DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

03-01-2018 21:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 03.01.2018 um 10.30 UTC



Eventuell "ein Hauch von Winter", zu Wochenmitte im Norden und Osten eventuell
Dauerfrost. Außer in Böen stürmischem Ostwind an den Küsten und auf den Bergen
aber keine markanten Wetterereignisse.
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Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 10.01.2018


Zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am Samstag, dem Dreikönigstag, stellt sich
die Wetterlage grundlegend um. Über Westeuropa bzw. westlich der Iberischen
Halbinsel ist ein markanter Austrogungsprozess in Gang gekommen, der sich am
Samstag fortsetzt und bis Sonntag, 00 UTC in einem Cut-Off-Prozess über der
Iberischen Halbinsel mündet. Vorderseitig wölbt sich ein kräftiger Höhenrücken
über dem zentralen Mittelmeerraum nordwärts bis ins östliche Mitteleuropa auf
und verlagert sich allmählich ostwärts, so dass der Vorhersagebereich zunehmend
unter eine südsüdwestliche Höhenströmung gelangt.
Im Bodenfeld kommt es aufgrund markanter KLA auf der Rückseite des nach
Nordeuropa schwenkenden "Resttroges" zu kräftigem Druckanstieg nördlich der
Britischen Inseln. Dem gegenüber stehen Tiefdruckgebiete über Nordnorwegen bzw.
Finnland und über dem westlichen Mittelmeerraum bzw. der Iberischen Halbinsel.
Daraus resultiert eine niedertroposphärisch ostsüdöstliche Strömung über
Deutschland, mit der relativ milde Luft vor allem in den Süden des Landes (5 bis
9 Grad in 850 hPa) geführt wird, während in die Nordhälfte von Osten her etwas
kältere Luft (unter 0 Grad in 850 hPa) gelangt. Leichte Niederschläge dürfte es
wohl lediglich im Bereich bzw. nördlich einer als Luftmassengrenze fungierenden
Warmfront geben und die sollten auch im Norden noch hauptsächlich als Regen
fallen. Vor allem an den Alpen wird es leicht föhnig und mit gebietsweise über
10 Grad teilweise auch recht mild, während ganz im Norden die 5 Grad nicht mehr
erreicht werden.
Am Sonntag ist der Abtropfprozess über der Iberischen Halbinsel bzw. über
Algerien vollzogen. Nördlich davon weitet sich ein Höhenrücken vom nahen
Ostatlantik über die Britischen Inseln und Island bis zur Dänemarkstraße aus.
Korrespondierend dazu verstärkt sich das Bodenhoch mit Schwerpunkt über
Schottland weiter, gleichzeitig weitet sich ein Hochkeil über Norddeutschland
hinweg bis nach Nordpolen aus. Das Tief über dem westlichen Mittelmeerraum füllt
sich ein wenig auf, dadurch schwächt sich die föhnige Südostströmung über
Süddeutschland ab und dreht mehr auf Ost. Insgesamt resultiert daraus ein
leichter Temperaturrückgang in 850 hPa über dem gesamten Vorhersagegebiet (auf
+7 Grad in Südostbayern und -4 Grad in Schleswig-Holstein bis Montag, 00 UTC).
Die Niederschläge im Bereich der Warmfront bzw. nördlich davon verstärken sich
nur vorübergehend über Nordwestdeutschland und schwächen sich mit Verstärkung
des Hochkeils im Tagesverlauf wieder ab. Insgesamt geht die Temperatur mit
beginnender Advektion kontinentaler Polarluft (die aber mangels Schnee in
Osteuropa nicht allzu kalt ist) weiter zurück, im Norden werden nur noch Werte
um 3 Grad erreicht, im Alpenvorland gebietsweise nochmals bis 10 Grad.
Am Montag verstärkt sich der Höhenrücken über West/Nordwesteuropa, dabei
etabliert sich bis Dienstag, 00 UTC eine geschlossene Höhenantizyklone über der
nördlichen Nordsee. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt nach
Südskandinavien und verstärkt sich ebenfalls, während sich das Mittelmeertief
weiter auffüllt und etwas nach Süden zurückzieht. Von Frankreich her erstreckt
sich aber eine flache Tiefdruckrinne bis nach Süddeutschland, was insgesamt zu
einer Gradientverschärfung vor allem im Norden und Osten des Landes führt,
wodurch der Nordost- bis Ostwind weiter auffrischt und an den Küsten bzw. auf
den Bergen in Böen stark wehen kann.
Vor allem in die Nord- und Osthälfte wird zunehmend kontinentale Kaltluft
geführt mit Temperaturen zwischen -5 und -9 Grad in 850 hPa (Di, 00 UTC),
während sich über dem Südwesten und Süden im Bereich der flachen Rinne noch
recht milde Luft befindet 0 bis +5 Grad). Im Bereich der Luftmassengrenze bzw.
knapp nördlich davon kann es weiterhin leichte Niederschläge vor allem in den
mittleren Landesteilen geben, die nach Norden zu zunehmend in Schnee übergehen.
Im Nordosten werden kaum mehr 0 Grad erreicht, eventuell gibt es örtlich auch
schon Dauerfrost, während im Süden gebietsweise nochmals die 5 Grad
überschritten werden können.
Am Dienstag und Mittwoch verlagert das Höhenhoch seinen Schwerpunkt von der
Nordsee allmählich ins Nordmeer und stützt weiterhin ein kräftiges Bodenhoch mit
Schwerpunkt über Südskandinavien. An dessen Südflanke verstärkt sich somit die
Advektion kalter Luftmassen von Osten her auch nach Süddeutschland.
Mittwochmittag bewegen sich die Temperaturen in 850 hPa zwischen -2 Grad im
Südwesten und -10 Grad im Nordosten. Zudem bleibt der Gradient scharf
ausgeprägt, so dass vor allem an den Küsten und in den Kammlagen der
Mittelgebirge mit starken bis stürmischen Böen zu rechnen ist.
Mitteltroposphärische WLA führt vor allem in der Mitte und im Süden zu leichten
Niederschlägen, die zunehmend auch in tiefen Lagen als Schnee fallen (außer im
Südwesten), aber signifikante Neuschneemengen sind nicht zu erwarten.
Während im Norden und Osten teilweise Dauerfrost herrscht, steigen die
Temperaturen im Südwesten auf etwa 1 bis 4 Grad.
In der erweiterten Mittelfrist dauert die kalte Ostlage nach Lesart des IFS
weiter an, wobei sich die Advektion kontinentaler Polarluft von Osten her noch
verschärft und die Temperaturen in 850 hPa verbreitet auf unter -10 Grad sinken.
Dann könnte es verbreitet Dauerfrost geben, allzu üppige Schneefälle sind
allerdings nicht zu erwarten.

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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Dem aktuellen IFS-Lauf kann eine gute Konsistenz zu seinen Vorgängern
bescheinigt werden. Die Umstellung auf eine kalte Ostlage hatten auch die beiden
Vorläufe im Programm. Im Detail gibt es noch kleinere Differenzen, was das
Timing angeht, vor allem zum gestrigen 00 UTC-Lauf, wonach - ausgehend vom
Höhentrog über Nordosteuropa - ein schwacher Randtrog das Vorhersagegebiet am
Montag passieren sollte. Vor allem nach Lesart des gestrigen 00 UTC-Laufes
sollte dieser am Dienstag über dem westlichen Mitteleuropa abtropfen und am
Mittwoch in einen, sich vom Ostatlantik nach Südwesteuropa ausweitenden Trog
integriert werden, auf dessen Vorderseite wieder etwas höhenmildere Luft nach
Mitteleuropa geführt werden würde.
Zu Wochenmitte ergeben sich dazu Unsicherheiten bzgl. eventueller, meist aber
leichter Niederschläge (meist als Schnee), die durch zyklonale Strukturen in der
Höhenströmung ausgelöst werden könnten.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Alle vorliegenden Modelle haben die vom IFS postulierte Wetterentwicklung
zumindest zu Beginn der Mittelfrist, am Wochenende, sehr ähnlich auf der Karte.
Zu Beginn kommender Woche ändert sich das aber. Vor allem GFS schlägt dabei
etwas aus dem Rahmen. Der Höhenrücken bzw. das Höhenhoch werden nicht über der
Nordsee bzw. dem Nordmeer simuliert, sondern weiter östlich, vom östlichen
Mitteleuropa bis nach Skandinavien. Dadurch befindet sich auch der Schwerpunkt
des korrespondierenden Bodenhochs weiter östlich, nämlich über dem Baltikum.
Somit dreht die Strömung über dem Vorhersagegebiet nach Lesart des GFS mehr auf
Südost, am Dienstag tropft dabei sogar - ausgehend vom umfangreichen
Nordatlantiktrog - ein Randtrog über Nordwestdeutschland ab. Dabei gelangt
niedertroposphärisch deutlich mildere Luft nach Deutschland als nach IFS, aber
auch als nach GEM und ICON. Die Temperaturen in 850 hPa bewegen sich nach Lesart
des GFS am Dienstag zwischen -2 und +2 Grad, während nach GEM - ähnlich wie beim
IFS - im Osten fast schon die -10 Grad "anklopft" und auch ICON im Mittel
mindestens 2 bis 3 K kältere Werte simuliert.
Zu Wochenmitte und in der erweiterten Mittelfrist stellt sich nach Lesart des
GFS mit erneuter Austrogung über West- und Südwesteuropa und Verdrängung des
hohen Geopotenzials nach Ost- und Nordosteuropa eine schwach zyklonale südliche
Höhenströmung ein mit positiven Temperaturen in 850 hPa, während nach GEM -
ähnlich wie beim IFS - die kalte Ostlage mit Temperaturen ab Mittwoch zunehmend
unter -10 Grad in 850 hPa zumindest noch in der zweiten Wochenhälfte andauert.
ICON zeigt ganz am Ende eine Art "Kompromisslösung" mit einer etwas
höhenmilderen, aber bodennah recht frischen Südostlage. Wie auch immer - die
wettertechnisch gegenüber der Süd- bis Südostlage ("ewige Dümpelei") sicherlich
interessantere Ostlage (eventuelle leichte Niederschläge sollten ab Mitte der
Woche dann durchgehend als Schnee fallen) ist noch lange nicht "in trockene
Tücher" gepackt.
Die Hoffnung auf "ein Hauch von Winter" stirbt somit zuletzt, auch, wenn
richtiger Winter nach Meinung des Verfassers noch ganz anders ausschaut.

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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusterung zeigt im Zeitraum 72 bis 96 Stunden 3 Cluster, die sich über
Mitteleuropa allerdings kaum unterscheiden. Das ändert sich dann im
nächstfolgendem Zeitraum (120 bis 168 Stunden, also Montag, 00 UTC bis Mittwoch,
00 UTC). Zwar verteilen sich die 49 Ensembleläufe, Haupt- und Kontrolllauf nur
noch auf 2 Cluster, die sich großräumig auch nur wenig unterscheiden, im Detail
ergeben sich aber speziell für Mitteleuropa doch entscheidende Differenzen.
Cluster 1 - mit 30 Membern etwas stärker besetzt als Cluster 2 (21 Member) -
zeigt in etwa die vom GFS simulierte Wetterentwicklung mit einem kräftigen, von
Südosteuropa nach Skandinavien gerichteten Höhenrücken und dem Übergang zu einer
süd- bis südöstlichen Höhenströmung mit etwas höhenmilderer Luft.
Cluster 2 (inklusive Haupt- und Kontrolllauf) spiegelt die vom Hauptlauf des IFS
postulierte Entwicklung gut wider. Insgesamt kann diesem Cluster dabei wegen der
besseren Auflösung von Haupt- und Kontrolllauf trotz geringerer Memberanzahl
wohl eine etwas höhere Gewichtung beigemessen werden.
Die Clusterung in der erweiterten Mittelfrist sei nur am Rande erwähnt. Alle
Cluster zeigen hohes Geopotential über Nord- oder Osteuropa, wodurch sich
weiterhin Optionen für eine kalte Ost- oder höhenmildere Südost- bis Südlage
ergeben. Zum Ende hin deuten Cluster 1 und 4 einen allmählichen Übergang zu
einer milderen Südwestlage an. Das würde allerdings erst das übernächste
Wochenende betreffen, so dass dem nicht allzu viel Bedeutung beigemessen werden
sollte.
In der Rauchfahne für einen etwa in der Mitte des Landes gelegenen Gitterpunkt
fällt noch zusätzlich die Unsicherheit bzgl. der genauen Position der als
Luftmassengrenze fungierenden Warmfront auf. Es ergeben sich nämlich zwei
Schwerpunkte in der Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur der einzelnen Member. Das
Groß der Member zeigt diese in etwa über der "nördlichen" Mitte (850
hPa-Temperaturen zwischen 2 und 5 Grad), während einige Member wohl eine mehr
oder weniger weiter südlich gelegene Warmfront auf dem Plan haben (zweiter
Schwerpunkt zwischen -2 und -5 Grad).
Danach verlaufen die Member recht einheitlich um oder knapp unter 0 Grad mit
Ausreißern nach oben und nach unten. Ab Dienstag gehen die Temperaturen der
meisten Member zurück, der Hauptlauf befindet sich allerdings am Mittwoch und
vor allem am Donnerstag im unteren Bereich der Einzelmember. Die meisten zeigen
zum Donnerstag hin sogar wieder einen leichten Anstieg der 850 hPa-Temperatur.

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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Im Mittelfristzeitraum gibt es nur wenig Signale für markante Entwicklungen und
diese betreffen in erster Linie den Wind. Dieser frischt vor allem ab Sonntag
wieder aus Ost bis Nordost auf. Hinweise auf Böen Bft 8 bis 9 gibt es vor allem
in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge und auf den Alpengipfeln. Zu
Wochenbeginn sind dann auch zunehmend die Küstenregionen von steifen bis
stürmischen Böen betroffen.
Die zu erwartenden Niederschläge - Richtung Wochenmitte eventuell auch als
Schnee - bewegen sich weit unterhalb markanter Warnschwellen und auch strenger
Frost ist wohl vorerst noch nicht zu erwarten.
EFI gibt ebenfalls keine Signale für bevorstehende außergewöhnliche
Wetterereignisse.
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Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF-EPS, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff