|
DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
|
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 11.03.2010 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: Übergang zu NZ (Nord zyklonal) Im Norden, später auch in der Mitte vereinzelt gefrierender Regen/Sprühregen möglich, im Süden meist leichter Schneefall. Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Donnerstag ... Das großräumige Zirkulationsmuster zeigt eine hochreichende Antizyklone über UK und dem nahen Atlantik, der ein ebenso hochreichendes Tief mit Kern im Bereich Korsika/Sardinien gegenübersteht. Entsprechend dieser Konstellation liegt Deutschland im Bereich einer nördlichen bis nordöstlichen Strömung, die aber gegenüber den Vortagen inzwischen deutlich abgenommen hat. So gesehen spielt die Komponente "Wind" im Warnmanagement heute keine Rolle mehr. Ansonsten gestaltet sich die synoptische Situation so, dass sich die Keilachse des westeuropäischen Hochs langsam südwärts verlagert, wobei die anfängliche Brücke (Verbindung zu einem Hoch im Bereich Ukraine/Kaukasus) mehr und mehr "bröckelt". Hinter der Achse dreht die Strömung auf westliche Richtungen, was die Advektion feuchtkalter Meeresluft forciert und etwas Niederschlag induziert, der meist in Form von Sprühregen fallen dürfte. Derzeit (7 UTC) ist das nur vereinzelt im Bereich Hamburg/Lübeck der Fall, in Form unterkühlter Tröpfchen mit Glatteis. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass auch in anderen Regionen Norddeutschlands dieses Phänomen noch auftritt, zumal die Erwärmung zum Teil nur sehr langsam vonstatten geht und die Grundschicht bereits feucht genug ist. Im weiteren Verlauf verlagert sich die bereits über großen Teilen Nord- und Westdeutschland weilende hochnebelartige Bewölkung noch etwas südwärts, wobei der vorgelagerte schmale wolkenarme Streifen ebenfalls langsam weiter nach Süden geschoben wird. Der süddeutsche Raum freilich wird zunächst noch durch Aufgleitprozesse auf der Nordseite des mediterranen Tiefs beeinflusst, die sich durch überwiegend leichte, lokal auch mäßige (man beachte aktuell um 7 UTC das Wasseräquivalent von 1 bis 2mm östlich von München) Schneefälle bemerkbar machen. Diese Schneefälle haben sich ein Stück weit nordwärts über die Donau hinweggeschoben, es spricht aber Einiges dafür, dass die nördlichste Linie erreicht ist und sich das ganze Geschehen im Tagesverlauf allmählich nach Süden zurückzieht. Auf Basis diverser numerischer Vorgaben liegt die Neuschneemenge im Bereich weniger Zentimeter, nur lokal können mal an die 10cm/12h erreicht werden. In der Nacht zum Freitag zieht der Tiefschwerpunkt Richtung Balkan, so dass die Hebungsprozesse in Süddeutschland weiter abschwächen. Gleichwohl kann es am Alpenrand bis in die Frühstunden noch leicht schneien (Mengen <10cm/12h). Im Übrigen verlagern sich die leichten Niederschläge aus dem Norden weiter süd- südostwärts bis in den Mittelgebirgsraum, wobei sie mehr und mehr in Schnee übergehen. Allerdings sind die Mengen gering, sie liegen durchweg unter 5mm/12h. Vereinzelt ist dabei auch etwas gefrierender Regen/Sprühregen nicht ausgeschlossen, wenngleich die prognostizierten Vertikalsondierungen eher nicht darauf hindeuten und auch die Modellinterpretation keine Signale liefert. Auf alle Fälle sollte die Entwicklung genaustens verfolgt werden. Freitag ... Das Hoch mit Schwerpunkt westlich von Irland dehnt sich meridional noch etwas aus und wird zum Steuerungszentrum für Mitteleuropa respektive Deutschland. Gestützt durch Tiefdruckgebiete über Nord- und Nordosteuropa stößt auf seiner Ostflanke relativ direkt arktische Polarluft nach Süden, die sich auf ihrem Weg über See aber erwärmt und Feuchtigkeit aufnimmt. In dieser erwärmten Meereskaltluft kommt es verbreitet zu zeitweiligen und wenig ergiebigen Niederschlägen, die oberhalb 300 bis 600m als Schnee, sonst als Regen oder Sprühregen fallen. Organisierte Strukturen sind dabei ebenso wenig zu erkennen wie nennenswerte dynamische Hebungsantriebe, was die geringe Intensität erklärt. Ins Auge fällt allerdings ein kurzwelliger, fast schon Höhentiefcharakter annehmender Trog, der von der Nordsee kommend Richtung Ärmelkanal zieht. Die damit verbundenen Niederschlagsprozesse bleiben sehr wahrscheinlich aber westlich von uns. Im äußersten Süden sowie im Südwesten ist die Niederschlagswahrscheinlichkeit am geringsten, weil sich dort die Reste des Hochkeils hebungsdämpfend auswirken. Der westliche Wind frischt mitunter zwar etwas auf, Warnschwellen werden wahrscheinlich aber nicht überschritten bzw. auf einigen Kuppen greift die Einzelfallentscheidung. In der Nacht zum Samstag zieht über den Norden eine im thermischen Feld schwach ausgeprägte Kaltfront südostwärts, die aber auch nur wenig Niederschlag in Form von Regen oder Schnee bringt. Samstag ... Die großräumige Strömungskonfiguration verändert sich nur marginal, das kräftige Hoch über dem nahen Atlantik bleibt das Maß aller Dinge. Mit der nordwestlichen Strömung nähert sich im Tagesverlauf von der Nordsee und Südskandinavien ein Frontensystem. Es gehört zu einem kleinen Randtief, das sich bereits im Vorfeld vor Norwegen gebildet hatte und nun via schwedische Inseln zum Baltikum zieht. Vorlaufende schwache WLA induziert Niederschläge, die abermals von den Modellen mit nur geringen Mengen versehen werden. Das liegt offensichtlich daran, dass die dynamische Unterstützung fehlt. Bei genauerem Hinsehen erkennt man in der Höhenströmung sogar eine leicht antizyklonale Kontur, die sich nicht gerade als hebungsfördernd entpuppt. In tiefen Lagen jedenfalls tritt angesichts vorhandener Durchmischung meist Regen oder Schneeregen auf, oberhalb etwa 300 bis 500 m fällt Schnee, wobei die Niederschlagswahrscheinlichkeit im Süden am geringsten ist. Warntechnisch rückt nun der Wind wieder in den Blickpunkt des Geschehens, denn mit Verlagerung des besagten Randtiefs verschärft sich der Gradient von Norden her, so dass der westliche bis nordwestliche Wind zunächst an der Küste, später auch im norddeutschen Binnenland sowie im Osten, in der Nacht zum Sonntag dann auch im Mittelgebirgsraum auffrischt. Dabei sind Böen der Stärke 7 Bft, an der See bis 8 Bft, in exponierten Kammlagen bis 9 Bft apostrophiert. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Die synoptischen Strukturen werden von den Modellen sehr ähnlich vorhergesagt. Die räumliche Verteilung der Niederschläge und auch die Phasen werden etwas unterschiedlich interpretiert, gemein ist aber allen Modellen incl. statistischer Anschlussprodukte, dass bis Sonntag früh vergleichsweise geringe Mengen simuliert werden. Zu erwähnen ist, dass bei der in den nächsten Tagen einströmenden Meereskaltluft Glätte ein Thema bleibt, wenn nicht durch Schnee so durch gefrierende Nässe, was wahrscheinlich aber immer nur sehr kurzfristig in den Griff zu bekommen sein wird. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann Quelle: DWD |
| Wetterzentrale | Top Karten |