DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

17-07-2017 23:00
SXEU31 DWAV 171800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 17.07.2017 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Am Abend anfangs in der Mitte noch Gewitter, in der Nacht nachlassend. Morgen
besteht die höchste Gewitterwahrscheinlichkeit im Bereich der süddeutschen
Mittelgebirge, am Mittwoch im Nordwesten und am Donnerstag im Nordosten. Die
Wahrscheinlichkeit von Unwetter aufgrund von Starkregen und Hagel steigt am
Mittwoch und Donnerstag.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC
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Aktuell ... überquert ein Höhentrog Skandinavien. Dadurch wird die Frontalzone
nach Süden gedrückt und weist über dem Nordosten noch eine leicht zyklonale
Struktur auf. Im Westen weitet sich der über Westeuropa liegende Keil eher nach
Norden aus als dass er nach Osten vorankommt, wodurch die schwache,
west-nordwestliche Strömung über dem Vorhersagegebiet bestehen bleibt. Die
Kräftigung des Höhenkeils lässt die korrespondierende Hochbrücke im
Bodendruckfeld in ihrem Westteil etwas nach Norden vorankommen. Allerdings
bleibt die schwachgradientige Lage über dem Vorhersagegebiet bestehen.
Weiterhin nähert sich im Westen ein Trog der Iberischen Halbinsel. An dessen
Vorderseite entwickelt sich über der Biskaya ein flaches Tief, was die nach wie
vor über Deutschland schleifende Front rückläufig werden lässt.

In der Nacht ziehen die Schauer und Gewitter in Richtung Tschechien ab. Danach
ist es dann warnfrei. Gebietsweise kann sich Nebel bilden, der jedoch
voraussichtlich nicht warnwürdig sein wird.


Dienstag ... verlagert sich der westeuropäische Keil langsam ostwärts und seine
Achse erreicht am Abend unsere Westgrenze. Im Südwesten schwenkt auch der Trog,
der sich ausgehend von einem Tief bei Grönland bis zur Iberischen Halbinsel
erstreckt, weiter ostwärts und dadurch verlagert sich das Bodentief im
Tagesverlauf von der Biskaya zur Bretagne. Ein Bodentrog, der davon ausgeht
erstreckt sich ostwärts und erfasst den Süden und Teile der Mitte. Dadurch
dringt mit einer südlich bis südwestlichen Strömung feucht-labile Luft in den
gesamten Westen und in den zentralen Mittelgebirgsraum vor. Dabei steigt südlich
einer Region, die im Norden zu bis etwa vom Aachener Raum bis zum Vogtland
reicht, die CAPE Werte bis über 1000 J/kg an. Gleichzeitig nimmt auch die
Feuchte zu, die Werte steigen im Süden und in der südlichen Mitte bis über 30 mm
auf. Allerdings fehlt, trotz der Zutaten für eine Schwergewitterlage, der
Hebungsantrieb. Somit sollte hochreichende Konvektion in erster Linie durch die
Hilfe der Orografie entwickeln. Dies ist in den südwest- und süddeutschen, sowie
in den zentralen Mittelgebirge und an den Alpen am wahrscheinlichsten.

Abgesehen von den Gebieten mit stärkerer frontaler Bewölkung sind Aufheiterungen
und auch längere sonnige Abschnitte zu erwarten. Die Temperaturen steigen im
Norden auf 21 bis 25 Grad, in der Mitte und Süden auf 26 bis 29 Grad. Im
Südwesten sind Höchstwerte bis 32 Grad zu erwarten.

In der Nacht zum Mittwoch wandert die Divergenzachse des Keils in unsere
Westhälfte und dadurch kann die feuchtwarme Luft noch etwas nach Norden
vorankommen. Mögliche Gewitter brechen aber am Abend rasch zusammen, sodass die
Nacht warnfrei wird. Eventuell auftretende Nebelfelder sind nicht warnwürdig.


Mittwoch ... kommt die Achse des Höhenkeils bis in die Mitte Deutschlands voran.
Der diesem Keil folgende Trog tropft aus, das resultierende Cut-Off-Tief
verlagert sich in das Seegebiet unmittelbar westlich von Irland. Abgesehen vom
äußersten Nordosten gelangt Deutschland in den Warmsektor des korrespondierenden
Bodentiefs und somit in eine Luftmasse subtropischen Ursprungs. Die Schichtung
ist sehr labil, CAPE steigt auf teils deutlich mehr als 2000 J/kg, der Gehalt an
niederschlagbarem Wasser auf 30 bis 40, im Westen auf 45 mm. Allerdings ist CAPE
gedeckelt, die Auslösetemperatur wird am ehesten ganz im Westen sowie über dem
zentralen und süddeutschen Mittelgebirgsraum erreicht, so dass dort
hochreichende Konvektion bis hin zu Unwettern (vor allem durch heftigen
Starkregen, ganz im Westen aufgrund der dort aufkommenden Scherung auch durch
größeren Hagel) am wahrscheinlichsten sind.
Im weitaus größten Teil Deutschlands dürfte der Keil hochreichende Konvektion
unterbinden. Fraglich ist allerdings, ob das Absinken im Bereich des Keils
hierfür hinreichend ist und ob sich der Keil so verlagert, wie es die aktuellen
Vorhersagen zeigen.

Da das Absinken im Bereich des Keils vor der Entwicklung hochreichender
Konvektion eine kräftige Einstrahlung ermöglicht, macht die Erwärmung weitere
Fortschritte. Im Norden und Nordosten werden 25 bis 30, unmittelbar an der See
Werte um 22 Grad erreicht. Im Westen, Süden sowie in den mittleren gebieten
steigt die Temperatur auf 30 bis 35 Grad.

In der Nacht zum Donnerstag verlagert sich der Keil in den Nordosten
Deutschlands und beginnt dabei abzuflachen. Dies ist durch einen Kurzwellentrog
bedingt, der von Südwesten kommend in die Keilachse hineinläuft. Hierdurch
verlagert sich der Schwerpunkt der konvektiven Aktivität in den Norden
Deutschlands, wo weitere Gewitter (mit Starkregen bis in den Unwetterbereich
hinein) zu erwarten sind. Aufgrund der auch dort zunehmenden Scherung kann es
sich dabei durchaus um langlebige Strukturen handeln. Dies trifft auch für den
Südwesten zu, wo sich eine südwestliche Strömung einstellt und damit der
Nachschub an feuchtwarmer Subtropikluft gegeben ist. In Ostseenähe und ganz im
Südosten (wo sich der Höhenkeil noch hält) ist die Wahrscheinlichkeit für
hochreichende Konvektion am geringsten.


Donnerstag ...kommt Deutschland mehr und mehr in den Einflussbereich des
Langwellentroges, der sich vom Seegebiet zwischen Island und den Britischen
Inseln bis zur Iberischen Halbinsel erstreckt. Der Osten Deutschlands und die
sich östlich anschließenden Regionen liegen noch bis zum Mittag unter einem
schwachen Höhenrücken, der dann in der zweiten Tageshälfte mehr und mehr nach
Osten abgedrängt wird. Mit dem Langwellentrog korrespondiert ein Tief über dem
östlichen Nordatlantik, dessen Frontensystem das Wetter in Deutschland bestimmt.
Dies geschieht einerseits durch seine Warmfront, die anfangs im Nordosten
wetterwirksam ist und dort auch skalige Niederschläge bringt. Andererseits kommt
die Kaltfront im Tagesverlauf von Westen her bis in die Mitte voran, in der
Nacht zu Freitag überquert sie dann den Osten und erreicht Polen, im Süden
erreicht sie die Alpen. Präfrontal und mit Passage der Kaltfront sind zum Teil
heftige Gewitter zu erwarten, die durchaus Unwetterpotential besitzen. Vor allem
in der Osthälfte werden CAPEs über 1500 J/kg und gleichzeitig PPW Werte über 40
mm von ICON6 prognostiziert. Daher sind unwetterartige Entwicklungen aufgrund
von Starkregen und Hagel möglich. Weiterhin gibt es an den Gewittern Sturmböen
möglich. Mit der Front und der insgesamt südwestlichen Strömung sinken auch die
Temperaturen. Werte über 30 Grad werden nur noch im Osten und Südosten bei
längerer Einstrahlung erwartet.



Modellvergleich und -einschätzung
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Die vorliegenden Modelle zeigen eine weitgehend ähnliche Entwicklung.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Rolf Ullrich