DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
 

SXEU31 DWAV 060800
S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 06.02.2016 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang zu TrW.
Heute und morgen gebietsweise Wind-, vor allem im Bergland auch Sturmböen.
Am Rosenmontag vor allem in der Westhälfte stürmisch, zum Teil mit schweren 
Sturmböen.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
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Samstag... 
Deutschland liegt heute noch im Zustrom milder Luftmassen, geschuldet der 
südwestlichen Strömung, die im Bodendruckfeld im weit geöffneten Warmsektor des 
Tiefs bei Island nach Zentraleuropa gelangt. Gleichzeitig kommt die Luftmasse 
heute noch unter leichtes Absinken, verursacht durch den Höhenrücken, der mit 
seiner Achse vom westlichen Mittelmeer nach Skandinavien gerichtet ist, der 
jedoch im Tagesverlauf allmählich ostwärts schwenkt. Insoweit ist heute über 
unserem Bereich in weiten Teilen ein Himmelsbild mit teils aufgelockerter, teils
starker Bewölkung zu verzeichnen, wobei vor allem nach Norden hin der Himmel 
auch meist bedeckt sein wird, und es fällt dabei bedingt durch leichte 
Warmluftadvektion in Verbindung mit allmählich einsetzender dynamischer Hebung 
hinter der ostwärts abziehenden Rückachse leichter Regen oder auch Nieselregen. 
Der Druckgradient im Bereich des Warmsektors ist so kräftig, dass besonders in 
den Mittel- und Hochgebirgslagen sowie im Küstenbereich Wind- und Sturmböen 
auftreten.
Dem ostwärts schwenkenden Höhenrücken folgt vom Atlantik unter Vergrößerung 
seiner Amplitude ein Langwellentrog, der in den kommenden Tagen zunehmend 
Einfluss auf unser Wetter nehmen wird. Erste Signale für das Heranschenken des 
Langwellentroges wird die allmähliche Zunahme des Windes und Einsetzen des Föhns
in den Alpen sein, der allerdings erst ab der kommenden Nacht vor der 
übergreifenden Kaltfront oder mit der entstehenden Zyklogenese über dem 
Genuagolf beginnen wird. Mit der Kaltfront nimmt im Laufe der kommenden Nacht 
die Bewölkung von Westen her rasch zu und es beginnt zeitweise zu regnen. Die 
Schneefallgrenze sinkt von über 1000 bis 1400 m vorübergehend auf 600 bis 800m. 
An Regenmengen werden mit der Kaltfront aber kaum warnwürdige Schwellen 
überschritten.




Sonntag... 
Am Sonntag tropft der o.e. Langwellentrog über dem westlichen Mittelmeer ab, 
während die Achse des nördlichen Teils des Troges in den Abendstunden die Grenze
von Deutschland zu Benelux erreicht. Zuvor hat die Kaltfront des zum Seegebiet 
nördlich Schottlands ziehenden Tiefs gut zwei Drittel des Vorhersageraums 
ostwärts passiert, wobei sie aber nach Süden hin wegen der Zyklogenese im 
Genuagolf etwas zurückgehalten wird. Zwar gelangt rückseitig ein Schwall 
erwärmter Meereskaltluft subpolaren Ursprungs zu uns, in der die 
850-hPa-Temperatur auf 0 Grad oder etwas darunter sinkt. Die Baroklinität an der
Front selbst hält sich aber in Grenzen und auch die Tatsache, dass 
trogvorderseitige KLA recht weit nach Osten ausgreift, lässt kaum stärkere 
Hebung zu.

Insoweit breitet sich von West nach Ost sich teils schauerartig verstärkter 
Regen aus, der in der Fläche meist weniger als 5mm/12h bringt. Einzig im 
Schwarzwald und im Allgäu kann es staubedingt etwas mehr sein, wobei sich später
in den höheren Lagen immer mehr Flocken unter den Regen mischen 
(Schneefallgrenze nach Westen hin am Abend bei etwa 1000 m). Richtung Oder und 
Neiße sowie im östlichen Bayern bleibt es bis zum Abend wahrscheinlich noch 
trocken mit einigen sonnigen Abschnitten. Es wird ein milder bis sehr milder 
Sonntag mit Höchstwerten zwischen 9 und 15 Grad, am Alpenrand mit 
Föhnunterstützung lokal auch noch etwas mehr. 

Föhn, Wind und Sturm bleiben das Element des Warnmanagements, vor allem im 
Westen und Nordwesten sowie im (und teilweise auch im (Erzgebirge)) Bergland. 
Dabei kommt der Wind zunächst aus südlichen Richtungen, bevor er hinter der 
Front auf Südwest dreht und dabei kurzzeitig etwas nachlässt. Zuvor treten in 
den genannten Gebieten Böen 7 Bft, an und auf der Nordsee vereinzelt 8 Bft auf. 
In Kamm- und Gipfellagen muss mit Böen 8 bis 10 Bft, auf dem Brocken und den 
Alpengipfeln (Föhn) bis zu 12 Bft gerechnet werden.  

In der Nacht zum Montag zieht ein weiteres Orkantief vom mittleren Nordatlantik 
kommend in Richtung Britische Inseln, wo es mit dem alternden Tief nördlich 
Schottlands Verbindung aufnimmt. Das Ergebnis ist ein mehrkerniger Tiefkomplex, 
der über eine breite und mit einem kräftigen Gradienten ausgestattete Südflanke 
verfügt. Entsprechend bildet sich ein großräumiges Sturmfeld, das von einer 
kräftigen Frontalzone überlagert und zunächst schwerpunktmäßig über dem nahen 
Ostatlantik platziert ist, im weiteren Verlauf aber zunehmend auch auf Teile 
Westeuropas übergreift. Davon bleibt auch Deutschland nicht verschont, wo der 
südliche bis südwestliche Wind vor allem im Norden, Westen und der westlichen 
Mitte sowie allgemein im Bergland (außer Alpen, wo nach Föhnzusammenbruch eine 
vorübergehende Abschwächung eintritt) deutlich zulegt. So treten nach jetzigem 
Stand zwischen Nordsee und Eifel in den Frühstunden mit hoher Wahrscheinlichkeit
Böen 8 Bft auf, wenn auch mit regionalen Unterschieden (Niederrhein, Münsterland
und Haarstrang z.B. anfälliger als Kölner Bucht). An der Nordsee stehen Böen 9 
Bft, auf der Nordsee vereinzelt 10 Bft auf der Karte, und ähnlich sieht es auch 
im höheren Bergland aus, wo bis 12 Bft (Brocken) möglich sind.
Gleichzeitig zieht der frontale Regen unter Abschwächung nach Osten, wo der 
Regen in höheren Lagen in Schnee übergeht. Gegen Montagmorgen setzt im äußersten
Westen und Nordwesten schon wieder neuer Regen im Vorfeld eines okkludierten 
Frontensystems ein.




Montag...  
Am Montag kommt Deutschland dann voll in den Einflussbereich  des 
Langwellentroges. Gleichzeitig läuft an seiner Vorderseite ein Randtrog rasch 
nordostwärts und verstärkt damit die dynamischen Hebungsprozesse, wobei mit der 
ostwärts schwenkenden Okklusion schauerartig verstärkte Regenfälle über den 
Bereich ziehen werden. Sie werden insgesamt unter Mithilfe der dynamischen 
Hebungsprozesse etwas stärker ausfallen, als die der in der Nacht zu Sonntag auf
uns übergreifenden Kaltfront. 
Dennoch, warnmäßig interessanter ist die zu erwartende Windsituation, die wie 
oben schon für die Nacht zu Montag beschrieben, den Nordwesten, Westen und zum 
Montagabend den Südwesten mit Sturmböen (Bft 8-9)sowie schweren Sturmböen (Bft 
10) und in einzelnen Gipfellagen auch orkanartige Böen (Bft 11) betreffen wird. 
Hier zeigen die zur Verfügung stehenden Modelle insgesamt ein ähnliches 
Szenario. Schaut man sich die 850er-Höhenwinde an, dann simulieren die Prognosen
ein erhebliches Potential von schweren Sturmböen, möglicherweise auch noch 
darüber hinaus an, wenn die Oberwinde im konvektiven Bereich hinter der ostwärts
schwenkenden Kaltfront und der Dynamik des breiten Langwellentroges 
Impulstransport triggern.




Modellvergleich und -einschätzung
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Die zur Verfügung stehenden Modelle haben sich im Verlauf der vergangenen 
Modellläufe immer mehr angenähert. Im Vergleich zur Modellkette aus Offenbach 
simulieren sie aber mit Zielzeitraum Rosenmontag über der Westhälfte 
Deutschlands immer noch etwas höhere Windgeschwindigkeiten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bähnke 

Quelle: DWD
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