Thema des Tages

29-03-2017 14:40

"Küsten-El Nino" sorgt für verheerende Regenfälle in Peru.


In den vergangenen Wochen hörte man häufiger von Überschwemmungen in
Peru. Heftige Regenfälle verursachten dort eine der schwersten
Flutkatastrophen der letzten 20 Jahre. Zwar herrscht in Peru derzeit
Regenzeit, dennoch sind die derzeitigen Regenfälle in diesem Ausmaß
für die Regionen absolut ungewöhnlich. Wiederholt heftige Gewitter
brachten Regenmengen von zum Teil über 200 mm innerhalb eines Tages.
Dies ist das Doppelte bis Dreifache der bei uns in Deutschland
üblichen Niederschlagsmenge für einen ganzen Monat.
Häufig wurden diese Regenfälle mit dem El Nino-Phänomen in
Zusammenhang gebracht. Als El Nino bezeichnet man eine Zirkulations-
und Wassertemperaturanomalie im mittleren Pazifik, die häufig um die
Weihnachtszeit auftritt. Daher hat El Nino auch seinen Namen, der im
Deutschen "Knabe" oder "Christkind" bedeutet.

Normalerweise treiben die Ostpassatwinde warmes Oberflächenwasser
von der peruanischen Küste Richtung Westen. Dadurch quillt kühleres
Tiefenwasser im Bereich der Nordwestküste Südamerikas an die
Oberfläche. Dieses Wasser entstammt dem kalten Humboldtstrom. Beim El
Nino-Phänomen schwächen sich die Ostpassatwinde deutlich ab, wodurch
weniger kaltes Wasser an die Oberfläche quillt und die
Wassertemperatur vor der Küste deutlich ansteigt. Nähere Information
zur Entstehung von El Nino findet man im Thema des Tages vom
09.08.2015
(http://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2015/8/9.html).

Nach dem Abklingen eines El Nino kehrt sich diese Anomalie
normalerweise in ihr Gegenteil um. Dann sind die Ostpassatwinde
stärker, der Humboldtstrom führt deutlich kälteres Tiefenwasser an
die Oberfläche entlang der Küste. Diese Anomalie wird La Nina, "das
Mädchen" genannt.
Doch wie verursacht El Nino Regenfälle an der peruanischen Küste?
Normalerweise ist das kalte Küstenwasser eine Barriere für die
Gewitter, die sich über dem Pazifik bilden. So sind die Küstengebiete
Perus in der Regel relativ trocken. Bei wärmeren
Wasseroberflächentemperaturen während der El Nino-Phasen fehlt diese
Barriere. Im Gegenteil: Die Gewitter werden durch das warme Wasser
noch mit weiterer Feuchtigkeit und Energie versorgt und können auf
das Festland ziehen, wo sie sich anschließend an den Anden stauen.
Dort kommt es dann während der El Nino-Phasen nicht selten zu
heftigen Regenfällen. Der Boden in den sonst trockenen Gebieten kann
jedoch nicht so viel Wasser aufnehmen. Sturzfluten und Schlammlawinen
sind die Folge, die sich aus den Anden weit stromabwärts in Richtung
Küste ausbreiten.

Die Regenfälle in Peru werden allerdings derzeit nicht vom
klassischen El Nino-Phänomen verursacht. Nach der klassischen
Definition bestehen im zentralen Pazifik derzeit neutrale
Bedingungen. Das heißt, es herrschen weder El Nino- noch La
Nina-Bedingungen. Allerdings zeigte El Nino eine ungewöhnliche
Entwicklung. Nach den Jahren 2014 bis 2016 in denen das stärkste El
Nino-Ereignis seit 1997/98 auftrat, stellten sich Ende letzten Jahres
nur kurzzeitig schwache La Nina-Verhältnisse ein, ehe die Bedingungen
wieder auf "neutral" wechselten. Allerdings kam es zu Beginn des
Jahres an der Küste Perus und Ecuadors zu einem sehr starken Anstieg
der Wassertemperatur, wodurch es durch die oben beschriebenen
Prozesse zu den dortigen starken Niederschlägen kam (siehe Abbildung
der Wasseroberflächentemperatur (Quelle:NOAA)). Der peruanische
Wetterdienst hat deshalb eine sogenannte "Küsten El Nino"-Warnung
herausgegeben. Da aber großflächig noch ein schwaches La
Nina-Zirkulationsmuster vorherrscht, haben es die Gewitter leichter
an Land zu ziehen, wodurch die Regenmengen verheerender als bei
normalen El Nino-Phasen ausfallen.

In den nächsten Tagen erwartet die nördliche Provinz weitere starke
Niederschläge, ehe ab Sonntag eine Entspannung einsetzt. Doch solange
das warme Wasser vor der Küste liegt, muss weiterhin mit kräftigen
Gewittern und starken Regenfällen gerechnet werden.


Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.03.2017

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