DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

17-10-2017 09:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 16.10.2017 um 10.30 UTC



Zunehmend wechselhaft, aber meist mild. An der Küste und auf höheren Berggipfeln
vor allem ab dem Wochenende zeitweise Sturmböen.
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Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 23.10.2017


Am Donnerstag liegt Deutschland an der Ostflanke eines zum westlichen Mittelmeer
hin austropfenden Troges und somit unter einer schwachen südwestlichen und
antizyklonal gekrümmten Strömung. Hierdurch bleibt im Osten und Süden noch
antizyklonaler Einfluss bestehen, wogegen auf den Norden und Westen
mehrschichtige Bewölkung übergreift, ohne dass bereits nennenswerte
Niederschläge fallen.
Am Freitag nähert sich von den Britischen Inseln kommend der aus dem o.g.
Cut-Off hervorgegangene Resttrog und greift bis zum Abend auf den Westen
Deutschlands über. Das diesem Trog vorgelagerte Frontensystem erfasst mit
Niederschlägen auf den Südwesten und Westen Deutschlands. Der anfangs im Osten
und Süden noch vorhandene schwache Hochdruckeinfluss wird zusehends abgebaut.
Am Samstag gelangt Deutschland unter die Vorderseite eines sich über Irland
entwickelnden Zentraltiefs. Das okkludierende Frontensystem dieses Tiefs lässt
von Nordwesten und Westen her erneut Niederschläge aufkommen, die in der Nacht
zum Sonntag wahrscheinlich auch auf den Osten und Süden übergreifen. Zudem
erfolgt im Nordwesten eine Gradientverschärfung, so dass an einigen Abschnitten
der Nordseeküste stürmische Böen vorstellbar sind. Das Zentraltief wird von
einem Kurzwellentrog umlaufen, der am Sonntag zum Golf von Genua abtropft und
südlich der Alpen eine Zyklogenese in Gang setzt. Das hieraus resultierende
Aufgleiten führt auch im Süden und Südosten zu teils länger andauernden
Niederschlägen. Ob dabei Warnschwellen erreicht werden, ist noch nicht sicher,
aber wenig wahrscheinlich. Ansonsten führt kompensierendes Absinken zur
Entwicklung eines Hochkeils, der die Niederschlagsneigung gering hält.
Am Montag verlagert sich der Resttrog über Deutschland hinweg ostwärts. Dieser
wird durch Kaltluftadvektion überlaufen und ist daher mit seiner
Wetterwirksamkeit gering.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum setzt sich eine westliche
Strömung durch, mit welcher milde Luft advehiert wird. Eingelagerte Fronten
gestalten im Norden und in der Mitte den Wettercharakter wechselhaft, sehr
wahrscheinlich ohne dass Warnschwellen in Bezug auf Dauerregen überschritten
werden. Dies geht vor allem im Norden mit einer erneuten Gradientzunahme einher,
wodurch an der See und auf höheren Berggipfeln zeitweise Böen bis Sturmstärke
auftreten können. Nach Süden hin lässt sich dann auch nicht mehr die Lage als
gradientschwach bezeichnen. Somit sollte dann die Nebelneigung gering sein.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bis einschließlich Donnerstag sind bzgl. der Lage über Mitteleuropa die
aktuellen Vorhersagen gegenüber den gestrigen beiden Modellläufen einigermaßen
konsistent. Setzt man einen etwas größeren Radius an, zeigt sich, dass der
weiter oben beschriebene Austropfprozess bei den gestrigen Modellläufen noch
nicht zu finden war. Der ab Freitagabend übergreifende Resttrog war bereits auch
beim gestrigen 12 UTC-Lauf zu sehen. Am Samstag zeigen hingegen alle
Modellläufe eine straffe südwestliche Strömung über Mitteleuropa.
Deutliche Unterschiede ergeben sich dann wieder ab Sonntag. Der 00 UTC-Lauf des
Vortages hatte ein kräftiges, sich in die Deutsche Bucht verlagerndes Tief
gezeigt, wogegen beim aktuellen Lauf nur eine schwache Zyklogenese bei
Schottland erkennbar ist. Da von dem über den Norden Deutschlands hinweg
ziehenden Tief beim aktuellen Lauf nichts mehr zu sehen ist, dürften die
Änderungen bzgl. des Wettercharakters gravierend sein. Von lang andauernden
Niederschlägen kann nach dem heutigen 00 UTC-Lauf nicht mehr die Rede sein;
vielmehr setzt sich relativ rasch eine west- südwestliche Strömung durch.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum hatte der gestrige 00 UTC-Lauf
über Skandinavien eine Blockierung (mit einem Hoch von 1035 hPa über
Südschweden) vorgesehen. Die beiden nachfolgenden Modellläufe ließen die
Frontalzone wei6t nach Osten durchgreifen.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Bis einschließlich Freitag ergeben sich kaum signifikante Unterschiede zwischen
den Vorhersagen der einzelnen Zentren. Danach, d.h. am Samstag, sind GFS und
ICON zyklonaler geprägt als EZMW. GFS bringt sogar eine Sturm-Zyklogenese über
der Deutschen Bucht mit ins Spiel.
Das Modell des kanadischen Wetterdienstes zeigt ein ähnliches Tief, lässt es
aber nur bis zur Emsmündung vorankommen und sich dort rasch auffüllen. Am
Sonntag und Montag entwickelt sich nach diesem Modell eine über den Norden
Deutschlands hinweg nach Osten gerichtete Tiefdruckrinne.
Diese ist bei ICON noch andeutungsweise vorhanden; GFS und auch EZMW zeigen
hingegen eine derartige Struktur nicht bzw. nach EZMW war eine derartige
Tiefrinne beim 00 UTC-Lauf des Vortages im Angebot.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum setzt sich nach GFS wie bei
EZMW ebenfalls eine südwestliche Strömung durch. Nach dem kanadischen Modell
folgen in der Tiefdruckrinne weitere Tiefs nach, d.h. die Frontalzone würde
demnach weiter südlich liegen als nach GFS und EZMW. Sowohl der Vergleich mit
externen Modellen als auch die Konsistenz lässt die Prognosen ab Freitag
zusehends unsicher werden.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Das EPS des GFS folgt der oben beschriebenen Entwicklung. Erst im erweiterten
mittelfristigen Vorhersagezeitraum divergieren die Einzellösungen deutlich. Auch
die oben getroffenen Aussagen zur Niederschlagsentwicklung werden gestützt.
Während der Norden und Westen am Donnerstag von Niederschlägen erfasst werden,
ist dies im Osten und Süden wahrscheinlich erst ab Freitag der Fall. Das
Durchgreifen der Zonalströmung im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum
lässt sich auch aus den entsprechenden Anomaliefeldern ableiten.
Das EPS des EZMW zeigt mit der Mehrheit der Lösungen das Durchgreifen der west-
südwestlichen Strömung, aber immerhin 20 Einzellösungen bieten ein hiervon
abweichendes Szenario, wobei etwa hälftig eine erneute Blockierung bzw. eine
sehr weit südlich verlaufende Frontalzone zu finden ist. Wenn auch die
Zonalsierung mit Südwesteinschlag das wahrscheinlichste Szenario ist, so kann es
dennoch anders kommen.
Wie beim EPS des GFS zeigt sich auch beim EPS des EZMW erst im erweiterten
mittelfristigen Zeitraum eine deutliche Divergenz der Einzellösungen, die im
Süden und Südosten ausgeprägter ist als nach Nordwesten hin. Dabei ist der
Hauptlauf an der warmen Seite der Verteilung der Einzellösungen zu finden.
Zumindest sind ab Wochenbeginn wieder die Weichen für einen milden
Witterungsabschnitt gestellt.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


An der Nordseeküste und auf höheren Berggipfeln sind einzelne stürmische Böen
nicht ganz auszuschließen. Sonst sind aufgrund der meist vorherrschenden ruhigen
Hochdruckrandlage signifikante Wetterereignisse eher unwahrscheinlich.
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Basis für Mittelfristvorhersage
EPS(EZMW)
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Thomas Schumann