DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
 

SXEU31 DWAV 231800
S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 23.07.2014 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Wieder allgemein zunehmende Gewittertätigkeit, dabei auch lokale Unwettergefahr,
in erster Linie durch Starkregen. Im Nordosten und Norden Freitag vorübergehend 
auch Dauerregen möglich.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC
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Aktuell ... stellt das Geopotentialfeld über weiten Teilen Europas eine 
"high-over-low" Situation dar. Einer kräftigen hochreichenden Antizyklone über 
Südskandinavien, die sich von einem von der Iberischen Halbinsel bis zum 
Nordmeer reichenden Höhenrücken abgekoppelt hat, steht ein Höhentief über dem 
südöstlichen Mitteleuropa gegenüber, das sich allmählich westnordwestlich 
verlagert und dessen Drehzentrum sich am Donnerstagfrüh etwa über Tschechien 
bzw. Ostdeutschland befindet.
Die advektiven Hebungsprozesse an seiner Westflanke über Mitteleuropa sind nur 
schwach ausgeprägt. Allerdings strömt an der Südflanke des kräftigen Bodenhochs 
über Skandinavien und der Norwegischen See von Osten her eine sehr warme und 
auch recht feuchte Luftmasse (ppw-Werte von 20 bis 25 mm) zunächst in die Mitte 
und den Süden, im Laufe der Nacht auch zunehmend in den Nordosten Deutschlands. 
Heute tagsüber hat bei einer schwachen Deckelung trotz der nicht nennenswerten 
großskaligeren Hebung die orographische Triggerung für die Auslöse einzelner 
Gewitter - ausgehend vom Bergland - ausgereicht. Die höchsten Labilitätswerte 
wies das südliche und mittlere NRW auf (Temp Essen 12 UTC mit knapp 1300 J/kg 
ML-Cape), so dass es dort - speziell im Bergischen Land und bei Köln - auch für 
Unwetter reichte.
Mit abnehmendem Sonnenstand dürfte sich die Gewittertätigkeit in den kommenden 
Stunden aber weiter abschwächen und nachts auch meistens komplett zum Erliegen 
kommen, wobei an der Nordwestflanke des Höhentiefs von Polen her organisierte 
konvektive Strukturen nach Sachsen und Brandenburg wandern, die dort die 
konvektive Aktivität noch etwas länger aufrecht erhalten.
Ansonsten lockern die Wolken auf, vielerorts ist es gering bewölkt. In der 
feuchten Luft kann sich bevorzugt in der Mitte und im Süden wieder gebietsweise 
dichter Nebel bilden.

Donnerstag ... weitet sich das Höhentief über Mitteleuropa ein wenig nach Westen
aus, wobei es eine eher elliptische Struktur annimmt und man fast sogar schon 
von einem Dipol sprechen kann. An der Nordflanke des Höhentiefs ziehen zunächst 
meist nur schwach ausgeprägte Hebungsgebiete - gebunden an Sekundärtrögen - über
Nord- und Mitteldeutschland hinweg ostwärts. Gleichzeitig tropft aus einem 
Randtrog des umfangreichen Nordatlantiktroges ein Höhentief über der Biskaya ab.
Der von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien reichende Höhenrücken 
wird somit rasch abgebaut. Das abgeschlossene Höhenhoch über West- und 
Mittelskandinavien ändert sich dagegen kaum in Lage und Intensität.
Auch im Bodendruckfeld bleibt das umfangreiche Skandinavienhoch erhalten. An 
dessen Südflanke strömt nach wie vor von Osten her sehr warme und relativ 
feuchte Luft in den Vorhersagebereich. Da sich die zyklonale Struktur des 
Geopotentialfeldes in der mittleren Troposphäre am Boden kaum widerspiegelt, 
kann man eher von einem Kaltlufttropfen sprechen.
Mit Übergreifen dieses KLT`s auf Deutschland setzt mit der Advektion 
höhenkälterer Luft bereits ausgangs der Nacht von Ost nach West eine 
Labilisierung der Luftmasse ein. Somit dürfte die Schauer- und Gewittertätigkeit
im Tagesverlauf mit der diabatischen Erwärmung der Grundschicht rasch wieder 
aufleben. Die Temps zeigen eine nur schwache "Deckelung", die 
Auslösetemperaturen von 24 bis 28 Grad dürften rasch erreicht werden. Die 
höchsten Labilitäts- und Energiewerte treten erneut zunächst im östlichen 
Bergland und in der Mitte, später dann wieder im Westen auf. COSMO_EU simuliert 
über NRW eine ML-Cape von über 1000, gebietsweise über 1500 J/kg am Nachmittag 
und ppw-Werte von über 25 mm. Bei nicht nennenswerter Windscherung dürfte es die
ersten Entwicklungen um die Mittagszeit im Bergland geben, die Gewitter 
verlagern sich dann relativ langsam westwärts, wobei sich auch wieder 
"Gewitterstraßen" ausbilden können, die einige Regionen mehrmals treffen. 
Aufgrund der etwas höheren ppw- und Cape-Werten dürfte gegenüber dem heutigen 
Mittwoch das Unwetterrisiko etwas höher ausfallen. Ausgespart von den Gewittern 
bleiben wohl der äußerste Norden und Nordosten sowie der äußerste Südwesten.
Im späteren Tagesverlauf verlagert sich an der Nordflanke des Höhentiefs ein 
etwas stärker ausgeprägter Randtrog über Polen hinweg ostwärts. Auf dessen 
Vorderseite sorgt vor allem WLA für markante Hebung, so dass über Zentralpolen 
Aufgleitniederschläge einsetzen, die sich allmählich westwärts verlagern, aber 
erst gegen Abend auf den äußersten Osten Deutschlands übergreifen. Im Vorfeld 
sorgt die WLA für eine Stabilisierung der Luftmasse, so dass sich die 
Gewittertätigkeit in der Osthälfte bereits am Nachmittag deutlich abschwächt. 
Zudem werden dort dann bereits die Wolken dichter und hemmen entsprechend die 
Einstrahlung.
Die Sonne zeigt sich vor allem im äußersten Norden und an den Küsten von Nord- 
und Ostsee fast durchgängig, auch im Südwesten bleibt es meist sonnig. Ansonsten
wechseln sich Sonne und Quellwolken ab. Es wird nicht mehr ganz so warm wie an 
den Vortagen, die Höchstwerte bewegen sich zwischen 24 und knapp 30 Grad.

In der Nacht zum Freitag verlagert sich der oben genannte Sekundärtrog von Polen
nach Norddeutschland. Somit weiten sich die eher skalig geprägten Niederschläge 
über Brandenburg und MacPom weiter westwärts auf Teile Sachsen-Anhalts und 
Niedersachsens aus. Konvektive Einlagerungen sind nicht ausgeschlossen, sollten 
aber eher die Ausnahme bleiben. Cosmo_EU simuliert zunächst über 
Nordostbrandenburg, später dann vor allem über Ostniedersachsen gebietsweise 
sechsstündige Mengen von über 20 mm, womit das Starkregenkriterium erfüllt wäre.
Die externen Modelle simulieren eher weniger Niederschlag, lediglich ECMWF (00 
UTC) kommt noch in die Nähe der Warnkriterien.
In den übrigen Regionen klingen die Gewitter im Laufe der Nacht wieder ab, wobei
es gebietsweise aber noch länger bewölkt bleibt. Dort, wo der Himmel aufklart, 
kann sich örtlich Nebel bilden.

Freitag ... wird das Höhentief über der Biskaya in den Höhentiefkomplex über 
Mitteleuropa, dessen Drehzentrum sich allmählich Richtung Niederrhein verlagert,
integriert. Das Höhenhoch über Skandinavien verlagert seinen Schwerpunkt zur 
mittleren Ostsee. Das zugehörige Bodenhoch schwächt sich ab, somit nimmt auch 
über Norddeutschland die zyklonale Grundstruktur im Bodendruckfeld etwas zu.
An schwache, im Geopotentialfeld kaum erkennbare Sekundärtröge, die an der 
Nordflanke des Höhentiefs über Norddeutschland hinwegziehen, gekoppelte Hebung 
sorgt dort für weitere Regenfälle, wobei diese mit dem Tagesgang verstärkt 
konvektiv durchsetzt sind. Vor allem COSMO_EU, aber auch ECMWF und GME 
simulieren dabei in Niedersachsen gebietsweise mehr als 20 mm in sechs bzw. mehr
als 25 mm in 12 Stunden, die anderen Modelle eher etwas weniger.
Die Regionen im direkten Bereich des Höhentiefs und südlich davon befinden sich 
nach wie vor im Einflussbereich der sehr warmen und recht feuchten Luftmasse, 
wobei sich die labilste Luft im Westen und Südwesten befindet. Die simulierten 
ppw-Werte liegen dort zwischen 25 und 30 mm bei einer ML-Cape von bis zu 1000 
J/kg, in BaWü örtlich auch darüber. Über Bayern, Sachsen und Thüringen werden 
dagegen geringere Cape-Werte simuliert, dazu auch zum 18 UTC-Termin noch eine 
recht ausgeprägte Deckelung.
Somit dürfte es dort - unter Berücksichtigung der deutschen Modellkette - die 
stärksten konvektiven Entwicklungen geben, die punktuell, wenn auch wohl nicht 
mehr so häufig wie am Vortag, vor allem bzgl. Starkregens auch wieder 
Unwetterkriterien genügen dürften. Insgesamt ist diese Modellinterpretation aber
noch mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Zwar zeigen fast alle Modelle ein 
gewisses Minimum der konvektiven Tätigkeit in Nordbayern, Sachsen und Thüringen,
GFS simuliert aber z.B. an den Alpen und im Alpenvorland dennoch eine rege 
Gewittertätigkeit.
Das Temperaturniveau geht gegenüber den Vortagen noch ein wenig zurück, die 
Höchstwerte bewegen sich zwischen 22 und 28 Grad. Dort, wo es länger regnet, 
bleibt es eher noch etwas kühler, bei längerem Sonnenschein können dagegen - am 
ehesten wohl in Ostbayern oder am Oberrhein - auch knapp 30 Grad erreicht 
werden.

In der Nacht zum Samstag weist das Höhentief wieder eine verstärkt dipolartige 
Struktur an, wobei sich ein Drehzentrum ins nordwestliche Niedersachsen 
verlagert, das andere Richtung Nordfrankreich. Entsprechend verlagern sich auch 
die schauerartigen Regenfälle über Norddeutschland Richtung Nordsee und 
schwächen sich ab. Warnwürdige Mengen dürften dabei nicht mehr auftreten. Auch 
in den übrigen Gebieten kommt die konvektive Tätigkeit tagesgangbedingt 
allmählich zum Erliegen. Die Wolken lockern verstärkt auf, dabei kann sich 
gebietsweise wieder Nebel bilden.

Samstag ... verlagert sich der eine Dipol des Höhentiefs allmählich zur 
südlichen Nordsee, der andere Richtung Westalpen. Über dem Vorhersagebereich 
stellt sich somit eine schwache südliche Höhenströmung ein. Das Bodenhoch über 
der mittleren Ostsee schwächt sich noch etwas ab und verlagert seinen 
Schwerpunkt Richtung Westrussland. Die Bodenströmung dreht somit mehr auf 
Südost, das Bodendruckfeld bleibt allgemein zyklonal konturiert, wobei nach wie 
vor sehr warme, recht feuchte und labil geschichtete Luft advehiert wird. 
Großskalige Hebungsprozesse sind im Vorhersagegebiet kaum auszumachen, am 
ehesten noch am bayerischen Alpenrand. Allerdings wird dort seitens COSMO_EU die
geringste Labilität simuliert. Die Niederschläge dort dürften eher skaliger 
Natur sein (Aufgleitniederschläge von Süden her, COSMO_EU simuliert punktuell 
Mengen bis 25 mm/12 h, die anderen Modelle eher weniger). Eingelagerte 
konvektive Umlagerungen sind dabei natürlich nicht ausgeschlossen, wobei dann 
auch das kurzfristige Starkregenkriterium zum Tragen kommt (über 15 mm/h).
Ansonsten entwickeln sich im Tagesverlauf wohl erneut - ausgehend vom Bergland -
Schauer und Gewitter, wobei ein Schwerpunkt nahe des Höhentiefs über 
Nordwestdeutschland auszumachen ist. Dort werden auch die höchsten Cape- und 
ppw-Werte simuliert (bis 1500 J/kg bzw. 30 bis 35 mm). Aber auch in den übrigen 
Regionen genügen auftretende Gewitter auf jeden Fall den markanten 
Warnkriterien, lokal eng begrenzt dürfte auch wieder das Unwetterkriterium 
"gerissen" werden, vor allem bzgl. Starkregens.
Insgesamt wird es wieder etwas wärmer mit Höchstwerten zwischen 24 und 30 Grad, 
im Osten auch knapp darüber, an den Alpen eher darunter.



Modellvergleich und -einschätzung
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Im Großen und Ganzen simulieren die externen Modelle einer der deutschen 
Modellkette ähnliche Wetterentwicklung. Unterschiede gibt es - wie oben 
besprochen - in der räumlichen Verteilung und Intensität der konvektiv geprägten
Niederschläge.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff 

Quelle: DWD
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