DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
 

SXEU31 DWAV 221800
S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 22.12.2014 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Im Norden ergiebiger Dauerregen (teils unwetterartig). Abgesehen vom Süden teils
stürmischer Wind bis in tiefe Lagen, auf den Bergen und an der Nordsee teils 
schwere Sturmböen. Bis Heiligabend sehr mild, danach deutlicher 
Temperaturrückgang.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC
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Aktuell ... liegen große Teile von Europa in der Höhe in einer strammen 
Westströmung mit einer aktiven Frontalzone, die sich durch eine starke Drängung 
der Isohypsen auszeichnet. Am Boden ergibt sich dadurch großräumig tiefer 
Luftdruck über Nordeuropa, der sich mit mehreren Zentren von Island bis zu den 
Baltischen Staaten erstreckt. Als Gegenpol liegt Südeuropa unter 
Hochdruckeinfluss. Dazwischen hat sich auch am Boden ein kräftiger 
Luftdruckgradient eingestellt.

Dadurch muss am Abend und anhaltend in der Nacht auf Dienstag weiter mit starken
bis stürmischen Böen, in freien Lagen auch Sturmböen gerechnet werden. In 
höheren Mittelgebirgslagen und an der Nordsee treten zudem Sturmböen, exponiert 
auch orkanartige Böen auf, bei westlicher bis südwestlicher Windrichtung. 
COSMO-LEPS bringt nach einer geringen Abschwächung in der ersten Nachthälfte vor
allem in der zweiten Nachthälfte eine erneute Verstärkung mit erhöhten 
Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 über der nördlichen Mitte. Zwischen Westfalen und
dem Süden von Niedersachsen werden auch Wahrscheinlichkeiten um 50 % für Bft 9 
gebracht. Auch PEPS ist diesbezüglich ähnlich, wobei die zwischenzeitliche 
Abschwächung noch geringer ausfällt. Auch beim COSMO-DE und seinem EPS bestätig 
sich das vorher Gesagte. 

Davon ausgenommen sind die tiefen Lagen um und südlich der Donau, da man dort 
näher am Hochdruckeinfluss liegt und damit der Gradient deutlich auffächert. 

Auch in Schleswig und im Nordosten von Deutschland lässt der Wind etwas nach. 
Dies ist wiederum dem Durchzug der Wellenscheitel geschuldet, die diese Gebiete 
überquert und wodurch der Gradient etwas aufgeht. Entlang der Nordsee und über 
der Mitte bleibt der Wind mit den oben geschriebenen Windstärken anhaltend 
kräftig.

Wie ebenfalls oben bereits angesprochen schleift die Frontalzone längere Zeit 
über dem Norden von Deutschland. Bis 15 UTC sind dadurch in den vergangenen 12 h
in großen Teilen von Schleswig-Holstein, sowie in der Nordhälfte von 
Mecklenburg-Vorpommern verbreitet Mengen zwischen 20 und 30 l/qm gefallen, lokal
sind knapp nördlich von Hamburg sogar bis 38 l/qm zusammengekommen, sodass das 
markante 12 h Kriterium deutlich erfüllt ist. Aktuell hat sich hinter einer 
abziehenden Welle der Niederschlag zunächst deutlich abgeschwächt Allerdings 
lässt sich stromaufwärts bei den Britischen Inseln bereits die nächste Welle 
erkennen. Damit sollen sich die Niederschläge übereinstimmend von den 
verschiedenen Vorhersagemodellen im Laufe der Nacht in etwa dem gleichen Gebiet 
erneut intensivieren. COSMO-LEPS bringt 15 bis 25 l/qm bis Dienstagfrüh. Das ist
in etwa die gleich Größenordnung, die auch lokale Modelle wie NAE, WRF oder das 
COSMO-DE EPS simulieren.

Die Nacht wird vor allem in der Nordhälfte sehr mild ausfallen, mit zum Teil 
zweistelligen Minimas. Deutlich frischer, wird es aufgrund des schwächeren 
Windes und größerer Wolkenauflockerungen im Süden, insbesondere südlich der 
Donau, wo sich die Tiefstwerte im unteren einstelligen Bereich bewegen. Lokal 
ist leichter Frost möglich.

Dienstag ... bleibt die grundlegende Großwetterlage erhalten, sodass sich an der
Niederschlags- und Windentwicklung nichts Wesentliches ändert. So verbleibt die 
schleifende Frontalzone weiter über dem Norden von Deutschland, und verschiebt 
seinen Schwerpunkt durch Wellenbildungen immer mal wieder etwas nach Norden bzw.
Süden. Der stärkste Regen wird nach Durchsicht der Modelle in der ersten 
Tageshälfte mit dem Durchzug einer Welle erwartet. Während über 
Schleswig-Holstein die Niederschläge am Nachmittag tendenziell nachlassen, 
regnet es insbesondere über Vorpommern weiter mit größeren Mengen. 

Die 12h Niederschlagsprognosen bis Dienstagabend belaufen sich auf 10 bis 20 
l/qm im COSMO-LEPS, während das ECMWF-EPS niedriger liegt. Bei der Durchsicht 
der lokalen Modelle fällt bei NAE und insbesondere beim WRF (Modellzentrale) 
auf, dass über Vorpommern ein zweiter Schwerpunkt erwartet wird, wo Mengen um 
oder sogar über 30 l/qm in 12 h möglich sind. Auch COSMO-EU simuliert Mengen 
zwischen 25 und 30 l/qm. Nicht nur im Hinblick auf das 12 h Kriterium, sondern 
auch in Betrachtung des 48 h Kriteriums, dass bereits in anderen Regionen gültig
ist, dürfte daher mindestens ein markantes, wenn nicht sogar ein unwetterartiges
Warnkriterium erfüllt werden.

Der Wind weht weiter teils kräftig. Wobei vor allem die Nordhälfte von starken 
bis stürmischen Böen, vereinzelt auch Sturmböen betroffen ist.  Ausgenommen sind
nur der äußerste Norden von Schleswig-Holstein und das Vorpommern. Auch über dem
Süden ist der Gradient schwächer und die stärksten Böen konzentrieren sich auf 
die höheren Berglagen, während es im Flachland teils warnfrei bleibt.

Abgesehen von den Gebieten südlich der Donau, wo länger Zeit die Sonne scheinen 
kann und kein Niederschlag erwartet wird, bleibt es sonst vielfach grau. Die 
Maxima sind weiter sehr hoch mit 8 bis lokal 14 Grad im Süden.

In der Nacht auf Mittwoch zieht eine weitere Welle ostwärts über das 
Vorhersagegebiet hinweg, wobei die Zugbahn den vorherigen Wellendurchgängen sehr
ähnlich ist. Die betroffenen Gebiete sind entsprechend erneut dieselben. Die 
simulierten Mengen bewegen sich in der Durchschau der verschiedenen Modelle und 
Ensembleverfahren abermals zwischen 15 und 25 l/qm, wobei die Lokalmodelle und 
dabei insbesondere das WRF auch noch etwas höhere Mengen (um 30 l/qm) 
vorhersagen.

Der Wind bleibt in der Nordhälfte weiter in Böen teils stürmisch, mit einer 
leicht zurückgehenden Tendenz über der Mitte, während an der Nordsee und im 
höheren Bergland weiter Bft 9, vereinzelt auch Bft 10 auftreten.

Mittwoch ... amplifiziert sich ein Trog bei den Britischen Inseln und sorgt auf 
seiner Vorderseite für ein Ende der über den Norden schleifenden Frontalzone. 
Diese kommt stattdessen als Kaltfront im Tagesverlauf etwa bis zur Mitte voran. 
Damit hören in der zweiten Tageshälfte auch die Niederschläge im Norden auf. Das
Vorankommend der Kaltfront wird von den verschiedenen Modellen unterschiedlich 
schnell simuliert. So soll die Kaltfront nach dem ECMWF deutlich schneller nach 
Süden ziehen, als von der der deutschen Modellkette simuliert

Die Bilanz der Niederschläge bis Mittwochmittag (RR48 h) soll sich seit 
Montagmorgen in dem schon mehrfach angesprochenen Streifen über dem Norden auf 
40 bis 60 l/qm akkumulieren, lokal werden auch 80 bis 100 l/qm simuliert, so zum
Beispiel von der deutschen Modellkette, aber auch von WRF. Das 90 % Perzentil 
von COSMO-LEPS ist interessanterweise geringer als das COSMO-EU selbst. Neben 
einem Schwerpunkt über dem südlichen Schleswig-Holstein, kommt gerade bei NAE 
und WRF noch ein zweiter Schwerpunkt über dem nördlichen Mecklenburg und 
insbesondere Vorpommern heraus, wo auch bis 80 l/qm simuliert werden. Dort muss 
entsprechend verfolgt werden, ob eine Heraufstufung in den Unwetterbereich ggf. 
notwendig ist.

Der Wind ist vor Durchgang der Kaltfront weiter stark bis stürmisch mit Bft 10 
bis 12 in den höchsten Lagen. Mit Kaltfrontdurchgang fächert der Gradient dann 
aber deutlich auf, sodass auch der Wind spürbar nachlassen sollte.

Während in den Gebieten südlich der Donau ein freundlicher Heiligabend mit 
reichlich Sonne und ohne Niederschlag erwartet wird, dominiert im Rest des 
Landes das graue Himmelsbild. Die Höchstwerte können je nach dem genauen 
zeitlichen Vorankommen der Kaltfront erneut bis in den zweistelligen Bereich 
steigen.

In der Nacht auf Donnerstag kommt die Kaltfront bis in den Süden voran. 
Dementsprechend konzentrieren sich die Niederschläge auf die Südhälfte des 
Landes, während es weiter nördlich dann trocken ist.

Im Laufe der Nacht greift der von den Britischen Inseln kommende Höhentrog auf 
den Nordwesten von Deutschland über. Dieser ist angereichert mit ordentlich 
Höhenkaltluft (T500 hPa: -30 bis -35 °C). Damit kommt im Norden die Entwicklung 
von Schauern und auch einzelnen Gewittern mit Graupelschauern in Gang. Von den 
Europäern wird zudem der Durchgang eines Bodentrogs simuliert. Dieser würde zum 
einen eine Gradientverschärfung entlang der Bodentrogachse bringen, die von 
Nordwest von Nord nach Süden wandert (Do 00 bis Do 06 UTC). Zum anderen würde 
sich die konvektive Entwicklung auf die daraus resultierende konvergente 
Windlinie konzentrieren. Im Theta- und Feuchtefeld ist demnach eine zweite 
Kaltfrontstaffel zu sehen. Bei GFS zeigt sich die gleiche Entwicklung, 
allerdings 6 bis 12 h später (Do 12 bis Do 18 UTC). Bei GME findet diese 
Entwicklung nochmal 6 h später statt (Do 18 bis Fr 00 UTC).

Mit dem Rückgang der Temperatur in 850 hPa auf -2 bis -7 Grad, sinkt auch die 
Schneefallgrenze bis in mittlere Lagen ab, sodass dort auch ein wenig Neuschnee 
möglich. Im Norden ist dies je nach zeitlichem Ablauf auch bis in tiefe Lagen 
möglich. 

Der Wind frischt wie angesprochen erst mit dem Bodentrog wieder auf. Davor gibt 
es ein gewisses Minimum beim Wind mit Bft 6-7 im Flachland und Bft 8 an der See 
und im Bergland, in den Hochlagen bis Bft 9.

Die Minima liegen im unteren einstelligen Bereich, im Norden ist schon leichter 
Frost möglich, sonst konzentrieren sich die negativen Temperaturen auf das 
Bergland.

Donnerstag ... wird das Wettergeschehen bestimmt vom Höhentrog und der damit in 
Verbindung stehend Höhenkaltluft von -35 Grad in der Nordhälfte. Entsprechend 
sind häufige schauerartige Niederschläge und eingelagerte Gewitter die Folge. 
Dabei sind insbesondere im Norden auch Graupel und Schneeregen möglich. Die 
Möglichkeit für besser organisierte Konvektion und dem Durchzug des Bodentroges 
wurde bereits oben diskutiert. Nach dessen Abzug dreht die Strömung auf Nordwest
und der Gradient fächert stärker auf, sodass stärkere Böen nur noch im höheren 
Bergland und an der See zu erwarten sind.

In Richtung Alpenrand liegen noch die Reste der Kaltfront, die vor allem in der 
ersten Tageshälfte noch längere Zeit Regen bringen und zum Nachmittag 
nachlassen. Die Schneefallgrenze sinkt dabei von 800 m zu Beginn des Tages bis 
auf 400 m am Abend.

Die Höchstwerte bewegen sich nur noch zwischen 2 und 8 Grad, im höheren Bergland
um 0 Grad. In der Nacht auf Freitag gehen die Tiefstwerte dann fast überall in 
den Frostbereich zurück. Im Bergland muss mit mäßigen Nachfrösten gerechnet 
werden. 

Mit der vorhandenen Höhenkaltluft (bei EZMWF: -34 bis -38 Grad in 500 hPa), gibt
es weitere schauerartige Niederschläge, die bis ins Flachland als Schnee fallen 
können. Der Wind spielt dann nur noch im höheren Bergland und an der See eine 
Rolle.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die grundlegende Entwicklung der Großwetterlage wird von den verschiedenen 
Modellen ähnlich simuliert. Die Verteilung der Schwerpunkte der Niederschläge im
Norden bis Mittwoch ist in guter Übereinstimmung, wobei zum Beispiel NAE und 
WRF, aber zum Teil auch die EPS-Verfahren einen zweiten Schwerpunkt über 
Vorpommern herausarbeiten.

Der Durchgang der Kaltfront zum Mittwoch wird dann von den verschiedenen 
Modellen mit einem zeitlichen Versatz simuliert. So ist die deutsche Modellkette
am langsamsten, während die Europäer den Kaltfrontdurchgang recht flott 
simulieren.

Demfolgend gibt es auch in der weiteren Entwicklung 6 bis 18 h Unterschiede 
zwischen den Modellen. Das betrifft auch den Bodentrog und die nachrückende 
Höhenkaltluft. Beides wird von allen Modellen gebracht, aber zeitlich recht 
unterschiedlich simuliert. Die Details wurden bereits oben diskutiert.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer 

Quelle: DWD
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