Thema des Tages
Die Rhetorik im Wetterbericht Wenn man Wetterberichte liest oder hört, tauchen immer wieder ähnliche Formulierungen auf. "Heiter bis wolkig, am Nachmittag stellenweise Schauer". Einige Begriffe werden derart oft verwendet, dass man an den rhetorischen Fähigkeiten des Autors zweifeln könnte. Die Wortwahl ist in ganz bestimmten Passagen eines Wetterberichtes aber alles andere als willkürlich. Vielmehr sind die verwendeten Begriffe und Satzbausteine in den meisten Fällen die schriftliche Ausformulierung eines exakt definierten meteorologischen Phänomens. Spricht ein Meteorologe also von "heiter bis wolkig, am Nachmittag stellenweise Schauer", hat er im Idealfall den genauen zu erwartenden Wetterablauf im Hinterkopf und möchte ihn mit dieser Formulierung ganz bewusst zur Geltung bringen. Die grobe Struktur eines Wetterberichtes ist immer dieselbe: bei der Vorhersage des Wetters für einen Tag oder eine Nacht werden hintereinander Aussagen über die Bewölkung, den Niederschlag, die Temperatur und den Wind getroffen. Meteorologen geben den Bedeckungsgrad des Himmels in "Achteln" an. Sie teilen den Himmel in Gedanken also in acht Bereiche und überlegen sich, wie viele dieser Achtel von Wolken bedeckt werden. Ein wolkenloser Himmel wird somit von 0/8 Bewölkung eingenommen, ein bedeckter von 8/8. Dazwischen stehen fast wolkenlos für 1/8, heiter für 2/8, leicht bewölkt für 3/8, wolkig für 4/8, bewölkt für 5/8, stark bewölkt für 6/8 und fast bedeckt für 7/8. Wenn also von "heiter bis wolkig" die Rede ist, dann wird ein 2/8 bis 4/8 mit Wolken bedeckter Himmel erwartet. Geht der Meteorologe davon aus, dass der Bedeckungsgrad stärker schwankt, kommen Ausdrücke wie "wechselnd bewölkt" oder "unterschiedlich bewölkt" zum Einsatz. Auch eine gewisse Unsicherheit kann dadurch verbalisiert werden. Beim Niederschlag gibt es nicht nur für die Niederschlagsphase (Regen, Schnee, Graupel, Hagel) feste Bezeichnungen. Handelt es sich beispielsweise um ein kurz andauerndes Niederschlagsereignis (unter einer Stunde) mit meist hoher, manchmal schnell wechselnder Niederschlagsintensität und eng begrenztem Niederschlagsfeld, dann wird von "Schauern" gesprochen. Ansonsten heißt es einfach nur "Regen" oder auch "länger anhaltender Regen". Exakt definierte Ausdrücke gibt es auch für den Wind. Dabei erfolgt die Einteilung nach den Windstärken in Beaufort von 0 bis 12, wobei Windstärke 0 "Windstille" und Windstärke 12 "Orkan" entspricht. Die genaue Einteilung kann dem DWD-Wetterlexikon unter Beaufort-Skala entnommen werden. Schwammiger wird es bei der Temperatur. Neben den angegebenen Zahlenwerten tauchen häufiger auch Adjektive wie zum Beispiel warm, mild, kühl oder kalt auf. Doch auch dahinter verstecken sich genau festgelegte, saisonabhängige Grenzwerte. Während bei einem kühlen Tag im Juli beispielsweise mit Temperaturen zwischen 17 und 20 °C zu rechnen ist, ist im April bei 10 bis 12 °C schon eine dickere Jacke vonnöten. Im Winter wird das Wort kühl sogar gar nicht verwendet. Beliebt sind auch die Begriffe Sommertag (Höchsttemperaturen über 25 °C), heißer Tag (Höchsttemperaturen über 30 °C) oder Eistag (Dauerfrost mit durchweg Temperaturen unter 0 °C). Selbstverständlich gibt es neben den meteorologischen Fachbegriffen und den klar definierten Ausdrücken auch unscharfe Formulierungen und Textpassagen, in denen der Meteorologe größeren sprachlichen Spielraum hat. Hier kann er dann doch sein rhetorisches Talent, seinen Wortschatz und seine Erfahrung in die Waagschale werfen. Nichtsdestotrotz sollte der Text nicht all zu sehr mit subjektiven Wertungen und sprachlichen Kniffen geschmückt werden. Denn der Wetterbericht ist ein möglichst einfach ausformulierter wissenschaftlicher Bericht, der auf Fakten, nämlich den Berechnungen der Wettermodelle und deren Interpretation durch den Meteorologen, beruht. Dass sich die als Fakten angenommenen Prognosen im Nachhinein durchaus auch mal als fehlerhaft herausstellen können, steht auf einem anderen Blatt. Dipl.-Met. Adrian Leyser Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 24.04.2014 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: DWD
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