DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

08-02-2018 12:01
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 08.02.2018 um 10.30 UTC



Übergang zu weitgehend atlantik-geprägter Witterung mit Trogpassage und
Höhenkaltluft am Rosenmontag. Schnee z.T. bis ganz runter, ab Wochenmitte
milder.
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 15.02.2018


Zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraums am kommenden Sonntag ist ein
erster schwacher Tiefausläufer - es handelt sich um eine Okklusion - gerade
dabei, Deutschland in Richtung Osten zu verlassen, da steht schon das nächste
okkludierende Frontensystem quasi mit einem Bein im Eingang zu den westlichen
Landesteilen. Es gehört zu einem kleinen aber feinen Randtief über der Nordsee,
das von einem steuernden Sturmtief bei Island ost-nordostwärts Richtung
Skagerrak gelenkt wird. Dabei sinkt der Kerndruck des Randtiefs im Tagesverlauf
auf etwas unter 985 hPa, was vor allem für die Küstenregion bedeutsam werden
könnte (Sturmgefahr!). Ansonsten schwenkt die weitgehend okkludierte Kaltfront
mit dem zugehörigen Niederschlagsgebiet relativ zügig nach Osten. Lediglich im
Süden hängt sie etwas zurück, wo sie ins Schleifen gerät bzw. durch eine südlich
der Alpen einsetzende Zyklogenese etwas ausgebremst wird. Anfänglich fällt bis
in tiefe Lagen Schnee, bevor die Schneefallgrenze vorübergehend auf 400 bis 600
m (im Norden und Nordosten eher darunter, im Süden je nach genauer Lage des
Okklusionspunktes eher etwas darüber) steigt.
Postfrontal greift ein Potenzialtrog auf den Vorhersageraum über, der uns zu
Wochenanfang mit hochreichender Meereskaltluft polaren Ursprungs versorgt. Die
850-hPa-Temperatur geht nach dem kurzzeitigen Anstieg am Sonntag wieder auf
Werte um -7°C, in 500 hPa auf -35 bis -40°C (am Montag gebietsweise sogar noch
etwas darunter) zurück. Es entwickeln sich zahlreiche Schauer, die bis in tiefe
Lagen zunehmend in Schnee übergehen, vereinzelt sind auch kurze Graupelgewitter
unterwegs. Im Süden ziehen sich die frontalen und mittlerweile wieder komplett
in Schnee übergegangenen Niederschläge zusehends an und in die Alpen zurück.
Am Dienstag verlagert sich der Höhentrog mit der (höhen)kältesten Luft langsam
nach Osten. Ihm folgt ein schwacher und sehr schmaler Rücken, der für leichten
Zwischenhocheinfluss sorgt. Unser Blick geht aber schon wieder über das nahe
Umfeld hinweg in Richtung Atlantik, wo sich süd-südwestlich von Island ein
opulentes Sturmtief etabliert, dessen Kerndruck sich irgendwo bei 960 hPa
einpendeln soll. Die Zyklogenese geht mit einer Austrogung über dem Ostatlantik
einher, dessen Drehzentrum sich schon bald über das Bodentief schiebt, was eine
senkrechte Achsstellung und nur eine schleppende Verlagerung des Sturmtiefs zur
Folge hat.
Wie auch immer, vorderseitig dieses umfangreichen Systems dreht die
Bodenströmung bei uns bereits am Dienstag auf südliche Richtungen. In der Nacht
zum Mittwoch versucht dann - ähnlich wie am kommenden Samstag - eine erste
vorlaufende Gammelfront (aufgrund der in den thermischen Feldern erkennbaren
"warmen" Zunge handelt es sich um eine Okklusion), Teile des Vorhersageraums zu
okkupieren. Unterstützung bekommt sie von einem schmalen Kurzwellentrog, der
aber alsbald von WLA zugeschüttet wird, so dass auch die Front wohl noch im
Laufe des Vormittags kaputtgeht.
Das nächste, deutlich stärkere Frontensystem lässt aber nicht lange auf sich
warten und greift mit seiner Warmfront noch am Mittwochnachmittag und -abend auf
große Teile der Südwesthälfte über. In der Nacht zum Donnerstag macht die
Warmfront weiteren Boden nach Nordosten hin gut, so dass weite Teile des Landes
in den Warmsektor gelangen, in dem die 850-hPa-Temperatur deutlich ins Plus
steigt (am frühen Morgen im Südwesten bis zu +5°C, gleichzeitig im Osten und
Nordosten noch negative Temperaturen). Die leichten, besonders in Staulagen der
südwestdeutschen Mittelgebirge und des Allgäus auch mäßigen Niederschläge fallen
anfangs teils noch bis in tiefe als Schnee, bevor die Schneefallgrenze von
Südwesten her deutlich ansteigt bis in die Kammlagen der Mittelgebirge oder
sogar darüber hinaus. Im Übergangsbereich von Schnee in Regen besteht in
sogenannten Kältelöchern, wo sich noch etwas Frost hält, die Gefahr von
gefrierendem Regen mit Glatteis.
Am Donnerstag wird die Kaltluft mit Winddrehung auf Südwest dann auch im Osten
und Nordosten weggeräumt und durch mildere Atlantikluft ersetzt. Gleichzeitig
erreicht uns von Westen her die schleifende Kaltfront des zu den Äußeren
Hebriden vorstoßenden Sturmtiefs, die aber nur langsam südostwärts vorankommt
und auch keine wirkliche Abkühlung bringt. Es kommt verbreitet zu
Niederschlägen, die bis in die Hochlagen des Berglands als Regen fallen.
In der erweiterten Mittelfrist bis Sonntag verbleiben wir im Gegensatz zur
gestrigen Simulation (Trogdurchgang) vorderseitig des über dem nahen Ostatlantik
respektive Westeuropa verharrenden Höhentrogs in einer eher milden
süd-südwestlichen Anströmung. Dabei würde sich das Wetter leicht wechselhaft
gestalten ohne die ganz großen Niederschläge und auch mit freundlichen
Intermezzi.

__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Ähnlich wie am Vortag kann dem IFS vom ECMF auch heute eine sehr gute Konsistenz
attestiert werden. Die gestern geschilderten Abläufe lassen sich alle
wiederfinden, auch wenn es gerade beim Timing kleinere Verrückungen gibt, was
aber ganz normal ist. Als Beispiel sei der Frontdurchgang am kommenden Sonntag
erwähnt, der nach dem heutigen 00-UTC-Lauf etwas eher und auch etwas
progressiver erfolgen soll. Am grundlegenden Prognosekonzept ändert das aber
nichts.

__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen


Andere Globalmodelle wie ICON, GFS, GEM und UKMO zeigen bis einschließlich
kommenden Dienstag ein dem IFS sehr ähnliches Gesicht, was dem Vertrauensgrad
der Vorhersage sicherlich nicht schlecht tut. Erst ab Mittwoch nehmen die
Unterschiede zu, wenn es nämlich darum geht, wann und wie die nächsten
atlantischen Systeme bei uns Fuß fassen. ICON schlägt dabei die forscheste
Gangart ein mit dem Übergreifen und Ausbreiten frontaler Niederschläge schon am
frühen Mittwoch. GEM wiederum ist etwas später dran als IFS (erst am frühen
Donnerstag). Noch zurückhaltender ist GFS, wo der Niederschlag erst im Laufe des
Donnerstags auf den Westen und Südwesten übergreift, und das auch nur in stark
abgeschwächter Form. Der Osten bleibt danach völlig ausgespart.
FAZIT: Bis Dienstag steht die Vorhersage rein deterministisch betrachtet auf
einem breiten und stabilen Sockel, danach nehmen die Unsicherheiten zu.
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die ECMF-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen bis kommenden
Dienstag einen sehr enggebündelten Kurvenverlauf, der sich mit der oben
beschriebenen Entwicklung auf Basis des Hauptlaufs deckt. Nur ganz vereinzelte
Ensemblelösungen zeigen zu Wochenbeginn bei der Troglage ein noch etwas kälteres
Szenario (T850 unter -10°C) als der Rest sowie der Haupt- und Kontrolllauf. Ab
Mittwoch nehmen Streuung und Niederschlagssignale (Minimum am Dienstag) zu,
wobei sich aber ein eindeutiger Trend nach oben ablesen lässt (T850 und Pot500).
Offensichtlich drückt der zunehmende Spread die zeitliche Unsicherheit der
übergreifenden Fronten aus, was schon beim Modellvergleich angeklungen ist. Nach
Donnerstag geht die Temperatur zwar wieder etwas runter, allerdings auf einem
etwas höheren Niveau als das im gestrigen 00-UTC-Ensemble noch der Fall war.
Die GFS-EPS-Rauchfahnen ähneln sehr ihren "Kollegen" vom ECMF. Das Szenario des
Hauptlaufs, wonach es nach Mittwoch nur wenig und auch nicht überall
Niederschlag geben soll, wird von einigen Ensemblemitgliedern anders gesehen.
Trotz zunehmender Unschärfen ab Mittwoch wird für den Zeitraum T+120...168h
(Dienstag bis Donnerstag) nur ein einziger Cluster angeboten, der eindeutig das
Übergreifen zyklonaler Strukturen von Westen her zeigt. Nicht ganz verständlich
erscheint dem Verfasser die Tatsache, dass auch für den erweiterten
Mittelfristzeitraum T+192...240h (Freitag bis Sonntag) nur ein Cluster auf der
Karte steht. Das darin abgebildete Strömungsmuster ähnelt stark einer südlichen
Westlage (GWL-Typus Ws), während der deterministische Lauf doch ziemlich
eindeutig auf TrW (Trog Westeuropa) setzt.
_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Für den kommenden Sonntag verdichten sich die Hinweise (COSMO-LEPS, ECMF-EPS,
MOS), dass auf der Südflanke des o.e. kleinen Randtiefs an der Küste sowie in
den Hochlagen der westlichen und zentralen Mittelgebirge stürmische Böen oder
Sturmböen 8-9 Bft auftreten, wobei der Wind von südlichen auf westliche
Richtungen dreht. Auf dem Brocken sind sogar schwere Sturmböen 10 Bft drin, was
dort aber nichts Besonderes darstellt. Danach beruhigt sich der Wind wieder,
bevor er im Laufe des Mittwochs erneut auffrischt. Dann sind besonders an und
auf der Nordsee sowie in den westlichen Mittelgebirgen Böen 8-9 Bft aus
südlichen Richtungen möglich, das Timing ist nach heutigem Stand aber noch
unsicher.

Punkt 2 möglicher signifikanter Wettererscheinungen betrifft das Thema "Schnee".
Am Sonntag (eher skalig) und Montag (eher konvektiv) kommt es zum Teil bis in
tiefe Lagen zu Schneefällen, was aber nicht heißt, dass der Schnee dort wo er
fällt auch überall liegen bleibt. In den Mittelgebirgen und den Alpen kommen
trotz vorübergehend steigender Schneefallgrenze (am Sonntag auf 400 bis 800 m)
einige Zentimeter Neuschnee zusammen. Neuschneeraten von mehr als 10 cm innert
12 h sind allerdings nur wenig wahrscheinlich, einzig in Staulagen des Allgäus
sind in der Nacht zum Montag (Schnee dann wieder bis ganz runter) 10-15 cm
möglich.

Bliebe noch Punkt 3, wonach am Montag (vielleicht im Norden und Westen auch
schon am Sonntag bzw. in der Nacht zu Montag) in der hochreichenden polaren
Meereskaltluft einzelne kurze Schnee- oder Graupelgewitter wahrscheinlich sind.

________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit ECMF-EPS und Modellmix.
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann