DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

03-02-2018 11:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 03.02.2018 um 10.30 UTC



Winterlich mit mäßigem bis strengem Nachtfrost. Anfangs im Süden und Südosten
zeitweise Schnee. Später von Westen her etwas Schnee.
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 10.02.2018


Von Nordosteuropa orientiert sich ein ausgedehnter Trog südwestwärts über
Mitteleuropa bis zur Iberischen Halbinsel und zum westlichen Mottelmeer.
Dabei streckt die massive Kaltluft im Bereich eines Höhentiefs über dem Baltikum
und Finnland eine kalte Zunge südwestwärts nach Deutschland aus, so dass
winterlich kaltes Wetter vorherrscht. Dabei liegen die Tagestemperaturen nach
Osten hin erst einmal vielfach etwas unter 0 Grad, nach Westen hin um oder etwas
über 0 Grad. Bei oft klarem Himmel herrscht nachts verbreitet mäßiger bis
strenger Frost, über Schnee teils mit Tiefstwerten unter -10 Grad.
Nach aktueller Lesart bringen Aufgleitprozesse am Nordrand einer mediterranen
Zyklone zunächst vor allem dem Alpenraum und dem Südosten Deutschlands leichte
Schneefälle.

Am Freitag und Samstag dringen dann atlantische Fronten langsam und unter
Abschwächung gegen den blockierenden hochreichenden Kaltluftkörper im Osten vor,
von Westen sickert zögernd etwas mildere Luft ein.
Insbesondere in der Westhälfte kommt es zu leichtem bis mäßigem Schneefall oder
Schneeregen, der sich bei seiner Ostverlagerung wohl abschwächt. Die
Temperaturen steigen zögernd an.
Der südliche bis östliche Wind frischt zu Beginn auf den Bergen Süd-und
Ostdeutschlands noch böig auf, ansonsten spielt der Wind nur eine
untergeordnete Rolle.

Im erweiterten Mittelfristzeitraum wird der mitteleuropäische Trog abgebaut, es
zeigt sich ansatzweise der Übergang zu einer Westlage, so dass die Temperaturen
wahrscheinlich weiter leicht ansteigen.
Niederschläge, die von West nach Ost fortschreitend zunehmend n Regen übergehen,
dürften dabei bevorzugt dem Norden und der Mitte zugutekommen, während im Süden
zeitweise auch schwacher Hochdruckeinfluss herrscht.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bei gewissen Unterschieden bezüglich des Bodendruckfeldes und der kurzen Wellen
der Höhenströmung bringt auch der neueste ECM-Modelllauf im Mittelfristzeitraum
für Mitteleuropa die Troglage, die sich zum Ende hin von Westen her noch einmal
vorübergehend regeneriert.
Die Konsistenz kann dabei im Hinblick auf die Prognosesicherheit im synoptischen
Skale als hinreichend gut bewertet werden.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die anderen vorliegenden operationellen Modelle liefern zunächst einmal ähnliche
Szenarien.
Nach GFS ist die Blockierung zum Ende hin jedoch deutlich stärker ausgeprägt, so
dass die von Westeuropa anlaufenden Fronten verkümmern, bevor sie Deutschland
erreichen! Die Freitag/Samstag nach ECM und ICONB von Westen her angedachte
zögernde Milderung bleibt danach erst einmal außen vor. Erst Sonntag zu Montag
folgt nach GFS ein Frontensystem, das dem Westen Schnee und Regen mit
nachfolgend einsetzender Milderung bringt.
Das kanadische Modell folgt hingegen in etwa der von ECM und ICON vorgegebenen
Entwicklung.

Aufgrund der Modellunterschiede erscheint es daher noch ungewiss, wann die
ersten Fronten von Westen her mit neuen Niederschlägen Einfluss auf Deutschland
gewinnen und der kalten Winterwitterung den Garaus machen.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die ECM-EPS-Rauchfahnen zeigen für die meisten Stationen bezüglich des
Temperaturverlaufs und insbesondere bezüglich des Geopotentialverlaufs bis
Freitag ein eher eng begrenztes Spektrum. Dann nimmt der "SPREAD deutlich zu.
Insbesondere für die westlichen Stationen steigen die Temperaturkurven, aus dem
Talsohlenbereich kommend, Donnerstag/Freitag zögernd an.
Ab Freitag/Samstag nimmt dann die Niederschlagssignaldicht allmählich zu.
Beim Geopotential laufen die Kurven ab dem Wochenende derart stark auseinander,
dass ein wahrscheinlicher Verlauf kaum identifizierbar ist.
Hier zeigt sich die Ungewissheit, wann die Troglage beendet wird, ob eine
Westlage rasch folgt, oder ob sich erst einmal ein Zwischenhöhenkeil bemerkbar
macht!

Bei den GFS-ENS zeigt sich bezüglich des Temperaturverlaufs erst am Wochenende
eine deutliche Streckung der spektralen Bandbereite.
Dabei hält die kalte Phase länger an als bei den ECM-EPS, indem ein reeller
Temperaturanstieg erst im Laufe des Wochenendes zutage tritt.
Das Ensemblemittel der 2 m-Temperatur liegt dabei zunächst oft 5 K unter dem
Klimamittel, im Laufe des Wochenendes dann immer noch ca. 2 K unter dem
jahreszeitlichen Erwartungswert.

Nach der Großwetterlagenklassifikation von Dr. PAUL JAMES überwiege bis
Donnerstag kalte Lagen wie TrM,HFa,SEz,BM. ERs ab Freitag und am Wochenende
gesellen sich dann zunehmend mildere Großwetterlagentypen wie Ww,Wz und SWa
hinzu.

Das CLUSTER-Szenario 120-168 des ECM-EPS liefert 3 CLUSTER mit je 17 Membern,
die aber alle in unterschiedlicher Strukturierung zum Wochenende hin mehr oder
weniger die Regenerierung der kalten Troglage beinhalten.
Aufgrund des Bodenströmungsmusters ist aber bei einem Teil der Member(ca.
30-50%) am Freitag/Samstag für den Westen und Norden bereits eine leichte
Milderungstendenz erkennbar.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


FROST:
Ab Wochenbeginn ist für große Teile Deutschlands, insbesondere für die
Osthälfte, aufgrund der Aussagen der deterministischen Modelle und Begutachtung
der Statistik mit einer Dauerfrostperiode zu rechnen, mit dem Auftraten
gebietsweise strenger Nachtfröste.

SCHNEE:
Am Mittwoch und Donnerstag ergibt sich nach COS-LEPS und ECM-EPS für den
Alpenrand und den Bayerischen Wald eine Wahrscheinlichkeit von ca. 30% für
Neuschneemengen über 5 cm.

WIND: Kein Thema
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX,MOS-EZMW, EZMW-EPS, aufgrund der Abweichung zu den von ECM,ICON und GEM
vorgegebenen sehr ähnlichen Szenarien wurde GFS-ENS für die Temperatur-und
Wettervorhersage nicht berücksichtigt.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Michael Goethel