DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

31-08-2018 10:01
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 31.08.2018 um 10.30 UTC



Zunächst sommerlich warm, gebietsweise gewittrig. Zum darauffolgenden Wochenende
hin zunehmend antizyklonal und weiter warm - allerdings konträre ECMWF-Lösung!
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 07.09.2018


Am Montag befindet sich ein Langwellentrog über dem nahen Ostatlantik und
beeinflusst Island und die Britischen Inseln mit seiner Hauptachse. Ein
kräftiges Bodentief befindet sich bei Spitzbergen. Die davon ausgehende Front
erstreckt sich nahezu ortsfest entlang der norwegischen Küste über England bis
zur Biskaya.

Weiter östlich anschließend findet sich ein kräftiger und breiter Höhenrücken
mit eigenständigem Höhenhochkern, der sich von Dänemark bis nach Westrussland
erstreckt. Zusammen mit dem Höhenrücken über dem östlichen Nordatlantik, kann
sich damit am Boden eine Hochdruckbrücke aufbauen, die einzig im Bereich der
Front eine Schwachstelle aufweist. Vor allem der Norden von Deutschland
profitiert von der Antizyklonalität. So bleibt es dort vielfach trocken und auch
sonnig.

Für den Rest des Landes ist ein Höhentief von Interesse, das sich mit Zentrum
über Nordostitalien befindet und sich kaum im Bodenfeld abbildet. Die davon
ausgehenden Feuchtefelder sorgen in Teilen der Mitte und der südlichen
Landesteile für eher unbeständiges Wetter mit schauerartigen Niederschläge und
Gewittern. Allerdings sind die Unsicherheiten bezüglich der genauen Lage der
Schwerpunkte noch groß.

Bei der Temperatur bewegt man sich meist im sommerlichen Bereich mit 21 bis 27
Grad, wobei mit Sonnenunterstützung die höchsten Werte erwartet werden.

Am Dienstag verabschiedet sich das Höhentief allmählich in Richtung Balkan,
sodass sich am Boden von Westen kommend der Hochdruckeinfluss sowohl in der
Höhe, als auch am Boden verstärkt. So ganz astrein ist die Lage aber noch nicht.
So erkennt man beispielsweise im 500 hPa-Feld bei kaum vorhandenen
Potentialgegensätzen vor allem nach Westen und Nordwesten hin gewisse
kurzwellige Anteile. Diese sind es dann wohl auch, die dafür verantwortlich
sind, dass sich in 700 hPa Feuchtfelder befinden, die Teile des Landes
beeinflussen. Dementsprechend werden vom ECMWF vornehmlich für den Westen und
Nordwesten zeitweise schauerartige Niederschläge und Gewitter vorhergesagt.

Die Unsicherheiten sind allerdings noch vergleichsweise groß. Dabei bleibt das
Temperaturniveau aber auf jeden Fall auf sommerlichem Niveau zwischen 22 und 27
Grad.

Am Mittwoch liegt Deutschland weiter am Rande es kräftigen Hochs mit Zentrum
westlich der Britischen Inseln. Dieses hat gewisse Verbindungen zu dem Hoch über
Westrussland, sodass die Hochdruckbrücke insgesamt weiter besteht.

In der Höhe lassen sich allerdings weiterhin gewisse Schwachstellen erkennen.
Relevant für den Mittwoch ist ein Kurzwellentrog im 300 hPa Feld, das sich auch
im 700 hPa-Feuchtefeld wiederfindet.

Als Folge muss vornehmlich in der Nordwesthälfte mit zeitweise dichteren
Wolkenfeldern sowie schauerartigen Niederschlägen und Gewittern gerechnet
werden. Daneben gibt es aber vor allem nach Süden und Osten hin auch Regionen
mit längeren sonnigen Abschnitten.

Das Temperaturniveau bleibt ähnlich mit Höchstwerten zwischen 23 und 28 Grad.

Am Donnerstag zieht der Haupttrog in Richtung Zentraleuropa weiter und tropft in
weiterer Folge über Jütland ab. Das resultierende Höhentief wird verhältnismäßig
stark vorhergesagt und bleibt über längere Zeit nahezu ortsfest liegen.
Rückseitig strömen deutlich kältere Luftmassen nach Deutschland, wobei die 5
Grad Isotherme in 850 hPa bis zur Mitte vorankommt.

Passend zum Höhentief findet sich auch am Boden ein Tiefdruckgebiet, mit Zentrum
über dem Kattegat. Auf seiner Rückseite kann sich ein kräftiger
Luftdruckgradient über der Nordsee aufbauen, sodass sich über dem Nordwesten
Deutschlands eine lebhafte und böige nordwestliche Strömung aufbaut.

Auch sonst sehen beide Tage eher wechselhaft aus mit zeitweise dichteren
Wolkenfeldern und gebietsweise auch schauerartigen Niederschlägen und teils
Gewittern.

In der erweiterten Mittelfrist bleibt das Höhentief nahezu ortsfest liegen und
verbindet sich in weiterer Folge mit dem Trog über Skandinavien. Gleichzeitig
baut sich stromaufwärts ein stark amplifizierter Höhenkeil auf. Damit ergibt
sich zusammen mit dem persistenten Rücken über Westrussland eine ziemlich
stabile Omegalage. Deutschland würde dabei direkt im Einflussbereich des
Höhentief/Troges in einer vornehmlich nordwestlichen Strömung verbleiben. Damit
würden kalte Luftmassen advehiert und das Wetter würde sich wechselhaft
gestalten, mit gebietsweise schauerartigen Niederschlägen und auch kurzen
Kaltluftgewittern.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Zu Beginn der Mittelfrist ist die Konsistenz zwischen den verschiedenen
ECMWF-Läufen noch ziemlich gut. So lassen sich alle im Haupttext angesprochen
Druckgebilde in einer nahezu identischen Lage wiederfinden.

In der zweiten Wochenhälfte werden die Unsicherheiten dann deutlich größer. Die
Unsicherheiten sind gekoppelt an der Entwicklung des Langwellentroges über dem
Nordmeer, der sich in weiterer Folge deutlich amplifiziert und zum Freitag
abtropft. Genau dieser Abtropfprozess fand bei den beiden Vorläufen noch weiter
östlich und nördlich statt. Im Vorlauf (Do 12 UTC) tropfte das Höhentief erst
zum Samstag und über Polen ab. Bei gestrigen 00 UTC Lauf fand der Abtropfprozess
am Freitag aber noch weiter östlich statt.

Während damit den Vorläufen folgend Deutschland allenfalls von der Rückseite
gestreift werden würde und nachfolgend der sich stark amplifizierende Höhenkeil
wieder für Stabilisierung und Zufuhr wärmerer Luftmassen sorgen würde, verbliebe
Deutschland nach der neuesten Lösung direkt im Trogbereich.

Festhalten lässt sich, dass das ECMWF zwar konsistent den Aufbau einer stabilen
und stark amplifizierten Omegalage prognostiziert, unsicher ist aber die genaue
Positionierung des Omegas.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Während zu Beginn der Mittelfrist noch eine recht gute Übereinstimmung zwischen
den verschiedenen Globalmodellen gegeben ist, fallen die Modellunterschiede in
weiterer Folge eklatant aus.

In der ersten Wochenhälfte gibt es Modellunterschiede vor allem dahingehend wo
die Schwerpunkte des Schauer- und Gewitteraktivität tatsächlich zu finden ist,
was wiederum an kurzwellige Störungen gebunden ist, die nur recht schwierig
vorherzusagen sind.

In weiterer Folge hängt die Entwicklung, wie auch schon bei der
Konsistenzprüfung innerhalb des ECWMF zu sehen, sehr stark an der
Trogentwicklung und seine Amplifizierung in der zweiten Wochenhälfte. Der
Amplifizierungsprozess setzt ECMWF folgend am Mittwoch westlich von Island ein.
Dieser Prozess findet weder bei ICON, noch beim GFS statt. Nun stellt sich die
Frage, warum dies so ist. Dafür hilft ein Blick weiter stromaufwärts. Beim ECMWF
ist auffällig das über der Halbinsel Labrador sich schon zu Beginn der
Mittelfrist ein Trog intensiviert und amplifiziert und damit vorderseitig einen
Keil aufwölbt. Genau diese Entwicklung findet in diesem Maße weder bei GFS noch
bei ICON statt.
Genau dies ist aber der Ausgangspunkt für die starke Meridionalisierung der
Großwetterlage in weiterer Folge. Insofern überrascht es nicht, dass die beiden
anderen Modelle auch keinen Abtropfprozess und stattdessen ein Verstärkung des
Rückens zeigen.
Noch am ehesten ist bei ICON der Trog, aber ohne Abtropfung, zu erkennen,
während bei GFS so gut wie nichts zu erkennen ist. Der Trog würde demnach weit
im Norden, eingebettet in die Frontalzone, verbleiben und keinen Einfluss auf
Mitteleuropa nehmen.
Noch ein Wort zu anderen Modellen. Bei GEM entwickelt sich ein eigenständiges
Höhentief über der polnischen Ostsee, an dessen Rande Deutschland auch
beeinflusst wäre. Beim JMA entwickelt sich ein Höhentief über Osteuropa,
deutlich abgesetzt von Deutschland. Auch sonst findet sich die Extremlösung des
ECWMF nicht wieder.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen von Offenbach sprechen eine klare Sprache. Bis Mitte der Woche
laufen Haupt- und Kontrolllauf noch im Bereich des Medians aller Läufe. In der
zweiten Wochenhälfte sinken beide dann rasant ab und entfernen sich vom Mittel.
Zum Wochenende stellt der Hauptlauf zum Teil sogar den Unterrand aller
Modellläufe dar, sowohl das Geopotential, als auch die Temperatur betreffend.
Das Mittel aller Läufe zeigt hingegen beständig hohes Geopotential. Damit lassen
sich der Hauptlauf und in Teilen auch der Kontrolllauf als klare
Außenseiterlösungen einordnen.

Das Clustering des ECMWF zeigt für den Zeitraum +120 bis +168 h (Freitag 00 UTC
bis Sonntag 00 UTC) vier Lösungen. Alle Lösungen zeigen eine stark positive
Anomalie beim Geopotential über dem nördlichen Europa. Unterschiedlich ist
hingegen die genau Lage des hohen Geopotentials. Nach Member 1 und 2 würde
Deutschland am Vorderrand des Rückens in einer eher nordwestlichen Strömung
liegen, während bei Member 3, der Trog am stärksten Einfluss auf Deutschland
nehmen würde. Dort ist auch der Hauptlauf eingebettet. Member 4 zeigt einen
breiten und stabilen Rücken über weiten Teilen von Europa.
Im Zeitraum +192 bis +240 h werden 3 Cluster angeboten. Haupt- und Kontrolllauf
finden sich im am wenigsten stark besetzten Cluster 3. Ein umfangreicher Trog
würde demnach große Teile von Zentraleuropa beeinflussen. In Member 2 wird ein
persistentes Höhentief mit Zentrum über Polen vorhergesagt. Bei Member 1 wird
ein ebenso persistentes Höhentief über Dänemark berechnet. Insgesamt überwiegt
aber sowohl bei 1 und 2 das hohe Geopotential über großen Teilen von Europa und
ist damit konträr zu Member 3

Das Ensemble des GFS zeigt einen recht einheitlichen Lauf. Abgesehen von ganz
vereinzelten Ausläufern lässt sich kaum eine Änderung der Großwetterlage
ableiten lassen. Die einzelnen Member fallen auch nur mit dem ECMWF-Lauf im
Hinterkopf überhaupt auf.

FAZIT: Bis zur Wochenmitte ist die Entwicklung ziemlich sicher, wenngleich die
Lage der Schauer- bzw. Gewitterschwerpunkte noch nicht ganz klar ist. Die
weitere Entwicklung ist hingegen noch unsicher und eine Prognose für das Ende
der Woche oder gar das Wochenende noch nicht möglich. Der aktuelle Hauptlauf des
ECMWF stellt dabei eine Extremlösung dar und sollte für die mittelfristige
Vorhersage zunächst nicht weiter berücksichtigt werden.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Markante Wettererscheinungen lassen sich nur vereinzelt finden. So können die
Gewitter von Montag bis Donnerstag in Anbetracht der Zutaten in den betroffenen
Regionen auch markant ausfallen.

Darüber hinaus könnte mit der Entwicklung zum Ende des Woche/Wochenende hin auch
der Wind von Interesse werden. Gleichwohl sind die Wahrscheinlichkeiten dafür
derzeit nur gering.
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Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF-EPS, MOS-ICON, ICON, GFS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marcus Beyer