DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
 

SXEU31 DWAV 291800
S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 29.07.2014 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Bis in die Nacht hinein in großen Teilen Deutschlands teils schwere 
Gewitter(Unwetter).
Am Mittwoch in der Südosthälfte erneut Unwetter-Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC
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Aktuell ... Im Bereich eines flachen Tiefdrucksystems über Mitteleuropa und dem 
östlichen Mitteleuropa ist größtenteils feuchtinstabile Warmluft wetterwirksam, 
lediglich der äußere Nordwesten liegt unter Absinken, Teile Südwestdeutschlands 
werden von deutlich stabilerer Luft erfasst, so dass dort keine Konvektion 
stattfindet.
Die am Nachmittag verbreitet entstandenen Gewitterherde wurden nicht unbedingt 
primär durch die Höhendynamik an der Nordflanke des Höhentiefs über dem 
Löwengolf ausgelöst, sondern durch diabatische Effekte und Konfluenz in unteren 
Niveaus. Insbesondere in dem Streifen entlang bzw. südlich von Main und Mosel 
kam die bodennah markante konfluente Strömung zum Tragen, im Osten und Nordosten
insbesondere die sehr hohen CAPE um 1500 J/Kg. Das Unwetterkriterium bezüglich 
Starkregen wurde häufiger überschritten.

In der Nacht zum Mittwoch lassen die Gewitter zunächst nur zögernd nach.
Die kühlere und stabilere Luft über dem Nordwesten kommt allmählich weiter 
südostwärts voran, wobei es zu einer quasi-frontogenetischen Situation kommt, 
bei der sich eine Kaltfront formiert, die am Mittwoch früh etwa von der Pfalz 
nach Mecklenburg-Vorpimmern verläuft.
An ihr bzw. präfrontal simulieren einige Modelle schauerartige Regenfälle, teils
auch gewittrig, nach COS-EU sind auch mengen im Unwetterbereich möglich(RLP 
,Südhessen, Sachsen-Anhalt). Auch am Alpenrand kann es aufgrund der 
Scherungsbedingungen am Nordrand des vom westlichen Mittelmeer nach Norditalien 
wandernden Höhentiefs zu schauerartig verstärktem Regen kommen, hier spricht 
aber COS-EU kaum an. Postfrontal lockert es hingegen stärker auf und örtlich 
bildet sich Nebel. Auch sonst kann sich dort, wo es stärker geregnet hat und es 
aufklart, Nebel bilden.

Mittwoch ...  kommt die o.a. Kaltfront weiter nach Südosten voran. Sie erreicht 
früh nachmittags ungefähr ein Linie Schwarzwald-Rügen und hat zum Abend den 
Südwesten und Nordosten größtenteils schon überquert.
Postfrontal gelangt stabile und trockenere Luft in den Westen und die Mitte 
Deutschlands, in der durch Absinken (KLA) der Druck langsam steigt, was zur 
Ausweitung eines Hochkeils von Westeuropa nach Deutschland führt. Die 
Tiefdruckrinne mit eingelagerter Konvergenz wird gleichzeitig im Tagesverlauf 
nach Polen abgedrängt.
Schon aus der Nacht heraus kommt es im Osten, Nordosten und Süden noch zu 
Schauern und Gewittern, die im Tagesverlauf wieder an Intensität und Verbreitung
zunehmen mit entsprechender Gefahr unwetterartiger Entwicklungen. Am Mittag 
dürfte dann etwa frontal und vor allem präfrontal die Südosthälfte betroffen 
sein. Insgesamt sollten räumliche Ausdehnung und Intensität im Schnitt nicht 
ganz an die des Vortages herankommen!

In der Nacht zum Donnerstag wird die schwülwarme Luft in den Südosten, nach 
einigen Modellen schon nach Südostbayern und zum Alpenrand hin zurückgedrängt. 
Dort kann es entsprechend anfangs noch Gewitter geben. Dann treten dort jedoch 
wahrscheinlich frontal bzw. staubedingt eher skalige Regenfälle auf, Stark- oder
Dauerregen ist möglich.
Bei stärker auflockernder Bewölkung entsteht gebietsweise Nebel

Donnerstag ...  geraten wir am Südrand eines ausgedehnten Nordmeertroges unter 
eine leicht wellenden westlichen, im Tagesverlauf vor einer Austrogung über den 
Britischen Inseln wieder etwas nach Südwest drehenden Höhenströmung. 
Nennenswerte Hebung wird nicht simuliert, meist überwiegt leichtes Absinken. Am 
Boden schlägt sich dies in einem Hochkeil nieder, der sich vom atlantischen Hoch
bis Mitteleuropa ausweitet. Die Grenze zur feuchten und instabilen Luft liegt 
dann schon über Ostpolen und im Alpenraum, wir hingegen in stabilerer und 
trockenerer Luft, die aus Westen zu uns fließt.

Dabei herrscht meist ruhiges Wetter mit aufgelockerter Bewölkung, vom Südwesten 
bis Brandenburg auch mit längeren Aufheiterungen und es bleibt weitgehend 
trocken. In 800 bis 750 hPa bildet sich eine Absinkinversion unter der sich 
Quellwolken bilden, die aber meist keine Schauer bringen.
Ausgenommen vom Absinken bleibt der Alpenrand. Dort sind im Übergangsbereich zur
wärmeren Luft und durch Stau unterstützt noch weitere, meist leichtere 
Regenfälle möglich. Auch zur Nordsee hin sind mit heranschwenken des Randtroges 
über der Nordsee lokale leichte Schauer möglich. Die Höchstwerten liegen meist 
um 25°C.
Die Nacht zum Freitag verläuft meist ruhig, nur mit örtlichem Nebel

Freitag ...  dehnt sich über die Britischen Inseln ein Trog weit südwärts nach 
Südwesteuropa aus. Die über Deutschland entstandene Hochzelle wandert rasch nach
Polen und Richtung Baltikum, anschließend folgt von Frankreich eine neue 
Tiefdruckrinne. Dabei gelangt von Südwesten her erneut sehr warme Luft nach 
Deutschland, die im Südwesten teils feuchtinstabil ist und in der zweiten 
Tageshälfte dort für die Auslösung einzelner Schauer und Gewitter verantwortlich
ist. Möglicherweise läuft über Frankreich bereits ein Randtrog nordostwärts, der
die Konvektion triggert. 


Modellvergleich und -einschätzung
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Wie bei starken konvektiven Ereignissen zu erwarten, differieren die 
Modellergebnisse bei geringen Abweichungen in der großskaligen Entwicklung vor 
allem in der räumlichen und zeitlichen Auflösung der Niederschlagsereignisse. 
Wenn auch die Spitzen nicht überall die von COS-EU, COS-DE simulierten Werte 
erreichen, so sollten sie zumindest als Signale auf punktuell extreme Mengen 
bewertet werden.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Michael Goethel  

Quelle: DWD
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