DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
 

SXEU31 DWAV 020800
S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 02.08.2015 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
 Übergang zu SWz. Am Dienstag Unwetter in der Nordhälfte nicht ganz 
auszuschließen.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
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Sonntag... lag um 00 UTC in 300 hPa über der Westhälfte Deutschlands ein 
schwacher Trog, der im Norden recht rasch ostwärts weiterzieht, während sein 
sehr windschwacher Südteil über den Alpen einen Cut-Off zeitigt, womit sich 
mittags im äußersten Süden unseres Landes vorübergehend eine schwache 
ostnordöstliche Höhenströmung einstellt. In der zweiten Tageshälfte bekommt das 
abgetropfte Höhentief einen Dipolcharakter und das sich über dem östlichen 
Österreich bildende zweite Zentrum verlagert sich bis Tagesende nordwärts in den
Osten der Tschechischen Republik. Ein sich von Frankreich nähernder Rücken liegt
dann über dem Südosten Deutschlands.

Da es heute kaum zu nennenswerten Vertikalbewegungsantrieben infolge Advektion 
von Vorticity kommt und auch keine Frontpassagen zu erwarten sind, wird sich der
aktuelle Wettercharakter im Tagesverlauf nur wenig ändern, womit im Bereich 
eines von Nordfrankreich und Belgien her über die Nordwesthälfte Deutschlands 
hinwegziehenden Bodenhochs ein verbreitet sonniger Tag zu erwarten ist. Nur der 
Südosten Bayerns wird zunächst noch von etwas WLA über dem Alpenraum 
beeinflusst, so dass es dort noch bis in den Nachmittag hinein zu stratiformen, 
später aber auch schauerartig verstärkten Regenfällen kommt. C-EU simuliert von 
00 bis 24 UTC in äußersten Südosten Bayerns örtlich 10-15 mm; ICON hat sogar im 
Berchtesgadener Land (BGL) bis knapp an die 20 mm, ECMF16 ebenfalls bis 22 mm 
bei Mühldorf und GFS bis 31 mm im südlichen BGL.
Außer im Südosten Bayerns und im Nordwesten Niedersachsens sowie in 
Schleswig-Holstein steigen die Temperaturen vielfach auf sommerliche Werte von 
25 bis 31 Grad an.
Durch fallenden Luftdruck vor allem im Westen und Südwesten stellt sich 
spätabends über der Südwesthälfte eine südöstliche Bodenströmung ein.
 

Montag... ändert sich über Deutschland kaum etwas an der leicht diffluenten 
südwestlichen Höhenstromung, wobei sich zum Ende des Tages ein schwacher 
Sekundärrücken über der östlichen Hälfte etabliert. Auch am Montag resultieren 
aus der Dynamik des Höhendruckfeldes keine stärkeren Vertikalvorgänge.

Der Tag ist im Bodenfeld von weiterem allmählichen Druckfall geprägt, wobei die 
Krümmung der Isobaren leicht zyklonal wird und der Wind im Westen auf südliche 
Richtungen dreht. Dabei sind in der ersten Tageshälfte starke Böen Bft 6 
möglich. Der Tag ist abermals vielfach sonnig, nur gelegentlich ziehen meist 
hohe Wolken durch. Die Modelle lassen den Tag quasi komplett niederschlagsfrei. 
Gewitterbildung ist angesichts der hohen Auslösetemperaturen unwahrscheinlich. 
Verbreitet ist mit Höchsttemperaturen von 28 bis 34 Grad und daher gebietsweise 
mit starker Wärmebelastung zu rechnen.


Dienstag... zieht bis zum Vormittag der sekundäre Rücken unter noch leichter 
Kräftigung nach Polen ab, während der vor Westeuropa angelangte langwellige Trog
sich unter Verkürzung seiner Wellenlänge bis 12 UTC nach England und 
Zentralfrankreich verlagert. Abends erreicht er mit seiner Achse den äußersten 
Westen Deutschlands und um 24 UTC liegt er auf einer Linie Elbmündung-Leipzig. 
Er wird gefolgt von einem weiteren kurzwelligen Trog, der dann über Belgien und 
den Niederlanden liegen wird.

Die Kaltfront des starken Zentraltiefs nordwestlich der Britischen Inseln kommt 
bis Mittag über die Niederlande und Belgien langsam ostwärts voran. Präfrontal 
bildet sich eine Konvergenzlinie aus, die nach COSMO-EU über der Nordhälfte 
Deutschlands auch einen recht gut definierten Tiefkern enthält. Sie greift in 
den frühen Morgenstunden auf den Westen und Nordwesten unseres Gebietes über, 
wobei es allerdings nach C-EU noch nicht zu Niederschlag kommen soll. Mittags um
12 UTC erstreckt sich die Linie vom östlichen Schleswig-Holstein über das 
östliche Niedersachsen bis ins nördliche Hessen. C-EU simuliert mittags dann im 
Westen zwischen der Konvergenz und der nachfolgenden Kaltfront Niederschlag, der
insbesondere an seiner Ostseite von Gewittern durchsetzt ist. Um 18 UTC liegt 
die Konvergenz über den östlichen Bundesländern und die schon von Druckanstieg 
überlagerte Kaltfront über dem Nordwesten und Westen. Im Frontbereich kommt es 
dabei meist zu stratiformem Regen und Gewitter bleiben überwiegend auf den 
östlichen Teil des Niederschlagsgebietes beschränkt. Die nach C-EU berechneten 
6stündigen Summen erreichen kaum warnrelevante Werte (20 mm). ICON, GFS und 
ECMF16 haben sogar deutlich darunter liegende Maxima.
Mittags steigen die CAPE ML-Werte über Ostwestfalen, Niedersachsen und 
Schleswig-Holstein (knapp rückseitig der Konvergenzlinie) über 500 J/kg, in 
letzterem Bundesland auch über 1000 J/kg. In diesem Gebiet liegen die ppw-Werte 
um 35 mm, womit - bei moderaten  Zellenverlagerungsgeschwindigkeiten - die 25 
mm/h durchaus auch mal überschritten werden können. Sturmböen Bft 9 sind in der 
Umgebung der Gewitter möglich. Abends sind dann die höchsten CAPE ML-Werte über 
Mecklenburg-Vorpommern zu finden. In der Südhälfte sind ebenfalls einzelne 
Gewitter möglich, jedoch eher ohne Unwettergefahr.

In der zweiten Tageshälfte ist von Westen her mit der Trogvorderseite erstmals 
ein intensiverer Hebungsantrieb zu verzeichnen, der sich abends hauptsächlich im
RZ-Raum Offenbach/Essen auswirkt. Dies macht sich in der Niederschlagsprognose 
C-EU aber in erster Linie in Nordrhein-Westfalen bemerkbar.

Modellvergleich und -einschätzung
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In den Druck-, Temperatur- und Feuchtefeldern unterscheiden sich die Modelle im 
kurzfristigen Vorhersagezeitraum nur wenig.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Burkhard Kirsch. 

Quelle: DWD
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