DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

19-06-2017 23:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 19.06.2017 um 10.30 UTC



Donnerstag heiß, Norden lokales Unwetterpotential. Am Wochenende im Norden
zunehmend wechselhaft und kühler. Im Süden heiß mit einem variablen
Gewitterrisiko.
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 26.06.2017


Die Mittelfrist ist geprägt durch einen progressiven Höhentrog, der von Island
über das Europäische Nordmeer nach Skandinavien wandert. Gleichzeitig nähert
sich ein deutlich schwächer ausgeprägter Höhentrog zum Beginn der Mittelfrist
(am Donnerstag) sukzessive der Iberischen Halbinsel. Dieses System wird jedoch
zu dem Zeitpunkt nicht in den ostwärts schwenkenden nordeuropäischen Trog
aufgenommen. Erst zum Sonntag/Montag laufen dieser Trog und ein weiterer
atlantischer Kurzwellentrog in Phase und verschmelzen zum Ende der Mittelfrist
zu einem neuen, markante Trog über Nordwest- und Westeuropa. Dieser greift in
der Folge auf Mitteleuropa über. Süddeutschland profitiert derweilen meist von
hohem Geopotential mit variabler Intensität.

Am Donnerstag liegt Mitteleuropa noch in einer relativ "glatten" zonal
ausgerichteten Strömung. Allerdings sollte eine markante Kurzwelle in dieser
Strömung zum Abend auf Norddeutschland übergreifen und ausgangs der Nacht zum
Freitag bereits Polen erreichen. Diese Kurzwelle begleitend erfasst ein diffus
strukturiertes Bodentief Dänemark und Norddeutschland mit einer Warm- und
nachfolgend mit einer Kaltfront im Verlauf des Abends und der Nacht zum Freitag.
Besonders Süddeutschland profitiert hingegen von höherem Geopotential und einer
relativ stabilen Schichtung. Entsprechend gestaltet sich der Donnerstag im Süden
tagsüber meist sonnig, am Nachmittag heiter und trocken. Zwar können sich im
Nachmittagsverlauf einzelne Wärmegewitter über den Bergregionen bilden, die
sollten jedoch in der Nacht zum Freitag wieder rasch in sich zusammenfallen. Im
Norden kommen nach einem ebenfalls sonnigen Tagesbeginn zum Nachmittag aus
Westen verbreitet kräftige Schauer und Gewitter auf. Etwas stärkere Windscherung
im Umfeld der Kurzwelle und eine sehr labil geschichtete Troposphäre deuten auf
ein erhöhtes Unwetterpotential hin, wobei großer Hagel und Starkregen im Fokus
stehen. Wie weit die Gewitter nach Süden und somit auf die Mitte Deutschlands
ausgreifen ist noch unsicher und muss abgewartet werden. Es deutet jedoch
einiges auf eine rege Gewittertätigkeit im Umfeld der zentralen Mittelgebirge
hin, die im Verlauf des späten Nachmittag und Abend auch auf das umgebende
Tiefland ausgreift. Die Höchstwerte liegen je nach Einstrahlung im Norden
zwischen 21 und 27 Grad. In der Mitte und im Süden wird es mit 29 bis 35 Grad
sehr heiß. Dabei deutet EZMW mit 850 hPa Temperaturen um 20 Grad, einem EFI
(2m-Maximumtemperatur) bis +1 und einem hohen Geopotential besonders zwischen
Eifel und Oberrheingraben auf außergewöhnlich hohe Höchstwerte von lokal bis zu
37 oder 38 Grad hin!

In der Nacht zum Freitag ziehen die teils heftigen Gewitter über
Nordostdeutschland nach Polen ab und nachfolgend ist es deutschlandweit klar und
trocken. Die Tiefstwerte liegen zwischen 21 Grad in einigen Städten
Südwestdeutschlands und 13 Grad im Nordosten.

Der Freitag ist durch von Südwesten steigendes Geopotential und einer leicht
antizyklonal geprägten Höhenströmung geprägt, so dass sich deutschlandweit ein
sonniger und warmer bis heißer Tag abzeichnet. Einzelne Hitzegewitter sind auf
das Bergland beschränkt, können jedoch lokal heftig mit Hagel und Starkregen
ausfallen. Meist bleibt es jedoch trocken und das bei Höchstwerten von 21 bis 27
Grad im Norden und 28 bis 33 Grad in der Mitte und im Süden. Besonders entlang
des Oberrheins sind Spitzenwerte von 36 oder 37 Grad möglich.
Die Nacht zum Samstag verläuft weiterhin unter Hochdruckeinfluss relativ ruhig.
Allerdings beginnt die Höhenströmung zunehmend leicht zyklonal geprägte Konturen
anzunehmen und den äußersten Nordwesten könnte im Verlauf der Nacht eine
atlantische Front mit dichten Wolken und ersten Regentropfen erreichen. Sonst
bleibt es jedoch klar und trocken bei Tiefstwerten zwischen 19 und 12 Grad (die
tiefsten Werte im Nordosten).

Am Samstag macht sich der über Schottland und die Nordsee ostwärts schwenkende
Höhentrog in Nordwestdeutschland bemerkbar, denn er drückt eine atlantische
Front nach Südosten. Entsprechend zeigt sich der Tag im Nordwesten stark bewölkt
und wiederholt fällt Regen. Dieser kann zeitweise auch konvektiv verstärkt
kräftiger ausfallen. Entsprechend verhalten bleiben die Höchstwerte mit 20 bis
24 Grad. In der Mitte und im Süden ändert sich hingegen unter einem allmählich
ostwärts schwenkenden Keil noch recht wenig. Die Sonne scheint für längere Zeit
und es wird mit 27 bis 33 Grad wieder sommerlich heiß. Allerdings nimmt die
Schichtdicke im Tagesverlauf von Nordwesten ab und die Höhenströmung wird
zunehmend zyklonaler, was allgemein das Gewitterpotential über den Bergen weiter
anfachen dürfte. Inwieweit sich präfrontal über Norddeutschland eine Konvergenz
ausbilden wird, die ebenfalls als Fokus für Gewitterentwicklungen dienen könnte,
ist noch sehr ungewiss. Der Westwind weht im Norden böig und kann exponiert auf
den Inseln und im Küstenumfeld auch stürmisch ausfallen.
In der Nacht zum Sonntag wird die atlantische Front allmählich südostwärts in
die Mitte Deutschlands geführt, schwächt sich auf ihrem Weg allerdings deutlich
ab. In der Mitte und im Norden ziehen daher wiederholt ausgedehnte Wolkenfelder
vorüber, aus denen es zeitweise regnet. Besonders über Schleswig-Holstein können
bedingt durch eine deutliche niedertroposphärische Abkühlung im Umfeld des
Höhentroges kräftige Schauer und einzelne Gewitter auftreten. Im Süden bleibt es
nach Abzug der abendlichen Gewitter klar oder leicht bewölkt und trocken. Die
Tiefstwerte liegen im Süden zwischen 18 und 14 Grad und im Nordosten um 12 Grad.
Der Wind weht im Norden stark böig aus West.

Am Sonntag baut sich über Mitteleuropa ein zaghafter Keil auf, der allerdings
nur geringe Wetterwirksamkeit aufweist. Besonders der Nordosten wird bis weit in
den Tag durch den über Schweden ostwärts abziehenden Höhentrog beeinflusst. Von
daher gestaltet sich das Wetter im Norden sehr wechselhaft und es treten
wiederholt Schauer und einzelne Gewitter auf. Diese können mit tageszeitlicher
Erwärmung auch lokal kräftiger ausfallen. Ein weiterer Fokus für Schauer und
einzelne Gewitter liefert die sich abschwächende nordatlantische Front, die im
Tagesverlauf den Norden von Baden-Württemberg und Bayern erreichen sollte.
Südlich der Donau hingegen überwiegt der Sonnenschein und dort wird es mit 27
bis 31 Grad am heißesten. In der Mitte werden Höchstwerte von 24 bis 28 Grad und
im Norden 19 bis 23 Grad erwartet. Dazu weht im Umfeld der Nord- und Ostsee ein
böiger Westwind.
In der Nacht zum Montag macht sich dann der nächste Trog über Westeuropa
bemerkbar, da die Strömung in der Höhe zunehmend auf Südwest dreht. Die
einhergehende Warmluftadvektion sorgt zwar für eine allmählich steigende
Schichtdicke, allerdings auch für eine Reaktivierung der über Deutschland
liegenden atlantischen Front in eine zögernd nordwärts ziehenden Warmfront -
voraussichtlich bis zum Ausgang der Nacht die Mitte Deutschlands mit etwas Regen
erreichend. Sonst bleibt es meist trocken und abgesehen von ausgedehnten hohen
Wolkenfeldern auch meist klar. Die Tiefstwerte liegen zwischen 16 und 10 Grad,
wobei die tiefsten Werte im Norden erreicht werden.

Am Montag nähert sich der Trog aus Westen weiter an, sodass der Luftdruck über
Deutschland im Tagesverlauf kontinuierlich fällt. Die Warmfront wird weiter
nordwärts nach Norddeutschland geführt und postfrontal strömt mit 850 hPa
Temperaturen von 18 bis 22 Grad eine subtropische Luftmasse in den Süden und die
Mitte Deutschlands. Zwar verbleibt die sich über Frankreich ausbildende
Kaltfront noch weit westlich von Deutschland, doch sollten in der sehr labilen
Luftmasse besonders über Süddeutschland teils heftige Schauer und Gewitter mit
Unwetterpotential auftreten. Allerdings ist eine genauere Spezifizierung des
Unwetterpotentials dank des sehr weiten Vorhersagezeitraums noch nicht möglich.
Der Norden wird ganztägig durch den Warmfrontauf- und durchzug mit dichten
Wolken und Regen sowie eingelagerten Gewittern beeinflusst. Die Höchstwerte
liegen im Norden je nach Bewölkungsverteilung zwischen 20 und 24 Grad, in der
Mitte und im Süden bei schwül-warmen 25 bis 30 Grad.
__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bereits zum Beginn der Mittelfrist am Donnerstag kommt der 00 UTC Lauf von EZMW
mit einer abweichenden Lösung im Vergleich zu den Vorläufen daher, denn es wird
eine markante Kurzwelle im Nachmittagsverlauf über die Nordsee ostwärts nach
Norddeutschland geführt. Diese Kurzwelle wurde in den vorhergehenden
Modellläufen zwar ebenfalls angedeutet, allerdings deutlich weniger stark
ausgeprägt. Das ist mit Blick auf das Unwetterpotential über Norddeutschland von
Interesse, nimmt nun doch die Windscherung mit einer solch aktiven Welle weiter
zu. Die Kombination aus einer sehr labilen Schichtung und der bereits erwähnten
Windscherung könnte für einige Unwetter durch Starkregen und großen Hagel über
Norddeutschland ausreichen.
Zum Freitag hat der 00 UTC Lauf seinen Vorlauf bestätigt und zeigt nun einen
schwach ausgeprägten Höhenrücken über Mitteleuropa (im Gegensatz zu einer
Troglage im 00 UTC Lauf des 18. Juni). Von daher scheint sich der Trend zu einem
recht stabilen Tag und heißen Temperaturen zu festigen.

In der Folge treten dann keine größeren Diskrepanzen innerhalb der Modellläufe
mit Blick auf den über Norwegen/Schweden ostwärts schwenkenden Höhentrog auf.

__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen


Auch innerhalb der anderen Globalmodelle kann bereits zum Beginn der Kurzfrist
eine Unsicherheit bezüglich der Kurzwelle festgestellt werden. Dabei zeigt GFS
eine beinahe identische Lösung zu EZMW. ICON hingegen will von der Kurzwelle
weiterhin nichts wissen und sieht einen Keil, der zum gleichen Zeitpunkt nach
Deutschland schwenken soll. ICON wölbt den Keil über Mitteleuropa zum Freitag
zudem stärker als GFS/EZMW nach Nordosten auf, was ein deutlich vermindertes
Gewitterrisiko für diesen Tag nach sich ziehen würde. Auch bei der folgenden
Trogpassage ergeben sich Differenzen. EZMW bringt einen schärfer ausgeprägten
Trog im Verlauf des Samstags nach Deutschland, der auch etwas früher auf
Mitteleuropa übergreifen sollte. Immerhin entwickelt EZMW das Höhentief rund 700
km südöstlicher im Vergleich zu GFS und ICON, die das Zentrum anstatt über
Südschweden (EZMW, Sonntag 06 UTC) über der nördlichen Nordsee sehen. Für
Norddeutschland sind die Unterschiede mit Blick auf die Wetteraktivität eher
gering, denn in allen Modellen dominiert eine wechselhafte Westströmung.
Allerdings sorgt die höhenkalte Luft in EZMW doch für eine ausgeprägtere
Schaueraktivität im Vergleich zu den anderen Modellen.

Nachfolgend wird zum Wochenbeginn eine erneute vorübergehende Keilaufwölbung
über Mitteleuropa gesehen und auch der Trog über Westeuropa wird bezüglich Lage
und Intensität besonders von EZMW und GFS recht einheitlich gesehen.
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusteranalyse zeigt zum Beginn der Mittelfrist eine positive NAO mit 6
Clustern, wobei der Kontroll- und der det. Lauf jeweils im ersten Cluster zu
finden sind. Dieser zeigt eine recht zonale Grundströmung, in die eine Kurzwelle
eingebettet den Norden Deutschlands erfasst. Süddeutschland wird hingegen von
hohem Geopotential beeinflusst. Die anderen Cluster mit geringerer Memberanzahl
zeigen zwar eine ähnliche Lösung, jedoch teilweise mit einer eher antizyklonal
gekrümmten Strömung. Von Freitag bis Sonntag wird nur 1 Cluster angeboten, wobei
das klimatologische Regime von "positiver NAO" zum Sonntag zu einem
"Atlantikrücken" umschwenkt. Von daher wird die Ostverlagerung des Troges über
Nordeuropa und die anschließende neue Trogbildung über Westeuropa recht
einheitlich gesehen.

Die Meteogramme deuten am Donnerstag für den Norden (Beispiel Hamburg) den
Höhepunkt der Wärme an mit 850 hPa Temperaturen um 15 Grad. Die Kurzwelle zeigt
sich hier durch deutliche Niederschlagssignale bei den einzelnen Membern, wobei
Spitzen von 30 l/qm in 6 Stunden angeboten werden. In der Folge geht hier die
Temperatur bei leicht wechselhaftem Wetter zurück mit Höchstwerten um 21 Grad
und einem böigen Wind aus West.
In der Mitte ist der Donnerstag der Hitzeschwerpunkt mit Höchstwerte von über 35
Grad (Frankfurt und Leipzig), bevor auch hier die Temperaturen auf unter 30 Grad
zurückgehen. Dabei besteht an jedem Tag ein geringes Niederschlagspotential. Das
Gewitterpotential sollte sich jedoch auf die Berge beschränken. Die Unsicherheit
bezüglich der Gewitteraktivität am Donnerstag im Zuge der Kurzwellenpassage
deutet sich auch hier durch eine vorübergehende zunehmende Streuung der
Niederschlagsmember an. Allgemein nimmt zum Ende der Mittelfrist (Wochenbeginn)
das Gewitter- und Unwetterpotential zu.
Im Süden (Beispiel München) dauert die Mittelfrist über die heiße und zumeist
auch störungsfreie Witterung an. Geringe Niederschlagssignale deuten auf ein
lokales Gewitterrisiko im Bergland hin, wobei die Gewitter je nach Strömung auch
das Tiefland erreichen können. Die Intensität dieser Wärmegewitter kann kräftig
ausfallen, was die Spitzen einzelner Member in München von 40 l/qm in 6 Stunden
andeuten.

_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Wie bereits in der synoptischen Übersicht erwähnt schlägt der EFI bei der 2m
Temperatur am Donnerstag im Südwesten mit Werten bis +1 deutlich aus und ist
auch am Freitag im Süden mit +0.8 noch erhöht. Diese Werte werden in der Folge
sukzessive in Richtung Alpenrand verdrängt.
Zum Samstag und Sonntag springt der EFI bei den Windböen im Norden etwas an und
deutet auf einen böigen Westwind im Zuge der Trogpassage hin.
Mit Blick auf die Gewitter weist der CAPESHEAR-Index am Donnerstag mit einem EFI
von +0.7 und einem SOT von etwas über 0 auf das Potential für heftige
Entwicklungen über Norddeutschland hin. In der Folge wird vom EFI kein Signal
mehr gezeigt, allerdings fallen die lokal auftretenden und sicherlich örtlich
auch heftigen Gewitter im Bergland wegen ihrer geringen horizontalen Ausdehnung
durch das Modellraster. Die Unwettergefahr sollte jedoch sehr punktuell und
besonders auf die Berglagen beschränkt bleiben.
________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, MOS-MIX, EZM-EPS
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy