DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

16-12-2017 11:00
SXEU31 DWAV 160800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 16.12.2017 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
NWz

Nasskaltes Schauerwetter, oberhalb etwa 400 Meter Schnee. Im Nordosten
vereinzelt Gewitter, nachts verbreitet Frost.


Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
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Samstag... ist hochreichende Kaltluft in Deutschland wetterbestimmend. Dies ist
einerseits einem Tief mit Zentrum über der mittleren Ostsee, andererseits einem
Hoch über dem nahen Ostatlantik geschuldet. Zwischen diesen beiden Druckgebilden
fließt weiterhin Kaltluft polaren Ursprungs mit einer nordwestlichen Strömung
nach Deutschland. Die zu besagtem Tief gehörenden Frontensysteme haben
Deutschland schon vor geraumer Zeit überquert. Somit ist Deutschland
frontenfrei, was u.a. Auswirkungen auf die Feuchte der Luftmasse hat, wo in der
700-hPa-Feuchte staubedingt lediglich am Alpenrand höhere Feuchtewerte über 80%
rel. Feuchte zu finden sind. Andererseits wirkt sich die "Frontenfreiheit" auch
auf die Hebungsantriebe aus, bei denen man in den synoptischen Feldern
großräumiges Aufgleiten und kräftige Hebung vergeblich sucht. Folglich sind für
stattfindende Hebungsprozesse vor allem zwei Faktoren ausschlaggebend. Dies ist
einerseits der vertikale Temperaturgradient, denn bei Temperaturen von etwa -6
Grad in 850 hPa und bis zu -37 Grad in 500 hPa ist dieser so kräftig ausgeprägt,
dass nicht nur Schauer, sondern auch das eine oder andere kurze Gewitter denkbar
sind, vor allem von Nord- und Ostsee bis zum Erzgebirge, wo in der Höhe die
kälteste Luft über Deutschland hinweggeführt wird. Im Nordseeumfeld kommt dabei
die diabatische Unterstützung zum Tragen, liegt die Wassertemperatur in der
Deutschen Bucht doch noch immer um 7 Grad. Diesem Umstand tragen auch die
MOS-Gewitterwahrscheinlichkeiten Rechnung, die mit etwa 10% im Nordseeumfeld am
höchsten sind. Der zweite Hebungsantrieb ist in der Konfiguration des
Geopotentialfeldes zu finden, liegt Deutschland doch unter einem ausgeprägten
Langwellentrog. Dessen Achse verläuft aktuell etwa von Südschweden ins westliche
Mittelmeer. Allerdings ist die Trogachse keineswegs klar konturiert, sondern
weist durch einige Kurzwellenanteile ein unregelmäßiges Muster auf. Gerade die
Kurzwellenanteile sind aber zusammen mit der Trogkonfiguration als Ganzes für
weitere moderate Hebungsantriebe verantwortlich. Insgesamt ergibt sich ein Bild,
in dem an einem wolkenreichen Tag Schauer und mitunter ein Gewitter das
Tagesgeschehen prägen - allenfalls im Nordosten im Lee der Skandinavischen Alpen
kann sich vielleicht länger die Sonne zeigen. Die Schneefallgrenze lässt sich
dabei um etwa 400 Meter verdrahten. Was nicht bedeutet, dass in stärkeren
Schauern nicht auch bis in tiefere Lagen, mitunter auch bis ins Flachland Schnee
oder Graupel fallen kann, wobei dies dann aber nur vorübergehend zur Ausbildung
einer Schneedecke und zu Verkehrsbehinderungen führen wird. Entsprechend der
nordwestlichen Windkomponente sind bezüglich der zu erwartenden Schneemengen die
Nordweststaulagen der Mittelgebirge und natürlich der Alpenstau für die höchsten
Niederschlagsmengen prädestiniert. Dieser Tatsache tragen die Deutschen Modelle
ebenso Rechnung wie beispielsweise GFS oder EZMW. Alle diese Modelle simulieren
Niederschlagsschwerpunkte z. B. in Sauer- und Siegerland, im Schwarzwald, am
Erzgebirge, im Thüringer Wald und natürlich, mit den höchsten Werten, an den
Alpen. Die Eifel und der Hunsrück werden von den Deutschen Modellen etwas
niederschlagsschwächer gesehen als dies bei GFS oder EZMW der Fall ist.
Insgesamt erscheinen Neuschneemengen von bis zu 5 cm im Stau der Mittelgebirge
und bis zu 10 cm im Stau der Alpen realistisch. Dass dort auch mehr möglich sein
könnte deutet ICON mit seinen Derivaten an. Im Allgäu sehen diese bis zu 30 cm
Neuschnee als möglich an, liefern damit dort aber eine Außenseiterlösung.
Erwähnenswert ist noch der an der Küste lebhafte Wind, der allerdings allenfalls
lokal zu warnwürdigen Böen Bft 7 führen dürfte. Dazu steigt in den Hochlagen der
Mittelgebirge die Temperatur am Tage nicht über den Gefrierpunkt, so dass dort
ganztägig mit Glätte gerechnet werden muss.

In der Nacht zu Sonntag ändert sich an der Gesamtkonstellation nur wenig. Der
Trog wandert etwas nach Osten aus, seine Achse liegt ausgangs der Nacht über dem
deutsch-polnischen Grenzgebeit, und insbesondere im Nordwesten wird in der Höhe
Warmluft advehiert, die zu einer Stabilisierung der Schichtung und zu einem
Rückgang der Schauerneigung führt. Da auch die Höhenkaltluft nach Osten
abgedrängt wird und ausgangs der Nacht 500-hPa-Werte unter -37 Grad nur noch im
Bereich Brandenburg und Sachsen zu beobachten sein werden, lässt auch in der
Mitte die Schauerhäufigkeit zögerlich nach. Dennoch sind in der Nacht nochmals
Neuschneemengen bis zu 5 cm in einzelnen Mittelgebirgslagen und bis zu 10 cm an
den Alpen denkbar. Die Temperaturen sinken im Süden allgemein, in der Mitte mit
Ausnahme der tieferen Flusstäler in den leichten Frostbereich, vereinzelt ist
auch mäßiger Frost möglich. Bei Taupunkten nahe der Lufttemperatur ist lokal
erneut Nebel möglich, Im Norden bleibt der Wind lebhaft mit der Gefahr einzelner
starker Böen Bft 7.

Sonntag... wandert der Trog weiter nach Osten. Seine Achse liegt am Abend in
Nord-Süd-Richtung über Zentralpolen, in der Nacht tropft von diesem ein
Höhentief im Bereich der Karpaten ab. Interessanter für uns ist aber ein
kurzwelliger Troganteil auf der Trogrückseite, der in der Nacht von der Nordsee
in Richtung Bielefeld (gibt's!) wandert. Dieser bildet ein fast abgeschlossenes
Höhentief, und er ist mit dem Okklusionspunkt eines langgestreckten Frontenzuges
verknüpft, der zu einem Tief über dem Nordmeer gehört und ausgangs der Nacht auf
den Nordwesten Deutschlands übergreift. Für den Tag bedeutet dies, dass in der
Südwesthälfte bei 850er Temperaturen um -8 Grad noch weitere Schneefälle zu
erwarten sind. Dabei können in Mittelgebirgslagen erneut bis zu 5 cm, an den
Alpen bis zu 10 cm zusammenkommen. Allenfalls an Rhein und Main schauert es
mitunter in der feuchten Phase. Im Nordwesten bildet sich vorderseitig des
neuerlichen Randtroges vorübergehend eine antizyklonale Höhenströmung aus, was
zu einer Wetterberuhigung und meist trockenen Verhältnissen führt, was alle
Modelle mehr oder weniger deutlich zeigen. Schon in der ersten Nachthälfte
greifen dann, mit einem deutlich auflebenden Wind (in den Hochlagen laut ICON
Böen Bft 7, laut EZMW verbreitet Bft 7, in den Hochlagen Bft 8) Niederschläge
auf den Nordwesten über. Diese sollen ausgangs der Nacht schon Mecklenburg,
Thüringen, Franken und den Bodensee erreichen, wobei die Modelle nur geringe
Unterschiede im ostwärtigen Ausgreifen der Niederschlagsgebiete zeigen.
Deutliche Unterschiede zeigen sich aber sehr wohl in der genauen Lage der Front.
Um 06 UTC erstreckt sich diese laut ICON von der Nordsee über Hannover, Kassel
und Fulda nach Freiburg, wobei der Okklusionspunkt zu diesem Zeitpunkt bei
Freiburg liegen soll. EZMW (gestriger 12-UTC-Lauf) sieht die Front dagegen von
Schleswig-Holstein über Bremen zur Saar verlaufend, der Okklusionspunkt soll
dabei etwa über dem Hunsrück liegen. Bezüglich des Okklusionspunkts sind sich
GFS und EZMW in etwa einig, allerdings lässt GFS die Front im Norden
Deutschlands rascher vorankommen als EZMW. Unterschiede zwischen den Modellen
zeigen sich auch bei der Simulation der Schneefallgrenzen. Aber: Einheitlich
sehen die Modelle die Gefahr verbreiteten Schneefalls in einem Streifen von der
Nordsee und Schleswig-Holstein bis zu den Alpen, wobei die südöstlichen Teile
Nieder- und Oberbayerns noch trocken bleiben sollten. Bis zum Morgen rechnen die
Modelle dabei in tiefen Lagen mit 1 bis 3, in Hochlagen mit etwa 10 cm
Neuschnee. Dies wird im den Früh- und Morgenstunden des Montags verbreitet zu
einer kritischen Verkehrslage im Berufsverkehr führen!!! Im Emsland und am
Niederrhein könnte der Schnee zu Beginn des Berufsverkehrs schon wieder
abgeschmolzen sein, aber auch diesbezüglich herrscht noch Unsicherheit.

Montag... Wird das kleinräumige Höhentief rasch über die Alpen in Richtung Golf
von Genua geführt. In der Nacht zu Dienstag kommt es unter Abschwächung bis ins
Seegebiet westlich von Sardinien voran. Damit kann sich ein Höhenrücken bis nach
Mitteleuropa hereinschieben, wobei dieser über dem Süden Deutschlands einen
diffluenten "Ausgang" aufweist, der hebungsbegünstigend wirkt. Die Front kommt
rasch an die Alpen voran, schon am Nachmittag konzentrieren sich die Schneefälle
laut aller Modelle auf den Stau der Alpen und die Hochlagen Baden-Württembergs.
In der Nacht zu Dienstag simulieren die Deutschen Modelle im Bereich eines
kleinen Bodentiefs kräftigere Niederschläge von der Nordsee bis nach
Südostbayern, eine Lösung, die GFS uns EZMW so nicht sehen. Einheitlich sagen
die Modelle aber vorher, dass sich in 850 hPa die kalte Luft sehr zäh halten
kann, die 0-Grad-Isotherme soll erst in der Nacht zu Dienstag auf den äußersten
Nordwesten übergreifen können. Über weiten Teilen Deutschlands hält sich bis
dahin Luft mit 850er Temperaturen um -5 Grad, womit weiterhin, Niederschläge
vorausgesetzt, bis in mittlere Lagen mit Schnee zu rechnen sein wird.

Modellvergleich und -einschätzung
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Bis zum Sonntagabend sehen die Modelle die Situation recht ähnlich, insbesondere
haben die gerigen Modellunterschiede keine Auswirkungen auf die Warnstrategie.
In der Nacht zu Montag wird die hereinziehende Front noch unterschiedlich
simuliert. Gewisse, auch bedeutsame Übereinstimmungen lassen sich bezüglich des
Ausgreifens der Niederschläge nach Osten und bezüglich der vorherrschenden Phase
der Niederschläge erkennen. Dennoch müssen genaue Aussagen zu den Abläufen in
der Nacht zum und am Montag weiteren Modellläufen überlassen werden.

Die Modellunterschiede wurden in detaillierterer Form im Text dargelegt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas