DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
 

SXEU31 DWAV 310800
S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 31.10.2014 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
SWa
Ruhiges Herbstwetter ohne markante Wettererscheinungen.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
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Freitag... erstreckt sich ein langwelliger und ausgeprägter Höhenrücken von der 
Iberischen Halbinsel bis nach Nordwestdeutschland und weiter bis ins Seegebiet 
östlich von Island. Gestützt wird dieser Rücken durch kräftige WLA auf der 
Vorderseite eines Troges über dem mittleren Nordatlantik, die inzwischen auch 
die Keilachse überläuft. Markante Hebungsprozesse spielen sich dabei 
hauptsächlich im Nordteil des Rückens ab, weiter südlich sind diese deutlich 
schwächer ausgeprägt und beschränken sich weitgehend auf die höhere und mittlere
Troposphäre.
Im Bodendruckfeld dominiert im Vorhersagegebiet ebenfalls antizyklonaler 
Einfluss, der Schwerpunkt des kräftigen Hochs befindet sich knapp östlich von 
uns und verlagert sich im Tagesverlauf kaum. Die WLA macht sich im 
Vorhersagegebiet in Form einer zu einem Sturmtief südwestlich von Island 
gehörenden Warmfront bemerkbar, die bis heute Abend die Nordhälfte ostwärts 
überquert haben dürfte. Dabei ziehen dichtere mittelhohe, nach Nordosten zu 
anfangs auch tiefe Wolkenfelder vor allem über die Nord-, aber auch über die 
Osthälfte hinweg mit der dort rückenvorderseitig vorherrschenden nordwestlichen 
Höhenströmung nach Südosten, so dass auch der Osten Bayerns vor allem in der 
kommenden Nacht zeitweise von dichteren mittelhohen Wolkenfeldern überquert 
wird.
Im Nordosten kann es anfangs noch gebietsweise etwas nieseln, sonst bleibt es 
weitgehend trocken.
Ansonsten beginnt der Tag vielerorts trüb mit dichten Nebel- und 
Hochnebelfeldern. Vor allem im Westen und im Lee, also an den Nordseiten einiger
Mittelgebirge sowie am Alpenrand scheint aber bereits am Vormittag gebietsweise 
die Sonne.
Vor allem im Südosten zeigen die Prognosetemps keilvorderseitig eine recht 
markante Absinkinversion zwischen etwa 850 und 900 hPa, so dass sich der Nebel 
oder Hochnebel dort - abgesehen vom südlichen Alpenvorland, wo es aufgrund der 
schwachen südsüdöstlichen Strömung aktuell schon nebelfrei ist - kaum auflösen 
dürfte (z.B. Donauraum, Bodensee). Auch am Südrand einiger Mittelgebirge 
(Hunsrück, Rhön, Thüringer Wald) könnte es gebietsweise ganztägig trüb bleiben. 
COSMO_EU und auch das polnische UM lassen allerdings den Nebel/Hochnebel im 
Donauraum und am Bodensee komplett auflösen, was aber etwas übertrieben 
erscheint.
Ansonsten setzt sich zeitweise die Sonne durch, wobei gebietsweise aber recht 
dichte mittelhohe Wolkenfelder durchziehen dürften. Am längsten sonnig bleibt es
wohl am Alpenrand und im Südwesten sowie im äußersten Westen. Rückseitig der 
Warmfront strömt sehr milde Luft subtropischen Ursprungs in das Vorhersagegebiet
mit Temperaturen in 850 hPa zwischen 8 Grad im Südosten und 13 Grad im Westen. 
Auch die vergangene Nacht blieb, abgesehen vom Alpenrand und dem südlichen 
Alpenvorland, zum Teil sehr mild (Tmin im Ruhrgebiet um 13 Grad). Entsprechend 
dürften sich die Höchstwerte zwischen 10 Grad in Regionen mit Dauernebel und 
knapp 20 Grad mit leichter föhniger Unterstützung bei längerem Sonnenschein im 
Lee der westdeutschen Mittelgebirge (Aachener Bucht, Zülpicher und eventuell 
noch Soester Börde) liegen.

In der Nacht zum Samstag verlagert sich die Achse des Höhenrückens noch etwas 
nach Osten und verläuft quer über Deutschland hinweg nordwärts. Die Warmfront 
zieht ostwärts ab, die mittelhohen Wolkenfelder eher nach Südosten, über 
Ostbayern hinweg. Ansonsten dominiert Hochdruckeinfluss, wobei die Inversion im 
Südosten nach wie vor höher liegt als in der Westhälfte. Somit bildet sich 
wieder vielerorts dichter Nebel und Hochnebel, lediglich im Lee einiger 
Mittelgebirge und vor allem an den Alpen bleibt es meist wolkenlos oder gering 
bewölkt. Insgesamt verläuft die Nacht etwas kühler als die vergangene, leichten 
Frost gibt es aber wohl nur in einigen Alpentälern.


Samstag... verlagert sich die Achse des Höhenrückens allmählich weiter nach 
Osten, so dass der Nordwesten Deutschlands auf der Vorderseite des umfangreichen
nordatlantischen Höhentroges mit Drehzentrum bei Island unter eine südwestliche 
Höhenströmung gerät. Nennenswerte Hebungsprozesse spielen sich aber erst recht 
weit nördlich bzw. westlich des Vorhersagegebiets ab.
Auch das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt weiter nach Osten, insgesamt 
bleibt der Witterungsablauf bei uns aber antizyklonal geprägt. Die Kaltfront des
Sturmtiefs knapp südlich von Island erreicht in den Nachmittags- und 
Abendstunden die mittlere Nordsee und den Ärmelkanal, deren Annäherung macht 
sich aber erst gegen Abend im Nordseeumfeld durch den Aufzug dichterer 
mittelhoher Wolkenfelder bemerkbar. Dabei bleibt es noch trocken.
Insgesamt verschärft sich der Druckgradient vor allem im Westen und Norden 
etwas, so dass sich die Nebel- und Hochnebelfelder dort meist recht rasch 
auflösen dürften. In der Südhälfte bleibt dagegen das schwachgradientige 
Druckfeld erhalten. UM simuliert vor allem am Hochrhein und am Bodensee 
beständigen Nebel/Hochnebel, MOSMix zeigt auch im Donauraum und in Teilen 
Ostbayerns recht hohe Wahrscheinlichkeiten für beständigen Nebel.
Ansonsten steht aber ein recht sonniger und außergewöhnlich milder Tag ins Haus.
Die Temperaturen in 850 hPa liegen verbreitet zwischen 10 und 14 Grad, die 
höchsten Werte im Westen. Zusammen mit der etwas besseren Durchmischung dürfte 
im Westen im Lee einiger Mittelgebirge wieder die 20 Gradmarke erreicht bzw. 
überschritten werden. MOSMix simuliert sogar Werte bis 22 Grad, was schon nahe 
an die Novemberrekorde reicht. Ansonsten werden 13 bis 19 Grad erreicht, 
lediglich bei Dauernebel bleibt es mit 5 bis 9 Grad deutlich kälter.

In der Nacht zum Sonntag wird der Höhenrücken weiter nach Südosten und Osten 
abgedrängt, der Großteil Deutschlands gerät auf die Vorderseite des 
umfangreichen nordatlantischen Troges, so dass sich eine südwestliche 
Höhenströmung einstellt. Nennenswerte Hebungsprozesse sind nach wie vor über dem
Vorhersagegebiet nicht auszumachen.
Die Kaltfront kommt mangels Schubkomponente kaum südostwärts voran und erreicht 
erst in der Früh die Deutsche Bucht. Somit weiten sich die dichteren 
Wolkenfelder noch etwas landeinwärts bis etwa nach NRW und Vorpommern aus. 
Zunächst bleibt es aber noch trocken, lediglich auf Sylt und auf den 
Ostfriesischen Inseln kann es in der Früh eventuell noch etwas regnen.
Präfrontal frischt mit der Gradientverschärfung der Wind etwas auf. Eventuell 
reicht es an der Nordsee in exponierten Lagen (Helgoland, Sylt) für starke 
Windböen Bft. 7, auf dem Brocken vielleicht auch für stürmische Böen Bft. 8 aus 
Südwest.
Ansonsten verläuft die Nacht aber ruhig, wobei sich vor allem in der Südhälfte 
und auch in der Mitte wieder vielerorts Nebel und Hochnebel bildet. Leichter 
Frost ist erneut höchstens in einigen Alpentälern möglich.

Sonntag... erreicht bis zum Abend ein Kurzwellentrog die Biskaya, vorderseitig 
wird vor allem über Frankreich und Benelux Hebung simuliert. Der Höhenrücken 
wird weiter nach Südosten abgedrängt, insgesamt beginnt sich die Höhenströmung 
über Deutschland etwas aufzusteilen.
Die Kaltfront über dem Nordwesten kommt kaum weiter ostwärts voran und zeigt 
mehr und mehr Auflösungserscheinungen. Niedersachläge werden an ihr kaum mehr 
simuliert, lediglich ECMWF zeigt von NRW über Niedersachsen bis nach 
Schleswig-Holstein wenige mm, im Stau der Eifel sogar punktuell knapp über 10 
mm/12 h, stellt aber diesbezüglich eher eine Einzellösung dar. Allerdings ziehen
aber über weite Teile der West- und Nordhälfte zeitweise recht dichte mittelhohe
Wolkenfelder hinweg.
Ein weiteres, mit dem oben angesprochenen Kurzwellentrog korrespondierendes 
Frontensystem erreicht unter Wellenbildung am Abend den Ärmelkanal und die 
mittlere Nordsee. Dabei verschärft sich der Druckgradient im Westen und Norden 
weiter. COSMO_EU simuliert im Nordseeumfeld recht verbreitet Böen Bft. 7, an der
nordfriesischen Küste am Nachmittag und Abend auch stürmische Böen Bft. 8 aus 
Süd bis Südwest. Auch in den Hochlagen einiger Mittelgebirge könnte es für 
starke bis stürmische Böen reichen.
Im Süden und Osten ändert sich aber nur wenig an der ruhigen, dort noch recht 
schwachgradientigen und antizyklonal geprägten Lage. COSMO_EU lässt zwar den 
Nebel bzw. Hochnebel weitgehend auflösen, dennoch ist wohl anzunehmen, dass er 
sich in einigen Regionen (z.B. Donauraum, Bodensee) wieder ganztägig hält. Die 
Temperaturen in 850 hPa bewegen sich auf einem etwas niedrigeren Niveau als am 
Samstag. Dennoch dürften im Lee einiger Mittelgebirge bei längerem Sonnenschein 
eventuell noch einmal die 20 Grad knapp erreicht werden, sonst liegen die 
Höchstwerte zwischen 13 und 18 Grad, bei Dauernebel unter 10 Grad.

In der Nacht zum Montag greift das Frontensystem auf den Westen Deutschlands 
über, so dass es etwa westlich einer Linie Rheinland-Pfalz - Vorpommern zu 
regnen beginnt. Dabei werden mit maximal 15 mm (COSMO_EU im Bergischen Land) 
keine warnwürdigen Mengen simuliert. Im Nordseeumfeld kann es weiterhin starke 
Windböen, in exponierten Küstenlagen auch stürmische Böen aus Südwest geben, in 
den Hochlagen einiger Mittelgebirge sind ebenfalls stürmische Böen möglich. Im 
Süden und Osten verläuft die Nacht ruhig, wobei sich wieder Nebel- und 
Hochnebelfelder bilden können.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die externen Modelle simulieren eine der deutschen Modellkette ähnliche 
Wetterentwicklung. Insgesamt simulieren auch die hochauflösenden Modelle (UM, 
COSMO_EU) relativ wenig Nebel und Hochnebel. Die Mos-Verfahren scheinen 
diesbezüglich eventuell etwas bessere Hinweise zu geben.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff 

Quelle: DWD
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