DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

15-04-2019 09:30
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 15.04.2019 um 10.30 UTC



Mildes bis warmes, meist trockenes Frühlingswetter ohne signifikante
Wettergefahren. Teils frischer Nordostwind mit vereinzelten starken Böen. Ab
Montag im Osten etwas wechselhaftere und weniger warme Witterung möglich.
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Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 22.04.2019


Donnerstag ... reicht ein im Abtropfprozess befindlicher Langwellentrog vom
zentralen nördlichen Atlantik bis an die Küste Marokkos. Ein weiterer
umfangreicher Trog lagert über Südosteuropa und dem östlichen Mittelmeerraum.
Dazwischen befinden sich Teile West- und Mitteleuropas im Bereich eines Rückens,
der Verbindung mit hohem Geopotential über Nordeuropa aufnimmt. Am Boden sind
die Druckverhältnisse geprägt von der weiterhin sehr beständigen und sich kaum
verlagernden Antizyklone mit Schwerpunkt über Fennoskandien sowie tiefem
Luftdruck über der Iberischen Halbinsel. Während der Südwesten Deutschlands am
Rande des Langwellentroges zunehmend in den Zustrom warmer Meeresluft kommt (T
850 hPa bis +9 Grad), ist die Luftmasse an der Ostsee bei beständigem
Nordostwind deutlich kühler (T 850 hPa um +4 Grad). Demzufolge werden im Westen
als Tagesmaximum um 23 Grad erreicht, an der Ostsee bei auflandigem Wind
hingegen nur um 15 Grad.

Karfreitag ... findet der Abtropfprozess des Troges über Südwesteuropa seinen
Abschluss. Das Höhentief positioniert sich zum Mittagstermin mit seinem Kern
über dem Süden Spaniens. Der markante Trog über dem östlichen Mittelmeerraum
bleibt erhalten, zudem werden dessen Randbereiche durch den sich verstärkenden
Keil über Mitteleuropa ostwärts abgedrängt. Bodennah ändert sich mit dem
umfangreichen Hoch über Nordeuropa nur wenig, die Luftmasse wird aber auch im
Nordosten Deutschlands wärmer (T 850 hPa um +6 Grad). Damit ist die
Überschreitung der 20-Grad-Marke in vielen Regionen wahrscheinlich, nur in den
küstennahen Gebieten bleibt es etwas kühler. Niederschläge sind weiterhin nicht
im Programm.

Karsamstag ... bleiben die synoptischen Grundmuster weitgehend erhalten. Im
deutsch-französischen Grenzgebiet zeigt sich aber ein kleinräumiges Höhentief,
das im Südwesten Deutschlands ein wenig Regen bringen kann. Dessen Konsistenz
ist aber als schlecht zu bezeichnen, daher müssen hinter den Niederschlag
zumindest zwei Fragezeichen gesetzt werden. An der Temperierung der Luftmasse
gibt es keine großen Änderungen.

Ostersonntag ... befindet sich das vorher erwähnte Höhentief weiterhin im
Bereich der Iberischen Halbinsel. Die Zone des hohen Geopotentials reicht nun
von den Großbritannien bis zum Bottnischen Meerbusen sowie von Libyen bis nach
Mitteleuropa. Osteuropa gelangt dagegen zunehmend wieder in den Bereich des
Langwellentroges, wobei ein darin eingelagertes ausgeprägtes Höhentief vom
Baltikum in die nach Weißrussland zieht. Die Auswirkungen auf das
Wettergeschehen in Deutschland sind aber zunächst kaum wahrnehmbar, es bleibt
mild und überwiegend sonnig.

Ostermontag ... nähert sich das besonders in höheren Atmosphärenschichten
ausgeprägte und mit Kaltluft gefüllte Tief (Kaltlufttropfen) langsam der
östlichen Landesgrenze an, der Westen Deutschlands bleibt im Bereich hohen
Geopotentials. Einhergehend mit dem KLT sickert in den Nordosten wieder etwas
kühlere Luft ein (T 850 hPa dort um +2 Grad, im Südwesten hingegen um +10 Grad).
Damit sinken auch die Tageshöchstwerte wieder etwas, auch die Sonne wird nicht
mehr in allen Regionen über längere Zeit zum Zug kommen.

Erweiterte Mittelfrist: Das Höhentief könnte weiterhin den Osten und Nordosten
Deutschlands beeinflussen, allerdings kommen auch die westlichen Landesteile in
den Randbereich eines sich vom Nordatlantik nach Südwesteuropa ausdehnenden
Troges. Die Schauerwahrscheinlichkeit steigt damit zum Dienstag und Mittwoch
etwas an, an den Alpen kann es föhnig werden.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des aktuellen Laufs mit den Vorläufen kann als gut bewertet
werden. Das für Karsamstag erwartete kleine Höhentief über dem Südwesten
Deutschlands, das eventuell ein paar Schauer bringen kann, ist aber noch sehr
unsicher. Dagegen zeichnet sich ab, dass das Szenario eines KLT im Nordosten
Deutschlands während der ersten Hälfte der kommenden Woche wahrscheinlicher
wird. Dieses wird in seiner Stärke von Lauf zu Lauf progressiver gerechnet. Bis
Ostersonntag sollte die Prognose aber in weitgehend "trockenen Tüchern" sein.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Zwischen den verschiedenen Modellgruppen gibt es nur relativ wenig Unterschiede.
Das am Karsamstag eventuell schauerauslösende Höhentief im Südwesten wird von
ICON und GFS nicht so gezeigt. Interessanter wird der Einfluss des KLT im
Nordosten Deutschlands ab Montag. ICON simuliert dort vermehrt Schauer, teils
auch Gewitter. GFS belässt das Höhentief dagegen über Osteuropa.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen für mehrere verschiedene Orte im Bundesgebiet weisen für die T
850 hPa bis zum Wochenende nur eine geringe Schwankungsbreite auf. Dabei
verläuft diese im Süden, Südwesten und Westen in einem etwas höheren Niveau als
im Norden und Nordosten. Mit Ostersonntag nimmt die Unsicherheit im Nordosten
und Osten im Zusammenhang mit dem zyklonalen Einfluss und der Advektion von
kühlerer Kontinentalluft etwas zu. Anfang der kommenden Woche ist die
Schwankungsbreite in diesen Regionen erheblich. Relevante Niederschlagssignale
zeigen sich erst in der kommenden Woche.

Cluster +120 bis +168h: Es liegen 3 Cluster vor, die weitgehend ein "Blocking"
repräsentieren. Markante Unsicherheiten für Mitteleuropa ergeben sich daraus
nicht.
Cluster +192 bis +240h: Die Clusteranalyse wird in der erweiterten Mittelfrist
deutlich heterogener. Zum einen erhöht sich die Clusteranzahl auf 4, zum anderen
mischt sich zunehmend das Zirkulationsmuster "positive NAO" und "negative NAO"
hinzu. Der zyklonale Einfluss wird jedenfalls etwas ansteigen.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Signifikante Wettererscheinungen werden im Mittelfristzeitraum nicht erwartet.
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Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW-det, EZMW-prob, MosMix
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VBZ Offenbach / Mag.rer.nat. Florian Bilgeri