Thema des Tages

19-10-2018 09:50

Wann wird's mal wieder richtig regnen?

Rudi Carrells Frage, wann es mal wieder richtig Sommer wird, brauchte
man sich in diesem Jahr wohl nirgendwo in Deutschland stellen. "Wann
wird's mal wieder richtig regnen?" ist 2018 die eigentliche Frage. Im
diesjährigen äußerst regenarmen Hitzesommer sorgte das Thema Dürre
inklusive den Folgen wie Ernteeinbußen, Wald- und Flächenbrände,
ausgetrocknete Flüsse und verdorrte Wiesen für viele Schlagzeilen.
Die Hitze ist nun vorbei, aber wie sieht es eigentlich mit der
Trockenheit aus? Wir schreiben heute Tag 292 des Jahres 2018 und
damit sind genau vier Fünftel des Jahres vorüber. Zeit genug, sich
die bisher gefallenen Regenmengen etwas genauer zu betrachten.


In unten angefügter Abbildung ist die aus Radardaten abgeleitete und
mit Messstationen angeeichte Verteilung des Jahresniederschlags bis
18.10.2018 dargestellt. Dabei sind schon auf den ersten Blick große
regionale Unterschiede erkennbar. Wie in den meisten Jahren ist
direkt am Alpenrand und im Südschwarzwald mit 1000 - 1300 mm der
meiste Niederschlag gefallen (vieljähriges Mittel des
Ganzjahresniederschlags: ca. 1200 - 2000 mm). Auch generell blieb der
Süden Deutschlands von einer größeren Trockenheit weitgehend
verschont. Zwar gab es auch dort bisher weniger Regen/Schnee als im
vieljährigen Mittel, allerdings sind die Abweichungen noch
vergleichsweise moderat (vgl. z.B. München im Diagramm).


Ganz anders sieht es allerdings in Teilen des Ostens aus. Vor allem
im Großteil von Sachsen-Anhalt, im Thüringer Becken, in der Leipziger
Tieflandsbucht, in der Oberlausitz, im Wendland (östl. Niedersachsen)
sowie in Teilen von Brandenburg und Vorpommern fielen verbreitet
weniger als 300 mm Niederschlag. Mancherorts wurde in den letzten gut
9 1/2 Monaten sogar nur um 200 mm registriert. Damit regnete es teils
weniger als die Hälfte der üblichen Menge in diesem Zeitraum. Die
beiden Wetterstationen mit dem geringsten Niederschlag sind Jeßnitz
und Wittenberg im Osten Sachsen-Anhalts mit 200,2 mm (46% des
vieljährigen Mittels bis 18.10.) und 202,1 mm (43%). Ähnlich trocken
war es in Artern (202,3 mm; 50%) im Norden Thüringens sowie in Lüchow
(234,6 mm; 51%) im Wendland, um nur einige Beispiele zu nennen. Dort
kann man zweifelsohne von einer außergewöhnlichen Trockenheit
sprechen. Zwar gehören viele dieser Gegenden ohnehin zu den
trockensten "Flecken" Deutschlands (vieljähriges Mittel des
Ganzjahresniederschlags: ca. 450 - 550 mm), aber derart geringe
Regenmengen sind selbst dort rekordverdächtig und erinnern eher an
Steppenklima. Viele Leute warten daher sehnlichst auf länger
anhaltenden Landregen.


In den genannten Regionen war die Trockenheit zwar besonders
ausgeprägt, aber es regnete generell in Deutschland bisher (deutlich)
zu wenig. Darunter waren insbesondere die tieferen Lagen betroffen,
in denen ein Großteil der Ackerlandwirtschaft betrieben wird.
Vielerorts sind bislang nur zwischen 300 und 400 mm Niederschlag
gefallen. Das entspricht meist nur zwei Drittel oder weniger der
sonst üblichen Menge und damit verbreitet einem Niederschlagsdefizit
von rund 150 - 250 mm (teils auch mehr), wie man dem unten angefügten
Diagramm entnehmen kann. Kein Wunder, dass derzeit viele Pegel an
Rhein, Elbe und weiteren Flüssen im Bereich der oder unter den
bisherigen Niedrigwasser-Rekordmarken liegen.


Dennoch gibt es einige wenige Gegenden, die von der Trockenheit
weitgehend verschont blieben. Süddeutschland wurde bereits erwähnt,
aber auch von der Westeifel bis zum Pfälzerwald sowie einige weitere
Mittelgebirgsregionen bekamen mit 500 bis 700 mm noch relativ viel
vom "kostbaren Nass" ab. Beispielsweise lagen die Regenmengen im
Saarland im Normalbereich (vgl. z.B. Saarbrücken), wobei aber über
200 mm alleine auf einen nassen Januar zurückzuführen sind.


Wie deutlich letztendlich die Abweichung am Jahresende sein wird und
ob diese auch Auswirkung auf die Landwirtschaft und Vegetation im
nächsten Jahr haben wird, bleibt abzuwarten. Schließlich haben wir
noch gut zwei Monate vor uns. Aber bis das Regendefizit ausgeglichen
ist, wird es sicherlich noch eine ganze Weile dauern.


Und wann wird's mal wieder richtig regnen? Leider kann der Autor
diese Frage nicht vollständig beantworten. Am Wochenende beschert uns
Hoch WOLFGANG weiterhin ruhiges Wetter. Allerdings wird es nicht mehr
überall lupenreinen Sonnenschein geben. Zu Wochenbeginn baut sich
über dem Atlantik ein neues und sehr mächtiges Hoch auf. An dessen
Ostflanke werden ab Montag nach langer Zeit wieder Regenfronten von
Norden her nach Deutschland geführt, wobei tendenziell die
Nordosthälfte sowie Nordstaulagen mehr Regen abbekommen als die
Südwesthälfte. Dieser Regen beendet zwar die aktuelle Trockenphase
und die eingerosteten Scheibenwischer kommen mal wieder zum Einsatz,
eine Umstellung zu einer regenreichen Westlage ist dies aber nicht.
Länger anhaltende und kräftige Regenfälle sind in den meisten
Regionen nicht in Sicht.


Dipl.-Met. Dr. Markus Übel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.10.2018

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