[ Thread ansehen ] [ Zurück zum Index ]

Wetterzentrale Forum Archiv 2003 3. Quartal

ALLGEMEIN: Übersetzung d. Beitrags z. F5-Tornado v.11.09.1970

Geschrieben von: Martin Hubrig, Melle - Whh., 20 km sö. Osnabrück
Datum: 6. Juli 2003, 15:11 Uhr


Hallo Forum,

Hier die am letzten Wochenende versprochene Übersetzung zum verherrenden Tornado vom 11.September 1970 bei Venedig.

Zur Einstimmung noch mal der Direktlink zum italienischen Originalartikel mit Bildern:

http://www.geocities.com/tornadove1970/

Und nun die eher wörtliche als freie Übersetzung meines Vaters, dem ich hier noch einmal für seine Mühe ausdrücklich Dank ausspreche. Weils eine wörtliche Übersetzung ist, ist der Text in einigen Passagen sicher etwas steif. Ich denke aber, der Inhalt, auf den es ankommt, stimmt:

"11 September 1970: Tornado in Venedig

Grab: Den Opfern des Tornados

Der 11.September 1970 ist ein Datum, das noch in lebhafter Erinnerung der Venetianer ist.
An diesem Tag wurde die Lagunenstadt tatsächlich durch eine fürchterliche Katastrophe erschüttert. Ein Tornado, der in der Nähe der Euganeischen Hügel entstanden war, fiel, nachdem er Tod und Zerstörung auf dem Festland gesät hatte, mit seiner vollen zerstörerischen Kraft in der Lagune ein, wo er ein Motorboot namens Acnil ( 21 Tote ) versenkte, stärkste Zerstörungen im Stadtteil S. Elena verursachte und die Verwüstungen an der Küste von Cavallino fortsetzte und weitere 12 Opfer verursachte.
Diese Seite will eine Zusammenfassung der Geschehnisse dieses Tages in der Lagune sein.
Ich habe Informationen gesammelt, indem ich Zeitungen dieser Zeit zu Rate gezogen habe,
und ich habe Fotos von damals in einem venetianischen Fotostudio wiedergefunden, das mir freundlicherweise die Veröffentlichung nur zum Zwecke der Dokumentation gestattet hat.
Es existiert ein Foto, geknipst vom Strand von Venedig von G.P, auf dem man den Tornado sieht, der in der Form einer Wasserhose im Begriffe war, Ca’Savio zu erreichen.
Ein solches außergewöhnliches Dokument wurde im Jahrbuch der Geophysik ( Band XXV,n.3 1972 ) veröffentlicht. Leider ist es mir nicht gelungen, weitere Informationen über dieses Foto zu erlangen. Der Tornado vom September 1972 ist eine der gewaltigsten Erscheinungen gewesen, die jemals unser Land getroffen haben.
Weitere Informationen über die Windhose in Italien ( Bildung, Geschichte, Statistiken usw. )
kann man auf dieser Seite finden, die ich euch empfehle zu Rate zu ziehen:
Tornados in Italien Chronik der Katastrophe
( Quelle „ Il Gazettino „ )

20:45 Die Windhose bildete sich auf den Euganeischen Hügeln, zwischen Teolo und Revolon, verlief im Zickzack und erreichte Padova, Albignasego, Ponte S. Nicolo, Abano und Selvazzano und verursachte Schäden von 2,5 Milliarden und einen Toten.
21:15 der Wirbel kommt in der Provinz Venetien an tritt in das Gebiet von Vigonovo ein und trifft Tombelle, Calta und Fosso: 10 Häuser werden zerstört, 30 Dächer abgedeckt und fünf Personen werden verletzt.
21:20 Er kommt in Camponogara an, und der Zyklon macht 25 Häuser unbewohnbar, deckt 120 Dächer ab und verursacht vier Verletzte.
21:25 Dogaletto und Giare di Mira: 25 Wohnungen unbewohnbar, 90 beschädigt, neun Verletzte.
21:27 Fusina: Camping Fusina vollständig dem Erdboden gleich gemacht, 7 Bungalows zerstört, 30 Zelte in die Luft gewirbelt, 2000 Bäume gefällt, 7 Masten abgeknickt, 1 Toter und 14 Verletzte.
21:32 Der Wirbelwind erreicht die Isola delle Grazie, trifft das Krankenhaus, zerstört die Ziegel der Dächer, die Fassaden einiger Gebäude stürzen ein, das Innere der Brüstung auf der Lagune wird zertrümmert. Die Schäden übersteigen150 Millionen. ( Schätzung von 1970 )
21:35 Im Becken von San Marco wird das Motorboot „ Aquileia“ getroffen. Ein Tourist wird verletzt.
21:36 Der Zyklon trifft auf das Motorschiff 130 . Es geht in wenigen Sekunden unter: man zählt 21 Tote.
21:37 Der Sturm erreicht S. Elena.
Die Pappeln des Pinienwaldes fallen eine nach der anderen unter der Gewalt der Elemente,
große Bäume werden entwurzelt, ein Mensch, der sich unter einem Baum aufhält, stirbt.
Zwei Häuser werden abgedeckt, 20 erleiden starke Schäden, Bars und Geschäfte werden verwüstet. Mit einem Schlag wird der Komplex der Werft Celli ausgelöscht. Der Aufbau des Landungsstegs der Acnil wird gegen ein Haus geschleudert.
Die Mauern des Collegio Navale Morosini und des Stadions Luigi Penzo stürzen ein. Dessen Sitzreihen werden aus den Angeln gehoben und von dort wie ein Bündel Gras zum Kanal getragen. Zahlreiche Boote werden unbrauchbar.
21:40 Der Tornado erreicht S. Nicolo del Lido, noch zahlreiche Bäume werden entwurzelt, Hausdächer beschädigt, ein Flugzeug von Nicelli wird auf den Kopf gestellt, ein anderes wird etwa 100 Meter von dem Platz, an dem es die Eigentümer ließen, gefunden.
21:41 Punta Sabbioni: weitere 50 Häuser beschädigt.
21:42 Ca’Savio: Der Campingplatz Ca’Savio wird verwüstet, wo sich ca. 300 Personen befinden: 80 Zelte zerstört, 57 Bungalows dem Erdboden gleichgemacht, 40 Autos unbrauchbar.
Man zählt 12 Tote und 141 Verletzte.

Die Schäden auf dem Festland
Die Windhose bildete sich in den Euganeischen Hügeln, in der Provinz von Padova, zwischen Teolo und Revolon gegen 20.45, dann stürzte sie auf den südlichen Stadtrand der Stadt nieder, indem sie kilometerweit in einer Tiefe von 400 Metern, im Zickzack wie verrückt hin und her sprang.
In Padonien wurden fünf Gemeinden getroffen: Padova, Albignasego, Ponte S. Nicolo, Abano und Selvazzano
Die schwersten Schäden ereigneten sich in der Industriezone von Selvazzano, 3 km von der Stadt entfernt: hier verursachte der Einsturz der Werkshalle Zen den Tod eines Arbeiters und die Verletzung von vier anderen.
In der ganzen Provinz von Padova verursachte der Tornado einen Toten und 30 Verletzte, das Abdecken von 120 Häusern und die halbe Zerstörung von 30 Industrieunternehmen und Handwerksbetrieben. Insgesamt belaufen sich die Schäden auf mehr als 2,5 Milliarden.
Um 21.15 kam der Wirbelsturm in der Provinz von Venedig bei Vigonovo an, wo er 30 Häuser beschädigte und 30 Dächer abdeckte.
Er erreichte Campoverardo di Camponogara ( 25 Häuser unbewohnbar und 120 Dächer abgedeckt) und traf San Bruson di Dolo ( 40 Häuser abgedeckt ) und ging durch Giare und Dogaletto, wo er 25 Häuser beschädigte.
Nachfolgend hielt sich das Unwetter bei Fusina auf, wo es den gleichnamigen Campingplatz traf und das zweite Opfer und die Verletzung von 14 Personen verursachte.
Der Campingplatz wurde dem Erdboden gleich gemacht: 2000 Bäume und 7 Masten wurden gefällt, 30 Zelte aus der Verankerung gerissen und 7 Bungalows zerstört, ein Wohnwagen wurde ins Wasser der Lagune geworfen.

Der Tornado kommt in der Lagune an ( 21.28 Uhr )
Nachdem er Fusina verlassen hatte, trat er in das Lagunengewässer ein und erreichte nach wenigen Minuten die Isola delle Grazie, die damals ein Krankenhaus beherbergte und verursachte sehr schwere Schäden.
Die Leute, die sich in diesem Augenblick auf Flößen befanden, erzählten, dass sie den Wirbelwind hinter der Insel Giudecca in der Form einer sehr dunklen Wolke vorbeiziehen sahen, von sehr häufigen und grellen Blitzen durchquert, gefolgt von einem dauernden Donnergrollen.
Nachfolgend trat er in das Becken von S. Marco ein und stieß auf das Motorboot „Aquileia.
Das Motorboot, ein Fahrzeug von 400 Tonnen Tonnage, erlitt schwere Schäden: Das Fahrzeug begann zu zittern, als wenn es sich im Epizentrum eines Erdbebens vorfinden würde. Die ganzen Aufbauten wurden heraus gerissen und verdreht, während der Wind , wie es die Augenzeugen sagten“ das Schiff jetzt von einer Seite zur anderen verschob, so als wenn seine Hunderte von Tonnen nur Kilogramm wären. Alle Passagiere wurden auf die Erde geschleudert und ein Tourist blieb verletzt.
Hier eine Zeitzeugin: „Wir sind kurz vor dem Collegio Navale in der Höhe der Gärten
mit dem Unwetter zusammengestoßen.
Ein starkes Tiefdruckgebiet hat uns den Atem genommen, der Kapitän des Motorbootes hat drei Gefahrensignale geschickt und auf einen Schlag ist die Plastikabdeckung unter der Kommandobrücke weggeflogen und alle Türen und Fenster der Heck- und Bugkabinen
sind in die Brüche gegangen.“
Auch das Motorboot „Altino“ befand sich an der Grenze des Zyklons, der jedoch nur das Boot leicht berührte.
21:32 Der Untergang des Motorschiffes und die Zerstörung auf S. Elena
Der Unglücksort- Ein Motorschiff legt auf S.Elena an ( Bildunterschrift )
Nach dem Motorboot traf der Wirbelwind das Motorschiff Acnil 130, 22 Meter lang und 22 Tonnen schwer, das im Begriff war zum Lido zu fahren und etwa an der Anlegestelle des Schiffes angekommen war. Vom Sturm getroffen, drehte es sich zur Seite, nachdem es zweimal abgerollt war, und das Wasser begann einzudringen.
Das Fahrzeug hatte etwa 50 Personen an Bord genommen, unter ihnen waren einige ausländische Touristen. Für 21 von ihnen gab es nichts mehr zu tun, sie starben wie in einer Falle im Schiff gefangen und ertranken allmählich beim Untergang des Schiffes ( in den folgenden Tagen der Tragödie polemisierte man gegen die Tatsache, dass ein Fahrzeug mit einer Kapazität von 143 Personen nur 5 Rettungsringe besessen habe.)
Die überlebenden Zeugen sind nützlich um zu begreifen, wie sich die Ereignisse abgespielt haben.
Der Kapitän des Schiffes:“ Es war circa 21.30 Uhr, und dann habe ich auf einmal einen heftigen Windstoß bemerkt. Ich habe versucht, mich dem Landungsplatz von S. Elena zu nähern, dem nächsten Punkt.
Es war eine Angelegenheit von wenigen Sekunden. Ich habe das Motorschiff sich aufrichten
und dann sich überschlagen gesehen: eine unglaubliche Sache.
Ich habe versucht, als ich mich im Wasser befand, denen Hilfe zu leisten ,die in meiner Nähe waren, das Gebiet war dunkel und ich habe nur wenige gesehen.“
Ein anderer Augenzeuge B.B.: „ Ein starker Wind nahm mir den Atem, ich wurde ins Wasser geschleudert, dabei verlor ich meine Brille. Vom Schrecken gepackt, ist es mir gelungen, ein Stück von einem Tisch zu ergreifen, das oben schwamm, und indem ich mit einem Arm schwamm, ist es mir gelungen das Ufer des Collegio navale Morosini zu erreichen, wo mir Schüler Hilfe leisteten, ich hörte viele Schreie um mich herum , aber ich konnte nichts sehen.“
Ein anderer Augenzeuge berichtet L.Z.: „ Als der Zyklon angekommen war, saß ich am Bug auf dem ersten Platz auf der rechten Seite, ich hörte ein fürchterliches Heulen, eine Welle hat das Motorschiff hoch gehoben und hat es dann auf den Kopf gestellt.
Als es einige Sekunden danach wieder gerade auf dem Wasser lag, war es zu drei Viertel untergetaucht.
Ich bin aus einem Fenster von links ausgestiegen, während das Motorschiff im Wasser verschwand, habe ich geholfen , dass 5-6 weitere Personen das Ufer erreichten.“
Eine gerettete Frau erinnert sich an das Blutbad:
„Ein sehr heftiger Windstoß, der Regen hat begonnen wie Hagel zu schlagen, das Motorschiff
ist zwei- oder dreimal gerollt, dann sind die Lichter ausgegangen und ich bin von einer Seite zur anderen geschleudert worden; ich habe einen Lärm von zerbrochenen Fensterscheiben gehört und das Wasser ist in Strömen in das Motorschiff eingedrungen.
Das Motorschiff hat sich überschlagen und ich bin oben gegen den Boden des Bootes gedrückt worden, wo mir eine Luftblase erlaubt hat zu atmen.
Ich habe nichts mehr gehört, es war absolute Finsternis, dann bin ich von einer Strömung mitgerissen worden, ich habe ein offenes Fenster getastet und bin nach draußen entwischt.
An der Oberfläche waren Menschen die schrieen und leblose Körper, ich bin nahe am Landungssteg angekommen und einer hat mich hochgezogen.“
Ein Mann A.B. der sich in einer Kabine am Heck befand:
„Als es zu regnen begann, sind alle hinabgestürzt die Fenster zu schließen und so haben sie ahnungslos die möglichen Fluchtwege verschlossen.
Als das Motorschiff plötzlich das erste Mal schleuderte, sind alle auf die gegenüber liegende Seite gestürzt und trugen nach meiner Meinung dazu bei, dass das Boot noch instabiler wurde.
Nach zwei oder drei trockenen Schlägen hat sich das Boot überschlagen, ich habe versucht auszusteigen, aber alle waren nahe an der Tür, die zur Kabine führte, dann ging ich ging in Richtung des Ausgangs zum Heck zu, ich war in Schwierigkeit, ich bekam keine Luft und die Sicht war mir getrübt.
Während das Motorschiff mit dem Bug unterging, entstand eine Luftblase, mit deren Hilfe es mir gelang, die Oberfläche zu erreichen, wo ein starker Wind und hohe Wellen waren.“
Das Motorschiff ging langsam auf den Grund der Lagune in drei Meter Tiefe unter, als die
Hilfstruppen eintrafen, die Froschmänner begannen um 22.00 Uhr mit der Bergung der Leichen, die kurz vor Mitternacht beendet war.
Nachdem der Wirbelwind mit dem Motorschiff Acnil zusammengestoßen war, säte er Zerstörung auf S. Elena, wohin er Tod und Verwüstung trug: Bäume wurden entwurzelt, die Dächer wurden von den Häusern gehoben und Kioske wurden Hunderte von Metern fortgeschleudert.
Der Pinienhain von S. Elena nach dem Tornado ( Bildunterschrift )
Ein Mann wurde im Pinienhain von einem Baum tödlich getroffen.
In der Bar „Camorri“ wurden zwanzig Stammkunden, die beabsichtigten Karten zu spielen, buchstäblich von der Erde gehoben, mit Stühlen und Tischen unter einer Flut von Gläsern gegen eine Mauer geschleudert .
Die Zuschauertribünen aus Eisen im Stadion Penzo flogen wie Halme und wurden über den Kanal geworfen, der die Insel vom Stadion trennt.
Eine Brücke der Acnil wurde 200 Meter vom Ufer gefunden, während mehrere Boote in den verwüsteten Pinienhain geschleudert wurden.
Hier eine Beschreibung jener Tage von S. Elena ( Quelle:“Il Gazzettino )
„Der Stadtteil ist nicht wiederzuerkennen: man sieht die Straßen bedeckt mit Ziegelsteinen,
herausgerissenen Fenstern und hochgehobenen Booten.
Der Kiosk des Fahrkartenschalters der Acnil befand sich in 50 Metern Entfernung gegen die Häuser zusammengerollt.
Das, was ein Pinienhain war, ist heute ein Haufen von zerbrochenen Stämmen, ein Gewirr von Ästen, Blechen und elektrischen Drähten.
Die Bäume entlang der Lagune sind sauber abgebrochen, viele in derselben Höhe.
Die Bar der Insel hat ein eingestürztes Schutzdach. Die Fenster sind zerstört, drinnen ist ein Gewirr von Tischen, Stühlen und zerstörten Flaschen.
Viele Dächer sind zerstört, übrig geblieben ist nur das Gebälk aus Holz, die Ziegel sind auf der Erde zu Haufen verstreut, zusammen mit den Trümmern der Schornsteine, mit Gebälk und Türen, von denen man nicht versteht, von wo sie angekommen sind.
Als wir im Stadion angekommen sind, sahen wir, dass eine Umfassungsmauer verschwunden ist, aber die Trümmer sind nicht da, sie sind vom Tornado in den Sog gezogen worden.
Der Boden ist zu Haufen hoch gehoben ,es scheint, dass man in einem gepflügten Feld geht.
Nahe dem Stadion, im Kanal, bemerkt man die Tribünen aus Eisen, die wie Halme hoch gehoben wurden und mit der Basis gegen das Ufer geschleudert wurden, das zum Kanal hinabsteigt.
Die Infrastruktur des Stadions ( Bildunterschrift )
Auf der Brücke zum Stadion befindet sich ein großer Baum mit sauberen Wurzeln, der Tornado hat alle Erdspuren entfernt.
Im Stadion sind die Schäden noch bedeutender: eine Umfassungsmauer mit einer Stärke von mehr als 20 cm ist eingestürzt; weiter vorn ist der Anblick noch furchtbarer: die ganze Mauer, die den Eingang an der Seitentribüne begrenzt, ist bis zum Grund verschwunden, eine dicke Wand von stabilen Ziegeln ist eingerissen und dann von der furchtbaren Kraft des Tornados in den Sog gezogen worden.
Foto Bertarello-Venezia Reproduktion verboten
Stadion und Segelbereich ( Bildunterschrift )
In den benachbarten Alleen des Stadions sind andere Ziegelsteinmauern zerstört, viele Bäume sind umgefallen, viele Fernsehantennen sind mit Dachrinnen und Gitterwerk zusammengestoßen.
Das Wüten des Windes hat schwere Bleche gebogen und zusammen gefaltet und dicke Röhren aus Eisen zu einem Daumegebogen , in den Geschäften sind die Rollläden abgerissen; der Eindruck ist, dass das Gebiet einer Bombardierung unterworfen wurde.“
Die Schäden an der Küste
Nachdem die Windhose S. Elena verlassen hatte, erreichte er den Flughafen „Nicelli“ auf dem Lido von Venedig, wo er einige Geräte und Wohnungen zerstörte.
Der Wirbelsturm beschädigte stark das Meteorologische Observatorium auf dem Lido, dennoch gelang es einigen Instrumenten die außerordentliche Gewalt des Wirbelsturms zu bezeugen: das Barometer registrierte zwei starke Luftdruckabfälle., während der Windmesser, ein Instrument zur Messung der Windgeschwindigkeit außerhalb der Skala Windstöße mit einer Geschwindigkeit von mehr als 220 km pro Stunde registrierte.
Der Sturm beendete sein zerstörerisches Werk an der Küste bei Punta sabbioni und Ca’Savio ,wo er gänzlich den gleichnamigen Campingplatz zerstörte.
Der Tornado zerstörte den Campingplatz, als der größere Teil der Gäste beim Essen war oder es gerade beendet hatte. Das ganze dauerte wenige Minuten.
Die Schäden an der Küste (Bildunterschrift )
Hier einige Zeitzeugen: „Die Bäume flogen wie Halme, aber mit der Gewalt der Projektile der Artillerie und zerstörten alles bei ihrem Vorbeisausen: wer getroffen wurde, dem blieb der Bauch aufgeschlitzt, der Kopf zertrümmert oder der Brustkorb zerquetscht.
Der Parkplatz schien von einer Druckwalze überquert zu werden: Stücke von Wohnwagen, Autos und Bungalows.“
Der Anblick, der sich den Rettern zeigte, war schrecklich: wie Grashalme hoch gehobene Wohnwagen, jahrhundertealte entwurzelte Bäume, durch die Luft geschleuderte Zelte, zerstörte Bungalows und Kraftfahrzeuge, die wie Spielbälle gerollt wurden: alles in etwa zwei Minuten.
Die Hilfe wickelte sich mit bemerkenswerter Schwierigkeit ab, das Gebiet war dunkel und entlegen: die Kabel der elektrischen Energie und der Telefonleitungen waren zusammen gebrochen.
Auf dem Campingplatz waren 57 der 58 Bungalows dem Erdboden gleich gemacht, das Restaurant mit den angebauten Geschäften und die Bar waren zerstört, 80 Zelte waren auf dem Park von 280 Tausend Quadratmetern verstreut.
Alle Wohnwagen außer einem, dem größten ( der während des Tornados buchstäblich zweimal hoch gehoben wurde ) wurden zerstört oder auf den Kopf gestellt; 40 Autos, auch die mit großem Zylinder, wurden auf den Kopf gestellt oder nicht mehr zum Gebrauch geeignet zurück gelassen.
Wenige Schritte vom Streifen, den der Zyklon passierte, war alles normal, nicht eine Blume, ein Grashalm gebrochen.
Der Wirbel hatte einen umher hüpfenden Verlauf. Um sich innerhalb eines Streifens von 300 Metern zu erhalten, hüpfte er ruckweise vor, um im Wechsel zu treffen: in der Umgebung des Campingplatzes blieb alles unversehrt, während es in Punta Sabbioni noch zerstörte oder beschädigte Häuser gab. Noch bis zur Morgendämmerung wurden Tote und Verletzte und Trümmer unter den Bäumen hervorgeholt.
Im gesamten Küstengebiet zählte man 12 Opfer und 141 Verletzte.

Quellen:
Il Gazzettino ( Jahrgang 1970 )
“ Der Tornado, der die Lagune von Venedig am 11.September 1970 traf“- R. Janeselli
( Auszug aus den „Jahrbüchern der Geophysik“ Band XXV, n.3. 1972 )

Du bist der Besucher Nummer

Diese Seite ist noch in Bearbeitung.
Wer imstande ist, weitere Informationen oder fotografisches Material über diese Tragödie zu liefern, kann sie an folgende e-mail-Adresse liefern:
Marcello-foco @innocent.com.

Achtung
Die Schwarzweiß-Bilder auf dieser Seite sind Eigentum des fotografischen Studios Bertarello aus Venedig.
Ihre Kopie und Verbreitung sind ohne die Zustimmung der Eigentümer verboten."

Auch wenn ich aus Zeitgründen im Moment nicht näher auf den Text eingehen kann, doch soviel:
Aufgrund einiger Details in den Beschreibungen ist m. M nach der Fall eindeutig in F5 einzustufen, wobei, wie bei Tornados üblich, die höchste Intensität, die zur Einstufung verwendet wird, oft nur kleinräumig erreicht wird.
Ich finde, diser Absatz sagt hierzu alles:
"...Im Stadion sind die Schäden noch bedeutender: eine Umfassungsmauer mit einer Stärke von mehr als 20 cm ist eingestürzt; weiter vorn ist der Anblick noch furchtbarer: die ganze Mauer, die den Eingang an der Seitentribüne begrenzt, ist bis zum Grund verschwunden, eine dicke Wand von stabilen Ziegeln ist eingerissen und dann von der furchtbaren Kraft des Tornados in den Sog gezogen worden. ..."

und hier nochmal der Link zur bereits begonenen Übersetzung von Armin:

http://wetterchronik.de/tornadovenedig/tornadove1970.htm

Leider ist auf den beiden bei TorDACH verlinkten italienischen Seiten, die gleichwohl andere spektakuläre, wie katastrophale Tornadoreignisse aufführen, nichts über diesen Fall zu finden.

http://www.datameteo.com/report/

http://www.tornadoit.org/

Dies alles auch als Anregung für das Voranbringen eines europäischen Skywarn-Netzwerkes, denn auch wenn dieses Jahr schon einige Tornados auch in D Schäden angerichtet haben, der nächste "richtige Brummer" (F4 oder F5), der auch Opfer fordern wird, kommt bestimmt. Vielleicht schon in einer Woche, oder auch erst in 50 Jahren. Das ist das spannende... .

Viele Grüße,

Martin

Beiträge in diesem Thread

-- --

[ Thread ansehen ] [ Zurück zum Index ]

Wetterzentrale Forum Archiv 2003 3. Quartal wird administriert von Georg Müller mit WebBBS 5.12.