DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

24-08-2017 11:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 24.08.2017 um 10.30 UTC



Vor allem in der Mitte und im Süden sehr warm bis heiß. Zunächst nur vereinzelt
Gewitter. Ab Dienstag mit Kaltfrontpassage vermehrt teils kräftige Gewitter
möglich. Nachfolgend überall kühler.
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 31.08.2017


Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am Sonntag liegt Deutschland
vorderseitig eines flachen Höhentroges, der in der Nacht zum Montag über uns
hinweg schwenkt. Im Bodendruckniveau befindet sich Deutschland zunächst im
Bereich einer Tiefdruckrinne, die sich im Tagesverlauf ostwärts verlagert. Darin
eingelagert ist ein Frontensystem, das am Sonntag etwa über die Mitte
Deutschlands hinweg verläuft und kühle Meeresluft im Norden von Suptropikluft im
Süden trennt. Mit Durchschwenken des Troges wird die Front in der Nacht Richtung
Süden gedrängt, wobei sie zunehmend unter den Einfluss eines Hochkeils gelangt,
der sich ausgehend vom Azorenhoch Richtung Deutschland ausweitet.

Am Montag gelangt Deutschland von Westen zunehmend unter einen Höhenrücken, der
sich ausgehend von Westeuropa Richtung Skandinavien aufwölbt. Dadurch gestützt
wird am Boden weiterhin der Hochkeil, der sich noch etwas weiter Richtung
östliches Mitteleuropa ausdehnen kann. Über dem Süden liegen noch die Reste der
Front, sodass es südlich davon und mit Trogpassage im Nordosten noch zu leichten
Niederschlägen kommt.

In der Nacht zum Dienstag schwenkt die Rückenachse ostwärts über uns hinweg,
wodurch wir am Dienstag zunehmend auf die Vorderseite eines Höhentroges
gelangen, der sich von der norwegischen See etwa bis in den Norden Frankreichs
erstreckt. Korrespondierend zu dem Trog befindet sich im Bodendruckfeld ein
umfangreiches Tiefdruckgebiet. Mit der zunehmend auf Südwest drehenden Strömung
kommt die Warmluft wieder weiter nach Norden voran, wobei die 10-Grad-Isotherme
in 850 hPa am Nachmittag das norddeutsche Binnenland erreicht. Dabei beginnt der
Luftdruck von Nordwesten rasch zu sinken, sodass das Potential für die Bildung
von Gewittern steigt. Die Kaltfront des Tiefs mit Kern über der Norwegischen See
greift schließlich am Abend auf den äußersten Nordwesten Deutschlands über und
kommt in der Nacht zum Mittwoch weiter ins Landesinnere voran. Rückseitig fließt
erneut ein Schwall kühler Meeresluft ein, wobei die 850 hPa Temperaturen auf
etwa 3 Grad absinken.

Am Mittwoch gelangt Deutschland zunehmend unter den Höhentrog. Die Kaltfront des
mittlerweile vor den Lofoten liegenden Bodentiefs kommt weiter südostwärts
voran. Sie erreicht am Abend den äußersten Südosten des Landes, sodass die
Warmluft nahezu vollständig abgedrängt wird.

Am Donnerstag erreicht die Trogachse das östliche Mitteleuropa und im
Bodendruckniveau setzt sich schwacher Hochdruckeinfluss durch. Im Tagesverlauf
greift allerdings ein weiterer Kurzwellentrog von Nordwesten auf uns, wodurch
das wechselhafte Wetter bei nur mäßig warmem Temperaturniveau erhalten bleibt.

__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des heutigen 00 UTC Laufs im Vergleich zum gestrigen 12 UTC Lauf
kann zumindest bis Mittwoch als relativ gut bezeichnet werden, im Vergleich zum
gestrigen 00 UTC Lauf ergeben sich hingegen größere Unterschiede. Dabei sind vor
allem Differenzen im Trog-/Keilmuster vorhanden, die in den beiden jüngeren
Läufen jeweils markanter ausgeprägt sind.

Folglich finden einerseits Trog- und Frontpassagen etwas rascher statt als nach
dem gestrigen 00 UTC Lauf. Andererseits wird trogvorderseitig aufgrund der
kräftigeren Südwestströmung die warme Luft am Dienstag weiter Richtung Norden
transportiert.

Ab Mittwoch ist die Konsistenz aller drei aufeinanderfolgender Modellläufe
schlecht.
__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen


Über den gesamten mittelfristigen Vorhersagezeitraum sind große
Modellunterschiede vorhanden, wobei GFS und EZMW zumindest bis Mittwoch die
synoptische Entwicklung noch relativ ähnlich prognostizieren. Insgesamt zeigt
ICON nach der langsameren Trogpassage am Montag eine relativ glatte zonal
ausgerichtete Höhenströmung, während nach EZMW (etwas schneller) und GFS (etwas
später) ab Mittwoch ein markanter Trog auf uns übergreift. Entsprechend verharrt
die Frontalzone nach ICON weitgehend über der Mitte Deutschlands mit teils
kräftigen Niederschlägen. Folglich sind auch die Erwärmung am Dienstag und die
nachfolgende Abkühlung am Mittwoch nach ICON schwächer ausgeprägt.
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


Bis einschließlich Dienstag zeigt die Rauchfahne von Offenbach einen relativ
engen Verlauf sowohl bei der Temperatur als auch beim Geopotential. Dabei
befinden sich Haupt- und Kontrolllauf am unteren Rand des Ensembles, sodass die
Mehrheit der Member den Warmluftvorstoß am Dienstag sogar noch kräftiger sieht.
Ab Mittwoch nimmt der Spread deutlich zu. Im Mittel zeigen zwar alle Member ein
Absinken des Geopotentials, dieser fällt aber nicht so kräftig aus wie bei
Haupt- und Kontrolllauf. Den deutlichen Rückgang der Temperatur am Mittwoch
zeigt hingegen die Mehrheit der Member.

Die Clusterung des EZMW besitzt für den Zeitraum von t+72 bis 96 Stunden zwei
Cluster. Dabei schwenkt der Trog am Montag nach Cluster 2 etwas langsamer über
uns hinweg, was eher der ICON-Lösung entsprechen würde. Der deterministische
Lauf befindet sich in Cluster 1. Nachfolgend steigt die Anzahl der Cluster für
den Zeitraum von Dienstag bis Donnerstag auf fünf an. Dabei gibt es neben der
oben beschriebenen Entwicklung noch Lösungen mit einer zyklonalen Südwestlage
und einer Westlage. Die meisten Member besitzt Cluster 1, in dem der Trog zwar
ostwärts schwenkt, aber schwächer ausgeprägt ist. Somit stellt dieser Cluster
eine Zwischenlösung zwischen der Variante des det. EZMW und ICON dar.
_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Sonntag und Montag bilden sich in der Mitte und im Süden meist nur einzelne
Gewitter, wobei lokal Unwetter aufgrund von Starkregen und Hagel möglich sind.

Ob und wie kräftig mögliche Gewitter am Dienstag und Mittwoch ausfallen, hängt
davon ab, wie markant der Trog tatsächlich ausgeprägt ist. Nach der EZMW Lösung
wären vermehrt Gewitter zu erwarten, wobei auch unwetterartige Entwicklungen
wahrscheinlich sind.

Vor allem im Süden muss zeitweise mit einer starken Wärmebelastung gerechnet
werden.
________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
Die Vorhersage im Mittelfristzeitraum gestaltet sich nicht nur aufgrund der
Konsistenzprobleme sondern auch aufgrund von größeren Unterschieden zwischen
GFS, EZMW und ICON als schwierig, wobei sich EZMW und GFS zumindest bis Mittwoch
relativ einig sind. Somit basiert die Mittelffristvorhersage überwiegend auf
MOS-EZMW und EZMW-EPS.
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl. Met. Johanna Anger