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Wetter als Stromerzeuger - Erneuerbare Energien Früher bildeten vor allem steuerbare Energiequellen wie Kernenergie, Kohle, Öl und Gas die Basis des Energiesystems in Deutschland - dieses System befindet sich jedoch in einem grundlegenden Umbau hin zu einer nachhaltigen Stromversorgung basierend auf erneuerbaren Energien - vor allen Wind- und Solarenergie. Seit Bestehen des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) im Jahr 2000 hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung rasant entwickelt und liegt aktuell bei knapp 28 Prozent, bis 2035 sollen es 40 bis 45 Prozent und bis 2050 mindestens 80 Prozent sein (http://www.agora-energiewende.de/themen/die-energiewende). Um ein Stromversorgungssystem mit sehr großen Anteilen wetterabhängiger Erzeuger sicher betreiben zu können, muss man den primären Antrieb - also das Wetter - nicht nur global, sondern auch regional detailliert kennen und vorhersagen können. Die Wettervorhersagen liefern den Input für Leistungsprognosen, die das zu erwartende Energieangebot beschreiben. Da die Qualität stark von der zugrunde liegenden Wettervorhersage abhängt, hat sich ein neues Betätigungsfeld in der Meteorologie herausgebildet: die Anpassung der Wettervorhersagen an die Anforderungen der Energiewirtschaft. So ist das Ziel des Forschungsprojektes EWeLiNE (Erstellung innovativer Wetter- und Leistungsprognosemodelle für die Netzintegration wetterabhängiger Energieträger), bestehende Wetter- und Leistungsprognosen für Energieanwendungen zu optimieren und neue anwenderorientierte Prognoseprodukte zu entwickeln. Für die Sicherheit der Stromnetzversorgung sind vor allem Ereignisse mit extrem großen Fehlern in der Leistungsprognose kritisch. Diese Fehler stehen häufig in Zusammenhang mit bestimmten Wettersituationen. Im Hinblick auf nutzbare Solarenergie stellen die für den Herbst typischen Nebel- und Hochnebellagen kritische Wettersituationen dar. Zum einen sind diese für numerische Wettermodelle schwierig zu erfassen, zum anderen sind die Auswirkungen einer Fehlprognose (0 oder 100% Leistung) schwerwiegend. Derzeit liegt ein ausgeprägter Höhenrücken (lang gestreckter Hochdruckkeil in etwa 5,5 km Höhe) über Mitteleuropa. Dabei wird in den oberen Luftschichten von Südwesten her relativ warme Luft nach Deutschland geführt. Diese Konstellation sorgt für ruhiges und meist niederschlagsfreies Spätherbstwetter - Tiefausläufer erreichen uns, wenn überhaupt, nur sehr abgeschwächt. Im Sommer würde man bei einer solchen Konstellation sonniges und warmes Wetter erwarten. Doch wie es für den Herbst typisch ist, bleibt es aufgrund der langen Nächte und kurzen Tage oft trüb durch Nebel oder Hochnebel. Diese tiefen Wolkenarten bilden sich in bodennahen Schichten (unterhalb etwa 1,5 km Höhe) und sind für die Wettervorhersage sehr problematisch. Denn die lokal stark unterschiedliche Beschaffenheit des Untergrundes beeinflusst den Feuchtegehalt der Luft, die bodennahe Temperatur sowie die lokalen Windverhältnisse und hat daher große Auswirkungen auf Nebelbildung bzw. -auflösung. Diese sogenannten Grundschichtprozesse sind äußerst komplex und stellen immer noch eine große Herausforderung selbst für lokal hochaufgelöste Wettermodelle dar. Auch für den morgigen Sonntag bleibt die Frage, wo und wann sich Nebel- und Hochnebelfelder bilden und auflösen, weiterhin aktuell. So würde uns in großen Teilen des Landes im Falle rascher Nebelauflösung ein sehr sonniger Sonntag, damit einhergehend auch eine ertragreiche Stromproduktion aus der Sonnenenergie erwarten. Dort aber, wo sich Nebel und Hochnebel zäh halten, bliebe es ein trüber Tag mit nur magerem Stromertrag. Auch bei den zu erwartenden Tageshöchsttemperaturen spielen Nebel und Hochnebel eine große Rolle: Während bei Sonne Werte bis 16 Grad möglich sind, erreicht das Quecksilber bei Dauergrau nicht einmal die 10 Grad Marke. Laut aktuellen Prognosen sollten sich im Tagesverlauf viele Nebelgebiete lichten. Speziell am Bodensee, entlang von Donau und Oberrhein und am Südrand der Mittelgebirge könnte sich Nebel und Hochnebel jedoch auch den ganzen Tag über zäh halten. Wenn man das Pech haben sollte sich in einer Nebelregion zu befinden, kann man dem ganzen auf alle Fälle mit einem Ausflug in höhere Lagen entfliehen - höhere Mittelgebirge sollten ausreichen um ein paar Sonnenstrahlen genießen zu können. Zudem werden selbst in etwa 1500m noch Temperaturwerte um 11 Grad erwartet. Isabel Alberts Deutscher Wetterdienst WV14, Produktentwicklung und Kundenkommunikation Michael Tiefgraber Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 22.11.2014 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: DWD
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