DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
 

SXEU31 DWAV 261800
S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 26.01.2015 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Nasskaltes Winterwetter mit zeitweiligen Regen- und Schneefällen. Ab Mittwoch 
allgemein wieder zunehmender Wind.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC
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Aktuell ... überquert uns das Frontensystem eines kräftigen Tiefs über dem 
Europäischen Nordmeer südostwärts. Konnte man heute Mittag noch recht gut einen 
schmalen Warmsektor analysieren, so ist der Okklusionsprozess inzwischen 
weitgehend abgeschlossen. Damit ist auch die niedertroposphärische Warmluft 
getilgt, in der die 850-hPa-Temperatur im Westen und Nordwesten vorübergehend 
auf etwas über 0°C gestiegen war. Vor der Okklusion ist noch immer WLA wirksam, 
die zusammen mit PVA vorderseitig eines von der Nordsee südostwärts vorstoßenden
KW-Troges einen veritablen Hebungsantrieb liefert, der sich im Laufe der Nacht 
mehr und mehr in den Süden und Osten des Vorhersageraums verlagert. Die 
Schneefallgrenze pendelt sich dabei etwa zwischen 200 und 400 m ein, was im 
Süden und Südosten fast durchweg die feste Phase bedeutet. Dabei kommen bis zum 
Morgen in tieferen Lagen 2 bis 5 cm, im Bergland sowie im höheren Alpenvorland 5
bis 10 cm, im Schwarzwald und im Erzgebirge sogar bis 15 cm Neuschnee zusammen 
bzw. zu den tagsüber bereits gefallenen Mengen (vor allem im Schwarzwald) noch 
dazu. An den Alpen setzt eine Nordweststaulage ein, die in der Nacht 10 bis 20 
cm Neuschnee bringt. Der auf Nordwest drehende Wind frischt vor allem in höheren
Lagen mitunter stark böig auf, in einigen Kamm- und Gipfellagen sind sogar 
stürmische Böen oder Sturmböen möglich. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt 
und entsprechend trockenem Schnee besteht vor allem in freien Lagen des höheren 
Berglands die Gefahr von Schneeverwehungen.

Hinter der Okklusion gelangt ein frischer Schwall maritimer Polarluft zunächst 
mal in den Norden und Westen des Landes. Die einsetzende KLA sorgt für eine 
Dämpfung der Hebungsprozesse, so dass die anfänglich noch auftretenden leichten 
Regen- oder Nieselregenfälle (im Bergland Schneefall) von NW her langsam zum 
Erliegen kommen. Nur vereinzelt entwickeln sich mit dem bis in die Osthälfte 
schwenkenden Höhentrog Regen-, Graupel- oder Schneeschauer. Hier und da reißt 
die Wolkendecke postfrontal auch mal auf, was am Boden einen Temperaturrückgang 
in Gefrierpunktnähe und somit die Gefahr von gefrierender Nässe birgt. Im 
Tiefland Nord- und Westdeutschlands dürfte das stellenweise der Fall sein, wobei
eine genaue Positionierung der Auflockerungszonen derzeit schwer fällt. Von 
daher empfiehlt sich für das Warnmanagement, in den Texten auf die Möglichkeit 
von Straßenglätte hinzuweisen, konkrete Warnungen aber erst in situ auszugeben. 
Anders sieht es im Bergland etwa oberhalb von 400 m aus, wo die 
Wahrscheinlichkeit für Glätte durch Schnee, Matsch oder gefrierende Nässe 
deutlich höher ist, so dass bereits entsprechende Warnungen herausgegeben 
wurden.
Der auf NW drehende Wind bleibt warntechnisch - abgesehen vom höheren Bergland -
unmittelbar an der Küste ein Thema, wobei im Laufe der Nacht auch an der Ostsee 
vereinzelt mal eine Böe 7 Bft auftreten kann.
         
Dienstag ... tropft der KW-Trog bereits in den Morgenstunden im Bereich des 
Erzgebirges ab, um von dort via Tschechien gen Österreich zu ziehen. 
Gleichzeitig kommt es von Westen her zu Potenzialanstieg, der sich in einem 
breiten Höhenrücken widerspiegelt. Dessen Achse reicht am Abend (18 UTC) etwa 
vom Westrand der Biscaya über England und die Nordsee bis nach 
Mittelskandinavien. Entsprechend dieser Konstellation liegt Deutschland den 
ganzen Tag über unter einer nördlichen Höhenströmung, in der sich 
mitteltroposphärische, den Höhenrücken weit überlaufende WLA bemerkbar macht. 
Zwar wird die WLA durch leichte PVA vorderseitig des Rückens teilkompensiert, 
trotzdem bleibt unter dem Strich ein kleiner Hebungsterm stehen, der dem größten
Teil des Vorhersageraums starke bis geschlossene Bewölkung beschert. Da nutzt es
auch wenig, dass die Okklusion nach Osten abzieht und sich im Bodendruckfeld ein
Hochkeil zeigt, der sich ausgehend vom Azorenhoch bis nach Süddeutschland 
erstreckt. Auflockerungen dürfte es am ehesten im äußersten Norden sowie 
vielleicht noch im Lee des Harzes (Südosten) geben.
Darüber hinaus wird nicht viel für die monatliche Sonnenscheinbilanz getan, 
allerdings halten sich auch die Niederschläge in Grenzen. Am meisten fällt noch 
im Stau der Alpen, wo bis zum Abend noch mal 10 bis 20 cm Neuschnee 
zusammenkommen. Auch am Nord-Nordwestrand des Erzgebirges sind weitere 5 bis 10 
cm Neuschnee drin. Ansonsten fallen die Niederschläge in der Fläche eher gering 
aus, sie liegen meist unter, in Staulagen lokal um 5mm/12h. Während in der 
maritimen Polarluft in tiefen Lagen meist Regen oder Schneeregen runterkommt, 
ist es oberhalb 200 bis 400 m meist Schnee. Im äußersten Südosten, also in der 
Peripherie des abtropfenden Höhentiefs, sind durch auch mal etwas stärkere 
Schneeschauer oder sogar ein Graupelgewitter möglich, auch wenn die Numerik 
nicht gerade mit Nachdruck darauf hinweist.
Der westliche bis nordwestliche Wind bleibt besonders an der Küste und in den 
Hochlagen flott unterwegs, wenn auch mit leicht abnehmender Tendenz zum Abend 
hin. Dabei treten einzelne Böen 7 Bft, in exponierten Kamm- und Gipfellagen 8 
bis 9 Bft auf, Schneeverwehungen inclusive. Die Temperatur erreicht Höchstwerte 
zwischen 1 und 7°C mit den höchsten Werten zwischen Niederrhein und Nordsee. Im 
Bergland liegen die Maxima um oder weiter oben etwas unter dem Gefrierpunkt.  

In der Nacht zum Mittwoch schwenkt der Höhenrücken südostwärts, die WLA bleibt 
aber erhalten. Folglich kommt es gebietsweise zu leichten Niederschlägen, die 
oberhalb 200 bis 400 m als Schnee fallen. An den Alpen schwächen sich die 
Schneefälle zwar ab, eine leichte Staukomponente bleibt aber erhalten, so dass 
hier und da noch mal 5 bis 10 cm Neuschnee zusammenkommen. Im Bergland muss 
durchweg, in tiefen Lagen wahrscheinlich nur bei längerem Aufklaren (was sehr 
wahrscheinlich nicht in breiter Front auftreten wird) mit Glätte verschiedener 
Art gerechnet werden.   
Mit Annäherung eines neuen Höhentroges frischt der auch der auf Südwest 
rückdrehende Bodenwind an und auf der Nordsee merklich auf (Böen 7 bis 8 Bft). 
    
Mittwoch ... überquert der Höhenrücken den Vorhersageraum endgültig südostwärts.
Dahinter nähert sich von UK und der Nordsee her der o.e. Höhentrog, der am 
Nachmittag und Abend unter Verkürzung seiner Wellenlänge auf Deutschland 
übergreift. Vorgeschaltet ist die Kaltfront eines Tiefkomplexes, der sich mit 
mehreren Kernen zwischen Island und Skandinavien etabliert. Mit der Front 
greifen im Tagesverlauf (eher 2. Tageshälfte) Niederschläge auf den Nordwesten 
über, die sich in der Nacht zum Donnerstag bis in den Süden und Osten des Landes
ausbreiten. Präfrontale WLA in der unteren und mittleren Troposphäre sorgt für 
einen vorübergehenden Anstieg der Schneefallgrenze auf 700 bis 1000 m (Anstieg 
T850 z.T. auf 0 bis +2°C), bevor sie frontrückseitig in der einfließenden 
polaren Meeresluft wieder bis in tiefe Lagen sinkt. Bis Donnerstagfrüh in den 
Hochlagen der Mittelgebirge durchaus 5 bis 10 cm Neuschnee geben. Den meisten 
Schnee soll es nach COSMO-EU dann in der Nacht zum Donnerstag im Weststau des 
Schwarzwalds und des Allgäus geben, wo 15 bis 20, im Schwarzwald lokal 25 bis 30
cm Neuschnee offeriert werden. Allerdings ist diese Modellvariante sehr 
offensiv, und außerdem könnte ein Teil des Niederschlags als Regen fallen. Hier 
sind sicherlich noch ein/zwei Simulationen abzuwarten.
Tatsache ist, dass mit Trogpassage hochreichende Kaltluft vor allem in den 
Norden des Landes gelangt, in der ab den Abendstunden zunächst an der Nordsee, 
später in ganz Norddeutschland einige konvektive Umlagerungen in Gang gesetzt 
werden, die bis in tiefe Lagen als Schnee- oder Graupelschauer auftreten können.
Besonders Richtung Nordsee sind mit zusätzlicher Unterstützung diabatischer 
Prozesse auch kurze Gewitter wahrscheinlich. Bei guter Durchmischung erreicht 
die Temperatur Höchstwerte zwischen 1 und 7°C.
Einen deutlichen Satz nach vorne macht der Wind, der in weiten Teilen des Landes
merklich auffrischt und zunächst aus SW kommt, um mit Frontpassage aus W bis NW 
zu drehen. Mit Ausnahme der tiefen Lagen Süddeutschlands muss mit Böen der 
Stärke 7 Bft, bei Frontpassage örtlich auch 8 Bft gerechnet werden. Im Bergland 
stehen je nach Exposition Spitzenböen der Stärke 8 bis 10 Bft auf der Karte, in 
einigen exponierten Gipfellagen (z.B. Brocken, Fichtelberg) sind auch 
orkanartige Böen möglich. Stürmisch wird es auch an der Küste und im 
angrenzenden Binnenland, wo mit Böen 8 bis 9 Bft, an der Nordsee örtlich 10 Bft 
gerechnet werden muss. Sollte sich mit Annäherung des Höhentroges respektive der
höhenkalten Luft organisierte Konvektion einstellen, was nicht sicher aber auch 
nicht ausgeschlossen ist, kann es auch im nord- bzw. nordwestdeutschen 
Binnenland einzelne schwere Sturmböen 10 Bft geben (850-hPa-Winde in der labilen
Luftmasse teils um oder etwas über 50 Kt). 
In der Nacht nimmt der Grundwind zwar tendenziell ab, vor allem im Bergland und 
an der Küste bleibt er aber spürbar und teils stürmisch, wobei er wieder auf SW 
zurückdreht.     
       
Donnerstag ... etabliert sich vor der norwegischen Küste ein Mordsorkantief mit 
einer Kernisobare von 950 hPa (ICON, 12 UTC). Es korrespondiert mit einem 
Höhentief, das quasi das Drehzentrum eines mächtigen, sich über Mitteleuropa 
weit nach Süden ausweitenden Höhentrog darstellt. Somit bringt der Donnerstag, 
den man von heute aus betrachtet als Schnittstellentag zur Mittelfrist 
betrachten kann, die Ouvertüre zur großen "Oper TrM" (GWL-Muster Trog 
Mitteleuropa) dar, die von allen Globalmodellen für die Folgetage simuliert 
wird. Ganz Deutschland wird dabei von NW her nach und nach mit hochreichender 
Kaltluft polaren Ursprungs geflutet, in der die Temperatur gesamttroposphärisch 
zurückgeht. Bis Freitag 00 UTC sinkt die Temperatur in 850 hPa bis zu -8°C, in 
500 hPa bis zu -38°C. 
Bei wechselnder bis starker Bewölkung kommt es je nach Intensität zu 
Regen-, Graupel- und Schneeschauern, oberhalb 200 bis 400 m durchweg zu 
Schneeschauern. Dabei können auch kurze Graupelgewitter dabei sein. Im Süd- und 
Weststau der Mittelgebirge können die Schneefälle auch etwas stärker ausfallen 
bzw. länger andauern. Dabei sind einige Zentimeter, teils sogar über 10 cm 
Neuschnee möglich.
Der auf südwestliche Richtungen rückdrehende, später wieder mehr westliche 
Richtungen drehende Wind frischt besonders in Schauernähe merklich auf mit Böen 
7 Bft. An der See und im Bergland sind Sturmböen 8 bis 9 Bft, in exponierten 
Lagen auch 10 Bft zu erwarten. Dabei kommt es zu Schneeverwehungen, die formell 
sogar Unwetterkriterien genügen könnte. Temperaturmäßig reicht es für 2 bis 8°C 
mit den höchsten Werten am Oberrhein.   


Modellvergleich und -einschätzung
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Der beschriebene Kurs, der im Wesentlichen auf den Erkenntnissen der deutschen 
Modellkette fußt (ICON/C-EU), wird auch von den externen Modellen nicht 
wesentlich anders gesehen. Die für nasskalte Winterlagen typischen Unschärfen 
und Unsicherheiten (z.B. Niederschlagsphase, -intensität, -verteilung) wurden im
Text bereits angerissen.  


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann 

Quelle: DWD
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