DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

07-10-2017 09:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 06.10.2017 um 10.30 UTC



Im Norden durchweg, im Süden zeitweise wechselhaft und mild.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 13.10.2017


Die Mittelfrist über etabliert sich südlich von Grönland ein Bereich mit kalter
Höhenluft, der sich immer wieder regeneriert. In dessen Umfeld können sich
wiederholt teils kräftige Tiefdruckgebiete über dem Nordostatlantik entwickeln.
Per "downstream development" wirken sich diese in der Folge auch auf Europa aus.
Besonders im Norden ist mit einer Fortdauer der wechselhaften Witterung zu
rechnen.

Zum Beginn der Mittelfrist, am Montag, liegt ein Langwellentrog über
Skandinavien und Osteuropa, während sich zwischen Grönland und Schottland der
bereits angesprochene Langwellentrog mit tiefem Geopotential etabliert.
Deutschland liegt in einer mäßigen Nordwestströmung, wobei Kaltluftadvektion
besonders den Nordosten Deutschlands beeinflusst. Von Westen macht sich im
Tagesverlauf allmählich niedertroposphärische Warmluftadvektion bemerkbar,
sodass Deutschland im Grenzbereich liegend leichtes Aufgleiten und dichte
Bewölkung mit gelegentlichen schwachen Niederschlägen zu erwarten hat. Davon
ausgenommen ist der Nordosten, der wenigstens zeitweise Sonnenschein abbekommt.
Dem etwas stärkeren Druckgradienten im Osten und Nordosten sowie der gut
durchmischten Luftmasse geschuldet weht tagsüber in diesen Bereichen ein
frischer, über Vorpommern zeitweise auch ein böiger Nordwestwind, sonst ist nur
mit einem schwachen Wind aus West zu rechnen.
In der Nacht zum Dienstag ändert sich an dieser Wetterverteilung kaum etwas,
wobei im Südwesten und Westen gebietsweise Nebel auftreten kann.

Am Dienstag tropft über der Nordsee ein kompaktes Höhentief ab und erreicht zum
Abend Dänemark. Es ist niedertroposphärisch an einen markanten Bodentrog
gekoppelt, in den wiederum eine Okklusion eingebettet ist. Diese überquert die
Mitte und den Norden tagsüber von West nach Ost und bringt in diesen Bereichen
anhaltende Regenfälle, die im Norden auch mal mäßige Intensitäten erreichen
können. Im Süden sorgt eine schwach antizyklonal geprägte Höhenströmung für
Absinken und die Sonne kann sich wenigstens zeitweise gegen die dichten
Wolkenfelder durchsetzen. Der Westwind frischt mit der Passage des Bodentroges
zeitweise böig aus West bis Südwest, später Nordwest auf. Auch im Bergland sind
einzelne stürmische Böen wahrscheinlich, sonst weht der Südwestwind schwach bis
mäßig.
In der Nacht zum Mittwoch ziehen das kompakte Höhentief und ebenso der Bodentrog
mit der dazugehörigen Okklusion ostwärts nach Polen ab. Das Südende der
Okklusion gelangt allerdings unter einen sich von Südwest nach Deutschland
aufwölbenden Höhenrücken und auch der Bodendruck steigt allmählich von Südwesten
an, sodass sich die Front einerseits abschwächt, aber auch ihre Südverlagerung
verlangsamt. Ausgangs der Nacht wird sie den Süden mit etwas Regen erreichen,
während die Niederschläge im Osten rasch nachlassen. Im Umfeld der Nord- und
Ostsee sind in der Nordwestströmung einzelne Schauer zu erwarten, sonst bleibt
es meist trocken. Über der Nordsee sowie im Bergland sind weiterhin einzelne
stürmische Böen aus Südwest bis West zu erwarten.

Zum Mittwoch überquert ein progressiver Höhenrücken Deutschland rasch von West
nach Ost, dem jedoch rückseitig bereits rasch der nächste Trog mit einer
schwachen Warmfront folgt. Demzufolge zeigt sich der Tag meist wolkenverhangen
und besonders im Norden kann es zum Nachmittag etwas regnen. In der Mitte und im
Süden bleibt es hingegen trocken und je weiter man nach Süden kommt, umso eher
kann sich die Sonne gegen die dichten Wolkenfelder durchsetzen. Weiterhin weht
der Südwestwind über der Nordsee und im Bergland zeitweise stürmisch, sonst
schwach bis mäßig.
In der Nacht zum Donnerstag zieht ein breit konturierter Höhentrog von der
Nordsee zügig zur Ostsee und lenkt eine schwach ausgeprägte Kaltfront in den
Nordwesten und Norden Deutschland. Dort fällt gelegentlich etwas Regen, sonst
bleibt es bei wechselnder Bewölkung trocken und im Süden kann sich gelegentlich
dichter Nebel bilden. An der bereits beschriebenen Windsituation ändert sich
wenig.

Am Donnerstag wölbt sich in der insgesamt nun eher zonal ausgerichteten
Höhenströmung ein flacher Keil über Deutschland auf, der aber nicht verhindern
kann, dass atlantische Fronten in stark abgeschwächter Form in den Norden und
die Mitte Deutschlands ziehen. Dort ist es auch meist stark bewölkt mit nur
kurzen Auflockerungen und gelegentlich kann etwas Regen fallen. Im Süden
hingegen scheint häufig die Sonne und es bleibt dort trocken. Der Südwestwind
schwächt sich insgesamt etwas ab und weht über der Nordsee und im oberen
Bergland zeitweise frisch.
In der Nacht zum Freitag kommt es zu keiner grundlegenden Wetteränderung. Im
Norden regnet es zeitweise, teil auch für längere Zeit, während die Wolkendecke
im Süden auflockert und dort bleibt es trocken.

Zum Freitag wölbt sich über Nordwesteuropa ein markanter Höhenkeil mit sehr
milder Luft auf (500 hPa Temperatur zwischen -10 und -15 Grad). Deutschland
liegt an dessen Ostflanke in einer Nordwestströmung, wobei Feuchtefelder um den
Rücken herum von Nordwest nach Südost geführt werden. Dabei kann es im Nordosten
und Osten zeitweise regnen, im Westen und Süden bleibt es hingegen trocken.
Meist zeigt sich der Himmel wolkenverhangen, nur im Süden und Südwesten sorgt
der nahende Keil für teils größere Wolkenauflockerungen.

Die Höchstwerte liegen zum Beginn der Mittelfrist zwischen 12 und 16 Grad und
klettern bis zum Ende auf 14 bis 18 Grad. Während der Nächte liegt die
Tiefsttemperatur meist zwischen 12 und 4 Grad mit den mildesten Werten im Umfeld
der Küsten. Nur örtlich kann bei größeren Wolkenauflockerungen in geschützten
Senken-und Muldenlagen leichter Frost in Bodennähe nicht ausgeschlossen werden,
doch insgesamt spricht die bewölkte und von atlantischen Luftmassen geprägte
Mittelfrist eher dagegen.

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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Am Montag und Dienstag besteht innerhalb der letzten Modellläufe von EZMW eine
gute Übereinstimmung mit Blick auf die generelle Wetterentwicklung. Allerdings
wird zum Dienstag ein Trog über der Nordsee von Lauf zu Lauf östlicher
gerechnet, was auch die dazugehörige Okklusion am Dienstag tagsüber zügiger nach
Osten abdrängen sollte. Von da an setzt sich dann allerdings dieser Phasenfehler
innerhalb der Modellvorhersagen fort, da die Strömung zwar insgesamt zonal
geprägt ist, aber gleichzeitig auch von mehreren Keilen und Trögen mit geringer
Amplitude durchlaufen wird. Daher muss man sagen, dass ab Mittwoch die
Unsicherheiten bezüglich des genauen "timings" von Keilen und Trögen sehr groß
sind und dass auch eine genaue Regionalisierung der Niederschlagsereignisse nur
ohne Schärfe und somit eher grob durchgeführt werden kann (Norden insgesamt
unbeständiger mit zeitweiligem Regen, der Süden meist trocken). Zum Freitag wird
in den beiden letzten EZMW-Läufen eine kräftige Keilaufwölbung vom
Nordostatlantik nach Nordwesteuropa von der Lage und Intensität wieder
einheitlicher gezeigt, sodass dieses Szenario zunehmend wahrscheinlicher wird.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Innerhalb der Globalmodelle wie EZMW, GFS und ICON besteht während dieser
Mittelfrist eine frühe und rasch zunehmende Modellunsicherheit. Bereits am
Montag, dem Beginn der Mittelfrist, zeigt EZMW einen kräftigeren Keil über der
Nordsee, was sich besonders in der Nacht zum Dienstag über Mitteleuropa
bemerkbar macht. Während ICON dann zonal und EZMW antizyklonal geprägt sind,
zeigt GFS bereits eine zyklonal gekrümmte Strömung über dem westlichen
Mitteleuropa. Zum Dienstag nimmt ICON mit einem breiten Keil über Mitteleuropa
eine Außenseiterrolle ein, da EZMW und GFS beide einen markanten Trog erwarten.
Diese Unterschiede spiegeln sich auch bei der zu erwartenden Wetteraktivität der
Okklusion wider, die bei ICON deutlich schwächer ausfällt. Diese
Phasenunterschiede dauern die gesamte Mittelfrist über weiter an, sodass diesem
Vorhersagezeitraum eine große Unsicherheit bezüglich der genauen Entwicklung
bescheinigt werden muss.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Zum Beginn der Mittelfrist gibt es drei Cluster (Cluster eins mit dem klimat.
Regime "Atlantikrücken" und Cluster zwei und drei mit "Blockadelage"), wobei
Kontrolllauf und det. Lauf beide in dem am schwächsten besetzten Cluster drei zu
finden sind. Deutschland liegt bei allen Clustern unter einem kräftigen Trog,
sodass die Differenzen für die Wetterentwicklung in Deutschland unwesentlich
sind.
In der Folge etabliert sich eine eher zonal ausgerichtete Strömung über dem
Nordostatlantik, weshalb auch alle Cluster durchweg das klimat. Regime "positive
NAO" zeigen. Der Cluster eins ist am stärksten besetzt, Kontroll- und det. Lauf
sind wiederum im Cluster zwei zu finden. Beim Vergleich beider Cluster fällt
auf, dass vor allem die kurzwelligen Trog- und Keilanteile in der zonalen
Strömung Probleme bereiten bezüglich der genauen Lage und Intensität. Insgesamt
steht aber besonders dem Norden und teils auch der Mitte Deutschlands ein
wechselhafter Abschnitt bevor, während der Süden Deutschlands von etwas höherem
Geopotential profitiert.
Bei den Rauchfahnen ist mit Fortschreiten der Mittelfrist eine deutliche Zunahme
des "spread", also der Unsicherheit auszumachen, wobei diese nach Norden zu dank
der progressiven Strömung größer ist als im Süden.

Die ENS von GFS zeigen ebenfalls im Verlauf der Mittelfrist einen zunehmenden
"spread" innerhalb der Memberschar (z.B. bei der 850 hPa Temperatur) und
besonders beim Niederschlag (z.B. Hamburg), wo die zahlreichen Fronten zeitlich
noch unterschiedlich gehandhabt werden.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Der EFI zeigt während der Mittelfrist keine Abweichungen vom Modellklima an.

COSMO-LEPS zeigt nur über der Nordsee sowie zeitweise auf exponierten Berglagen
Wahrscheinlichkeiten für Böen Bft 8 (Nordsee immerhin 20 bis 40 %
Wahrscheinlichkeit) an. Sonst werden wie auch bei EZMW-EPS keine
außergewöhnlichen Wettererscheinungen erwartet.
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Basis für Mittelfristvorhersage
Mos-MIX, EZMW, EZMW-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy