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Wetterzentrale Forum Archiv 2000 2. Halbjahr
ALLGEMEIN: Heute vor 22 Jahren fuhr ich von Kiel nach...
Geschrieben von: Martin aus Kiel
Datum: 27. Dezember 2000, 15:15 Uhr
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Schleswig, um dort, wie ich es damals schon seit Jahren zu tun pflegte, in einem kleinen Einzelhandelsgeschäft in der Innenstadt Silvesterartikel zu verkaufen. Dass ich diesmal aber nur am 28.12. etwas verkaufen würde, und die übrigen Tage nur Schnee schaufeln durfte, wußte ich auf dem Weg nach Schleswig allerdings noch nicht. Übernachtet habe ich vom 27.12. auf den 28.12. bei einem meiner Brüder, der zu der Zeit in meiner ehemaligen Wohnung in Schleswig wohnte. Wohnung wäre vielleicht zu viel gesagt, es war eine Behausung, genau gesagt ein ehemaliges Milchgeschäft mit einer riesigen Schaufensterscheibe und einer daneben befindlichen richtigen Ladentür. Beides einfach verglast. Auch das sollte sich noch bitter rächen. Am 28.12. regnete es in Schleswig wie aus Kübeln. Das Geschäft lief widererwartend gut. Aber dieser Laden in der Innenstadt machte sein Geschäft eigentlich immer an den Tagen, an denen eigentlich diese Artikel noch nicht hätten verkauft werden dürfen. Noch heute erinnere ich mich daran, dass ich dann am Abend nach Geschäftsschluß um ca. 18:30 Uhr Mühe hatte, in die ca. 4-5Km entfernte Wohnung meines Bruders zu gelangen. Zu Fuß natürlich. Denn inzwischen mischten sich Schneeflocken unter den Regen und der Wind frischte dermaßen mächtig auf, dass ich Mühe hatte, nicht vom rechten Weg abzukommen. Am nächsten Morgen traute ich meinen Augen kaum. Draußen Schnee ohne Ende und in der Bude bittere Kälte. 8°C Zimmertemp. bei voller Ofen-Heizung. Vor Übermut machte ich die "Ladentür" auf, um mich an den Schneemassen zu ergötzen. Und das hätte ich wohl nicht machen sollen. Sie ging nach Osten hin auf und der gesamte Schnee vor dieser verdammten Tür kam in den "Verkaufsraum", das Wohnzimmer. Die Tür ging nicht wieder zu. 10 Bft. drückten von außen gegen die Tür. Den Schnee mußten wir rausschaufeln aus der guten Stube. 10 Minuten bei offener Tür und der sowiso herrschenden Kälte in dieser Wohnung. Es war wie in 4500m Höhe auf einem Berg mitten im Schneesturm. Das Schaufenster hatten wir mit Decken gegen die Kälte zugehängt. Innen, auf der Schaufensterablage, lag Schnee, der nicht wegtaute. Das Fenster bis oben hin mit einer 1cm dicken Eisschicht mit schönsten Eisblumen dichtgefroren. Gegen 11 Uhr dann in die Innenstadt gestampft. 2 Std. habe ich wohl gebraucht. Schneeverwehungen, wie ich sie noch nie erlebt habe, keine Autos auf den Straßen, nur Bundeswehrfahrzeuge und schaufelnde Menschen. Vor dem Knallerladen 1,50m Schnee mit zusätzlichen Verwehungen. Den Schnee konnte man nirgens hinschaufeln, weil kein Platz. Jeder schob es zum Nachbarn und der wieder zurück. Der Schnee wurde von Bundeswehrfahrzeugen dann aus der Ladenstraße abgefahren und in die nahe Schlei gekippt. Am Hafen von Schleswig wurde der Schnee ins Wasser gekippt, was zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Eis bedeckt war. Anstelle der Schiffe lag Schnee Schnee und nochmals Schnee an den Kaianlagen. Verkauft habe ich kaum noch was. Aber ich hatte zum Jahreswechsel noch ein reichhaltiges Angebot für mich selber. Knallen war verboten zur Jahrewende 78/79. Aber ich konnte es nicht lassen. Das Zeug mußte weg. Und ich konnte mir auch sicher sein, dass mich die Natur selber vor Zugriffen durch die Ordnungshüter schützen würde. So war es dann auch. Ja ja, morgen vor 22 Jahren...,da gab es noch richtige "Unwetter" Gruß aus Kiel
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