DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

07-04-2017 11:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 07.04.2017 um 10.30 UTC



Nächste Woche wechselhaft, kühler und zeitweise windig. Nur am Montag im Süden
nochmal warm mit einzelnen Gewittern.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 14.04.2017


Mit Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am Montag stellt sich die
Wetterlage über Mitteleuropa um. Der zuvor für Deutschland noch
wetterbestimmende Höhenrücken verlagert sich ostwärts und im Tagesverlauf greift
zunehmend ein Höhentrog von Nordwesten auf Deutschland über. Dem Höhentrog
vorgelagert ist die Kaltfront eines Tiefs mit Kern über Fennoskandien. Sie kommt
bis zum Abend bis in den Süden Deutschlands voran, wobei sie zunächst wenig
wetteraktiv ist. Präfrontal können sich dann aber in der noch relativ warmen
Luft etwa ab einer Linie Schwarzwald-Lausitz Gewitter bilden. Rückseitig der
Front gelangt mit einer auf Nordwest drehenden Strömung kühle Meeresluft zu uns.
Dadurch entsteht ein deutlicher Temperaturkontrast über Deutschland mit 850 hPa
Temperaturen um minus 3 Grad im äußersten Norden und plus 10 Grad an den Alpen.


In der Nacht zum Dienstag schwenkt der Trog ostwärts über uns hinweg und die
Kaltfront erreicht die Alpen. Im Norden und Osten kommt es vorübergehend zu
einer Gradientverschärfung mit entsprechend auffrischendem Wind. Rückseitig
schiebt sich am Dienstag nochmals der Keil eines Hochs mit Schwerpunkt
südwestlich von Irland Richtung Mitteleuropa, sodass sich in der eingeflossenen
kühleren Luftmasse nur wenige Schauer bilden. Nur an den Alpen hält der Regen
mit der nordwestlichen Anströmung länger an.

Am Mittwoch greift schließlich ein weiterer Trog auf Deutschland über. Aufgrund
von der Nordsee heranziehender kurzwelliger Troganteile wird dieser in den
Folgetagen immer wieder regenerieret, wobei er sich zunehmend mit höhenkalter
Luft anreichert. Korrespondierend zu dem Höhentrog zieht am Mittwoch im
Bodendruckfeld ein Tief von der Nordsee über den Süden Skandinaviens hinweg
Richtung Nordosteuropa. Das Frontensystem des Tiefs greift in der Nacht zum
Donnerstag auf uns über und erreicht bis Donnerstagabend den Süden Deutschlands.
Dadurch gelangt nochmals ein Schwall kälterer Luft landeinwärts. Bei 850 hPa
Temperaturen teils unter minus 5 Grad kann es mit den aufkommenden
Niederschlägen teils bis in tiefere Lagen vorübergehend schneien. Hinzu kommt
vor allem im Norden und Osten ein starker, in exponierten Lagen stürmischer
Nordwestwind.

Am Karfreitag verbleiben wir im Bereich des Höhentroges in einer nordwestlichen
Strömung. In Verbindung mit einem Randtief, das über die südliche Ostsee
hinwegschwenkt kommt es zu weiteren meist schauerartigen Niederschlägen. Dabei
kann es insbesondere in höheren Lagen etwas Neuschnee geben.

Ein Ausblick auf die erweiterte Mittelfrist und damit auf die Ostertage zeigt
zunächst ein Abziehen des Höhentroges. Schon am Ostersonntag greift aber von
Westen ein weiterer Trog auf uns über, sodass das Wetter nach dem
deterministischen Lauf des EZMW eher zyklonal geprägt ist.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des heutigen 00 UTC Laufs des EZMW kann über den gesamten
mittelfristigen Vorhersagezeitraum als sehr gut bezeichnet werden. Kleinere
Unterschiede zwischen den aufeinanderfolgenden Modellläufen haben keinen
signifikanten Einfluss auf die Wetterentwicklung.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die Umstellung der Wetterlage ab Montag und damit die Zufuhr einer kühleren
Luftmasse werden von GFS, ICON und EZMW gleichermaßen gezeigt. Dabei ergeben
sich bis Mittwoch keine signifikanten Unterschiede. Auch nachfolgend verbleiben
wir nach allen betrachteten Modellen im Einflussbereich des Troges. Am
markantesten ist dieser aber nach GFS ausgeprägt, entsprechend kräftiger fällt
nach diesem Modell auch die Niederschlagstätigkeit und Windentwicklung aus. Nach
ICON liegt die Trogachse deutlich östlich von uns. ICON bleibt also ähnlich zu
den gestrigen Läufen tendenziell etwas antizyklonaler geprägt.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Das Meteogramm von Offenbach zeigt eindeutig die Umstellung der Wetterlage ab
Montag hin zu einem wechselhafteren und kühleren Witterungsabschnitt. Bis
Mittwoch ist der Spread bei den Parametern T850 hPa und Geopotential 500 hPa
sehr gering. Nachfolgend nimmt der Spread etwas zu, die Temperatur verbleibt
aber insgesamt auf dem niedrigen Niveau. Beim Geopotential liegen der Haupt- und
Kontrolllauf ab Donnerstag eher am unteren Rand des Ensembles. Insofern deuten
einige Member auf eher höheres Geopotential hin.

Auch die Clusterung des EZMW lässt im mittelfristigen Vorhersagezeitraum wenig
Interpretationsspielraum zu. Für Montag und Dienstag sowie für den Zeitraum von
Mittwoch bis Freitag ist jeweils nur ein Cluster vorhanden.

Für die Osterfeiertage gibt es zwei Cluster. Nach Cluster 1 ist das Wetter im
Bereich eines Höhentroges zyklonal geprägt, nach Cluster 2 liegt ein Höhenrücken
über uns. Es ist also noch alles möglich.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Montag muss etwa ab einer Linie Schwarzwald-Lausitz mit Gewittern gerechnet
werden. Örtlich können diese mit markantem Starkregen und Sturmböen verbunden
sein.

Der Wind frischt in der nächsten Woche allgemein auf. Mit Sturmböen Bft 8 bis 9
ist zeitweise an den Küsten und im höheren Bergland zu rechnen, auf dem Brocken
sind teils schwere Sturmböen Bft 10 aus Nordwest möglich.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Johanna Anger