkregen und Hagel. 
Unwetter möglich.
Außer im äußersten Nordosten und bei auflandigem Wind starke, im Südwesten 
extreme Hitzebelastung.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
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Donnerstag...  Die Achse des kräftigen, von Südeuropa bis nach Skandinavien 
reichenden Höhenrückens erreicht mittags den Westen Deutschlands und kommt nur 
noch sehr langsam weiter ostwärts voran. Am Boden reicht ein Keil des Hochs über
der Ostsee bis zum nordwestlichen Balkan. An seinem Rand verstärkt sich in der 
niederen Troposphäre von Südfrankreich her die Zufuhr heißer Luft nach 
Deutschland. Dabei steigen in 850 hPa die Temperaturen bis zum Abend vom Emsland
bis zum südlichen Baden-Württemberg auf 20 Grad und mehr. Daher werden heute im 
Westen und Südwesten Höchstwerte von 36 bis 39 Grad erwartet. Auch sonst ist es 
heiß bei Höchstwerten von 30 bis 35 Grad. Nur im Nordosten und an der Küste 
werden meist 24 bis 29 Grad erwartet. 
Bei steigendem Cape von teils über 1500 J/Kg im Westen und Südwesten und 
CIN-Werten örtlich um 50 J/Kg ist die Auslösung von Hitzegewittern heute nur mit
Unterstützung der Orografie möglich (also von den Alpen über Schwarzwald bis zur
Eifel), da von der Höhe her kaum Antrieb erfolgt. Bei Windgeschwindigkeiten von 
5 bis 10 kt in 700 hPa und darunter ziehen die Zellen nur sehr langsam, so dass 
unwetterartige Regenmengen zustande kommen können. Auch Hagel ist möglich.
In der Nacht zum Freitag zieht ein Hitzetief von der Nordostgrenze Frankreichs 
über Benelux zur Deutschen Bucht. Davon ausgehend reicht eine Tiefdruckrinne 
freitagfrüh bis zum Oberrhein, so dass im Westen der Wind auf Nordwest dreht. So
sind auch in der Nacht einzelne teils kräftige Gewitter im Westen und Nordwesten
möglich. Die Regensignale dafür sind bei den globalen Modellen vorhanden, 
wenngleich meist nur wenige mm auf der Karte stehen. CosmoEu/De zeigen sogar 
praktisch keine Signale.    

Freitag... neigt sich die Achse des Höhenrückens weiter nach Osten, so dass 
weite Teile Deutschland keilrückseitig in eine Südwestströmung kommen mit der 
Gefahr von kleineren Randtrögen, die für Hebung sorgen könnten. Am Boden 
verlagert sich die Tiefdruckrinne auf eine Linie Deutsche Bucht-SW-Deutschland. 
In ihrem Bereich und weiter westlich gibt es nach den globalen Modellen leichte 
Regensignale meist unter 4 mm in 6 Stunden, aber insgesamt sind bei dieser 
Konstellation örtliche Gewitter auf jeden Fall denkbar, zumal die CAPE-Werte zum
Teil über 2500 J/Kg liegen und die CIN-Werte zum Teil auf 20 J/Kg sinken bei 
PPWs von bis zu 40 mm. COSMO-EU zeigt allerdings erneut kaum Signale für Schauer
oder Gewitter. Der Südosten und äußerster Osten Deutschlands verbleiben im 
Bereich des Höhenrückens, so dass dort erneut mit viel Sonnenschein zu rechnen 
ist. Insbesondere in den Alpen sind einzelne Gewitter möglich. Es wird 
verbreitet heiß, wobei die Höchstwerte zwischen 30 Grad im Nordosten und 38 Grad
im Südwesten liegen werden. Punktuell sind erneut bis zu 39 Grad nicht 
auszuschließen. Somit herrscht im ganzen Land eine erhöhte, im Westen und 
Südwesten teils extreme Wärmebelastung. 
Am Rande des neuen Nordseehochs wird eine Kaltfront am Nachmittag nach 
Nordwestdeutschland gedrückt. Auch in ihrem Bereich sind dann einzelne Gewitter 
im Landesinneren Niedersachsens denkbar.  
In der Nacht zum Samstag scheint sich der Höhenrücken bei uns beginnen zu 
regenerieren. Dadurch dürften die möglichen Gewitter relativ schnell 
zusammenfallen. Die Tiefstwerte bleiben im Westen und Südwesten teils über 20 
Grad, sonst kühlt die Luft auf 18 bis 13 Grad ab.   

Samstag...  ändert sich an der Konstellation des Geopotentials über Europa nur 
wenig, wobei sich der Rücken über Deutschland wieder regeneriert. Ursache 
hierfür ist ein erneuter Heißluftvorstoß östlich einer Kaltfront über 
Frankreich, wobei das korrespondierende Randtief nach England zieht. Die 
Warmfront dieses Tiefs verlagert sich dabei zum Küstengebiet, so dass auch der 
Norden wieder in den Bereich heißer Luft gerät. Die Bildung von einzelnen 
Schauern und Gewittern im Westen und Südwesten ist in der nach wie vor heißen 
und energiereichen Luftmasse (CAPE-Werte örtlich 2500 J/kg, PPW meist 30 bis 40 
mm) nicht ausgeschlossen. COSMO-EU und GFS sind weiterhin sehr zurückhaltend, 
einzig EZMW und in abgeschwächter Form auch ICON liefern geringe Hinweise auf 
Regenfälle. Die Temperaturen steigen im Vergleich zum Vortag noch etwas an und 
liegen meist zwischen 33 und 39 Grad. Im Westen und Südwesten können örtlich in 
den Flusstälern bis zu 40 Grad erreicht oder sogar knapp überschritten werden. 
In 850 hPa steigen nämlich die Temperaturn örtlich auf 22 bis 23 Grad!
In der Nacht zum Sonntag greift dann nach derzeitigem Stand die Kaltfront von 
Frankreich und Benelux auf den äußersten Westen und Nordwesten Deutschlands 
über, wobei das Unwetterpotential ansteigt!  

Modellvergleich und -einschätzung
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Die meteorologischen Basisfelder werden recht ähnlich simuliert. Unterschiede 
gibt es bei den Regensignalen, die zum Teil oben behandelt werden.

Auch CosmoDE-EPS liefert bis morgen früh praktisch keine Hinweise für Starkregen
über Deutschland (selbst das Maximum nicht). Es ist aber davon auszugehen, dass 
bei Gewitterbildung schnell die Starkregenschwelle überschritten wird.   

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden 

Quelle: DWD
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