DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

05-02-2018 11:01
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 05.02.2018 um 10.30 UTC



Überwiegend ruhiges Winterwetter, nachts verbreitet Frost. Am Wochenende leichte
Milderung und gebietsweise etwas Niederschlag.
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Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 12.02.2018


Zu Beginn der Mittelfrist am Donnerstag erstreckt sich ein schwach ausgeprägter
Langwellentrog vom Norden Europas über Mitteleuropa hinweg bis in den
Mittelmeerraum. Gleichzeitig reicht ein atlantischer Höhenrücken über Teile
Westeuropas hinweg etwa bis zur Ostsee. Dadurch gestützt wird eine
Hochdruckbrücke, die über Deutschland hinweg verläuft und das Azorenhoch mit
einem kräftigen Russlandhoch verbindet. Entsprechend gestaltet sich das Wetter
in Deutschland weitgehend ruhig. Dabei ist weiterhin kalte Festlandsluft
wetterbestimmend, die insbesondere im Osten und teilweise in der Mitte auch
tagsüber für leichten Dauerfrost sorgt. Leichte Niederschläge in Form von Schnee
sind am Donnerstag nur noch im Südosten des Landes am Rande eines Tiefs über
Italien bzw. Südosteuropa zu erwarten.

Am Freitag kommt es vor Westeuropa zu einer Austrogung, wodurch der Höhenrücken
nach Süden abgedrängt wird. Schon rasch folgt aber vom Atlantik erneut ein
kräftiger Rücken, sodass es in der Nacht zum Samstag zu einem Abtropfen des
Troges Richtung Iberische Halbinsel kommt. Korrespondierend zu dem Trog zieht
ein Bodentief vom Seegebiet nördlich von Schottland nordostwärts. Dessen
Kaltfront greift am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag auf den äußersten
Westen und Nordwesten des Landes über. Durch das erneute Vorstoßen eines
Azorenhochkeils ist sie aber nur schwach ausgeprägt und sorgt kaum für
Niederschlag.

Am Samstag und in der Nacht zum Sonntag ändert sich an der Strömung über Europa
wenig. Die Kaltfront kommt zwar noch etwas weiter über Deutschland ostwärts
voran, löst sich dabei aber weiter auf.

Am Sonntag kommt es über dem Nordwesten Europas erneut zu einer Austrogung.
Damit verbunden ist ein umfangreiches und kräftiges Tief über dem Europäischen
Nordmeer, dessen okkludiertes Frontensystem im Tagesverlauf von Nordwesten auf
Deutschland übergreift. Mit der bereits im Vorfeld zunehmend auf Süd bis Südwest
drehenden Strömung setzt zudem eine leichte Milderung ein.

In der Nacht zum Montag und tagsüber weitet sich der Höhentrog weiter Richtung
West- und Mitteleuropa aus. Die Front kommt über Deutschland weiter ostwärts
voran. Durch den weiterhin im Bodendruckniveau dominierenden leichten
Hochdruckeinfluss sind mit Frontpassage aber nur leichte Niederschläge teils als
Regen, teils als Schnee zu erwarten.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz der letzten Läufe des EZMW kann bis Sonntag als gut bezeichnet
werden. Kleinere Unterschiede im Strömungsmuster haben keine signifikante
Änderung der Wetterentwicklung zur Folge, sodass das gestrige Vorhersagekonzept
weitgehend beibehalten werden kann.

Die Konsistenz lässt erst am Sonntag bzw. Montag bezüglich der Verlagerung der
Front nach. Nach dem heutigen 00 UTC Lauf kommt die Front rascher ostwärts
voran, sodass vorübergehend wieder kältere Luft einfließt. Ohnehin nehmen die
Modellunterschiede ab Montag zu.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die Wetterentwicklung im Vorhersagezeitraum wird von den betrachteten
Globalmodellen zunächst sehr ähnlich prognostiziert. Ab Sonntag nehmen die
Phasen- und Amplitudenunterschiede der Geopotential- und Luftdruckverteilung zu.
Dabei weisen GFS und EZMW eine relativ glatte westliche bis nordwestliche
Höhenströmung auf, während das Keil- und Trogmuster nach ICON stärker ausgeprägt
ist.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die "Rauchfahne" von Offenbach zeigt eine Fortdauer des trockenen Wetters bis
einschließlich Freitag. Am Wochenende nehmen die Niederschlagssignale zu und
erreichen in der Nacht zum Montag und am Montag ihren Höhepunkt. Somit scheint
eine Frontpassage wahrscheinlich. Dabei schwankt die Temperatur in 850 hPa um
minus 6 Grad und steigt am Wochenende vorübergehend etwas an. Insgesamt ist der
Spread relativ gering.

Die Clusterung des EZMW weist für die Zeiträume von t+72 bis 96 und t+120 bis
168 h jeweils drei Cluster auf. Dabei ergeben sich für Mitteleuropa zunächst
keine nennenswerten Unterschiede. Am Montag nehmen die Unterschiede etwas zu,
wobei die grundsätzliche Wetterentwicklung sehr ähnlich dargestellt wird. Einzig
der Höhentrog weitet sich unterschiedlich schnell Richtung West- und
Mitteleuropa aus, sodass die Ausprägung und Verlagerungsgeschwindigkeit der
Front am Sonntag bzw. Montag weiterhin unsicher ist.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Donnerstag herrscht im Osten weiterhin gebietsweise leichter Dauerfrost bis
minus 2 Grad. In der Nacht zum Freitag muss überall mit leichtem bis mäßigem
Frost, im nördlichen Mittelgebirgsraum örtlich auch mit strengem Frost unter
minus 10 Grad gerechnet werden.

Weitere signifikante Wettererscheinungen werden im Vorhersagezeitraum nicht
erwartet. Der Schneefall, der mit Frontpassage am Sonntag bzw. Montag auftreten
kann, erreicht aus heutiger Sicht keine markanten Mengen.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Johanna Anger