DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

14-11-2017 11:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 13.11.2017 um 10.30 UTC



Zunächst oft ruhiges Spätherbstwetter, nur im Norden etwas Regen.
Dann von Nordwesten unbeständig und windig. Temperaturen weitgehend der
Jahreszeit entsprechend, im Süden Nachtfrost.
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Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 20.11.2017


Zunächst liegt Deutschland unter einer schwachen und leicht antizyklonal
strukturierten Höhenströmung. Im Bodendruckfeld erstreckt sich dabei eine
Hochdruckbrücke, an der Nordflanke schwache Tiefausläufer dem Norden
Deutschlands dichtere Bewölkung mit etwa Regen bringen können.
Im Großen und Ganzen überwiegt aber ruhiges und zu Hochnebel neigendes
Spätherbstwetter, mit den größten Chancen für etwas Sonnenschein im Süden und
Südosten.
Im Laufe des Freitags und am Samstag kommt dieses leicht antizyklonal geprägte
Intermezzo zum Ende. Die nordatlantische Frontalzone Frontalzone greift dann von
Nordwesten her auf Deutschland über. Dabei dringt die Kaltfront eines über das
Nordmeer hinwegziehenden Zentraltiefs unter leichter Wellenbildung erst einmal
zögernd auf den Nordwesten vor, am Samstag erreicht sie dann unter zunehmendem
Bodendruckgradienten beschleunigt Süddeutschland bzw. die Alpen.
Unter resultierender Kaltluftadvektion dehnt sich dabei ein sich in seiner
Sekundäranteilen von Westen regenerierender Langwellentrog über Mitteleuropa
allmählich südwärts aus und wandert nur langsam ostwärts. Insgesamt setzt sich
nach Durchzug eines Regengebiets unbeständiges Schauerwetter durch, wobei im
höheren Bergland bei auf etwa -3 bis -4 Grad sinkenden 850-hPa Temperaturen
wieder Schnee fallen dürfte.
Insgesamt liegt das Temperaturniveau nahe am Klimamittel. Im Süden ist
grundsätzlich weiterhin mit Nachtfrost zu rechen.
An der Südwestflanke des vom Nordmeer unter Abschwächung über Jütland
südostwärts wandernden Zentraltiefs bringt dessen starkgradientige Südwestflanke
großen Teilen Deutschlands starken, teils stürmischen westlichen bis
nordwestlichen Wind.

Im erweiterten Mittelfristzeitraum soll sich nach Maßgabe EZMW der
mitteleuropäische Höhentrog noch einmal regenerieren, bevor er sich dann langsam
weiter ostwärts in Bewegung setzt. Unter der rückseitig eher zyklonal geprägten
nördlichen Höhenströmung sinken die Temperaturen wahrscheinlich noch etwas ab,
so dass dann teils bis in tiefere Lagen die Schneephase dabei sein kann. Vor
allem im Schwarzwald und an den Alpen ist dann entsprechend wieder mit Neuschnee
zu rechnen.

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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Zum Samstag zeigt EZMW eine hinreichend gute Konsistenz, Ab Sonntag ergeben sich
jedoch deutlichere Abweichungen zur gestrigen Einschätzung.
Im gestrigen 00 UTC-Lauf erfolgte nach Passage eines ersten Troges am
Sonntag-Montag eine starke Zonalisierung, bei der es über dem
Ärmelkanalvorderseitig eines neuen markanten Randtroges zu einer kleinräumigen
und intensiven Sturmtiefentwicklung kommen sollte.
Dieser am Montag von Ärmelkanal über Nordwestdeutschland ziehende
Sturm-Schnellläufer ist in den beiden letzten Läufen nicht mehr präsent!
Dagegen verbleibt Deutschland unter dem sich weiter südwärts ausweitenden und
regenerierenden Trog und wird von Nordwesten her von dem Starkwindfeld es über
Jütland wandernden Zentraltiefs erfasst.

Nicht zuletzt im Hinblick auf die von anderen vorliegenden Modellen simulierte
Wind-und Niederschlagsverteilung in ihrer zeitlichen und räumlichen Ausprägung
ist die Wetterprognose ab Sonntag als recht unsicher einzuschätzen!


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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die anderen vorliegenden operationellen Modelle gehen zunächst einmal
weitgehend konform mit den Aussagen des EZMW.
Nach GFS dringt die Kaltfront des Nordmeertiefs bzw. eines skandinavischen
Randtiefs am Freitag über Deutschland zügiger südostwärts vor.
Zudem wandert hier das Zentraltief am Wochenende auch rascher über Jütland und
die Ostsee ab, das Hauptwindfeld bzw. Sturmfeld greift weniger weit südwärts
aus. Auch wandert der Langwellentrog als Ganzes zügig nach Osten , wobei an
dessen Westflanke eine gewisse Zonalisierung zum Tragen kommt.
Im Zuge dieser Zonalisierung nimmt dann am Montag die Warmfront eines Randtiefs
über der Bretagne Kurse auf Südwestdeutschland.
Auch das kanadische Modell(GEM) schließt sich weitgehend der GFS-Lösung an,
wobei hier an Montag/Dienstag von Südwesten ein Warmluftvorstoß nach Deutschland
erfolgt.
Das Szenario des ICON lehnt sich wiederum eher an EZMW an.

Der gestern noch teilweise simulierte über den Ärmelkanal rasende
Sturmschnellläufer steht heute(Basis 00 UTC) nicht mehr auf dem Programm.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Nach den EZMW-EPS ergibt sich Mittwoch/Donnerstag ein Potentialmaximum. Danach
sinken die Geopotentialwerte in eine breite Talsohle, wobei "Hres" und
Kontrolllauf des EZMW dann quasi am unteren Ende des Spektrums liegen.
Mittwoch bis Freitag gibt es nur schwächere Niederschlagssignale die sich
hauptsächlich auf den Norden konzentrieren. Ab dem Wochenende gibt es insgesamt
eine recht hohe Niederschlagssignaldichte, vor allem am Sonntag sind auch
stärkere Niederschläge wahrscheinlich.
Die Temperaturkurven weisen von Freitag bis Montag kontinuierlich nach unten und
erreichen zum Montag einen Medianbereich um -3°C.

Die ENS-GFS zeigen prinzipiell einen jeweils ähnlichen Trend mit der höchsten
Niederschlags-Signalsichte am Sonntag.
Das Ensemblemittel der Temperatur liegt in etwa im Bereich des Klimamittels.

Die Großwetterlagen-Klassifikation des EZMW-EPS nach Dr. Paul Jamie signalisiert
Dienstag bis Donnerstag, teils auch Freitag noch, die Großwetterlage "Brücke
Mitteleuropa"(BM). Zum Wochenende gibt es dann einen Mix als NWz und TrM.

Die CLUSTER-Analyse 120-168h des EZMW-EPS liefert zum Wochenende 3 CLUSTER, in
denen sich jeweils die massive Austrogung über Mitteleuropa manifestiert.
Allerdings bringt am Sonntag fast die Hälfte der Member eine vorübergehende
Zonalisierung der Strömung.
Die zeitliche und räumliche Verlagerung des etwa vom Nordmeer und der Nordsee
über Jütland südostwärts laufenden Zentraltiefs bzw. Sturmtiefs wird
unterschiedlich behandelt, so dass bezüglich der Wind-und
Niederschlagsverteilung in diesem Zeitraum sehr große Unsicherheiten
resultieren.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Die statistischen Verfahren geben zunächst keine, erst am Wochenende Hinweise
auf markante Wetterereignisse.

WIND: mit Übergreifen der Frontalzone liefert EZMW-EPS am Wochenende Signale für
Böen Bft 8 an den Küsten und im höheren Bergland.

NIEDERSCHLAG. Trotz höherer Niederschlagssummen einzelner deterministischer
Läufe geben die EZME-EPS keine tragbaren Hinweise auf Sauerregen.
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Basis für Mittelfristvorhersage
Mos-MIX, EZMW-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Michael Goethel