|
Thema des Tages
|
|
Zehn Stunden Sonnenschein unter dem Dach
Das ist die Umkehrung des Spruches von den zehn Kubikmetern
Sonnenschein, die aus dem Keller gepumpt werden, wenn sich im Sommer
unerwartet ein Randtief zu uns verirrt.
Aber nun zurück zur Überschrift.
Erinnern wir uns an Facebook vom letzten Sonntag:
(https://www.facebook.com/DeutscherWetterdienst)
(Wer mit den bunten Linien nichts anzufangen weiß, findet eine
Beschreibung unter
http://www.wetterdienst.de/Deutschlandwetter/Thema_des_Tages/868/on-r
equest.)
Da wurde von einem der drei Wettervorhersagemodelle für Frankfurt am
Pfingstsamstag bedeckter Himmel und 88,992 Liter Niederschlag
vorhergesagt, also 145% des Monatssolls innerhalb eines Tages.
Und was geschah? Sonnenschein von fast 10 Stunden und kein Tropfen
Regen.
Wie kann das denn kommen, wird sich mancher fragen.
Unsere Rechnervorhersagen basieren auf einem Gitternetz, das über die
Erdoberfläche gelegt wird. Und für die Netzmaschen berechnen wir das
Wetter.
Zunächst aber müssen wir wissen, wie das aktuelle Wetter an den
einzelnen Maschen ist. Für sie gibt es aber im Regelfall keine
Messwerte. Man muss diese aus der Umgebung für diese Stellen
umsetzen.
Nun stellen Sie sich mal vor, es gäbe zwei Messstellen in 100 km
Entfernung von der Masche, die beide den gleichen Luftdruck
anzeigten.
Ist jetzt an dem Gitterpunkt ein höherer-, ein tieferer- oder gar der
gleiche Druck wie an den beiden Messstellen?
Diese Frage kann man zum Beispiel dadurch beantworten, dass man eine
ältere Vorhersage für den aktuellen Zeitpunkt als Entscheidungshilfe
benutzt.
Es ist also ein Problem, die Anfangswerte, also die meteorologischen
Größen zum Beginn der Vorhersage, zu bestimmen. Da diese vielfach
auftretenden Probleme von jedem Modell auf eine andere Weise gelöst
werden, beginnen die einzelnen Modelle mit leicht unterschiedlichen
meteorologischen Anfangswerten zu rechnen.
Selbst wenn die dann folgende Vorhersage mit den identischen
physikalischen Formeln erfolgte, käme es zu mehr oder weniger
verschiedenen Wettervorhersagen für die Folgetage.
Und welchem Vorhersagemodell glaubt man nun?
Dazu werden von jedem Modell Dutzende Rechnungen durchgeführt, bei
denen man die bekanntermaßen ungenauen Anfangswerte etwas abändert,
und versucht dann durch statistische Ansätze den wahrscheinlichsten
Wetterverlauf zu erfahren.
Und wie wir dann beim Facebookeintrag vom Montag sehen, haben sich
die Vorhersagen für den Samstag schon stark geändert.
Im Nachhinein sehen wir, dass sich alle Vorhersagemodelle in Bezug
auf den Regen für Frankfurt geirrt haben.
Sonnenschein hat nur das rote Modell prognostiziert.
Die Temperaturen haben einen Kompromiss gefunden. Es ist 20 Grad warm
geworden.
Und wie geht's weiter. Auf der Warnseite (www.dwd.de) sehen wir
bereits jetzt die Warndreiecke für Regengüsse in Verbindung mit
Gewittern und die Unwetterwarnungen vor Starkregen.
Der kräftige Niederschlag wird sich also nur etwas verspäten.
Dipl.-Met. Christop Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.05.2013
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: DWD |
| Wetterzentrale | Top Karten |